Im
Interview mit der
Berliner Zeitung spricht der mosambikanische Schriftsteller
Mia Couto über Rassismus, Kolonialismus, afrikanische Gewalt und über seinen Roman
"Imani", der im Jahr 1895 spielt und den Schulbüchern widerspricht, die das
vorkoloniale Mosambik als eine Art Paradies beschreiben: "Diese Geschichtsreduktionen sind beleidigend, weil sie ein
geschichtsloses Volk zurücklassen. Dabei treiben ja gerade Konflikte und Spannungen die Geschichte an, sind deren Motor. Stattdessen wird ein Idyll erfunden, in dem es nur gute Leute gab - bis das Böse, das Koloniale, von außen hereingetragen wurde. ... In meinem Buch erzähle ich von Völkern, die von einem afrikanischen Herrscher,
König Ngungunyane, überfallen wurden. Seine Krieger haben das Volk der Vachopi regelrecht massakriert. Die Leute dieser Ethnie, die ich während der Recherchen für das Buch befragte, wollten nicht darüber sprechen. Sie verweigerten sich. Sobald ich sagte, es gehe um Ngungunyane, antworteten sie: Nein, nein, darüber reden wir gar nicht. Diese Vergangenheit ist noch
sehr lebendig, ihre Geister spuken noch immer umher."