Wäre der
Kommunismus im Osten erhalten geblieben, dann wäre wenigstens im Westen der
soziale Fortschritt weitergegangen,
meint Leander Scholz, der in einem sehr persönlichen Artikel für den
Freitag den ruhigeren Zeiten vor dem Mauerfall nachtrauert: "Ende 1991 zerfiel die Sowjetunion. Das veränderte auch den Westen, der sich als
Sieger des Kalten Krieges empfand, dramatisch. 2001 trat China der WTO bei. Die
Auslagerung von Arbeitsplätzen in Länder mit niedrigeren Löhnen wurde in Gang gesetzt. Dem hatten die Gewerkschaften kaum etwas entgegenzusetzen."
Die
Niederlande sind jüngst nach einer Klage der Mütter von Srebrenica für das Massaker von Srebrenica mit verantwortlich gemacht worden, allerdings nur in 300 der über 8.000 Fälle,
schreibt Deana Mrkaja bei den
Salonkolumnisten - für die Klägerinnen ist das Urteil eine herbe Enttäuschung: "Es ist richtig, die Niederlande für die Deportation von mehr als 300 Personen mitverantwortlich zu machen. Doch
versagt haben die UN beim Schutz Tausender Zivilisten in ihrer ad absurdum geführten Schutzzone. Denn es ist Fakt, dass die Bereitschaft der Entsendestaaten, weitere Soldaten in die Region Srebrenica zu schicken,
de facto nicht existierte. Genauso wenig wollte man die Bosnischen Serben militärisch angreifen - da diese solche Taten als
Kriegshandlungen seitens der NATO hätten verstehen können."
In der
NZZ erinnert Manuel Gogos an den
Militärputsch in Griechenland vor fünfzig Jahren und die griechischen aber auch europaweiten Proteste dagegen: "Bereits unmittelbar mit dem Bekanntwerden der Machtergreifung hatte von
Stockholm bis Paris, von
Rom bis München eine Welle der Empörung eingesetzt. Nicht nur in den
linken Studentenprotesten der Jahre 1967/68 werden antidiktatorische Slogans skandiert, wie 'Pattakos an die Wand, für ein rotes Griechenland'; auch Kirchen, kritische Medien, Parteien und Gewerkschaften bringen sich 'Wider die Diktatur an der Wiege der Demokratie' in Stellung. Der
Spiegel seziert die 'Anatomie einer Diktatur', die Deutsche Welle setzt auf die Macht des engagierten Wortes,
Gewerkschaftszeitungen wenden sich in Doppelseiten dem Thema zu. Und auch viele Künstler und Kulturschaffende nutzen die offenen Spielräume außerhalb Griechenlands, wirkungsvoll Kritik am Athener Regime zu üben."
Außerdem: In der
FAZ stellt die Osteuropahistorikerin
Corinna Kuhr-Korolev die ungemütliche Frage: "Wie viel
geraubtes Kulturgut aus Osteuropa befindet sich in deutschen Haushalten?"