9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Geschichte

1634 Presseschau-Absätze - Seite 119 von 164

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.03.2017 - Geschichte

In der NZZ erinnert Andreas Kappeler an die Bedeutung der russischen Februarrevolution vor hundert Jahren für die Ukraine. Die Zeit hat Heinz Schillings Artikel zum Jahr 1517 als Beginn der Neuzeit nachträglich online gestellt.
Stichwörter: Kappeler, Andreas

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.02.2017 - Geschichte

In der NZZ empfiehlt Marc Tribelhorn die Ausstellung zur russischen Oktoberrevolution "1917 Revolution" im Landesmuseum Zürich: "Als Epilog werden Fragen aufgeworfen, die bis heute virulent bleiben: Weshalb waren gerade westliche Intellektuelle so fasziniert vom Sowjetkommunismus, weshalb besangen sie so unkritisch den Aufbruch in eine neue Ära und blendeten den roten Staatsterror weitgehend aus? Terror, der notabene nicht erst mit dem Gewaltmenschen Stalin einsetzte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.02.2017 - Geschichte

Wer sich nochmal daran erinnern möchte, wie Systemkritik und Klassenkampf das letzte Mal ausgingen, kann eine Ausstellung über die Russische Revolution 1917 im Landesmuseum Zürich besuchen. Dort lernt Guido Kalberer vom TagesAnzeiger den Schweizer Politiker Fritz Platten kennen, dessen letzte Briefe aus seiner Haft in Sibirien ausliegen. Platten war von der Revolution so begeistert, dass er 1917 in die SU auswanderte, "um am Aufbau der kommunistischen Gesellschaft mitzuhelfen. Um diesen Zweck zu erreichen, war Fritz Platten jedes Mittel recht, selbst der gewaltsame Tod von unschuldigen Menschen. 'Was bedeuten 100 000 Tote im Namen des Proletariats', ruft er 1919 am SP-Parteitag aus, 'wenn damit ein jahrhundertelanges Glück der Proletarier geschaffen werden kann?' Sein Feuer für die bolschewistischen Ideen, welche die ursprünglichen Ideale längst pervertiert hatten, erlosch selbst dann nicht, als er zusammen mit seiner Frau Opfer der stalinistischen Säuberungen wurde."

"Die mangelnde Auseinandersetzung mit der Geschichte des Kommunismus erleichtert Populisten nach Einschätzung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur die Verächtlichmachung von Marktwirtschaft und Demokratie", berichtet Hans Monath im Tagesspiegel. Laut Anna Kaminsky, Geschäftsführerin der Stiftung, führe dies einerseits dazu, das im Kommunismus begangene Verbrechen immer weniger erinnert würden. Aber "Auch Rechtspopulisten profitierten davon, dass der Kommunismus in der deutschen Erinnerungskultur nur ein Stiefkind sei. Immer häufiger bedienten sich Rechtspopulisten in ihrer Rhetorik revolutionärer 'Versatzstücke', erklärte die Stiftungs-Chefin."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.02.2017 - Geschichte

Sefan Reinecke liest für die taz Götz Alys neues Buch "Europa gegen die Juden 1880-1945", in dem der europaweit grassierende Antisemitismus jener Jahre auf den sozialen Aufstieg der jüdischen Bevölkerungen zurückgeführt wird - ganz zufrieden ist er mit Alys These nicht: "Mit einer Randbemerkung wird der traditionelle christliche Antisemitismus als Movens beiseite gewischt. Unstrittig ist, dass die Pogrome in Osteuropa mit Verstädterung und Moderne rasant zunahmen. Doch das Grundmuster - Ausgrenzung, Enteignung, Deportation - existierte in Russland seit dem Mittelalter. Im 18. Jahrhundert, vor dem liberalen Kapitalismus, wurden die Juden in Russland 'zum Schutz der Bevölkerung gegen das Unrecht jüdischer Konkurrenz' verbannt. Weil die Vorgeschichte des ritualisierten Antisemitismus fehlt, erscheint der Neid auf die jüdische Konkurrenz ausschließlich als Produkt des Antiliberalismus."

Für Arno Widmann (Berliner Zeitung) hat das Buch erschreckend aktuelle Bezüge, etwa wenn der polnische Botschafter in London über die internierten polnischen Juden sagt, sie "besäßen zwar polnische Pässe, 'aber keine weiteren Bindungen an Polen.' Das ist  spätestens die Stelle, an der der Leser es mit der Angst zu tun bekommt. Es ist noch nicht der Holocaust. Aber es ist verdammt nahe dran. Verdammt nahe dran sind aber auch wir, wenn wir zwischen Deutschen und Passbürgern unterscheiden. Die Hetzreden sind da. Wieder das  Gemisch aus völkischem Ressentiment und Unterlegenheitsgefühl. Die Aggression, die aus der Schwäche kommt. Diese geduckte Gemeinheit, die, während sie zündelt und zuschlägt, behauptet, sie sei das Opfer, der Getretene aber der Täter."

Einen Vorabdruck des Buchs gibt es im Perlentaucher.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.02.2017 - Geschichte

In der NZZ macht sich Joachim Güntner mit Blick auf die Lufthansa-Maschine "Landshut", den Bus des Berliner Attentäters Anis Amri und die drei hockkant stehenden Busse vor der Dresdner Frauenkirche Gedanken über die Erinnerungskultur der Deutschen. Macht es einen Unterschied, dass es in zwei Fällen um Geschichte und in einem um Kunst geht? "Einmal angenommen, die 'Landshut' würde im Herbst erst komplett gezeigt und danach ausgeschlachtet, weil Museen wie das Bonner Haus der Geschichte ohnehin nur Platz für ein Teil hätten, etwa für eines der ausgehängten Fenster, durch die 1977 die GSG 9 stürmte. Dann wäre, wenn dies Fenster seinen Platz in einer Ausstellung gefunden hätte, sehr viel mit ihm geschehen, und wir würden es dennoch 'authentisch' nennen. Schon seltsam."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.02.2017 - Geschichte

Russland feiert in diesem Jahr hundert Jahre Revolution. Aber wie, ist noch nicht so ganz klar, schreibt Julian Hans in der SZ. Soll man voll Stolz auf die SU das starke Imperium feiern? Oder um die Millionen Menschen trauern, die ermordet wurden? "Der Historiker und Publizist Witalij Dymarskij sieht es so: Die Suche nach Antworten sei deshalb so brisant, weil das neue Russland von Wladimir Putin aus den Scherben widersprüchlicher Ideologien zusammengesetzt sei. 'Es ist eine Mischung aus Konservatismus, Liberalismus, Bolschewismus', sagt er: 'Die Staatsmacht kann sich nicht entscheiden, was in diesem Ideen-Chaos das Wichtigste ist.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.02.2017 - Geschichte

In Polen wird eine Datenbank mit allen Tätern aus Auschwitz online gestellt - 8.502 Personen. Erstellt hat sie der Historiker Aleksander Lasik, berichtet Sven Felix Kellerhoff in der Welt: "Im Laufe der Zeit weitete er sein zunächst auf Zetteln, seit 1988 elektronisch geführtes Verzeichnis auf das Personal anderer Konzentrationslager aus, meist, aber nicht immer auf von der Wehrmacht besetztem polnischem Gebiet. Insgesamt umfasst seine Sammlung Informationen zu rund 235.000 SS-Leuten, von denen 9686 in einer Verbindung zu Auschwitz standen. Die meisten davon, eben 8502, waren auch tatsächlich in Auschwitz-Stammlager, Birkenau oder Monowitz eingesetzt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.01.2017 - Geschichte

Nicht viel Zukunft gibt Florian Hassel in der SZ der Ausstellung des Danziger Museums des Zweiten Weltkriegs, die jetzt eröffnet wurde: "Denn hier kommt nicht nur das deutsche Morden in Auschwitz zur Sprache, sondern auch Juden-Pogrome von Einheimischen: im rumänischen Iași, dem litauischen Kaunas, dem heute ukrainischen Lwiw und im polnischen Jedwabne. Dort ermordete die polnische Dorfbevölkerung im Juni 1941 Hunderte jüdischer Nachbarn. Wie in vielen Ländern Europas war Antisemitismus auch in Polen weitverbreitet... Doch dass Polen nicht nur Opfer waren, sondern auch Täter, passt nicht zum nationalistischen Selbstbild der Regierung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.01.2017 - Geschichte

Immo Rebitschek erinnert in der taz an die vor siebzig Jahren beginnenden Moskauer Schauprozesse: "Auf die Frage des Gerichtsvorsitzenden im dritten Moskauer Prozess, ob die Angeklagten einen Verteidiger wünschten, war ein einstimmiges Nein zu hören. Nur der frühere Volkskommissar für Forstwirtschaft, Wladimir Iwanow, fügte hinzu: 'Ich beabsichtige nicht, mich zu verteidigen. Ich befinde mich hier, um die volle Verantwortung für meine Verbrechen zu tragen.' Schuld war nichts, was dieses Gericht umständlich feststellen musste."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.01.2017 - Geschichte

Wilfried Urbe spricht in der taz mit dem greisen Alfred Grosser über die "stillen Helfer", die in Frankreich Juden halfen - darüber wird morgen auf Arte eine Dokumentation gesendet - und Grosser beginnt einfach mit dem eigenen Beispiel: "Als 1942 auch im Süden die deutsche Besatzung drohte, gerieten meine Mutter und ich in Lebensgefahr und flohen mit falschen Papieren. Ich wurde darauf Lehrer an einer katholischen Privatschule. Der Direktor, der mich anstellte, ging damit ein hohes Risiko ein. Wäre ich ertappt worden, hätte man auch ihn deportiert."