Wer sich nochmal daran erinnern möchte, wie
Systemkritik und Klassenkampf das letzte Mal ausgingen, kann eine Ausstellung über die Russische Revolution 1917 im
Landesmuseum Zürich besuchen. Dort
lernt Guido Kalberer vom
TagesAnzeiger den Schweizer Politiker
Fritz Platten kennen, dessen letzte Briefe aus seiner Haft in Sibirien ausliegen. Platten war von der Revolution so begeistert, dass er 1917 in die SU auswanderte, "um am
Aufbau der kommunistischen Gesellschaft mitzuhelfen. Um diesen Zweck zu erreichen, war Fritz Platten jedes Mittel recht, selbst der gewaltsame Tod von unschuldigen Menschen. 'Was bedeuten
100 000 Tote im Namen des Proletariats', ruft er 1919 am SP-Parteitag aus, 'wenn damit ein jahrhundertelanges Glück der Proletarier geschaffen werden kann?' Sein Feuer für die bolschewistischen Ideen, welche die ursprünglichen Ideale längst pervertiert hatten, erlosch selbst dann nicht, als er zusammen mit seiner Frau Opfer der stalinistischen Säuberungen wurde."
"Die mangelnde Auseinandersetzung mit der
Geschichte des Kommunismus erleichtert Populisten nach Einschätzung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur die
Verächtlichmachung von Marktwirtschaft und Demokratie",
berichtet Hans Monath im
Tagesspiegel. Laut Anna Kaminsky, Geschäftsführerin der Stiftung, führe dies einerseits dazu, das im Kommunismus begangene Verbrechen immer weniger erinnert würden. Aber "
Auch Rechtspopulisten profitierten davon, dass der Kommunismus in der deutschen Erinnerungskultur nur ein Stiefkind sei. Immer häufiger bedienten sich Rechtspopulisten in ihrer Rhetorik revolutionärer 'Versatzstücke', erklärte die Stiftungs-Chefin."