Anders als seine Vorgänger, die
Napoleon-Jubiläen mieden, wird Emmanuel Macron heute den 200. Todestag dieses
Urbilds aller Caudillos, Putschisten und Gran Liders begehen, berichtet Michaela Wiegel in der
FAZ. Offenbar fühlt er sich dem
bonapartistischen Erbe Frankreichs, das ebenso prägend ist wie das absolutistische, verbunden: "Der Präsident wolle in seiner Rede '
das Beste des Kaisers' erwähnen, ohne 'das Schlimmste des Kaiserreichs' zu vergessen, heißt es im Elysée-Palast. 'Gedenken ist nicht Zelebrieren', äußerte ein Berater. Macron wolle sich 'zehn Generationen später' nicht ein rückblickendes Urteil anmaßen. An der Gedenkstunde sollen nicht nur Mitglieder der französischen Wissenschaftsakademien teilnehmen, auch Oberschüler sind eingeladen. Die beschwichtigenden Erklärungen aus dem Elysée zeigen,
wie heikel das Gedenken bleibt."
Das ist
typisch Macron, der weder aus einer rechten noch aus einer linken Tradition kommt, meint der Historiker
Nicolas Offenstadt im Interview mit der
SZ. "Er betont einerseits sehr unkritisch die
Kontinuität Frankreichs. Zum 150. Jahrestag der Republik hat er gesagt, dass wir uns
zu unserer Geschichte bekennen müssten, dass wir ihr zustimmen sollen. ... Doch die andere Seite der Medaille ist, dass Macron auch
Frankreichs Verbrechen klar benennt, dass er auch die negativen Seiten zeigt. Er hat die
Verantwortung des Staates für die Folter und Ermordung der algerischen Unabhängigkeitskämpfer Maurice Audin und Ali Boumendjel anerkannt. Und das entspricht überhaupt nicht den Hardlinern des Roman national."
In der
FR wirft Arno Widmann mit den
Brüdern Goncourt einen Blick auf die Geschichte, die Napoleon hervorbrachte: Sie veröffentlichten 1862 "'Die Frau im 18. Jahrhundert'. Darin heißt es: 'Im 18. Jahrhundert ist
die Frau das regierende Prinzip, die anordnende Vernunft, die kommandierende Stimme. Sie ist universelle, alles entscheidende Ursache, der Ursprung aller Ereignisse, die Quelle aller Dinge.' So betrachtet muss man die
Französische Revolution auch sehen als den Aufstand richtiger Männer gegen den von den Pompadours und Marie Antoinettes effeminierten Königshof. Die
Republik ist Männersache. Olympe de Gouges, die dagegen zu Felde zog und energisch das Wahlrecht für Frauen einforderte, wurde am 3. November 1793 mit der Guillotine hingerichtet. ... Die Revolution war, legen die Goncourts nahe, ein
männlicher Backlash. An ihrem Ende steht mit dem kleinen Napoleon der große Mann par excellence."