Vergangene Woche hatten die Historikerin
Hedwig Richter und der
Zeit-Redakteur
Bernd Ulrich in der
Zeit eine erinnerungspolitische Wende gefordert: Den Deutschen attestierten sie eine
Schuldobsession, die "
Sonderweg-
Erzählung" lähme das Land, schrieben sie (
Unser Resümee). "
Beschämend" nennen heute im
SZ-Feuilleton die Historiker
Christina Morina und
Dietmar Süß den Text und werfen den Autoren vor, einen "
Popanz aufzubauen, um historische Tiefe zu suggerieren": "Für die drängenden Fragen nach der
Zukunft des NS-
Gedenkens interessiert sich der frivole Vorstoß derweil nicht. Vielmehr dient die Abrechnungspose zur Ausschmückung einer
faktenarmen Kritik an der Politik im Dauerkrisenmodus. Dass man allein für diesen Effekt bereit ist, die neurechte Rede vom 'Schuldkult' wenn auch nicht wörtlich zu zitieren, so doch wortreich zu bedienen und so
in die politische Mitte zu hieven, ist gefährlich. Die Überlegungen von Hedwig Richter und Bernd Ulrich stellen deshalb nicht weniger dar als einen geschichtspolitischen Einschnitt. Mit ihrem Plädoyer, sich von den 'Ketten' der bislang geltenden 'Raison d'Etre' und von 'Zombie-Paradigmen' zu lösen, stellen sie den Grundkonsens eines prinzipiell selbstkritischen Umgangs mit der NS-Zeit infrage."
Wilhelm von Preußen hat dem Nationalsozialismus
keinen "
erheblichen Vorschub" geleistet (
Unsere Resümees), dafür war er viel
zu unbedeutend, schreiben die Historiker
Ulrich Schlie und
Thomas Weber in einer zweiseitigen Analyse im Feuilleton der
Welt: "'Erheblicher Vorschub' ist ein unbestimmter Rechtsbegriff. Vorschub haben Hitlers Machtergreifung viele geleistet, insbesondere auch die
alten Eliten in Heer, Beamtenschaft und Diplomatie, und ohne Zweifel auch der ehemalige Kronprinz. Was aber kann 'erheblicher Vorschub' in der konkreten historischen Situation 1932/1933 bedeuten? Bei der Beantwortung der Kernfrage ist es rechtlich unerheblich, ob Wilhelm von Preußen die Staatsform der Weimarer Republik abgelehnt hat oder nicht. Die KPD beispielsweise bekämpfte heftig die Weimarer Republik. Doch es wäre absurd, deshalb den
Kommunisten vorzuwerfen, Hitlers Machtergreifung 'erheblichen Vorschub' geleistet zu haben." Sollten den Hohenzollern nun "Ausgleichsleistungen zustehen, würden aus ihnen eine moralische, historische und
gesellschaftspolitische Pflicht für die Hohenzollern entstehen."