Nein, allzu viel Sinn kann
FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube im Leitartikel dieser Zeitung den
Kunstklebe-Aktionen der Klima-Aktivisten nicht abgewinnen. Und auch all jene Stimmen, die die Aktivisten auf Twitter verteidigen, finden nicht seine Zustimmung. Als "
besonders grotesk", bezeichnet er eine Argumentation, die die Klebeaktionen
selbst zur Kunst hochstilisiert: "Hier meldet sich eine Tiefenhermeneutik, die
aus jedem Unfug Sinn herauspresst. Die Aktionen werden selbst zu künstlerischen verklärt, und Kunst darf aus Sicht der Kunst natürlich fast alles. Kunstwerke, wird als Bedeutung der Attacken angegeben, würden selbst zu bedrohtem Kulturgut, wenn nichts gegen den Klimawandel getan werde. Trivial: Wenn die ganze Erde brennt, brennt auch das Museum. "
Kann es sein, dass Kaube hier auf den
FAZ-Kollegen Patrick Bahners bezieht, der in einem Twitter-
Thread genau so argumentierte: "Die Aktivisten haben die Einladung zum Dialog angenommen und bringen
die Kunstwerke zum Sprechen. Sie haben die aktualisierte Museumsdefinition von
@IcomOfficiel verstanden. 'Open to the public, accessible and inclusive, museums foster diversity and sustainability.'"
Ach so, ja, kann sein, auch wenn er den Namen des Kollegen vornehm verschweigt, denn Kaube fährt fort: "Insofern ist es
blanker Sarkasmus, zu sagen, die Aktivisten hätten die Einladung der Museen zum Dialog angenommen und - die abgegriffenste Phrase - brächten die
Kunstwerke zum Sprechen. Doch was genau spricht der Monet denn durch den Kartoffelbrei und das Geschrei der Aktivisten hindurch zum feinhörigen
Verteidiger des Krawalls?"
Die Aktionen der Klima-Aktivisten bewirken übrigens weniger, dass übers Klima als dass
über die Aktivisten gesprochen wird,
bemerkt Klaus Hillenbrand in der
taz: "Im Mittelpunkt der Kampagne steht also gar nicht das politische Ziel, sondern es geht um die Kampagnenteilnehmer. Das erinnert an das
Verhalten so mancher Sekte."
In der
FR erzählt Arno Widmann eine kurze Geschichte des
zivilen Ungehorsams und seiner Grenzen. Gandhi können die Klimaaktivisten eher nicht als Vorbild in Anspruch nehmen, meint er: "Der Ungehorsam muss - das scheint für Gandhi
die Grenze zu sein - vom
Gewissen des Ungehorsamen getragen werden. Es geht dabei nicht um das ferne, hehre Ziel - den Sturz der Fremdherrschaft, die Abschaffung von Ausbeutung oder ähnliches -, sondern um die
konkrete Aktion. Die Begründung, man habe mit den bisherigen Aktionen keine Wende in der Klimapolitik erreicht und müsse jetzt darum gegen Gemälde vorgehen, hat mit Gandhis Vorstellung von zivilem Ungehorsam nichts zu tun."
Amerika kriegt
die Drogen nicht in den Griff. Nach wie vor sterben Tausende an der Substanz
Fentanyl, die Drogen beigemischt wird und fünfzigmal stärker ist als Heroin, berichtet Frauke Steffens in der
FAZ. "Fentanyl hat dabei Heroin als Todesursache verdrängt: In 67 Prozent der Fälle enthielten die tödlichen Dosen den Stoff. Fachleute machen neben der Pandemie auch Drogensucht dafür verantwortlich, dass die allgemeine Lebenserwartung jüngst
um 2,7 Jahre zurückging und auf dem niedrigsten Stand seit 1996 ist - für Native Americans, Latinos und Schwarze liegen die Rückgänge zwischen
6,6 und vier Jahren. Männer aus diesen Gruppen sterben auch am häufigsten an Überdosen - allein 2020 stieg die Zahl der Drogentoten unter schwarzen Männern laut der Bundesgesundheitsbehörde um 44 Prozent, für Weiße war der Anstieg mit 22 Prozent ebenfalls historisch."