Der
Extremismusforscher Wolfgang Kraushaar hat zwar einen eher kritischen Blick auf die Aktivisten der "Letzten Generation", aber Anzeichen für eine "
Klima-RAF"
kann er im Gespräch mit Diana Pieper von der
Welt nicht erkenmnen: "Der Logik der 'Letzten Generation' liegt die
Denkfigur einer Finalisierung zugrunde, wonach es keine Rettung vor der Klima-Katastrophe geben kann, wenn nicht radikale Maßnahmen ergriffen werden. Das heißt aber nicht, dass man sie mit einer
terroristischen Organisation gleichsetzen kann. Denn bislang hat die Gruppierung keine Gewalt gegen Menschen angewandt. Sie beruft sich auf die Traditionen des zivilen Ungehorsams, auf Mahatma Gandhi statt Che Guevara."
Sonderlich hilfreich fürs Klima ist der
Aktivismus aber auch nicht, meint im
Gespräch mit der
FR Knut Cordsen, der gerade
ein Buch zur Geschichte des Aktivismus veröffentlicht hat. Und die durch nichts zu erschütternde Überzeugung, mit ihren Aktionen im Recht zu sein, ist auch nicht ohne, meint er: "Das ist wirklich ein kleiner Treppenwitz der Geschichte. Die 68er-Aktivisten haben
gegen die damals geplanten Notstandsgesetze gekämpft. Sie hatten Angst, dass der Staat viel zu viel in den Griff nimmt, und wehrten sich dagegen. Heute passiert das komplette Gegenteil. Originalzitat der 'Letzten Generation': 'Wir haben Angst, dass
der Staat das nicht im Griff hat.' Der Staat soll radikal eingreifen, auch gegen die Mehrheit der Bevölkerung. Dieses Denken zeigt sich in der Geschichte des Aktivismus immer wieder: Man selber glaubt sich auf dem richtigen Weg, und die anderen sind
einfach zu blöd, das zu kapieren. Deshalb sollen demokratische Verfahren ausgehebelt werden."
Immer mehr Deutsche verabschieden sich aus der
Kirche, berichtet Annette Zoch in der
SZ: Im vergangenen Jahr
359.338 Katholiken und
288.000 Protestanten. Weniger als die Hälfte der Deutschen gehört noch einer der beiden großen Kirchen an. Inzwischen "geht zunehmend
die Kernklientel von der Stange. Manche hängen bewusst und aus Protest die Mitgliedschaft in der Körperschaft des öffentlichen Rechts an den Nagel, als Christen sehen sie sich weiterhin ganz selbstverständlich. Fragt sich nur, wie lange das
Gefühlschristentum trägt, so ganz ohne Glaubensgemeinschaft. Zunehmend ist der Austritt sogar eine Gewissensfrage geworden: Kann ich in dieser Institution überhaupt noch Mitglied sein?
Skandale, das ist ein zentrales Ergebnis der Kirchenaustrittsstudie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD, haben besonders bei den
vormals Katholischen zur Austrittsspitze 2019 beigetragen." Viele
Protestanten hingegen "haben ihrer Kirche in erster Linie aus einem
Gefühl der Indifferenz den Rücken gekehrt: wie bei der ungenutzten Fitnessstudio-Mitgliedschaft, die man schon viel zu lange mitschleppt und irgendwann, wenn man sowieso gerade die Steuererklärung macht, endlich kündigt."