
In der
Welt unterhält sich Marie-Luise Goldmann mit der mit der Philosophin
Svenja Flaßpöhler über deren neues Buch
"Sensibel" sich mit modernen Empfindlichkeiten auseinandersetzt. Ihr geht es darum, "Sensibilität und Widerstandskraft miteinander ringen zu lassen, um zu einer dritten Position zu finden", sagt Flaßpöhler und verweist auf den Begriff der
Resilienz: "Immunität heißt, man vermeidet immer schon das negative Ereignis. Das tritt gar nicht erst ein. Das ist die Logik der Safe Spaces. Oder auch von totalitären Systemen. Man richtet die Gesellschaft so aus, dass gar nichts mehr passiert. Das Prinzip der Resilienz dagegen ist ein, wenn man so will,
demokratisches Prinzip, das mit Krisen, Zumutungen und Schmerzen rechnet. Resilienz nimmt diese Unvermeidbarkeit auf und versucht, daraus eine Stärke zu entwickeln." Und sie erinnert daran, dass Empathie durchaus auch paternalistische Züge haben kann: "Ach, das ist so ein schwacher Mensch, ich muss diese Person schützen. Das ist aber oft eine
Art von Kleinmachen und Festschreiben in der Opferperson. Mitgefühl ist noch lange keine Moral."
Auf
Zeit online denkt die britische Philosophin
Onora O'
Neill über Rechte und
Pflichten nach. Letzeres scheint aus der Mode gekommen: Sie fragt, warum "die
Menschenrechte allein nicht genug sind. Ein wenig verwundert stelle ich fest, dass ich nach Jahrzehnten philosophischen Schreibens noch einmal ein Denken beleben möchte, dem es
auch um Pflichten geht. Wir brauchen mehr als eine Theorie der Gerechtigkeit. Natürlich meine ich das nicht, weil ich von Rechten nichts hielte, sondern aus drei anderen Gründen: erstens, weil Menschenrechte
eines Gegenparts bedürfen, der die Pflicht hat, sie zu garantieren; zweitens, weil sie nicht jeweils bedingungslos gelten, sondern oft
in Konflikt zueinander stehen, daher der Abwägung und eines praktischen Urteils bedürfen; und drittens, weil sie oft aus Gründen eingeschränkt werden, die gar nicht menschenrechtlicher Art sind, wenn etwa das Recht auf Schutz der Privatsphäre seine Grenzen darin findet, dass öffentliche Güter wie Sicherheit und Gesundheit gewahrt werden müssen. Mehr Rechte zu fordern hilft da nicht weiter."
In der
NZZ denkt Kaspar Villiger über Rechte und Pflichten an einem
konkreten Beispiel nach: Corona. "Es stellen sich berechtigte Fragen: Darf aus ethisch-moralischen Gründen von den Menschen erwartet werden, dass sie sich
freiwillig impfen lassen, weil sie sonst nicht nur sich selbst, sondern auch den Mitmenschen, dem Gesundheitswesen und der Wirtschaft schaden? Dürfte oder sollte der Staat angesichts des statistisch nachgewiesenen Nutzens der Impfung und deren relativer Harmlosigkeit sogar
eine Impfpflicht einführen? Oder geht der Staat schon mit der milden Form der Zertifikatspflicht zu weit? ... Das Vertrackte bei diesen Fragen ist die Erfahrung, dass es
keine Freiheit ohne Regeln gibt."
Wi beginnt und wo endet Theater,
fragt der Philosoph
Otfried Höffe in einem
NZZ-Essay. Nicht auf der Bühne, das steht für ihn fest. "Im
Nachspiel kehren wir ins Theater zurück. Das
Vorspiel kann man an einem beliebigen Tag der Zeitung entnehmen. Zum Beispiel Anfang November: An der
Klimakonferenz in Glasgow machen Demonstranten auf ihre Anliegen aufmerksam, mit phantasievollen Aktionen und Gewändern. Ist das Theater? Oder ist eher der ganze Klimagipfel Theater, da die Anreise Tausender von Delegierten den CO2-Ausstoss kräftig befördern wird und das Ergebnis einmal mehr beschämend mager sein dürfte?"