9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.12.2021 - Ideen

Im Tagesspiegel fordern Christian Humborg von der Wikimedia Deutschland e.V. und Christian Katzer von Ärzte ohne Grenzen einen TRIPS Waiver für medizinische Covid-19 Produkte, also "eine vorübergehende Aussetzung des internationalen Patentschutzes und bestimmter anderer geistiger Eigentumsrechte", aber: "Ausgerechnet Deutschland war bisher ein erbitterter Gegner des TRIPS Waivers. Damit stellt Deutschland eigene wirtschaftliche Interessen klar über die globalen Gesundheitsbedürfnisse. Der Grund liegt auf der Hand - zwei große Akteure im Bereich der mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19 haben hier ihren Sitz, Biontech und Curevac. Allein das Mainzer Unternehmen Biontech wird voraussichtlich für ein Achtel des deutschen Wirtschaftswachstums in diesem Jahr verantwortlich sein, eine gigantische Summe. Ebenfalls gigantisch ist die Förderung aus öffentlicher Hand, die beide Unternehmen erhalten. Trotz öffentlicher Gelder und Not der Weltgemeinschaft halten die betroffenen Pharmaunternehmen ihr Wissen unter Verschluss."

Marlene Hobrack schreibt in der taz einen Nachruf auf die Social-Justice-Theoretikerin Bell Hooks, die sich selbst bell hooks schrieb ("es ist der Name ihrer indigenen Großmutter. Mithilfe der Kleinschreibung zeigt sie ihre Rolle als Nachkommin - auch das ist eine Form der Verortung in der Welt", so Hobrack). Hobrack schildert sie vor allem als Klassentheoretikerin: "Man erfasst beim Lesen intuitiv, wie sich die Kategorien race, class und gender verschränken und muss dafür nicht von 'intersektionalem Feminismus' gehört haben." Weitere Nachrufe bei Zeit online (hier) und im Tagesspiegel (hier).

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.12.2021 - Ideen

Der Soziologe Andreas Reckwitz sieht in der Zeit ein neues Zeitalter der Pflicht auf uns zukommen, getrieben von "Fridays for Future": "Es ist durchaus eine historische Ironie, dass gerade die Kinder der Generation der Selbstverwirklichungs- und Konsumrevolution eine Gegenbewegung dazu initiieren - mit guten Gründen. Dabei geht es nicht um eine Renaissance traditioneller Pflichten, sondern um neue, gleichsam universale Verpflichtungen, die sich nicht selten auf Argumente aus den Wissenschaften stützen können." Wohl an die Adresse der Ampel mahnt Reckwitz allerdings auch, das Instrument neuer Pflichten mit Bedacht anzuwenden: "Es ist ein starkes Mittel mit erheblichem Konfliktpotenzial. Man sollte es für besondere Situationen reservieren."

"Der absolute Wert des Individuums scheint mir eine deutsche Idee zu sein, vielleicht im Anschluss an Kant", sagt im SZ-Gespräch mit Niklas Elsenbruch der australische Moralphilosoph Peter Singer, dessen Buch "Effektiver Altruismus" gerade neu aufgelegt wurde: "Für mich ergibt das keinen Sinn. Nehmen Sie die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, dass man ein gekapertes Flugzeug nicht abschießen darf, das auf eine Veranstaltungshalle zufliegt - obwohl die Insassen in wenigen Minuten ohnehin sterben werden. Aus meiner Sicht ist das verrückt. (…) Wenn in einer großen Gruppe alle Menschen jeweils absoluten Wert haben, muss es doch einen Unterschied machen, dass sie gegenüber einer Einzelperson in der Mehrzahl sind. Die Idee des absoluten Wertes leugnet die Relevanz von Zahlen."

Außerdem: In der NZZ sinniert der Soziologe Stefan Müller-Doohm über Theodor W. Adornos "Minima Moralia", die vor siebzig Jahren erschienen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.12.2021 - Ideen

Dass sich die Ampelkoalition den Begriff "Fortschritt" auf die Fahne schreibt, findet Claudius Seidl in der FAZ gut, den für ihn leben wir in einer Epoche eines umfassenden Konservatismus, in dem es immer nur um Erhaltung geht: "Dieses Bewusstsein, dieser Fortschrittsgeist wäre schon deshalb so notwendig, weil ohne ihn das ökologisch Notwendige nur wie die Schwundstufe der Gegenwart aussähe, eine Verzichtsgesellschaft, eine Nachhaltigkeitshölle, ein Leben ohne Luxus, Verschwendung, Mode, in der alles Alte so lange geflickt und gewaschen und wiederverwendet wird, bis alle Formen und Farben verschwunden sind."

In der NZZ macht Brigitta Hauser-Schäublin auf einen kleinen Widerspruch bei den Impfgegnern aufmerksam: Beim Widerstand gegen das Impfen pochen sie auf Freiheit, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Wenn sie sterbenskrank auf der Intensivstation landen, ist ihnen das nicht mehr wichtig, notiert die Ethnologin, die eine Überarbeitung der Triage-Regeln fordert, die die Eigenverantwortung der Patienten mitberücksichtigt. Denn wenn die Impfgegner "ernsthaft erkranken, erwarten sie intensivmedizinische Behandlung und akzeptieren Fremdbestimmung, indem sie bei der Triage Gleichbehandlung mit jenen Menschen verlangen, deren Anstrengungen um den Erhalt des Gemeinwohls sie torpediert haben. Die Triage-Kriterien tragen diesem Widerspruch nicht Rechnung, da sie die Person als Staatsbürger ausklammern. Von einer sich auf Eigenverantwortung und Selbstbestimmung im Namen der 'Freiheit' berufenden Person wäre zu erwarten, dass sie bereit ist, die Konsequenzen des eigenen Handelns zu tragen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.12.2021 - Ideen

Ernst Nolte hat die Singularität des Holocaust gar nicht bestritten, meint der Autor und ehemalige Politiker Mathias Brodkorb in der FAZ (er hat vor zehn Jahren ein Buch zum Thema veröffentlicht). In Wirklichkeit sei es in der Attacke Habermas' damals um die Frage gegangen, wer die Deutungshoheit habe und Folgerungen für aktuelle Politik ziehen dürfe. Und ebenso sieht Brodkorb auch den von A. Dirk Moses entfachten "Historikerstreit 2.0": "Die Interventionen von Dirk Moses laufen letztlich nicht auf eine Klärung historiografischer Grundlagenfragen, sondern darauf zu, die Besetzung Palästinas durch Israel zu einem fortgesetzten Akt des Kolonialismus zu erheben und auf diese Weise Boykottaufrufe gegen Israel - diesmal von links - politisch zu entstigmatisieren."

Die ehemalige New-York-Times-Kolumnistin Bari Weiss und andere gründen in Austin eine Uni, die von "Cancel Culture" frei sein will. Nun gibt es aber gar keine Cancel Culture, sagt Adrian Daub, Professor in Stanford, im Gespräch mit  Dominik Erhard vom Philomag - jedenfalls nicht so, wie von Bari Weiss beschrieben. Daub unterstellt den Gründern der Uni von Austin vor allem Geldgier: "Viele der involvierten Personen verdienen seit Jahren daran, dass sie vor 'Cancel Culture' warnen. Deshalb liegt für mich der Gedanke nahe, dass diese Uni eine weitere Einkommensquelle werden soll, um weiter Spenden einzusammeln, ein bisschen Kursgebühren, damit am Ende nochmal ein Häuschen im Grünen rausspringen könnte." (Erzähl das Robin DiAngelo.)

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.12.2021 - Ideen

Anlässlich der Diskussion über eine Impfpflicht plädiert Nele Pollatschek in der SZ dafür, Freiheit künftig auf ihre Konsequenzen abzutasten, wenn es mit der Vernunft nicht so weit her ist: "Das bedeutet, dass man auf absolute Freiheit setzen sollte, da, wo auch die unvernünftige Entscheidung tragbar ist. Aber eben nicht da, wo man eigentlich vorher schon sicher ist, dass bestimmte Entscheidungen ausgeschlossen werden müssen. Wer weiß, dass sich eine große Mehrheit der Bürger impfen lassen muss, darf nicht so tun, als könnten alle Bürger frei entscheiden, im Vertrauen darauf, dass 'frei' automatisch 'vernünftig' heißt."

In der Welt argumentiert der Jurist Kai Möller mit viel klein-klein gegen eine Impfpflicht. Sein Hauptargument: Sie würde in erster Linie die bislang Ungeimpften schützen und die haben sich ja freiwillig für ihr Risiko entschieden. Entstehung von Corona-Varianten, die Überlastung des Pflegepersonals, der unnötige Tod von Patienten, deren Betten von Corona-Erkrankten belegt sind, kommen in seiner Rechnung nicht vor. Er glaubt eh, dass die Impfpflicht andere Gründe hat: "Würde eine Impfpflicht funktionieren? Der Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr sagt, dass sie zumindest in der aktuellen Situation nicht hilft, da sie zu spät kommen wird, um in diesem Winter noch etwas zu bewirken. Es kann also gut sein, dass der Vorschlag einer Impfpflicht weniger davon getrieben ist, ein Problem zu lösen, als vielmehr von Ressentiments gegenüber Ungeimpften - einer Haltung, die Deutschland und Österreich vielleicht noch auf die Füße fallen wird. Aber selbst wenn die Impfpflicht in gewissem Sinne ein Erfolg werden sollte ... wäre sie nur zu einem hohen Preis zu haben. Deutschland und Österreich sollten diesen Preis, nämlich den der Verletzung der Grundrechte und der Menschenwürde, nicht zahlen."

"Warum diese Fixierung auf die Freiheit, da sie doch in keinem ernstzunehmenden Sinn des Wortes gefährdet ist", fragt sich der italienische Philosoph Maurizio Ferraris in der NZZ. "Die Welt in Zeiten der Pandemie ist keineswegs freiheitsfeindlich, in ihr aber regiert nicht mehr die Hoffnung, sondern vielmehr die Angst. Vor ein paar Tagen hat Italiens bedeutendstes Institut für sozioökonomische Studien eine Erhebung zum Gemütszustand der Impfgegner durchgeführt. Die Untersuchung kam zum Ergebnis, dass Orientierungslosigkeit, prekäre Anstellungsverhältnisse, Einbuße an ökonomischem und sozialem Kapital, Statusverlust sowie Misstrauen gegenüber Institutionen und neuen Technologien zu den zermürbenden Folgen des Ausnahmezustands gehören. Es resultiert, mit anderen Worten, ein Verlust an sozialen Bindungen und darum auch der daraus sich ergebenden Verpflichtungen, die dem Dasein erst Sinn verleihen. Im Protest gegen die angebliche Bedrohung der Freiheit manifestiert sich also, schaut man genauer hin, insgeheim der Wunsch nach Aufmerksamkeit, nach Sicherheit und Leitlinien."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.12.2021 - Ideen

Richard Herzinger erinnert in seinem Blog an Vaclav Havel, dessen Vorsatz, "in der Wahrheit zu leben" von dringender Aktualität ist: "Heute, da Desinformationsapparate autoritärer Mächte die Unterscheidungsfähigkeit zwischen Wahrheit und Lüge, Fakten und Fiktion zu zerstören versuchen, wäre eine autoritative Stimme wie die Havels mit seinem unbestechlichen Gespür für falsche Töne von unschätzbarem Wert. Für die Stärkung der inneren Widerstandsfähigkeit demokratischer Gesellschaften gegen diesen Generalangriff auf das rationale und humane Denken sind Havels Ideen eine ergiebige Quelle."

Im Feuilleton der Berliner Zeitung am Wochenende finden sich die schärfsten Verfechter einer Revision der Erinnerung im Sinne A. Dirk Moses'. Der Holocaust ist demnach nur ein Ereignis unter vielen, das im Kontext der Kolonialgeschichte gesehen werden muss. Wer den Holocaust singulär findet, gilt als Anhänger eines "Deutschen Katechismus" (unsere Resümees der Debatten). Auch die Psychoanalytikerin Iris Hefets von der "Jüdischen Stimme für gerechten Frieden im Nahen Osten" (mehr hier) diagnostiziert bei den Deutschen einen "philosemitischen Imperativ". Und wie stets leiten sich aus der Diagnose Folgerungen für Israel ab: "Der Versuch der Deutschen, die Schuld am Nazi-Genozid an Jüdinnen und Juden in Form eines sprichwörtlichen Ungeschehenmachens abzuwehren, zeigte sich in den letzten Jahrzehnten auch in der Stilisierung arabischer und muslimischer Anführer als Hitler-Reinkarnationen. So glaubten etwa viele Kritiker des Golfkriegs die Fake News, Saddam Hussein wolle Israel und jüdische Menschen vergasen. Auch die Raketenschüsse der Hisbollah und Hamas werden heute als existenzielle Bedrohung für den israelischen Staat gesehen, wobei sie eher die Existenz von Individuen gefährden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.12.2021 - Ideen

Die Existenz der Taliban ist das Ergebnis einer Kampagne des britischen Empire gegen das osmanische Kalifat im 19. Jahrhundert, schreibt der Politikwissenschaftler Jonathan Laurence in einem von Gregor Dotzauer übersetzten Essay im Tagesspiegel. Die "Radikalisierung der islamischen Welt" hätte durch ein "souveränes Kalifat nach dem Vorbild des römisch-katholischen Vatikans" aufgehalten werden können, glaubt er: "Seit nunmehr fast einem Jahrhundert zahlt der Islam auf internationaler Ebene einen hohen Preis für die Intervention von außen. Das Fehlen des Kalifats ist ein zentraler Grund für kommunale Konflikte, einschließlich der Ausbreitung des politischen Islams und religiös motivierter Gewalt. Das fehlende Kalifat hielt die muslimischen Gemeinschaften in einem Fegefeuer gefangen, das von transnationalen Anwärtern wie dem ägyptischen Arzt Yusuf al-Qaradawi, dem jemenitischen Scheich Osama bin Laden und dem irakischen Theologen Abu Bakr al Baghdadi einerseits und den staatlich ernannten Gelehrten und nationalen Ministern für islamische Angelegenheiten in den Nationalstaaten mit muslimischer Mehrheit andererseits bevölkert wurde."

Nicht der Liberalismus ist schuld an der niedrigen Impfquote, schreibt der Kunsthistoriker Jörg Scheller in der NZZ: "Was die Impfquote betrifft, sind die liberalen Niederlande und das autoritärkommunistische China gleichauf. (...) Im Grunde ist es doch bemerkenswert, dass sich in vielen von Autoritären als dekadent diffamierten liberalen Demokratien weit mehr als die Hälfte der Bürger impfen lässt, dass Instrumente wie Kurzarbeit effektiv soziale Härten lindern, dass die Mehrheit seit bald zwei Jahren historisch einmalige Maßnahmen weitgehend friedlich mitträgt - weil sich liberale Mentalität, persönliche Freiheit und soziale Verantwortung eben nicht ausschließen. Und nicht jeder, der auch Wirtschaft, Soziales, Politik und psychische Gesundheit mitbedacht wissen möchte, nutzt diese Güterabwägung als Vorwand für Egoismus."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.12.2021 - Ideen

In der Welt plädiert der Politikwissenschafter Michael Bröning für eine Wiederentdeckung des Freiheitsbegriffs in seiner ganzen Komplexität. Isaiah Berlin lesen hilft dabei, die Balance zwischen positiver und negativer Freiheit wiederzuentdecken, erklärt er. "In Teilen der 'Querdenkerszene' wird schlicht geleugnet, dass ein aufgeklärter Freiheitsbegriff auch mit Verantwortung verknüpft ist und eben nicht auf einer nach oben offenen Skala grenzenlos ausgeweitet werden kann. Von Freiheitsidealen das Recht zur Masseninfektion abzuleiten aber ist nicht nur unklug, unsolidarisch und selbstzerstörerisch - sondern eben auch eine Pervertierung der Freiheit. In Teilen des fortschrittlichen Milieus hingegen werden Aspekte der negativen Freiheit als Ablehnung von Fremdbestimmung, Paternalismus und staatlicher Übergriffigkeit derzeit fast vollständig auf dem Altar der Sicherheit geopfert. Wo bleibt der progressive Widerstand gegen Maßnahmen, die in anderen Zusammenhängen bis aufs Blut bekämpft worden wären? Wo der Einspruch gegen Grenzschließungen, allgegenwärtige Kontrollen und historisch einmalige Grundrechtseinschränkungen? Hier drängt sich der Eindruck auf, dass an die Stelle der Reflexion politische Reflexe getreten sind. Die Kritik richtet sich vor allem gegen die Kritiker."

Eine Gruppe geisteswissenschaftlicher Universitätsleute, die neulich schon in der Zeit die angebliche Übermacht der Kritiker modischer linker Positionen in den Medien beklagten (unser Resümee), legt nun bei geschichtedergegenwart.ch nach und verlangt von den Kritikern, sich auf die Komplexität aktueller Gendertheorien einzulassen, sonst müsse man schließen, "dass es ihnen tatsächlich um etwas anderes geht als einen Beitrag zur akademischen Diskussion: nämlich um die Verunmöglichung von Kritik und die Durchsetzung einer transfeindlichen politischen Agenda unter dem Deckmantel der Wissenschaftsfreiheit (die zudem, immer wenn es strategisch opportun erscheint, mit der Meinungsfreiheit gleichgesetzt wird, obwohl sie klarerweise anderen Standards und Logiken folgt)."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.12.2021 - Ideen

Wir haben zu viel Kapitalismus, zu viel Digitalisierung, zu viel Beschleunigung, zu viel Verfügbarkeit kritisiert im Interview mit dem Standard der Soziologe Hartmut Rosa. "Wir haben ein aggressives Grundverhältnis zur Welt. Jeder blinde Fleck muss sofort und mit allen Mitteln verfügbar gemacht werden. Diese Art der Aneignung erfüllt uns aber nicht. Mein Lieblingsbeispiel sind die Streamingplattformen: In der analogen Welt hat man stundenlang in Plattenläden nach der einen Schallplatte gesucht, hat sie dann wie einen Schatz nach Hause getragen, gehütet und gesammelt. Heute haben wir 100 Millionen Musiktitel gratis auf Spotify abrufbereit. Diese permanente Verfügbarkeit und Überforderung führt nun eher dazu, dass uns die Musik gleichgültig wird. Die Menschen hören Playlists ohne zu wissen, was und wen sie da gerade hören. Musik wird im eigenen Leben zu einem substanzlosen Stimmungsaufheller. Das wiederum war nicht das bildungsbürgerliche Ideal."

Wir dagegen haben auf Spotify Ichiko Aobo entdeckt, die Rosas Phantomschmerzen vielleicht heilen kann:

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.12.2021 - Ideen

Die Coronalage zwingt die Menschen über Vorgänge in ihren eigenen Körpern durch Tests und Impfzertifikate zu informieren. ein symbolischer Eingriff in die Privatsphäre, der Grundsätzliches in Frage stelle, findet Miguel de la Riva in der FAZ: "Dass der eigene Körper als Privateigentum, mit dem man nach freier Willkür verfahren kann, der staatlichen Gewalt und gesellschaftlichen Verfügung allmählich entzogen wurde, war und ist Motor entscheidender zivilisatorischer Errungenschaften."
Stichwörter: Privatsphäre