9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.08.2015 - Internet

Zur heute in Heidelberg beginnenden Open-Source-Konferenz DebConf 15 lässt sich Svenja Bergt von Allison Randal in der taz noch einmal die Vorzüge der Bewegung erklären: "Einhörner sind sehr selten und die Leute glauben, sie existierten gar nicht. Und bei Open-Source-Software denken viele Leute: Das funktioniert doch gar nicht, wie soll man damit Geld verdienen? Aber wenn sie erst einmal den richtigen Weg gefunden haben, sie zu nutzen oder zu entwickeln, dann stellt sich heraus, dass sie extrem wertvoll ist."
Stichwörter: Open Source

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.08.2015 - Internet

Auf der Medienseite der FAZ führt Wolfgang Kleinwächter durch den Dschungel der Internetregulierung: "Allein in den letzten Wochen fanden weltweit acht Treffen statt, auf denen weiter vorwärtsgestolpert wurde: Mitte Juni ging es auf einer Icann-Tagung in Buenos Aires um die IANA-Transition, die Beendigung der Aufsicht der amerikanischen Regierung über das Rootserver- und Domainname-System. Wie es aussieht, könnte noch in der Amtszeit Obamas Icann in die völlige Unabhängigkeit entlassen werden."

Johannes Boie ist in der SZ überzeugt, dass Google sich nicht nur aus unternehmerischen Gründen umstrukturiert: "Mit der Gründung von Alphabet wird Google seinem alten Plan, die wahren und vermuteten Probleme dieses Planeten zu lösen, mit frischer Kraft folgen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.08.2015 - Internet

Anders denn als Konglomerat könnte Google (alias Alphabet) gar nicht mehr existieren, meint Seth Fiegerman in Mashable: "Gerüchte sagen, dass Google alles Mögliche kaufen will von der veganen Burgerkette "Impossible Food" (für Hunderte von Millarden Dollar) bis zu Twitter (für Dutzende Milliarden). Es investiert in Lieferung per Drohne und Express-Shopping-Firmen, experimentiert von Neuem mit Google Glass und - ach ja - es besitzt eine Firma, die kleine Satelliten macht."

Google sorgt für Infrastrukturen, die Städte und Staaten nicht ausreichend schaffen, etwa schnelles Internet per Ballon in Sri Lanka. Adrian Lobe interviewt dazu in der FAZ den Internetskeptiker Nicholas Carr und alarmiert: "Die Kostenfreiheit der Dienstleistungen ist somit eine Illusion. Wir bezahlen für den Service mit unseren Daten und, viel teurer, mit unserer Privatsphäre. Das Wohlfahrtsstaatsmodell à la Silicon Valley ist mit einem Verlust persönlicher Freiheiten verbunden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.08.2015 - Internet

Die große Meldung des Tages ist der Umbau von Google zu Alphabet, einer Holding, der Google und andere Firmenteile künftig untergeordnet sind. Ken Auletta deutet im New Yorker den Rücktritt von Larry Page als Google-Chef als Überdruss an seiner Rolle als Oberbürokrat.

Chris Taylor porträtiert unterdessen in Mashable den neuen Chef von Google, Sundar Pichai. Geboren 1972 als Pichai Sundararajan "in Tamul Nadu, der Region gegenüber von Sri Lanka, ist er als Sohn eines Elektroingenieurs aufgewachsen. Die Karriere seines Vaters und elekronische Geräte faszinierten ihn, auch wenn die Pichais nicht viele davon in ihrer Zweizimmerwohnung hatten. Als Kapitän seiner Schul-Cricket-Mannschaft brachte er sein Team zum Sieg in den Tamil Nadu Finals, keine geringe Leistung, wenn man bedenkt, dass diese Region 70 Millionen Einwohner hat. Seine Leistungen brachten ihm Ehrungen des Indian Institute of Technology ein, wo er seinen Bachelor als Ingeneur machten und wo ihn die Lehrer als "wohlerzogen" und "gehorsam" lobten."

Josh Constine kommentiert in Techcrunch: "Google war größer geworden als ihm gut tat. Jeden Angestellten von der Suchmaschine über den Roboterbereich bis zu Lebensverlängerungstechnologien in eine Firmenhierarchie zu stecken, schuf zu viele Managerposten. Intelligente Leute hassen solche lähmende Bürokratie. Darum könnte das Aufbrechen der Firma unter dem neuen Dach Google vor sich selbst retten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.08.2015 - Internet

Uli Ries zitiert bei heise.de eine Rede der Internetaktivistin Jennifer Granick, die den Traum eines freien Internets als immer gefährdeter ansieht. Hauptgründe sind für sie Zensur und Überwachung durch Staaten - auch demokratische. "Auch die Passivität, mit der die Web-Nutzer diese Einschränkungen hinnähmen, trage zum langsamen Dahinsiechen bei. Dazu komme, dass es einige wenige Engpässe gebe - Level 3 für Glasfaserverbindungen, Google für Suche und E-Mail, Amazon für Cloud-Dienste und so weiter -, die eine effiziente staatliche Kontrolle und Zensur möglich machen."

Fotos plantschender Kinder und stillender Mütter verstoßen gegen Facebooks Gemeinschaftsstandards, nicht jedoch Hassbotschaften und Mordaufrufe, berichtet Thomas Lückerath in DWDL und fordert, dass soziale Netzwerke Verantwortung für ihre Inhalte übernehmen: "In diesem Fall, könnte Medienregulierung auch endlich mal im Sinne der Nutzer von Bedeutung sein. So wie klassische Medien für ihre verbreiteten Inhalte verantwortlich sind, muss eine vergleichbare Verantwortung auch für soziale Netzwerke gelten. Wer auch immer zuhause in Jogginghose am Kacheltisch sitzt und hasserfüllt seine Kommentare in die Tastatur hämmert - er oder sie füllt technisch gesehen erst einmal ein Eingabeformular auf einer Website aus. Das würde kaum jemand mitbekommen, wenn es nicht vom weltgrößten sozialen Netzwerk Facebook verbreitet, auffindbar gemacht und auch trotz Meldung toleriert werden würde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.08.2015 - Internet

Für einige Zeit war das Internet in China ein Raum relativer Freiheit, doch seit Präsident Xi Jinping vor zwei Jahren den Befehl gab, "das Kommando im Internet zurückzuerobern", ist diese Phase vorbei, berichtet Angela Köckritz in der Zeit. Das neueste Kontrollprojekt ist die geplante Einführung eines "sozialen Bonitätssystems", bei dem jedem Netznutzer ein Code für sein Online-Verhalten zugeteilt wird: "Ein schlechter Code könnte etwa dazu führen, dass dem Betroffenen eine bestimmte Arbeitsstelle, Wohnung oder ein Kredit verwehrt wird. Für Johan Lagerkvist, Spezialist am Schwedischen Institut für Internationale Angelegenheiten, verbindet das Bonitätssystem "das Consumer-Tracking von Amazon mit einem politischen Dreh à la George Orwell". Die Chinesische Akademie für Sozialwissenschaften formuliert das naturgemäß positiver: "Wenn das Verhalten der Menschen nicht von Moral bestimmt ist, muss ein System zum Einsatz kommen, das ihr Verhalten beschränkt.""

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.08.2015 - Internet

Friedrich Schmidt porträtiert auf den politischen Seiten der FAZ die Sankt-Petersburger Journalistin Ljudmila Sawtschuk, die undercover in einer "Fabrik der Trolle" arbeitete und im Auftrag des Kreml Desinformation im russischen Internet verbreitete: "Zu großer Form liefen die Blogger nach dem Mord an dem Oppositionspolitiker Boris Nemzow auf. Eine Anweisung am 28. Februar, dem Tag nach der Tat, lautete: "Wir kommen zu dem Schluss, dass der Mord an dem Oppositionellen Nemzow der Regierung nicht nutzt, dass offensichtlich eine Provokation dahintersteckt." Eine weitere: "Wir bilden eine negative Einstellung zu Vertretern der Opposition, die versuchen, politische Vorteile aus dem Tod des Kampfgefährten zu ziehen.""

In der taz referiert Svenja Bergt die Ergebnisse einer Studie, nach der die schwache Netzneutralität für die europäische Wirtschaft einen Wettbewerbsnachteil darstellt: "So geht die Studie davon aus, dass Start-ups, die den Tech-Giganten aus dem Silicon Valley etwas entgegensetzen könnten, es schwerer hätten, auf den Markt zu kommen. Das Ungleichgewicht der beiden Märkte würde dadurch weiter verstärkt. Verschärft würde der Effekt durch die im Vergleich zu den USA heterogene Struktur Europas... Auch der Breitband-Ausbau würde eher langsamer vorangehen. Schließlich hätten die Anbieter der Infrastuktur dann eher ein Interesse daran, sie knapp zu halten - um innerhalb der knappen Bandbreite priorisierte Zugänge verkaufen zu können."

Außerdem erläutert Svenja Bergt, wie die Filterblasen bei Google und Facebook den Status Quo zementieren - etwa am Beispiel von Googles Jobbörse: "Nutzer, die von Google als männlich identifiziert wurden, bekamen mit höherer Wahrscheinlichkeit hochbezahlte Führungsjobs angeboten als solche, die als weiblich identifiziert wurden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.08.2015 - Internet

Andrea Köhler versucht in der NZZ noch einmal, Cybermobbing und Public Shaming im Internet mit einem Mangel an Empathie und den Inferioritätsgefühlen der zu kurz Gekommenen zu erklären: "Oft genug verbindet sich der Impuls, jemanden für eine dumme Bemerkung abzustrafen, dann mit dem Schwung, den die schiere Menge an Gleichgesinnten erzeugt - auch wenn die geifernde Häme in direktem Widerspruch zur moralischen Selbstgerechtigkeit der Absender steht. De facto gleicht ein Shitstorm dem mittelalterlichen Pranger. Gleichwohl werden die Berufung auf Demokratie und die Angst vor "Zensur" immer dann bemüht, wenn der Ruf nach demokratischen Umgangsformen, sprich: zivilen Regelungen laut wird."

Passend dazu berichtet Benedikt Frank in der SZ von den aggressiven Methoden, mit denen Videogamer auf kritische Veröffentlichungen von Feministinnen oder Kulturwissenschaftlern reagieren: "In benachbarten Disziplinen wie der Film- und Literaturwissenschaft haben kritische Wissenschaftler schließlich auch eine Stimme, die in der Industrie und bei den Verbrauchern Gehör finden kann. Das wäre auch für die Videospielindustrie wichtig. Sie erhebt ja den Anspruch, dass ihre Produkte einen eigenen kulturellen Wert darstellen. Dies sollte nicht nur rhetorisch bleiben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.07.2015 - Internet

Die französische Datenschutzbehörde CNIL hat Google aufgefordert, die im Zuge des sogenannten Rechts auf Vergessen beanstandeten Links nicht nur in Europa, sondern weltweit zu löschen, meldet Zeit digital mit den Agenturen. "We respectfully disagree", antwortet Google nun auf seinem europäischen Blog: "Thailand criminalizes some speech that is critical of its King, Turkey criminalizes some speech that is critical of Ataturk, and Russia outlaws some speech that is deemed to be "gay propaganda." If the CNIL's proposed approach were to be embraced as the standard for Internet regulation, we would find ourselves in a race to the bottom. In the end, the Internet would only be as free as the world's least free place. We believe that no one country should have the authority to control what content someone in a second country can access."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.07.2015 - Internet

Sascha Lobo wirft in seiner Spiegel-Online-Kolumne den sozialen Netzwerken mit Blick auf die neuen Ausländerfeinde, die Flüchtlingsheime in Brand stecken, mangelnde Überwachung und Zensur vor: "Facebook hat .. ein völlig ungelöstes Hatespeech-Problem. Mit der Folge, dass die Aber-Nazis dort beinahe ungehindert Stimmungen produzieren und verstärken können. Bezeichnenderweise gibt es in der verbreiteten Hasskommunikation Parallelen zur internetbasierten Rekrutierung des "Islamischen Staates"."

Weiteres: Amrai Coen, Malte Henk und Henning Sußebach schreiben bei Zeit online über digitale Manipulation von Pressebildern.