9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.01.2019 - Internet

Facebook bleibt entschlossen böse. Die mäzenatisch finanzierte investigative Seite Propuplica hatte ein Tool entwickelt, das Nutzer sehen ließ, wie sie durch Facebook-Werbung getrackt werden. "Nun hat Facebook stillschweigend Änderungen an seinem Dienst vorgenommen, um diese Versuche zu stoppen", schreibt Jeremy B. Merrill bei Propublica: "Sowohl Propublica als auch Mozilla und Who Targets Me mussten feststellen, dass ihre Tools in diesem Monat durch neuen Code bei Facebook neutralisiert wurden." Bei Techcrunch berichtet unterdessen Josh Constine, dass Facebook bei freiwilligen Teenagern Software auf Handys installierte, um sämtliche Daten abzugreifen und ihr Verhalten zu studieren. Und in der New York Times legen Joseph Turow und Chris Jay Hoofnagle dar, dass die Nutzer in maßgeschneiderter Werbung keineswegs einen Vorteil erblicken - entgegen der Rechtfertigung Mark Zuckerbergs, dass er die Nutzer nur so - und also durch Ausspionieren - zufriedenstellen könne.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.01.2019 - Internet

Entgegen aller Versprechungen will Mark Zuckerberg nun doch Chat-Technik und Daten seiner drei Social-Media-Dienste Facebook, Whatsapp und Instagram verschmelzen, meldet Jannis Brühl in der SZ online: "Skeptiker hielten die formelle Unabhängigkeit der Tochter-Apps immer für ein Feigenblatt: Irgendwann werde Facebook sein Anzeigenmodell samt Datenhunger auch Whatsapp überstülpen. Es lässt sich nun nicht mehr leugnen: Hier entsteht ein Monopolist. Er baut ein Ökosystem der Kommunikation, in dem der Preis für Verzicht immer höher wird. Aussteigern droht bald der Verlust ihres sozialen Netzwerks über drei Apps hinweg." Da sollte man jetzt schon mal über die "Zerschlagung des Konzerns" reden, meint Brühl.

Erny Gillen und Ranga Yogeshwar wenden sich in der FAZ gegen eine Facebook-Spende in Höhe von 6,5 Millionen Euro an die TU München für Forschung zur Ethik in der Künstlichen Intelligenz. Ihr Argument ist, dass Facebook hier natürlich aus Eigeninteresse handelt. Die Konsequenzen sehen sie als grundstürzend: "Auch die Indios konnten sich weder vorstellen, dass man mit Gold auf der anderen Seite der Welt reich wurde, noch erkannten sie, dass die importierte Kultur der Konquistadoren ihre eigene Zivilisation zerstören würde. Genau hier schließt sich der Kreis der Geschichte. Auch wir werden Zeugen eines unerhörten kulturellen Auflösungsprozesses. Die Basis des Gemeinsamen löst sich auf." Wir sind die Indios Mark Zuckerbergs!

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.01.2019 - Internet

In Deutschland ist die Digitalisierung fast ausschließlich angstbesetzt. Kaum jemand setzt sich gestalterisch damit auseinander, bedauert der Ökonom Ayad Al-Ani auf Zeit online und macht Vorschläge: Etwa zum Aufbau "Aufbau föderativer Plattformen. Solche Portale könnten Leistungen und Produkte verschiedener Anbieter vermitteln und zum Beispiel von einer Genossenschaft oder öffentlich-rechtlichen Organisation gesteuert werden. Durch gemeinschaftliche Modelle würde man auch Monopolen einzelner Firmen vorbeugen, wie sie im Silicon Valley entstanden sind."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.01.2019 - Internet

Der Unternehmensberater Reinhard Sprenger kann in der NZZ die Furcht vor Automatisierung und maschineller Intelligenz nicht verstehen. Am Ende werde sie mehr Stellen schaffen als abbauen: "Kein Zweifel: Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden. Es werden Arbeitsplätze vernichtet. Wird das schnell gehen? Nein... Die gute Nachricht ist, dass es um viele der verschwindenden Jobs nicht sonderlich schade sein wird. Die Massenfertigung hatte ja dazu geführt, dass die Arbeitsplätze immer maschinenähnlicher wurden. Nun werden diese Jobs auch von Maschinen erledigt. Eintönigkeit verschleißt dann nur noch Maschinenteile, keine Menschen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.01.2019 - Internet

Adrian Lobe stößt sich in der SZ an der "Naturmetaphorik", mit der das Internet gern beschrieben wird: Das Fatale daran sei, "dass sie ein Bild von einer 'natürlichen', sprich unabänderlichen Entwicklung zeichnet, als sei der Mensch gar nicht mehr die treibende Kraft, sondern der Getriebene, als gehorche die Datenproduktion Naturgesetzlichkeiten. Wenn der Datensturm über die Gesellschaft hereinbricht, dann ist das eben keine menschliche Fehlleistung, sondern die Laune einer datenförmigen Natur, die man schnell als Zeichen einer außerweltlichen Instanz deuten kann. Nach dem Motto: Das war eben der Furor technicus, der diejenigen ereilt, die sich nicht mit entsprechenden Schutzvorkehrungen und Frühwarnsystemen wappnen. Letztlich bedeutet dies einen Rückfall in den Mystizismus."
Stichwörter: Lobe, Adrian

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.01.2019 - Internet

Die DSGVO findet erstmals ein prominentes Opfer: Die französische Datenschutzbehörde CNIL verurteilt Google zu einer Strafe von 50 Millionen Euro, berichtet unter anderem Nicholas Vinocur in politico.eu: "In einer Erklärung, hat die CNIL angegeben, dass sie Google wegen 'mangelnder Transparenz, unzureichender Informationen und mangelnder klarer Zustimmung zur Personalisierung der Anzeigen' sanktioniert. Google suche nicht nach einer 'eindeutigen' Einwilligung für alle Arten der Datenverarbeitung, sondern lasse standardmäßig bestimmte Optionen angeklickt - unter Verletzung des DSGVO-Prinzips, nach dem Nutzer jede spezifische Nutzung ihrer Daten genehmigen müssen."
Stichwörter: DSGVO, Google, Datenverarbeitung

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.01.2019 - Internet

(Via turi2) Google wehrt sich zur Zeit mit einer Werbekampagne gegen das drohende europäische Leistungsschutzrecht (das von Mathias Döpfner neulich in einem Interview noch wärmsten begrüßt wurde, mehr hier). Das googlewatchblog präsentiert einige Suchergebnisse bei Google und Google News, wie sie aussehen könnten, wenn das Leistungsschutzrecht eingeführt ist. Zum Beispiel so: "Was aussieht wie eine nicht vollständig geladene Google-Suchergebnisseite ist derzeit tatsächlich bei vielen Nutzern zu sehen: Die Websuche zeigt sowohl im News-Karussell als auch bei den normalen Ergebnissen keine zusätzlichen Informationen mehr an."




In der NZZ geißelt Slavoj Zizek die Zensur im Netz, die sich von Russland bis Amerika verbreite: "Insofern sollten wir uns freuen über jeden Datendiebstahl, über jeden Datenskandal, über jeden Hackerangriff. Wikileaks war erst der Anfang - lasst hundert Wikileaks blühen!"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.01.2019 - Internet

Als Dark Social wird jener Internettraffic bezeichnet, der von außen kaum einsehbar ist, weitergeleitet etwa über persönliche Mails, geschlossene Gruppen in sozialen Netzwerken oder Messenger-Dienste wie Whatsapp, erklärt Dirk von Gehlen in der SZ und verweist auf die Brisanz der Kanäle, die nicht zu kontrollieren seien: "Das Aufkommen der Gelbwesten-Bewegung soll in beträchtlichem Maß durch private Gruppen auf Facebook organisiert worden sein, in denen sich private Nachbarschaften verbunden haben. Weite Teile des brasilianischen Präsidentschaftswahlkampfs sollen über den im Land äußerst populären Dienst Whatsapp geführt worden sein. Jedenfalls deckte die Zeitung Folha de São Paulo auf, dass der mittlerweile gewählte rechtsnationale Kandidat Jair Bolsonaro mehrere Agenturen beauftragt haben soll, Falschnachrichten in die Kanäle von Whatsapp zu posten. Whatsapp hat keine Einsicht in die Chats seiner Nutzer, da diese stark verschlüsselt sind. Der Dienst reagierte nur langsam auf die sich rasant verbreitenden Falschmeldungen und handelte sich damit eine Menge Kritik ein."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.01.2019 - Internet

Die Digitalisierung lässt sich nicht rückgängig machen, aber vielleicht etwas klüger gestalten, denkt sich die Netzaktivistin Katharina Nocun in der SZ nach dem jüngsten Hack der Daten von Politikern. Wenn wir unsere Privatsphäre schützen wollen, sollte "Datensparsamkeit statt Sammelwut" das neue Leitbild von Behörden und Unternehmen werden: "Es braucht keinen Staat, der in puncto Datensammlung Facebook Konkurrenz macht. Es braucht einen Staat, der zur digitalen Selbstverteidigung ermutigt, statt sichere Verschlüsselung und anonyme Kommunikation zu verteufeln. Es sollte keinem Menschen verwehrt werden, seinen innersten Kernbereich der privaten Lebensgestaltung angemessen zu schützen. Niemand kann ernsthaft wollen, in einer Welt ohne Geheimnisse zu leben. Es wäre ein langweiliger Ort voller aufgezwungener Konformität."

Scharf wendet sich die Electronic Frontier Foundation nochmal gegen das europäische Leistungsschutzrecht für Presseunternehmen und die Uploadfilter, die von der EU wohl demnächst beschlossen werden und den traditionellen Inhalteproduzenten größere Macht verleihen: "Zusammengenommen werden diese beiden Regeln riesige Felder von Online-Ausdrucksformen einer Überwachung und willkürlichen Zensur aussetzen und den größten Nachrichtenunternehmen in Europa die Entscheidungsbefugnis geben, wer ihre Berichterstattung diskutieren und kritisieren darf, und den Open-Access-Journalismus im öffentlichen Interesse untergraben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.01.2019 - Internet

Im Gespräch mit Friederike Haupt und Frank Pergande von der FAS begründet der Grünen-Politiker Robert Habeck, warum er Twitter verlässt und doch lieber in Talkshows geht:"Es gibt aber auch einen fundamentalen Unterschied zu Twitter: Die Talkshows sind moderiert. Sie funktionieren nur deshalb einigermaßen, weil da Frau Illner oder Frau Will sitzt und sagt: Jetzt ist aber die oder der mal dran! Große Zeitungen, der öffentlich-rechtliche Rundfunk funktionieren, weil da Journalisten sitzen, die gezielt nachfragen, moderieren, Aussagen überprüfen, Fakten checken. Bei Twitter ist das eben nicht der Fall."