9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.01.2019 - Internet

Nach den jüngsten Datenleaks, die Prominente und Politiker betrafen und vor allem zeigten, dass sie ohne großen Aufwand möglich waren, reflektiert Friedhelm Greis bei golem.de nochmal Forderungen nach strengeren Authentifizierungen der Nutzer, die paradoxer Weise durchaus übers Ziel hinausschießen können: "Denn nicht hinter jedem Account stecken wichtige Daten, die mit hohem Aufwand geschützt werden müssen. Zudem bedeutet ein zusätzlicher Faktor häufig, dass beispielsweise eine Telefonnummer angegeben werden muss. Doch damit steigt wiederum die Gefahr, dass personenbezogene Daten missbraucht werden. (...) Sinnvoll ist auf jeden Fall die Pflicht für sichere Passwörter."

Recht originell und interaktiv aufgemacht ist ein Online-Dossier des Guardian über das Internet in Indien, China, Kuba und Russland. Die Conclusio ist so einfach wie unheimlich: "Zum ersten Mal in der Geschichte ist mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung online. Aber diese Informationsquelle ist nicht für jeden gleich. Wenn man bedenkt, wie das Internet die Art und Weise prägt, wie wir die Welt sehen; wie es unsere Vorstellung von Realität beeinflusst, sind diese Unterschiede mehr als nur digitales Window Dressing - sie haben die Macht, das zu beeinflussen, was wir für wahr halten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.01.2019 - Internet

Nach dem gegenwärtigen Stand der Verhandlungen sieht es so aus, dass die Uploadfilter kommen werden - das Internet wird sich zu seinem Nachteil verändern, warnt die EU-Abgeordnete Julia Reda in ihrem Blog: "Dies wird die Plattformen zu drastischen Maßnahmen zwingen, da sie nie mit Sicherheit sagen können, welche unserer Beiträge oder Uploads sie einer kostspieligen Haftung aussetzen werden. Sie müssen möglicherweise einschränken, wer überhaupt Inhalte posten/hochladen darf, von den Uploadern eine persönliche Identifizierung verlangen und/oder die meisten Uploads mit zu strengen Filtern blockieren, um auf der sicheren Seite zu sein." Bis in den März soll das Gesetz laut Reda durchgepaukt werden.
Stichwörter: Uploadfilter, Reda, Julia

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.01.2019 - Internet

In der FAZ fürchtet der bekannte Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar, dass sich die EU in Regelungen zur Künstlichen Intelligenz zu stark von den Interessen der großen Plattformkonzerne leiten lässt und allzu laxe Vorschriften formuliert: "Aus technischer Sicht ist Datenschutz nämlich Gift für die lernwilligen Algorithmen, denn ohne opulente Datenfütterung sind die neuronalen Netzwerke nutzlos. Erst durch die Lerndaten entfalten diese Systeme ihre magische Intelligenz. Wer KI weiterentwickeln möchte, ist angewiesen auf den direkten Zugriff von Bewegungs- oder Gesundheitsdaten, auf Gesichter, Texte oder Sprache." Ähnlich sieht es der Theologe Erny Gillen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.01.2019 - Internet

Bei Meedia unterhält sich Stefan Winterbauer mit dem IT-Experten und Blogger Felix von Leitner alias Fefe, der die von Datenlecks betroffenen Politiker nicht bemitleidet. Denn alle sammeln ja Daten, gerade auch die Politik, "aber keiner tut damit sinnvolle Dinge. 'Künstliche Intelligenz' soll jetzt helfen. Der Innenminister ist natürlich auch sofort aufgesprungen und macht Feldversuche mit Gesichtserkennung. Diese Verlogenheit ärgert mich. Du kannst nicht die Opferrolle für dich einfordern, wenn du selbst Täter bist. Hört auf, Daten über mich zu sammeln; dann habe ich auch Mitleid, wenn jemand eure Daten sammelt."

Die deutsche Öffentlichkeit hat sich von einem Schüler narren lassen, schreibt Kai Biermann in Zeit online mit Blick auf den jetzt festgenommen Urheber der Datenleaks: "In der IT-Sicherheit werden Menschen wie Johannes S. Cracker oder Script Kid genannt. Die englischen Ausdrücke sollen sie von Hackern unterscheiden. Oft können Script Kiddies nicht wirklich programmieren, versuchen aber trotzdem, in fremde Systeme einzudringen. Dafür nutzen sie Software und Scripte, die andere verfasst haben." Mehr zu dem "Lausbuben" im Tagesspiegel.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.01.2019 - Internet

Wikileaks hat eine Mail an Agenturen gesandt, um sie zu informieren, was man alles über Julian Assange nicht behaupten darf. Die Bloggerin Emma Best leakt dieses Scheiben. Die Liste der Dinge, die man über Assange nicht sagen darf, umfasst 140 Punkte. Ein Auszug, nicht übersetzt: "It is false and defamatory to suggest that Julian Assange is an anti-semite. It is false and defamatory to suggest that Julian Assange is a mysogynist or sexist. It is false and defamatory to suggest that Julian Assange is a paedophile. It is false and defamatory to suggest that Julian Assange is a rapist."

"Die Bewusstseinslage des vernetzten Menschen" ist vor allem von Ungewissheit geprägt, von Kontrollverlust, meint der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen in der NZZ anlässlich des jüngsten Hackerskandals. "Die Frage bleibt, wie die Gesellschaft langfristig auf die Unkalkulierbarkeit von Kommunikationseffekten und den Terror der Transparenz reagieren wird. Durch Mitleid mit den Betroffenen, die auf einmal im grellen Licht der Öffentlichkeit zu sehen sind? Durch eine neue Gelassenheit, die die Ad-hoc-Enthüllungen über Privates und Peinliches achselzuckend als Kollateralschaden einer vernetzten Medienwelt akzeptiert? Durch eine wieder aufflammende Verherrlichung des Geheimnisses, eine reaktive Romantik des Verbergens? Oder aber durch eine zunehmende Unruhe und Enttäuschungswut, weil doch offensichtlich wird, dass der Mensch aus krummem Holz geschnitzt und alles andere als perfekt ist, man aber gleichzeitig die eigenen Verehrungssehnsüchte und ein idealistisches Konzept von Autorität unbedingt aufrechterhalten möchte?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.01.2019 - Internet

Nach den jüngsten Datenleaks, die vor allem Prominente und Politiker betrafen, fordern die Grünen-Politiker Konstantin von Notz und Malte Spitz bei Spiegel online schärfere Vorschriften: "Dort, wo die Anbieter sich weigern, grundlegende Sicherheitsmechanismen selbst zu schaffen, müssen sie nötigenfalls verpflichtet werden. Der Staat muss seiner Vorbildfunktion und seiner Schutzverantwortung gegenüber privater Kommunikation, digitalen Infrastrukturen und demokratischen Institutionen endlich gerecht werden."

In einem viel retweeteten Blogbeitrag bei Medium schreibt Daniel Moßbrucker zu der Affäre vor allem mit Blick auf die betroffenen Journalisten: "Die Angreifer:innen haben genau das erreicht, was sie wollten, nämlich die Reputation von vielen Journalist:innen und das Vertrauen in Medien insgesamt zu schwächen. Mit geringem Aufwand ist es gelungen, in sämtlichen Nachrichtensendungen das Bild zu vermitteln, dass massenhaft sensible Daten von Journalist:innen im Netz stehen. Für investigativ arbeitende Journalist:innen ist das der Super-GAU."

Auch Dirk Peitz findet die Sache auf Zeit online nicht zum Lachen. Trotzdem, ein Gutes könnte die Sache haben, denn die Betroffenen sind zugleich "künftige Entscheider darüber, wie die Interessen der Bürgerinnen und Bürger zur Sicherheit ihrer persönlichen Daten einerseits und die staatlichen Interessen etwa bei der Verfolgung von Kriminalität andererseits weiter austariert werden. Der digitale Selbstschutz der Bürger ist aus staatlicher Sicht eben nicht nur positiv: Accounts, die mit Zwei-Faktor-Authentifizierung gesichert werden, sind ebenso schwer für Strafverfolgungsbehörden einsehbar wie perfekt geschützte Smartphones und digitale Kommunikation, die etwa über Ende-zu-Ende-verschlüsselte Kanäle wie WhatsApp stattfindet." Vielleicht findet diese Erkenntnis bei den nächsten Entscheidungen über digitalen Selbstschutz einen Niederschlag.

In der FAZ stutzt Constanze Kurz dagegen angesichts der Empörungswelle, die mit den Datenleaks über das Land schwappt. Die Bildzeitung ruft "Cyber-Alarm" und "Hacker-Gau" aus, selbst Unionspolitiker fordern Hackbacks! Dabei hätten die Daten, die veröffentlicht wurden, nur wenig Brisanz und bestanden vor allem aus Telefonnummern und Adressen. Nur bei einigen wurden Dossiers mit wirklich privaten Daten ins Netz gestellt: "Statt Gegenschlagsgefasel über offensive Angriffe wäre es für die Abgeordneten jetzt endlich an der Zeit, sich an die Lösung der zugrundeliegenden Probleme zu machen: eine defensive Cyber-Strategie, die sich zum einen auf die Entwicklung von sicheren, gut nutzbaren Systemen als Open-Source-Software konzentriert, und zum anderen die weit gestreute Vermittlung von Wissen über den richtigen Umgang mit digitalen Risikoprodukten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.01.2019 - Internet

Die FAZ hat sich von CCC-Sprecher Frank Rieger den massenhaften Datenraub deuten lassen, mit dem private Daten von Hunderten Politikern, Journalisten und Künstlern ins Netz gestellt wurden: "Die Struktur der abgegriffenen Daten deute darauf hin, dass der Datendieb aus der 'Doxing-Ecke' komme, sagte Rieger, als jener Netzszene, in der es darum geht, andere und Andersdenkende mit der Veröffentlichung persönlicher Daten zu diffamieren. An die publizierten Daten könne man, so Rieger, durch Recherche, offene Quellen und digitalen Einbruch kommen. Auch wenn es so aussehe, als könne hier jemand losgelegt haben, den Langeweile und Hass auf die Welt umtreibe, sei es für staatliche Angreifer selbstverständlich ein Leichtes, so zu tun als ob." Wie Wikipedia verrät: Beim Doxing geht es um das Zusammentragen von Dokumenten (=docs/dox) Missliebiger.

Netzpolitik gibt einen Leitfaden zur digitalen Selbstverteidigung. Markus Reuter zufolge sollten sich die Leute aber nicht mit der Mahnung zu sicheren Passwörtern abspeisen lassen: "Dabei ist die Politik auch selbst gefragt, um den Datenschutz zu stärken. Es braucht mehr Geld für die digitale Kompetenzvermittlung, mehr Stellen in den Datenschutzbehörden und eine politische Stärkung des Prinzips 'Privacy by Default'. Die große Koalition betreibt durch die Einführung von Staatstrojanern selbst die Offenhaltung von Sicherheitslücken und blockiert bei der E-Privacy-Verordnung eine Stärkung von Verbraucherrechten. Politik muss endlich begreifen, dass Datenschutz kein Hemmnis ist, sondern im Gegensatz dazu Werkzeuge der digitalen Selbstverteidigung, einfach zu nutzende Open-Source-Verschlüsselungen, Passwortmanager und ähnliche Privacy-Tools fördern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.01.2019 - Internet

Unternehmen wie Facebook stellen Strukturen bereit, die für das Funktionieren der heutigen Öffentlichkeit entscheidend sind, verwalten sie aber als Privatunternehmen, die ihren willkürlichen Launen folgen müssen und im Umgang mit Daten Transparenz vermissen lassen. Der Soziologe und Autor Thomas Wagner findet in der taz, dass diese Unternehmen gezügelt werden müssen:  "Till Wagner und Benjamin Böhm von der Arbeitsgemeinschaft Unternehmen in Verantwortungseigentum fordern die Einführung einer neuen Rechtsform für Unternehmen, die mehr unternehmerische Freiheit als das vorhandene Stiftungsrecht ermöglicht, diese aber gleichwohl dem Gemeinwohl verpflichtet. An die Stelle des Kapitaleigentums soll das sogenannte Verantwortungseigentum treten... Dieser Vorstoß weist in die richtige Richtung. Doch darf auch die Vergesellschaftung der Internetgiganten kein Tabuthema mehr sein."

(Via Netzpolitik) Li Yuan besucht für die New York Times die Pekinger Firma Beyondsoft, wo im Auftrag der Regierung 4.000 Angestellte eine populäre News-App in einer bestimmten Region Chinas auf zu zensierende Inhalte prüft: "Die Software von Beyondsoft durchsucht die Internetseiten und markiert potenziell problematische Wörter in verschiedenen Farben. Wenn eine Seite voller farbiger Wörter ist, erfordert sie laut den Managern einen näheren Blick. Wenn nur ein oder zwei Wörter auf der Seite sind, kann man sie in der Regel durchlassen."

Außerdem: Nachdem Irland seine Steuerschlupflöcher für Google geschlossen hat, soll Google 20 Milliarden Dollar auf die Bermudas transferiert haben, melden rp-online.de/Reuters.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.01.2019 - Internet

Zur psychologischen Hygiene in sozialen Medien gehört, dass man lästige Follower blockt, um sie aus der Wahrnehmung zu verbannen. Sascha Lobo empfiehlt diese Methode in seiner Spiegel-online-Kolumne: "Eine Reihe generalempörter Leute glaubt, dass Blocken quasi gleichbedeutend mit Zensur sei. Das ist Unfug, ein Ausweis der Ich-Hybris und der Definitionsblindheit. Zensur heißt, sich nicht äußern zu dürfen. Blocken aber ist die Freiheit des Einzelnen, andere aus der persönlichen Digitalsphäre auszuschließen, so wie man auch ins eigene Wohnzimmer nicht jeden hineinlässt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.12.2018 - Internet

Andrea Diener erzählt in der FAZ, wie die Autorin Katharina Nocun für ihr Buch "Die Daten, die ich rief: Wie wir unsere Freiheit an Großkonzerne verkaufen" Amazon dazu brachte, ihr alle Daten zu schicken, die der Konzern über sie kannte: "Und da war es nun endlich, das komplette Klickverhalten der Katharina N., jede einzelne Interaktion, jeder Klick, jedes Bild, das sie vergrößert hat... 15.000 Einträge sind das zwischen August 2016 und Oktober 2017."
Stichwörter: Amazon, Nocun, Katharina