Christian Meier hat für die
Welt Mark Zuckerbergs Manifest
gelesen, in dem der
Facebook-Gründer
seine Vision von einer globalen Community formuliert: "Zuckerberg stemmt sich mit dem gesamten Text gegen die zuletzt dominierende Lesart, dass aus der Utopie des Netzes
eine Dystopie geworden ist.
All die Visionäre wie Web-Erfinder Sir Tim Berners-Lee oder John Perry Barlow, der die 'Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace' formulierte, wurden
von Schwarzsehern wie Jaron Lanier und Evgeny Morozov an den Rand gedrängt. Zuckerberg predigt gewissermaßen das Hohelied der Inklusion. Nicht zufällig zitiert er an einer Stelle einen Geistlichen. Er zitiert auch Abraham Lincoln, der zur Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges sagte: 'Wir können
nur gemeinsam erfolgreich sein.' Und: 'Weil unsere Situation neu ist, müsen wir neu denken, neu handeln.'"
Im
Guardian reagiert Anne McElvoy zwiegespalten auf das Facebook-Manifest: "Businessfolk who
enter the political arena need to do something that does not come easily. They need to look at themselves and their creations not just as their fans or shareholders see them, but from the viewpoint of
what they threaten - and how that can be changed. A striking omission in Zuckerberg's letter is acknowledgment that the dominance of new media tech platforms is a
structural threat to smaller publishers - not just niche ones, but players from the BBC to the Guardian, on both sides of the Atlantic. .... Where does public-interest journalism figure in their model and what is their view on how to support it?"
Facebook versucht auch gerade, etwas gegen
Terrorwerbung und Hetze in seinem Netzwerk zu tun, droht dabei aber an seinen Widersprüchen zu scheitern,
berichtet in der
Zeit Eva Wolfangel: "So könnte es sein, dass die Beteiligten den Vorwurf fürchten, hier
Nutzer auszuspähen. Schließlich setzt Facebook im Rahmen des Projekts sein Wissen über individuelle User ein. Deren
Anfälligkeit für islamistische oder rechtsradikale Inhalte errechnet ein Algorithmus aus den Datenspuren, die bei Interaktionen im Netzwerk hinterlassen wurden. 'Wir haben verschiedene Methoden ausprobiert, um die gleichen Menschen im Netz zu finden, die auch der 'Islamische Staat' findet', erklärt Amanullah das Prinzip - und zwar, bevor sie abtauchen. Wer
laut Algorithmus für Hassbotschaften anfällig zu sein scheint, dem wird
Gegenrede in seinen Nachrichtenstrom eingeblendet. Etwa Warnungen von IS-Aussteigern oder aktuelle Informationen gegen rechte Hetze. ... Aber ist das nicht
Manipulation, wenn die Nutzer glauben, das zu bekommen, was sie gesucht haben, aber genau das Gegenteil erhalten?"