9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Internet

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.07.2016 - Internet

Für politico.eu berichtet Nicholas Hirst über die europäischen Monopolklagen gegen Google, die allerdings so viel Zeit kosten, dass inzwischen Fakten geschaffen worden sind: "Für viele der Kläger sind harte Zeiten angebrochen, seit die Kommission im Jahr 2010 erste Untersuchungen anstellte. Der Traffic der Preisvergleichsseiten Ciao und Kelkoo ist laut comScore von 2007 bis 14 um mehr als 65 Prozent gesunken. Die Firmen sind von Yahoo und Microsoft inzwischen verkauft worden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.07.2016 - Internet

Ben Tarnoff erzählt im Guardian, wie im Biergarten Rossotti (heute als Alpine Inn Beer Garden bekannt) im Silicon Valley ein Experiment abgehalten wurde, das für die Entstehung des Internets vor vierzig Jahren entscheidend war. Und er spricht mit Don Nielson vom Stanford Research Institute (SRI), der dieses Exeriment seinerzeit leitete: "Das Internet war eine kollektive Errungenschaft, beharrt Nielson. SRI war nur eine von vielen Organisationen, die daran arbeiteten. Darum ließen sie in Rossottis Biergarten keine Champagnerkorken knallen. Wer zu viel Ruhm für ein Team einfordert, verrät den kollektiven Geist des Networking Community."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.07.2016 - Internet

Tim Berners-Lee, Lawrence Lessig und Barbara van Schewick rufen die Europäer dazu auf, bis Montag für ein Offenes Netz und Netzneutralität in Europa einzutreten. Netzpolitik dokumentiert den Aufruf auf Deutsch: "Netzneutralität für Hunderte von Millionen von Europäern liegt in greifbarer Nähe. Diese zu sichern ist essenziell, um das offene Internet als Motor für Wirtschaftswachstum und sozialen Fortschritt zu bewahren. Aber die Öffentlichkeit muss die Regulierungsbehörden jetzt auffordern, Sicherungsmaßnahmen zu stärken und nicht den manipulativen Taktiken der Netzbetreiber nachzugeben." Hier der Text auf englisch.

In Zeit online schildert Eike Kühl die Hintergründe - die Netzneutralität könnte in der nächsten Woche durch neue EU-Regelungen aufgeweicht werden: "Schwammige Formulierungen und zahlreiche Schlupflöcher könnten es den Telekommunikationsanbietern künftig erlauben, einzelne Dienste und Angebote zu bevorzugen und daraus Profit zu schlagen, warnen die Kritiker... Es entstünde ihrer Meinung nach das vielzitierte 'Zwei-Klassen-Internet', in dem bestimmte Dienste besser behandelt werden als andere. Im Mittelpunkt der Debatte stehen vor allem drei Punkte." Bis 18. Juli hat die Öffentlichkeit noch die Möglichkeit, die Leitlinien zu kommentieren.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.07.2016 - Internet

Am 27. Juni entdeckte der amerikanische Autor und Künstler Dennis Cooper, dass Google sein Blog sowie sein Gmail-Konto ohne ersichtlichen Grund gelöscht hatte. Damit waren 14 Jahre künstlerischer Arbeit verloren, einfach weg, berichtet Artforum. "Cooper versuchte, den Technologie-Giganten über Telefon und zahlreiche E-Mails zu erreichen, doch erhielt lediglich eine allgemeine Aussage über einen 'Verstoß nach den Bestimmungen des Dienstleistungsvertrags'; eine präzise Erklärung gab man ihm nicht. 'Es scheint da irgendwo eine Mauer des Schweigens errichtet zu werden, aber ich weiß nicht wo oder warum', schrieb er in einem Facebook-Post." Der Autor hatte zuvor mit umstrittenen künstlerischen Inhalten polarisiert. Nun sieht er keine andere Möglichkeit mehr, als Google zu verklagen.
Stichwörter: Cooper, Dennis, Google

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.07.2016 - Internet

Die Stanforder Internetrechtlerin Barbara van Schewick warnt im taz-Gespräch mit Svenja Bergt vor der in Deutschland drohenden Abschaffung der Netzneutralität: "Wenn wir uns in einem Internet bewegen, in dem Anbieter von Inhalten dafür bezahlen dürfen, dass ihre Inhalte schneller transportiert werden, dann haben kleine Anbieter, die sich das nicht leisten können, keine Chance mehr. Das betrifft die Bürgerinitiative genauso wie Universitäten, neue Medien oder das Start-up, das keine üppige Finanzierung hat. Das ist schlecht für die Meinungsvielfalt im Netz und schadet der Innovation."

Popmusiker wie Taylor Swift und ihre Labels sind sauer auf Google, dessen Dienst Youtube prächtig floriert und den Musikern kaum etwas abgibt, schreibt Jens Tönnesmann bei Zeit online: "Der Datenjournalist David McCandless hat errechnet, dass die Songs eines Künstlers mit Label-Vertrag im Monat 4,2 Millionen Mal gespielt werden müssten, damit er damit den amerikanischen Mindestlohn von 1.260 Dollar erzielt. Und der Musiker Nikki Sixx, der sich beim Google-Chef beschwerte, beklagt öffentlich, dass YouTube pro Abruf nur ein Sechstel dessen zahle, was die Streaming-Anbieter Apple und Spotify überweisen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.07.2016 - Internet

In der SZ denkt Annika Domainko über das Problem von Social Bots nach. Das sind Computerprogramme, die sich in den sozialen Netzwerken als Nutzer ausgeben, kommentieren und sich zu politischen Themen äußern. Forscher haben jetzt entdeckt, dass anlässlich des Brexit-Referendums beide Lager in UK solche Bots auf Twitter benutzt haben. Dabei dürfte kein Bot einen Brexit-Gegner umgestimmt haben. "Bots sind nicht fähig zu Rede und Gegenrede, sie machen keine konstruktiven Vorschläge, die der Komplexität politischer Realität gerecht werden. Sie argumentieren nicht. Viele teilen einfach die Nachrichten, die andere Nutzer zuvor gepostet haben. So vergrößern sie die Reichweite der Botschaften und erwecken den Anschein einer breiten Zustimmung. ... Politische Bots sind daher dort gefährlich, wo eine bestimmte Meinung und eine bestimmte argumentative Grundstruktur bereits vorhanden sind."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.07.2016 - Internet

Wann hört man hierzulande schon mal, dass ein Millionär Geld spendet, um das Internet voranzubringen? "Das Berkman Center for Internet & Society an der Harvard Law School hat 15 Millionen Dollar von dem Juristen Michael R. Klein erhalten", meldet Markus Beckedahl in Netzpolitik. "Klein hatte dank eines Stipendiums an der Harvard Law School studieren können und konnte danach ein Vermögen aufbauen. Er ist derzeit unter anderem Vorsitzender der Sunlight Foundation, einer der führenden Organisationen rund um Open Data und Transparenz."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.06.2016 - Internet

Kann es sein, dass der Messengerdienst Slack Facebook in Verlegenheit bringen kann? Jedenfalls agiert die Firma intelligent, indem sie etwa Apps anderer Firmen integriert und sich so - anders als Facebook - zum Netz öffnet, schreibt Adrienne LaFrance in Atlantic: "Es gibt zwei kleine Brüche in der im übrigen totalen Dominanz von Facebook. Der eine betrifft die ganz Jungen, die lieber Snapchat und Instagram benutzen als Facebook. Und der andere die professional crowd, von der zwar viele bei Facebook sind - aber ebenso bei Slack, einem Dienst, mit dem sie immer mehr Zeit verbringen. 77 der Fortune 100-Firmen benutzen heute Slack, sagt die Firma."
Stichwörter: Apps, Facebook, Slack, Instagram, Dominanz

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.06.2016 - Internet

Cody Brown kann es bei medium.com nicht fassen, dass ein Internet-Tycoon wie Peter Thiel vorgeschobene Prozesse benutzt, um ein Magazin wie Gawker in die Pleite zu treiben (Konkurs hat es bereits angemeldet), und dass so viele andere Internetgrößen per Twitter ihre große Freude über diese Vorgehensweise bekunden: "Es ist ja ok, anderer Meinung zu sein als Gawker. Gawker hat ganz bestimmt manchmal Mist gebaut, aber es gibt einen Grund, warum wir Pressefreiheit haben, der heißt 'erster Verfassungszusatz'. Warum kann das Silicon Valley freier Rede nicht mit Rede begegnen? Warum ein vorgeschobener Prozess? Viele Experten sagen, dass Gawker den Hulk-Hogan-Fall gewinnen wird, aber das spielt keine Rolle, weil der Prozess so kostspielig ist, dass die Firma so schon pleite geht. So sieht Silicon Valley das Recht?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.06.2016 - Internet

Das Internet muss neu dezentralisiert werden, sagt Tim Berners-Lee, maßgeblicher Miterfinder des heutigen Netzes, laut Economist. Die Grassroots-Bewegung, von der er einst träumte, ist zerstoben: "Zwei Jahrzehnte danach ist er nicht mehr so optimistisch. 'Das Problem ist die Dominanz einer Suchmaschine, eines großen sozialen Netzes, eines Twitter für Micro-Blogging', erklärte er am 7. Juni bei einer Konferenz in San Francisco. Die Beobachtung, dass das Netz zu zentralisiert sei, ist nicht neu, aber in den letzten Monaten wurden die Warnungen lauter. Experten schätzen, dass die vielen Seiten von Google inzwischen 40 Prozent des gesamten Traffics im Netz ausmachen. Und die Facebook-Apps sind auf Smartphones ähnlich dominant." Hier ein Bericht von der im Economist erwähnten Konferenz für ein dezentrales Netz (die übrigens von Google mit gesponsert wurde).