9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.10.2021 - Kulturmarkt

Einige Autorinnen boykottieren die Buchmesse, weil sie zum "Blauen Sofa" eingeladen sind und dort in der Nähe sehr prominent ein rechtsextremer Verlag platziert wurde. In der taz berichtet Dirk Knipphals: "In der Tat ist die Präsenz dieses Kleinverlages zu Beginn der Buchmesse das große Thema, das und die Absage ihrer Messeauftritte durch Jasmina Kuhnke, Ciani-Sophia Hoeder und Aminata Touré sowie die Aufrufe, aus Solidarität die Messe zu boykottieren, die in den sozialen Medien zu finden sind. Jasmina Kuhnkes Verlag, Rowohlt, weist darauf hin, dass der Leiter des Verlags Jungeuropa öffentlich die 'Abschiebung' von Jasmina Kuhnke gefordert hat."

Einige der AutorInnen müssen wegen der Bedrohung durch Rechte inzwischen unter Polizeischutz auftreten, weiß Marie Schmidt in der SZ - und findet die Absagen dennoch falsch, da Druck entstehe für AutorInnen, die sich als links und antirassistisch positionieren, "ihre eigene Teilnahme an der Messe wo nicht abzusagen, so zumindest rechtfertigen zu müssen. Von solcher Peer Pressure mag man halten, was man will. Ein schärferes Dilemma besteht darin, dass die Intervention einem bislang unbekannten Kleinverlag unfreiwillig zu Aufmerksamkeit verholfen hat." Außerdem sei es eine Frage des Kartellrechts, ob man rechte Verlage ausschließen kann, erklärt ihr Buchmessendirektor Jürgen Boos: "'Wenn die Frankfurter Buchmesse als marktbeherrschend im Sinne des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen einzustufen ist, wovon wir aufgrund der Größe und internationalen Bedeutung der Veranstaltung ausgehen, dann darf sie Aussteller nicht ohne sachlich gerechtfertigten Grund ausschließen. (...)' Andernfalls könnten sich Akteure, etwa der rechten Verlagsszene, einklagen."

Iris Radisch resümiert für die Zeit den Streit zwischen Verlagen und Bibliotheken um die "Online-Ausleihe". Beide Seiten haben gute Argumente, schreibt sie. Die Verlage wollten eine Gleichstellung von Ebooks und physischen Büchern verhindern: "Bisher gelten nämlich unterschiedliche Regelungen. Während die Bibliotheken aus den gedruckten Neuerscheinungen sofort nach ihren eigenen Wünschen frei auswählen dürfen und diese beim Buchhandel einkaufen, gibt es für elektronische Bücher, die von zentralen Plattformen wie divibib und Overdrive vermittelt werden, häufig Sperrfristen von einigen Monaten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.10.2021 - Kulturmarkt

Deutsche Archäologen haben auch die Osmanen vielfach übers Ohr gehauen, um Antiken nach Deutschland bringen zu können, behauptet Jürgen Gottschlich in seinem Buch "Die Schatzjäger des Kaisers" und bezieht sich dabei auf Briefe, die er im Archäologischen Institut in Berlin fand. Im Interview mit der FR führt er das näher aus: "Das Osmanische Reich war keine Kolonie, aber es war in vielfacher Hinsicht abhängig. Das kam dem Kolonialzustand doch sehr nahe. Das Osmanische Reich war pleite. Es stand unter massivem Druck von Russland, das mehrfach versuchte, über den Bosporus einen Zugang zum Mittelmeer zu bekommen. Die Osmanen brauchten Verbündete - und fanden sie in den Deutschen, die sie dann mit Antiken dafür bezahlten. Deren Erwerb geschah unter Druck und war deshalb unredlich."
Stichwörter: Osmanisches Reich, Mittelmeer

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.10.2021 - Kulturmarkt

Digitalexpertre Enno Park wirft in seinem Steadyblog einen Blick auf die Debatte um die Online-Ausleihe, die bisher vom Standpunkt der Verlage dominiert wird. Es geht im Grunde darum, Ebooks genau so zu behandeln wie physische Bücher, schreibt er und wirft den Verlagen und dem Börsenverein vor, die Sachlage zu verzerren: "So wird vielfach behauptet, dass ein Bereitstellen von E-Books in Bibliotheken direkt bei Erscheinen angeblich die gesamte Branche ruinieren würde, weil das E-Lending wie eine Flatrate funktioniere. Diesen Spin der Verlagslobby hat zum Beispiel gestern auch das 'Heute Journal' unhinterfragt übernommen. Er entspricht aber nicht der Realität: Die Bibliotheken erwerben virtuelle Exemplare von E-Books, die sie immer nur an eine Person gleichzeitig verleihen dürfen."
Stichwörter: Online-Ausleihe, Ebooks, E-Books

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.10.2021 - Kulturmarkt

Das Börsenblatt resümiert den Streit um die Online-Ausleihe von Ebooks aus der Sicht der Buchbranche, die am Samstag in großen Inseraten vor eine Freigabe von Büchern direkt nach dem Erscheinen warnte. Man bezieht sich dabei auch auf Regelungsansätze in der Politik: "Im März 2021 schlug schließlich der Bundesrat vor, Verlage künftig gesetzlich dazu zu verpflichten, alle E-Books bereits bei Erscheinen den Bibliotheken für die digitale Ausleihe zur Verfügung zu stellen. Damit käme man einer lange bestehenden Forderung des Deutschen Bibliothekverbands nach." Der Bibliothekenverband hatte diesen Vorschlag im März begrüßt (hier als pdf-Dokument): "Dazu gehört auch das Recht einer Bibliothek, jeweils ein Exemplar digital für begrenzte Zeit jeweils einer Person ('one copy, one loan') zugänglich zu machen."
Stichwörter: Online-Ausleihe, Ebooks, E-Books

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.10.2021 - Kulturmarkt

Screenshot aus der SZ.
Mit einer doppelseitigen Anzeige werben die Buchverlage in der FAZ und der SZ für ihre Aktion "Initiative fair lesen". Viele bekannte Autoren haben für die Aktion unterschrieben. Die Verlage wehren sich gegen die digitale Ausleihe von Neuerscheinungen in Bibliotheken: "Die erzwungene Online-Ausleihe zu Niedrigpreis-Bedingungen - insbesondere für Neuerscheinungen - wäre ein wirtschaftliches Desaster für alle, die vom Kulturgut Buch leben. Wer die Onleihe für E-Books nahe am Nulltarif fordert, der bedroht die literarische Freiheit in unserem Land."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.09.2021 - Kulturmarkt

Wie genau sich die Frankfurter Buchmesse ausmachen wird, scheint auch nach der gestrigen Pressekonferenz noch nicht ganz klar, berichtet der Buchreport: "Die Messe nannte am Dienstag auch Zahlen: Rund 1.500 Aussteller werden anreisen, dennoch bleiben viele Verlage und Unternehmen fern. Die Messe wird kleiner und auch die Abläufe werden dem Infektionsgeschehen angepasst. Grundsätzlich gilt: Maximal 25.000 Personen dürfen sich pro Tag auf dem Messegelände einfinden." Im Jahr 2019 hatte die Buchmesse laut Wikipedia 7.450 Aussteller.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.08.2021 - Kulturmarkt

In der Buchbranche herrscht Ausnahmezustand, berichtet Lothar Müller in der SZ. Grund sind nicht interne Streitigkeiten oder unerwartete Bestseller, sondern schlicht Papierknappheit: "Vereinbarte Papierlieferungen verteuern sich nach Vertragsabschluss, früher als üblich müssen avisierte Auflagenhöhen bei den Druckereien bestätigt werden, Zeitfenster des Druckens schließen sich unerwartet, der Nachschub an Druckmaterial stockt, weil Zusatzstoffe, etwa Farbpigmente fehlen, die aus Asien zugeliefert werden müssen." Der Tonnenpreis für Zellulose, erläutert Müller noch, ist von 650 auf 1.000 Euro gestiegen.
Stichwörter: Buchbranche, Papierknappheit

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.08.2021 - Kulturmarkt

Kleine Sensation in der Verlagswelt, gemeldet im Buchreport: "Alexander Fest, bisher Editor-at-Large bei Rowohlt, verlässt den Verlag und wechselt zusammen mit der langjährigen Rowohlt-Lektorin Ulrike Schieder zu dtv."
Stichwörter: Verlagswelt

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.07.2021 - Kulturmarkt

Der Verlag C.H. Beck wird bekanntlich seine juristischen Standardwerke, den "Palandt" und den "Schönfelder", nach Dutzenden Auflagen umbenennen. Beide Gesetzeskommentare sind nach Nazijuristen benannt. Helmut Ortner kommentiert bei hpd.de diesen Schritt und erzählt nebenbei nochmal die Geschichte des nach Heinrich Schönfelder benannten "Schönfelder": "Schon 1935, damals bereits in der 5. Auflage, bejubelte Schönfelder, dass es ihm gelungen sei, die 'zwölf wichtigsten Gesetze der Regierung des Führers' darin aufzunehmen, darunter selbstverständlich auch die 'Nürnberger Gesetze'. Alle Gesetze sind durchnummeriert. Das erste trägt aber nicht die Nummer 1, sondern die Nummer 20. Warum? Weil der Herausgeber seinerzeit mit dem NSDAP-Parteiprogramm begann, dann folgten einige Rassengesetze, etwa unter Nummer 12a das 'Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre'. Und so beginnt der Schönfelder bis heute das BGB erst mit der Nummer 20."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.07.2021 - Kulturmarkt

Der juristische C.H. Beck-Verlag wird einige seiner berühmtesten Gesetzeskommentare, die nach alten Nazis benannt sind, umbenennen, berichtet Ronen Steinke in der SZ. Das gilt für den "Palandt" und den "Schönfelder". Der "Palandt" "soll künftig den Namen von Christian Grüneberg tragen. Grüneberg, heute Richter am Bundesgerichtshof, ist bislang auch in der Juristenwelt nur wenigen bekannt. Er koordiniert aber die Arbeit der vielen Autorinnen und Autoren, die zu dem Gesetzeskommentar beitragen. Schon von der nächsten, der 81. Auflage an, die im November erscheinen soll, wird sein Name auf praktisch jedem Richterpult zu finden sein." In der Welt berichtet Sven Felix Kellerhoff.