9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.05.2020 - Kulturmarkt

Die Frankfurter Buchmesse soll stattfinden (unser Resümee) Eine "Messe auf Abstand" ist allerdings ein Widerspruch in sich, konstatiert Richard Kämmerlings in der Welt. Auf die Branchenpartys kann man noch verzichten, aber die Begegnungen in Verlagswesen und Buchhandel sind gerade jetzt wichtig, schreibt er: "Da genau das seit Monaten wegfällt und zusätzlich die Vertriebskanäle verstopft sind, wächst der Druck im Kessel. Neuerscheinungen werden massenhaft verschoben, mit Investitionen in Vorschüsse ist man in den Verlagen zurückhaltend. Der internationale Geschäftskreislauf erlebt eine Arterienverkalkung, die Titelzahlen werden reduziert, potenzielle Bestseller für bessere Zeiten zurückgehalten. Man zieht den Kopf ein und wartet ab. Im Ringen um die Frankfurter Buchmesse bündeln sich all diese Entwicklungen. Fällt sie aus, wird die Verlängerung der Durststrecke manifest."

Sehr dramatisch klingt vor diesem Hintergrund allerdings die Meldung im Buchreport: "Die Entscheidung, die Frankfurter Buchmesse in diesem Herbst in deutlich abgespeckter Form auszutragen, wird von großen deutschen Verlagen offenkundig nicht mitgetragen. So werden die marktführenden deutschen Publikumsverlage in diesem Herbst keine Stände in den Messehallen aufbauen." Fehlen werden offenbar die größten deutschen Verlage: die Verlagsgruppe Randomhouse (unter anderen Goldmann, Heyne, Blanvalet, Penguin, Luchterhand, DVA, Der Hörverlag) und die Verlage der Holtzbrinck-Gruppe (Rowohlt, S. Fischer, Droemer Knaur, Kiepenheuer & Witsch) sowie die deutschen Bonnier-Verlage (Ullstein und andere).

Andreas Platthaus informiert in der FAZ über einige interessante Hintergründe: Selbst bei einer Absage der Buchmesse müssten Verlage, die sich bis zum 31. Januar hatten anmelden müssen, fünfzig Prozent der Standmiete bezahlen. Die Messe hat auf diesen Anspruch dann zwar verzichtet: "Aber damit wurde es nun existenzgefährdend für die Frankfurter Veranstaltung selbst. Das wird ein wichtiger Faktor gewesen sein bei der nun verkündeten Entscheidung, die nächste Buchmesse tatsächlich stattfinden zu lassen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.05.2020 - Kulturmarkt

"Die Frankfurter Buchmesse 2020 (14.-18. Oktober) findet statt - als physische Messe mit einem digitalen Rahmenprogramm", meldet das Börsenblatt: "Grundlage für die Durchführung der 72. Frankfurter Buchmesse auf dem Messegelände ist ein detailliertes Gesundheits- und Hygienekonzept, das die dann geltenden Schutzverordnungen des Landes Hessen umsetzt und die Sicherheit der an der Messe teilnehmenden Besucher*innen, Aussteller*innen und Mitarbeiter*innen gewährleistet." Die Messe soll aber deutlich kleiner werden, ergänzt der Buchreport.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.05.2020 - Kulturmarkt

Bücher können kaum noch nach Amerika geschickt werden und umgekehrt, meldet das Branchenmagazin Buchmarkt: "Die Corona-Pandemie verursacht aktuell beim Versand von Paketen und Briefen ins Ausland deutliche Probleme. Nach Angaben des Weltpostvereins sei das globale Postnetz sogar 'kollabiert'.  Grund für die starken Einschränkungen seien Annahmestopps von Zielländern, aber auch Grenzkontrollen sowie mangelnde Transportkapazitäten in Flugzeugen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.05.2020 - Kulturmarkt

Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) hat Insolvenz angemeldet, berichtet der Buchreport: "Anfang 2013 war der Börsenverein eine Partnerschaft mit der GVU eingegangen. Der Auftrag: Die GVU sollte im Sinne der Rechteinhaber illegale Kopien von E-Books im Internet aufspüren, strafrechtlich gegen die Betreiber entsprechender Websites vorgehen und generell für die Belange der Branche trommeln. Mehrfach stand die Kooperation jedoch auf der Kippe, weil man sich zwar auf inhaltlicher Ebene einig war, es jedoch an der Finanzierung haperte. Das entsprechende Budget sollten die Verlage bereitstellen, die sich allerdings mit Beitragszahlungen schwertaten."
Stichwörter: Urheberrecht, E-Books, Kopien

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.05.2020 - Kulturmarkt

Die Branche der Konzertveranstalter steht nicht mehr am Abgrund, sie schwebt schon drüber, wenn man Benjamin Fischer im Wirtschaftsteil der FAZ glaubt, der mit dem Berliner Veranstalter Thomas Spindler gesprochen hat: "Seit Mitte März gibt es so gut wie keine Konzerte mehr. Die Live-Branche steht still. Die Diskussionen über eine mehr oder weniger sachte Öffnung einzelner Wirtschaftsbereiche geht an ihr vorbei. 'Wir waren als Erstes getroffen und werden wohl mit als Letztes wieder halbwegs normal unsere Arbeit machen können', sagt der Berliner. Mit dem Beschluss von Bund und Ländern, Großveranstaltungen bis mindestens 31. August zu untersagen, wurde Mitte April auch Klarheit für den lukrativen Festivalsommer geschaffen: Absagen folgten umgehend."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.05.2020 - Kulturmarkt

Dass die Coronakrise auch im Kulturbetrieb und in den Kulturmärkten einen Schub der Digitalisierung brachte, steht für den Buchmarktexperten Rüdiger Wischenbart außer Frage. Aber in seinem Booklab warnt er auch: "Der enorme finanzielle Druck aus allgemeiner Wirtschaftskrise, geschrumpftem verfügbaren Einkommen der Kunden und oft noch krisenbedingten Schulden und Zahlungsrückständen wird eine zornige Peitsche schwingen, statt spielerisch zu Innovationen zu inspirieren." Und leider, fürchtet Wischenbart, wird die Krise große Akteure begünstigen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.04.2020 - Kulturmarkt

Existenziell ist die Coronakrise schon heute für die italienische Buchbranche, berichtet Gloria Reményi in der taz: "Vorerst ist in dem Corona-hilfspaket der Regierung kein spezifischer Fonds für die Buchbranche vorgesehen, anders als zum Beispiel für die audiovisuelle Sparte. Das lässt die Schätzungen des Verlegerverbands AIE noch besorgniserregender erscheinen: Im letzten Monat wurde ein Umsatzeinbruch in Höhe von 70 bis 75 Prozent erhoben; innerhalb eines Jahres sollen zudem rund 23.200 weniger Titel veröffentlicht werden."
Stichwörter: Coronakrise, Buchmarkt, Corona

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.04.2020 - Kulturmarkt

Soloselbstständige, die auf Grundsicherung angewiesen sind und nicht in Berlin, Hamburg oder NRW leben, erwartet nach wie vor ein Martyrium, stellt Till Briegleb in der SZ haareraufend fest: "Wer die peinlichen Verhörmethoden der Hartz-IV-Bürokratie mit ihren zahllosen Nachforderungen absurder Belege und der nach wie vor praktizierten Vermögensprüfung auf sich nimmt, kann noch nach Wochen des Wartens abschlägig beschieden werden, wie es verbitterte Antragsteller vielfach berichten. Denn Personen, die für sich und ihre Mitbewohner mehr als 9.000 Euro in Werten wahrheitsgemäß angegeben haben, gelten weiterhin als 'erheblich vermögend' und erhalten keine Grundsicherung, selbst wenn diese 'Werte' aus einer privaten Altersversorgung, einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder berufsnotwendigen Objekten wie einem Auto oder einer Geige bestehen. Die, so berichten Kulturschaffende aus allen Bundesländern, sollen bitte erst aufgelöst oder verkauft werden. Dagegen darf man immerhin Widerspruch einlegen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.04.2020 - Kulturmarkt

Es hält sich unter deutschen Journalisten wirklich kein Klischee hartnäckiger als die Behauptung, es gebe die warme, persönliche Kultur auf der einen Seite und das kalte algorithemengesteuerte Digitale auf der anderen Seite. Auch SZ-Redakteur Felix Stephan scheint zu glauben, seine Zeitung werde noch mit der Handpresse hergestellt, wenn er den "prädigitalen Literaturbetrieb aus Verlagen, Kritik, Jurys, Buchhändlern und informierten Lesern" feiert, der die Buchbranchen durch die Corona-Krise trage. Was er meint ist, dass die Verlage ohne Amazon zwar leiden, aber doch irgendwie über die Runden kommen: "In der Krise erleben sich die deutschen Verlage und Buchhandlungen zum ersten Mal seit langer Zeit als resilient und belastbar: Verlage organisieren Kampagnen, in denen sie auf die Orte hinweisen, an denen auch jetzt Bücher verkauft werden. Unabhängige Buchhändler nehmen Bestellungen an und tragen sie zur Abholung zum nächsten Geschäft, das noch öffnen darf, zu Metzgern und Apotheken. Reihenweise fahren Buchhändler mit Fahrrädern und Kastenwagen ihre Bücher selbst zu den Kunden. Schriftsteller lesen aus ihren Wohnzimmern." Das ist ganz wunderbar, nur "prädigital" ist gar nichts mehr. Und die Auslieferung mit Fahrrädern und Kastenwagen dürfte schon in den Außenbezirken der Städte auf ihre Grenzen stoßen.

Stefanie Sippel fragt in der FAZ, wie weit die Hilfen der Bundesregierung für die Kulturbranchen reichen werden, und spricht mit Betroffenen: "Besonders hart trifft die Situation kleine Verlage. Mark Lehmstedt betreibt einen solchen, vier Mitarbeiter hat er in Leipzig. Der Lehmstedt-Verlag bringt vor allem Bildbände heraus. Wie so viele andere hat auch er neuntausend Euro Soforthilfe bekommen. Doch davon kann er nicht einmal für einen Monat seine laufenden Kosten decken: Miete, Versicherungen, Verlagsauslieferung, Lagerkosten, Gewerbesteuern. 'Wir haben einen Umsatzrückgang von 98 Prozent', sagt Lehmstedt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.04.2020 - Kulturmarkt

Ist freien Autoren durch die öffentlichen Gelder wirklich geholfen worden? Der Buchreport zitiert ein Papier des zu Ver.di gehörenden "Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller" (VS), das Nachbesserungen fordert. "Die vom VS beklagten Punkte: Schriftstellern ist mit Liquiditätshilfen, die nur für Geschäftsmiete und Leasingraten gedacht sind, nicht geholfen. Die Umsetzung ist in vielen Bundesländern erratisch gewesen. Welche Bedingungen für Förderung im Rahmen der Corona-Hilfe gelten, ist an manchen Stellen täglich verändert worden. Anpassungen erfolgten meist zum Nachteil der freien und soloselbständigen Antragsteller. In den meisten Bundesländern fallen dadurch viele Schriftsteller durch das Netz der Unterstützungsfonds. Vielen von ihnen bleibt aktuell nur, das erleichterte Arbeitslosengeld II zu beantragen."
Stichwörter: Coronakrise, Corona, Corona-Hilfen