9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.03.2020 - Kulturmarkt

Leider hat die Krise auch Auswirkungen auf die Verlagsbranche, berichtet Oliver Jungen in der FAZ: "Mit massiven Umsatzeinbrüchen rechnen alle Verlage. Es sei sehr viel storniert worden, sagt nicht nur Ruth Geiger (von Diogenes, d. Red.). Nachauflagen müssten derzeit kaum gedruckt werden, heißt es bei C.H. Beck. Auch bei Dumont erwartet man 'für die nächste Zeit deutlich geringere Umsätze'. Die jetzige Situation hat auch Auswirkungen auf die Werbung: Im Bahnmagazin Mobil teure Anzeigen zu schalten scheint etwa gegenwärtig sinnlos." Online dagegen macht immer Sinn!

Netflix hat die Streamingqualität vermindert, um das Internet zu entlasten, wurde bereits letzte Woche berichtet. Ingo Pakalski erzählt bein golem.de, wie der Anbieter dabei vorgeht: "Der Streaminganbieter liefert Kunden nicht mehr die maximal mögliche Qualität in der jeweiligen Abostufe. Nach Angaben von Netflix werden Abonnenten 'vielleicht eine sehr leichte Qualitätsminderung innerhalb jeder Auflösung feststellen'."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.03.2020 - Kulturmarkt

Nach Corona will wohl niemand mehr verödete Innenstädte sehen, glaubt Verbrecher-Verleger Jörg Sundermeier und auch sonst sollten Verlage nicht auf den Online-Giganten setzen, sondern auf Buchhandlungen: "Amazon hat in einem Rundbrief am Mittwoch vielen Lieferanten aus der Buchbranche mitgeteilt, dass das Unternehmen den Nachbezug von Büchern bis Anfang April weitgehend aussetzen wolle, da es 'vorübergehend Haushaltswaren, Sanitätsartikel und andere Produkte mit hoher Nachfrage' priorisiere."
Stichwörter: Corona, Innenstädte, Innenstadt

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.03.2020 - Kulturmarkt

Freie Musiker gehören zu jenen beruflichen Kategorien, auf die sich die Corona-Krise unmittelbar wirtschaftlich auswirken. In der FAZ schildert Thomas Schmoll ihre Lage: "Die Künstler leben weitgehend von ihren Aufritten und Tourneen, einige von der Hand in den Mund. Die Absagen fallen noch dazu in eine absolute Hochzeit der Konzerttätigkeit: März und April sind - auch wegen Ostern - traditionell die Monate, in denen besonders viele Veranstaltungen über die Bühne gehen. Die damit verbundenen finanziellen Verluste sind so gravierend, dass ein Sterben unter den Ensembles droht." Mit Ausfallhonorar könnten die Musiker wegen "höherer Gewalt" nicht rechnen. Monika Grütters verspricht Hilfen. Und die Musiker setzen auf die Spendenbereitschaft der Bürger: "Unter dem Hashtag #ichwillkeingeldzurück werden Ticketbesitzer dazu aufgerufen, das Geld für bereits abgesagte Konzerte nicht zurückzuverlangen."

Ebenfalls in der FAZ: Karen Krüger unterhält sich mit der Verlegerin Selma Wels des auf türkische Literatur spezialisierten Binooki-Verlags - sie muss schließen, weil aus politischen Gründen sowohl die Türkei, als auch die EU die Übersetzungsförderung einstellen. Und auf der Medienseite berichtet Axel Weidemann über die folgen der Corona-Krise für die deutsche Filmindustrie.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.03.2020 - Kulturmarkt

Marc Reichwein fährt trotz abgesagter Buchmesse nach Leipzig und besucht dort das Startup Momox, das mit gebrauchten Büchern 250 Millionen erwirtschaftet, mehr als Hugendubel. Vielleicht, überlegt Reichwein in der Welt, sind dem Buchhandel gar nicht sechs Millionen Leser abhanden gekommen, sondern nur sechs Millionen Käufer von neuen Büchern? "Eine der Irrtümer unserer Zeit ist, dass die Digitalisierung die Dinge abschafft. Zum Beispiel: Bücher. Was für ein Quatsch: Digital und algorithmenoptimiert ist nur der Katalog. Die Dinge zirkulieren weiterhin, und wie. Bücher sind für immer mehr Leute zu kurzen Lebensabschnittsgefährten geworden, und dank der Secondhandmasse nehmen heute auch Leute, die früher Leihbüchereien benutzt haben, am Konsumkreislauf teil."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.03.2020 - Kulturmarkt

Im SZ-Interview mit Marie Schmidt spricht Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse, über die Ratlosigkeit nach der Absage der Messe und den Ausschlag für die Entscheidung: "Das Gesundheitsamt der Stadt folgt der Aufforderung des Bundesgesundheitsministeriums, wonach die Rückverfolgbarkeit von Kontaktpersonen bei Großveranstaltungen gewährleistet sein muss. Die dringende Empfehlung lautete, dass jeder Messeteilnehmer zusagen müsste, nicht aus einem Risikogebiet zu kommen oder Kontakt zu Risikopersonen gehabt zu haben. Und das täglich und schriftlich. Mit 2500 Ausstellern, fast 300 000 Besuchern, 3600 Mitwirkenden ist da kein halbwegs normaler Messebetrieb mehr machbar."

Im Tagesspiegel-Interview mit Markus Ehrenberg erläutert Thea Dorn, wie sie das Literarische Quartett als alleinige Gastgeberin künftig zum Literarischen Salon wandeln will (Klassiker und literarisch-gesellschaftliche Themen sollen besprochen werden) und wie sich der Buchmarkt verändert hat: "Das zuverlässigste Fieberthermometer direkt nach einer Sendung sind für uns die Verkaufsränge bei Online-Buchhändlern. Es gibt eine sehr interessante Studie vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum veränderten Leseverhalten. Innerhalb von zehn Jahren sind in Deutschland sieben Millionen Buchkäufer verloren gegangen. Dieser extreme Rückgang hat viele Gründe, die meisten haben mit der Digitalisierung zu tun. Aber es gibt einen Punkt, der uns sehr aufhorchen ließ: Die befragten Leser beziehungsweise Ex-Leser haben den Eindruck, dass früher mehr über Bücher gesprochen wurde. Umgekehrt lässt sich daraus die Hoffnung ableiten, dass auch wieder mehr gelesen wird, wenn Bücher wieder stärker ins Gespräch kommen."

Weiteres: Auf Zeit Online erinnert Ijoma Mangold an den im Alter von 83 Jahren verstorbenen SPD-Politiker und Rowohlt-Lektor Friedrich Duve.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.03.2020 - Kulturmarkt

Die Absage der Buchmesse ist ein Schlag ins Kontor der Stadt Leipzig, kommentiert Gerrit Bartels im Tagesspiegel: "Die 260.000 bis 270.000 Besucher, die Jahr für Jahr nach Leipzig zur Buchmesse kommen, lassen einiges an Geld in der Stadt und sorgen für eine fast hundertprozentige Hotelauslastung in den vier Messetagen. Gleich nach der Absage formulierte es der Chef der Leipziger Tourismus und Marketing GmbH, Volker Bremer, so: 'Leipzig hat keine andere Veranstaltung mit vergleichbarer Strahlkraft und Außenwirkung, auch international. Das ist schwer zu verkraften.'" Mehr bei dlf kultur. Die London Book Fair und die lit.Cologne halten laut Börsenblatt bisher noch an ihren Terminen fest. In der SZ kommentiert Lothar Müller: "Geist ohne Körper gibt es hier nicht. Schade, dass sie eben deshalb abgesagt werden musste."

Auch Richard Kämmerlings fürchtet in der Welt die Auswirkungen des Coronavirus auf den Kulturbetrieb: "Kunst, Kultur, Literatur werden gerade zu einer sehr einsamen Angelegenheit vor dem Rechner. Als einziger Ausweg bleibt, an die Stelle der physischen Präsenz Fernkommunikation und virtuelle Kunsterfahrung zu setzen. Aber ist das eigentlich schlimm? Liegt es nicht im Trend? Gerade hat der global perfekt vernetzte Kurator Hans Ulrich Obrist in der Zeit ein grundsätzliches Umdenken in der Kunstwelt gefordert - vor allem aus Gründen des Klimaschutzes." Aber, davon ist Kämmerlings überzeugt: "Digitale Communitys können ein gemeinschaftsstiftendes Erlebnis nicht ersetzen."

Das Berliner Kulturleben lässt sich vom Coronavirus jedenfalls nicht beängstigen, beobachtet Hannah Bethke in der FAZ. Theater, Museen, alle machen weiter: "Ein ähnliches Bild liefert der Rundfunkchor Berlin. Wo gesungen wird, fliegt mitunter Spucke, was die Ausbreitung des Virus begünstigen könnte. Aber das ist zurzeit wohl doch noch zu hypothetisch: Der Chorbetrieb laufe ganz normal weiter, solange nichts Relevantes vorliege."

Hier singt er Brahms' Schicksalslied (nach Hölderlin): "Es schwinden, es fallen / die leidenden Menschen / Blindlings von einer / Stunde zur anderen / Wie Wasser von Klippe / zu Klippe geworfen / Jahrelang ins Ungewisse hinab."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.03.2020 - Kulturmarkt

Noch beteuert die Leipziger Buchmesse tapfer, dass sie stattfinden wird. Aber Andreas Platthaus klingt in der FAZ etwas skeptisch: "Allerdings steht der erste Besuchertag erst am Donnerstag der kommenden Woche an, und darüber, wie sich die Ausbreitung der Corona-Infektionen in Deutschland binnen dieser neun Tage darstellen wird, kann man bestenfalls spekulieren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.02.2020 - Kulturmarkt

Das Börsenblatt resümiert eine Diskussionsveranstaltung, bei der sich die Verlagsmanagerin Siv Bublitz (Leiterin der Fischer-Verlags) gegen Subventionen für die Branche aussprach: "'Bücher sind Wirtschaftsgut und Kulturgut - beides kann und muss man in Einklang bringen. … Literatur nur auf Subventionsbasis entstehen zu lassen, da sehe ich das Risiko der politischen oder anders gearteten Abhängigkeit', so Bublitz ... Sie warnt auch davor, dass die Verlagsbranche 'wie andere kulturelle Sparten ihr komplettes System auf die staatliche Subventionierung bauen und die eigene wirtschaftliche Verantwortung aufgeben.' Gefahr sieht sie - auch in Anbetracht historischer Hintergründe - vor allem bei einem Wandel des politischen Klimas."

Kaum hatte sich erwiesen, dass die Verlegerbeteiligung an den Einnahmen der VG Wort von den Gerichten als unbillig angesehen wurde (Der Jurist und Perlentaucher-Autor Martin Vogel hatte mit seinen Klagen dagegen in allen Instanzen gesiegt), wurde sie im Rahmen der europäischen Urheberrechtsreform wieder eingeführt. Nun liegt ein "Diskussionsentwurf" der Bundesregierung zur deutschen Ausgestaltung vor. Die Verleger sind nicht damit zufrieden, dass sie grundsätzlich nur eine Quote von einem Drittel abbekommen sollen, berichtet der Buchreport: "Der Börsenverein fordert dagegen, diese 'neuartige' Vorschrift ersatzlos zu streichen. Der Gesetzgeber würde damit erstmals in die langjährig geübte Autonomie der Verwertungsgesellschaften bei der Aufstellung von Verteilungsplänen eingreifen. Die paritätisch besetzten Gremien würden durch den 'paternalistischen Eingriff' des Gesetzgebers entmündigt. Auch wenn bereits in der Vergangenheit die Urheber bei den meisten Verteilungsschlüsseln mindestens zwei Drittel der Ausschüttungen erhalten haben, sei ein wesentlicher Nachteil einer gesetzlichen Regelung, dass sie undifferenziert sei und nicht in allen Fällen sachgerecht. Beispiel Schulbuch, wo wesentliche Leistungen (wie Konzept und staatliche Zulassung von Lernmedien) durch die Verlage erbracht würden." Stellungnahmen von Schriftstellern und Übersetzerinnen sind hier resümiert.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.02.2020 - Kulturmarkt

Das Smartphone habe bei vielen Kindern längst das Buch ersetzt, diagnostiziert Medienforscher Frederik Weinert im Gespräch mit Kai-Uwe Vogt von buchreport.de: "Ich muss die Smombies aber in Schutz nehmen. In vielen Spielen ist Textverständnis gefragt, sonst können die Aufgaben, auch genannt Quests, nicht gelöst werden. Außerdem entwickeln die Kids ihre eigene Jugendsprache, schreiben sich lange Nachrichten über WhatsApp und beteiligen sich an politischen Diskussionen in Internetforen. Ich bin der Meinung, dass gerade im Deutschunterricht mehr mit dem Smartphone gearbeitet werden muss, um Poesie und Kurzgeschichten zu verfassen oder Auszüge aus Büchern direkt am Smartphone zu lesen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.02.2020 - Kulturmarkt

Der Mann von Welt Florian Illies ist bekanntlich nach einem Jahr als Rowohlt-Chef getürmt. Nun probiert der Holtzbrinck-Verlag, zu dem Rowohlt wie auch Fischer oder Kiepenheuer und Witsch gehört, ein anderes Modell: die Verlagsmanagerin Nicola Bartels, die von Randomhouse kommt. Dort sind die Verlage nur noch Labels, schreibt SZ-Literaturredakteurin Marie Schmidt. Die Holtzbrinck-Verlage waren dagegen von Verlegern geprägt. Ein nurmehr historisches Modell? "Heute dagegen, sagte Nicola Bartels kürzlich in einem Interview, müsse es für Lektoren darum gehen, 'bei potenziellen Buchprojekten zwischen der eigenen Perspektive und der Nachfrage durch die Zielgruppe zu unterscheiden'. Allem Anschein nach ist es also das, was eine Verlegerin heute besonders glaubwürdig macht: betont uneitler Marktrealismus. "