9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.10.2017 - Kulturmarkt

In der FAZ erklärt Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, warum für ihn auch rechtsextreme Verlage wie Antaios auf die Buchmesse gehören: "Wir wollen ... niemanden ausschließen. Die Frankfurter Buchmesse ist eine Plattform für Diskussionen. Wir haben hundertsechs Nationen auf der Messe, es liegt auf der Hand, dass dann auch viele kontroverse Bücher ausgestellt werden, die irgendjemandem nicht gefallen. Aber für Links wie für Rechts gilt Meinungsfreiheit. Die Adresse für Verbote ist der Staatsanwalt, nicht die Messe."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.09.2017 - Kulturmarkt

Der Medienwandel ist für den Buchmarkt keine Neuigkeit, aber die Krise verschärft sich dramatisch, schreibt Sandra Kegel im Leitartikel auf Seite 1 der FAZ: "Der Sinkflug ... scheint mittlerweile so unaufhaltbar - in nur fünf Jahren brach der Umsatz gedruckter Bücher um dreizehn Prozent auf prognostizierte etwa acht Milliarden Euro 2016 ein, und ein Ende ist nicht abzusehen, weil auch die digitalen Bücher das längst nicht auffangen -, dass im sonst so redseligen Literaturbetrieb inzwischen eine Art Omertà herrscht: Jeder weiß es, aber niemand will darüber reden." Eine Kategorie gehe aber noch: Sachbücher, die "leicht lesbar die direkte Umgebung in den Blick" nehmen, "den Darm, die Biene, den Baum".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.09.2017 - Kulturmarkt

Amazon zahlt in Britannien nur ein Elftel der Unternehmenssteuer, die ein traditioneller Buchladen bezahlen muss, berichtet Alison Flood im Guardian, die das wiederum in einem Report des Centre for Economics and Business Research (CEBR) gelesen hat. Tim Godfray, Leiter der Vereinigung der Buchhändler, erklärte auf deren Jahrestagung: "'3 Prozent der Buchläden schließen derzeit jährlich und 275 Städte in UK werden demnächst dank sinkender Umsatzzahlen alle ihre Buchhandlungen verloren haben , wenn nichts unternommen wird. Wir hoffen, dass der Report die Regierung ermutigt, die Buchläden der Nation zu schützen und ihr Gedeihen zu fördern.' Zahlen der Buchhändlervereinigung zeigen, dass es derzeit noch 867 Buchhandlungen in UK gibt. Damit hat sich die Zahl in den letzten elf Jahren fast halbiert. Nach den Zahlen des CEBR stellen Buchläden 24.400 Jobs in UK und zahlen 416 Millionen Pfund an Löhnen. Aber sie werden durch eine 'immer schwierig werdende Handelsumgebung' bedroht, so der Report und benennt Amazons Marktmacht  und -vorteile, Umsatzzahlen und Unternehmenssteuer als Probleme, die die Existenz der lokalen und nationalen britischen Buchhändler bedrohen."

Gut geht's auch dem Bahnhofsbuchhandel und den Presseläden in Deutschland nicht. Seit Monaten streitet der Bundesverband Presse-Grosso mit Verlegern um die Aufteilung der Margen, schreibt Markus Trantow bei turi2 (für das Peter Turi auch den Pressegrosso-Chef Frank Nolte per Video interviewt hat): "Bei den Händlern herrscht Flaute, zwischen 5 und 8 Prozent Umsatz haben die Großhändler in den ersten sechs Monaten 2017 verloren. Nolte sieht weiter einen hohen Fusionsdruck in der Branche. In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der Pressegroßhändler von 100 auf unter 50 gesunken, in fünf Jahren könnten es nur noch 20 sein, sagt Nolte."
Stichwörter: Presse-Grosso, Buchhändler

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.07.2017 - Kulturmarkt

Die Lufthansa hat eine gute Idee. Sie möchte ihren Passagieren mit dem Hörbuchanbieter Audible Inhalte anbieten. Nur eines wundert die bei Buchmarkt schreibende Autorin Nina George: "Sie beide wollen also Kulturwerke in dem Lufthansa-Bordservice sechs Monate lang, für in dieser Zeit rund 35 Millionen Passagiere anbieten (Gut, nehmen wir mal 'nur' alle deutschsprachigen, bleiben 'nur' noch einige Millionen), aber nicht dafür zahlen. Sie argumentieren dies konzertant mit 'Erstkontakt mit dem Medium Hörbuch' und 'enormer Reichweite'."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.06.2017 - Kulturmarkt

Der Schriftsteller Jan Koneffke beklagt in der NZZ "Kapitalisierung, Computerisierung und Beschleunigung", die auch die Verlagswelt nach der Wende eingeholt habe. "Was meine Vorgänger noch kannten, die lebenslange Betreuung des Werks durch einen Verleger, ist Vergangenheit. Ohnehin scheint das leitende Personal heute mehr Zeit in den Drehtüren als an seinem Schreibtisch zu verbringen - um es polemisch auszudrücken. Doch wie sich den epischen Atem bewahren, wenn Verlagsleuten ständig die Puste ausgeht?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.06.2017 - Kulturmarkt

Heute finden in Berlin die "Buchtage Berlin 2017" statt, in deren Verlauf um 12 Uhr der diesjährige Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels bekannt gegeben wird, annonciert das Börsenblatt. Es droht außerdem "die mit Spannung erwartete Gast­rede von Bundesjustizminister Heiko Maas zum Thema 'Streitkultur und Wissensgesellschaft im digitalen Zeitalter'", und es soll eine "Berliner Erklärung für eine zukunftsweisende europäische Buchpolitik" lanciert werden.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.05.2017 - Kulturmarkt

Die Ebook-Dienstleister und Verleger Hans und Nina Kreutzfeldt weigern sich im Gespräch mit Daniel Lenz von buchreport.de, von einem Niedergang des Ebooks zu sprechen. Hans Kreutzfeldt macht nebenbei darauf aufmerksam, dass das Wissen nicht immer mehr die Form des Buchs annimmt: "Das Medium E-Book hat sich schon seit Längerem weiter ausgefächert. Nicht jeder digital verfügbare Buchinhalt heißt heute noch E-Book - auch viele Apps, Fachdatenbanken und digitale Lernmedien sind ausgehend vom gedruckten Buch entstanden und entwickeln sich ebenfalls fortwährend weiter. Sie alle tragen nicht - mehr - den Namen E-Book, entstammen aber derselben Familie."
Stichwörter: Ebooks

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.05.2017 - Kulturmarkt

Dem Schweizer Dörlemann Verlag geht es schlecht. Derzeit sucht er per Crowd-Funding 60.000 Franken für die Unterstützung seiner Verlagsarbeit, berichtet Martina Läubli in der NZZ. Und er ist nicht der einzige Schweizer Buchverlag in der Krise: "Die digitale Sammelaktion ist ein Hilferuf. Dem Verlag steht das Wasser bis zum Hals. Neue Projekte in Angriff zu nehmen, ja überhaupt in die Zukunft zu planen, sei nicht mehr möglich. 'Wir sind in eine Währungsproblematik geraten, die wir so nicht voraussehen konnten', sagt Dörlemann. Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar 2015 hat neben der Exportindustrie und dem Detailhandel auch Schweizer Verlage und Buchhandlungen schwer getroffen. Die Umsatzverluste summieren sich auf mindestens 20 Prozent."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.04.2017 - Kulturmarkt

Bertelsmann verliert den Anschluss an die großen Medienkonzerne, noch mehr aber an die Plattformen Google und Facebook, die den Online-Werbemarkt dominieren, schreibt Till Wäscher bei Carta. Heute steht Bertelsmann als recht traditionelles Haus da. Das war mal anders: "Mit bol.de und Lycos war der Konzern recht früh im Internetgeschäft dabei, verlor jedoch in der Post-Middelhoff-Ära, auch wegen dem steigenden Einfluss von Liz Mohn, weitgehend das Interesse an diesem Feld."
Stichwörter: Bertelsmann, Medienkonzerne, Liz, Mohn

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.03.2017 - Kulturmarkt

Im Interview mit Paul Wrusch von der taz macht KiWi-Verleger Helge Malchow zu Beginn der Leipziger Buchmesse recht klar, um wie viel besser ihm die in Konkurrenz laufende Lit.cologne gefällt: "Es ist schon beeindruckend, was da in Leipzig passiert. Aber es ist eher eine riesige Zahl nebeneinander existierender Lesungen. Es gibt kaum eine Fokussierung, inhaltlich oder kompositorisch. Das ist etwas anderes als ein kuratiertes Festival wie in Köln." Buchreport.de klärt über die Schwerpunkte der Leipziger Messe auf.