9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

351 Presseschau-Absätze - Seite 35 von 36

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.03.2015 - Kulturmarkt

Franz Haas fürchtet in der NZZ, dass sich Silvio Berlusconi ernsthaft Hoffnung machen kann, seinem Medienimperium nun auch die Verlagsgruppe RCS einzuverleiben (nach Mondadori, Einaudi, Adelphi und Bompiani): "Sollten die jetzt geplanten Eroberungen - des RCS-Verlags und der Rai-Antennen - gelingen, könnte das im grellen Licht der politischen Bühne auch wie ein Trostpreis für Berlusconi aussehen, den ihm die Regierung von Matteo Renzi zugesteht, um ihn vielleicht noch ein wenig bei Laune zu halten. Renzi hatte bekanntlich unter der Hand mit Berlusconi paktiert, weil er fallweise dessen Stimmen im Parlament brauchte. Dann brüskierte er ihn durch die Wahl des expliziten Berlusconi-Gegners Sergio Mattarella zum Staatspräsidenten. Da Renzis prekäre Situation aber anhält, könnte er die Unterstützung des Medienhais noch brauchen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.02.2015 - Kulturmarkt

Dass die in Schieflage geratene britische Buchhandelskette Waterstones seit Ende letzten Jahres wieder schwarze Zahlen schreibt, lässt die gesamte Branche Hoffnung schöpfen, dass ihr Geschäftsmodell gegenüber Amazon bestehen kann, berichtet Marion Löhndorf in der NZZ: "Man kauft online gezielt, was man sucht. Doch auf Amazon mit seinen knappen Informationen neue Bücher zu entdecken, ist extrem schwierig. Stöbern, blättern, anlesen, sich austauschen und vielleicht Unerwartetes finden: Für diese schönen, langsamen, halb müßigen Dinge ist eine gute Buchhandlung der einzige, ideale Schauplatz. In der Hinsicht ist der traditionelle Shop dem Online-Business weit überlegen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.02.2015 - Kulturmarkt

In der SZ berichtet Thomas Steinfeld, dass Berlusconis Mailänder Verlagsgruppe Mondadori jetzt mit RCS (Feltrinelli und Bompiani) den einzigen großen Konkurrenten schlucken will. Natürlich hagelte es prompt Proteste: "In vielen Bereichen des Buchmarkts entstehe durch eine solche Übernahme de facto ein Monopol, und diese Gefahr werde nicht geringer dadurch, dass die Familie Berlusconi schon das Fernsehen beherrsche: Es gehe um einen Marktanteil von vierzig Prozent, die Kontrolle über Verträge und Preise, das Ende der kleineren Verlage. "Eine so mächtige Gruppe wäre eine Bedrohung der Meinungsfreiheit", erklärte Umberto Eco." In der FAZ erklärt der Schriftsteller Mario Fortunato, warum er sich den Protesten gegen die Fusion angeschlossen hat.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.01.2015 - Kulturmarkt

Im vergangenen Jahr ist die Weltbild-Gruppe nur durch eine Übernahme durch den Investor Walter Droege der drohenden Insolvenz entkommen, rund 1000 Stellen gingen verloren, jede vierte Filiale musste schließen. Entgegen bei der Übernahme getroffener Zusagen droht nun eine zweite Abbauwelle, die rund 600 von 2000 Stellen in Verwaltung, Logistik und den Filialen kosten soll, berichtet Thomas Magenheim-Hörmann in der FR: "Die schmerzlichen Schritte seien bedauerlichweise nötig, weil Weltbild in der Übernahmephase an "Flughöhe" verloren habe... Auch dem Personal ist nicht entgangen, dass die Flughöhe sinkt, womit Umsätze gemeint sind. Aber sie erklären das mit gestrichener Werbung und fehlender Nachbestellung von Ware, was das Weihnachtsgeschäft versaut habe. "Droege verhindert Umsätze, um Weltbild zerschlagen zu können", schreibt ein Firmenblogger und gibt damit gängige Vermutungen weiter Belegschaftskreise wieder."
Stichwörter: Weltbild, Droege, Walter

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.01.2015 - Kulturmarkt

Christopher Schmidt sieht in der SZ eine ganze Generation von Alphatieren im Kulturbetrieb abtreten ("Unter den Old Boys des deutschen Kultur- und Geisteslebens gehört die Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz, die nun ihren Rückzug aus dem operativen Geschäft angekündigt hat, zweifellos zu den härtesten Kerlen"). Für die Zeit besucht Alexander Cammann den Verleger Wolfgang Beck und seinen Sohn Jonathan, die die Übergabe der Leitung des C. H. Beck Verlags von der sechsten zur siebenten Generation vorbereiten.

Weiteres: Das Blog Deutsche-Startups.de meldet, dass der Berliner E-Book-Pionier txtr in die Insolvenz gegangen ist.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.01.2015 - Kulturmarkt

Habemus Aktiengesellschaft, jubelt es in allen Feuilletonredaktionen, und zwar endgültig! (in der taz heißt es dagegen: "Für Suhrkampf stehen die Aktien gut".) Der lang erstrittene Wandel Suhrkamps von der Kommanditgesellschaft zur neuen Rechtsform ist abgeschlossen. Die wichtigsten Informationen: Ulla Unseld-Berkéwicz wechselt in den Aufsichtsrat, an die Verlagsspitze kommt Jonathan Landgrebe, und die Wella-Milliardäre Ulrich und Sylvia Ströher steigen mit großen Finanzspritzen ein, halten sich aber zugunsten der Unseld-Familienstiftung vornehm zurück.

In diesem Szenario wittert Sandra Kegel (FAZ) einen "Balzac-Roman". Der Abschluss der langen Auseinandersetzungen markiert für sie eine "Zäsur": Der wichtigste Traditionsverlag des deutschen Geisteslebens "ist dabei, sich ganz neu zu definieren." Dass mit Landgrebe ein Wirtschafter an die Spitze kommt, ficht sie nicht an: "Auch Siegfried Unseld war ein genialer Kaufmann und hat das nie verheimlicht."

Auch Lothar Müller sieht im SZ-Kommentar den Verlag im Wandel. Die neue Spitze schwört er darauf ein, sich der "Suhrkamp Kultur" wieder klarer anzunehmen und zu konturieren: "Im öffentlichen Reden über Literatur ist es oft so, dass sie allenfalls dann gefragt ist, wenn sich an ihr etwas demonstrieren lässt, bei dem man zugleich von ihrer Innenwelt, den Formen absehen kann: ein Skandal, ein Hype, ein heißer Stoff. Die diskursiven Echoräume, von denen die Literatur umgeben ist, sind nicht kleiner geworden, aber sie haben sich strukturell verändert."

Für die in den Feuilletons wenig gelittene Barlach Holding ist die Ströher-Investition kein gutes Zeichen, erklärt Jörg Sundermeier (taz) in seinem Abriss über die neue Situation: Künftigt wird die Holding "über Vorgänge lediglich informiert und kann kaum noch etwas bestimmen."

In der Zeit erklärt Ulla Unseld-Berkéwicz in einem langen Interview mit Adam Soboczynski die neue Verlagsstruktur und schildert die Bedeutung ihrer acht Jahre währenden Auseinandersetzung mit dem Minderheitsgesellschafter Hans Barlach, in der sie einen symbolischen "Krieg des Kapitals gegen den Geist" sieht: "Wenn wir mit der Rettung des Verlags gescheitert wären, wenn es tatsächlich möglich geworden wäre, sich der Rechte von Suhrkamp-Autoren als Verschiebemasse zu bedienen, sie als Wucherelement auf den Marktplatz zu werfen, wäre das ein Signal an Amazon und die Besinnungslosen unter den Konzernen gewesen und hätte Veränderungen eingeleitet, die wir uns jetzt noch gar nicht vorzustellen vermögen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.01.2015 - Kulturmarkt

Schweizer Verlage werden unter dem erhöhten Frankenkurs zu leiden haben, scheibt Thomas Steinfled in der SZ: "Nicht minder unangenehm sind die Folgen für den Buchhandel: Für ihn gibt es, in Gestalt des Versandbuchhandels über das Internet, eine durch den Wechselkurs massiv geförderte Konkurrenz schon im eigenen Land. Denn selbstverständlich liefert Amazon in die Schweiz, umgehend und auf der Grundlage von Euro-Preisen. Nun könnte zwar der Einzelhandel selbst seine Bücher aus Deutschland oder Österreich beziehen. Das wird er sich aber dreimal überlegen, weil er damit den Großhandel im eigenen Land schädigte." Bücher, so Steinfeld, kosten in der Schweiz durch die Aufwertung inzwischen an die 50 Prozent mehr als in Deutschland.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.01.2015 - Kulturmarkt

In der NZZ untersucht Roman Bucheli die Auswirkung des aufgewerteten Franken auf den Buchhandel: "Mit einem Wort: Sie ist eine Katastrophe. Mag es kurzfristig auch Nutznießer geben, in der langen Frist könnten sich alle auf der Verliererseite finden. Das beginnt bei jenen Verlagen, die einen substanziellen Anteil ihres Umsatzes in Deutschland erzielen (z. B. Diogenes, Kein & Aber, Unionsverlag). Sollte sich der Euro tatsächlich nahe der Parität zum Franken einpendeln, dann verlieren sie nicht nur beim Umsatz, sondern auch bei der Ertragsmarge, weil die Schere zwischen Kosten in Franken und Erträgen in Euro weit aufgeht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.01.2015 - Kulturmarkt

Der Buchreport schließt seine große Buchmarkt-Bilanz des Jahres 2014 mit dem 14. Teil: "Weil sich die Branche transformiert, muss sich auch der Börsenverein neu aufstellen: Ein latenter Mitgliederschwund und fehlende Andockpunkte für neue Marktteilnehmer sind deutliche Anzeichen der Überalterung." Hier der Link zum kompletten Überblick.

Katie Marsal referiert bei Appleinsider.com Statistiken des Dienstleisters Nielsen, "der seine Jahresstatistiken für die Musikindustrie vorlegte und auf ein 54-prozentiges Wachstum bei On-Demand-Streams von Musik und Videos hinweist. Insgesamt sind die Streams von 106 Milliarden auf 163 Millarden im Jahr 2014 gewachsen. Dieses Wachstum steht im Gegensatz zum physischen oder digitalen Verkauf von Musikalben. Der Verkauf von ganzen Alben fiel um 9 Prozent auf 117 Millionen, der Verkauf einzelner Songs fiel um 12 Prozent auf 1,26 Millarden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.12.2014 - Kulturmarkt

Instruktiv liest sich der mehrteilige Jahresrückblick von buchreport.de für die Buchbranche. Im letzten Teil (von dem aus man auf alle vorherigen Teile zurückklicken kann) heißt es: "Auch wenn an diesem Standort ganz spezifische Bedingungen den Ausschlag gegeben haben, steht die Ankündigung Hugendubels, Deutschlands umsatzstärkste Buchhandlung am Münchner Marienplatz Ende 2015 zu schließen, als Symbol für das Ende des Großflächenbooms im Buchhandel."

Weiteres: Oliver Maria Schmitt fürchtet in der FAZ für die Branche, dass das Jahr 2015 für die Gedenkerei weit weniger hergibt als das Jahr 2014.