Habemus Aktiengesellschaft, jubelt es in allen Feuilletonredaktionen, und zwar endgültig! (in der
taz heißt es dagegen: "Für
Suhrkampf stehen die Aktien gut".) Der lang erstrittene Wandel
Suhrkamps von der Kommanditgesellschaft zur neuen Rechtsform ist abgeschlossen. Die wichtigsten Informationen: Ulla Unseld-Berkéwicz wechselt in den Aufsichtsrat, an die Verlagsspitze kommt
Jonathan Landgrebe, und die Wella-Milliardäre Ulrich und Sylvia Ströher steigen mit großen Finanzspritzen ein, halten sich aber zugunsten der Unseld-Familienstiftung vornehm zurück.
In diesem Szenario
wittert Sandra Kegel (
FAZ) einen "Balzac-Roman". Der Abschluss der langen Auseinandersetzungen markiert für sie eine "Zäsur": Der wichtigste Traditionsverlag des deutschen Geisteslebens "ist dabei, sich ganz
neu zu definieren." Dass mit Landgrebe ein Wirtschafter an die Spitze kommt, ficht sie nicht an: "Auch Siegfried Unseld war ein
genialer Kaufmann und hat das nie verheimlicht."
Auch Lothar Müller
sieht im
SZ-Kommentar den Verlag im Wandel. Die neue Spitze schwört er darauf ein, sich der "
Suhrkamp Kultur" wieder klarer anzunehmen und zu konturieren: "Im öffentlichen Reden über Literatur ist es oft so, dass sie allenfalls dann gefragt ist, wenn sich an ihr etwas demonstrieren lässt, bei dem man zugleich von ihrer Innenwelt, den Formen absehen kann: ein Skandal, ein Hype,
ein heißer Stoff. Die
diskursiven Echoräume, von denen die Literatur umgeben ist, sind nicht kleiner geworden, aber sie haben sich
strukturell verändert."
Für die in den Feuilletons wenig gelittene Barlach Holding ist die Ströher-Investition kein gutes Zeichen,
erklärt Jörg Sundermeier (
taz) in seinem Abriss über die neue Situation: Künftigt wird die Holding "über Vorgänge lediglich informiert und kann
kaum noch etwas bestimmen."
In der
Zeit erklärt
Ulla Unseld-Berkéwicz in einem langen Interview mit Adam Soboczynski die neue Verlagsstruktur und schildert die Bedeutung ihrer acht Jahre währenden Auseinandersetzung mit dem Minderheitsgesellschafter
Hans Barlach, in der sie einen symbolischen "Krieg des Kapitals gegen den Geist" sieht: "Wenn wir mit der Rettung des Verlags gescheitert wären, wenn es tatsächlich möglich geworden wäre, sich der Rechte von Suhrkamp-Autoren als Verschiebemasse zu bedienen, sie als
Wucherelement auf den Marktplatz zu werfen, wäre das ein Signal an Amazon und die Besinnungslosen unter den Konzernen gewesen und hätte Veränderungen eingeleitet, die wir uns jetzt noch gar nicht vorzustellen vermögen."