
Wie wenig der Kunstmarkt mit Kunst zu tun hat, lernt man in
Kolja Reicherts Buch
"Kryptokunst", schreibt Miryam Schellbach in der
SZ. Dabei gehören heute einige der angebotenen Bilder in diesem Bereich zur
teuersten Kunst überhaupt. "Jeder kann seine Kunstware als NFT anbieten. Bisher, so schreibt Reichert, ist 'Krypto-Kunst weitestgehend frei von ästhetischem oder konzeptuellem Orientierungssinn', was eine freundliche Formulierung dafür ist, dass hier ein Warhol-PDF unsortiert neben dem Spontan-Selfie einer Unbekannten feilgeboten werden kann. Was davon Kunst ist, wird dann, so ist Reicherts abgründige Beobachtung, einzig und allein dadurch bestimmt, ob es sich
zu guten Preisen verkauft, 'die zum historischen Ereignis hochgejubelte Transaktion konstituiert erst das Werk'."
Kryptokunst wird über NFTs verkauft, sogenannte "non-fungible token". Damit kann man auch Filme produzieren,
erklärt ebenfalls in der
SZ Andrian Kreye. "Das ist vor allem eine
basisdemokratische Form des Wirtschaftswesens, bei der sich Computer zusammenschließen und ein System von Vertrauen und Kontrolle automatisieren. Das
eliminiert die traditionellen Mittelsmänner wie Banken, Regierungen und Aufsichtsbehörden und überträgt
alle Macht dem Kollektiv der Nutzer und Maschinen", so Kreye. Der Filmproduzent
Niels Juul will die nächsten Filme von
Martin Scorsese so produzieren, so Kreye. "Wobei man alle möglichen Funktionen in so ein NFT einbauen kann. Zum Beispiel, dass die Produzenten und Filmschaffenden an jedem Weiterverkauf beteiligt werden. Was die beiden aber auch erobern, ist eine vollkommen neue Generation Investoren." Juul jedenfalls ist begeistert: "Ich werde zu Marty und all meinen alten Freunden in Hollywood zurückgehen und sagen: Leute, das ist es. Ihr könnt direkt mit eurem Publikum sprechen, und sie können eure Investoren sein. Und ich denke,
das ist Demokratisierung und Dezentralisierung." Es gab schon unauffälligere Versuche, Leuten Geld aus der Tasche zu plaudern.
Bei
Monopol berichtet Daniel Völzke über die App
Clubhouse, die vor einigen Monaten als der neue heiße Scheiß vorgestellt wurde und heute kaum noch jemanden hervorlockt. "Was die Kunstwelt angeht, war Clubhouse indes vor allem der Nebeneffekt eines größeren Hypes: In der App wurde endlos diskutiert,
was NFTs sind, wie sie die digitale Kunst verändern und ob sie den Kunstmarkt demokratisieren können. Mehr als einmal wurde in einem Panel die Ansicht vertreten, dass NFTs Galerien und Kunstmessen überflüssig machen würden". Das ist bisher nicht passiert, dafür gleicht das Clubhouse heute "selbst
einer Ruine, nur dass bloß noch Kommunikationslüftchen statt Winde hindurchwehen".