9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

1454 Presseschau-Absätze - Seite 118 von 146

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.02.2016 - Kulturpolitik

Sophie Lenski, Professorin für Staats- und Verwaltungsrecht, kritisiert in der SZ das Kulturgutschutzgesetz: "Weder sind Instrumente wie etwa ein Vorkaufsrecht vorgesehen, damit das besonders wertvolle Kulturgut in das Eigentum der öffentlichen Hand übergehen kann, noch existieren sonstige Regeln, die dafür sorgen würden, dass das Kulturgut der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Was aber ist das öffentliche Interesse daran, dass ein Kulturgut sich etwa in einem Bankschließfach in Deutschland und nicht in einem Bankschließfach oder auch in einem Museum in New York befindet?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.01.2016 - Kulturpolitik

In der SZ bringt uns Reinhard J. Brembeck über allerneueste Peripetien im Drama um den Münchner Konzertsaal auf den aktuellen Stand.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.01.2016 - Kulturpolitik

Humboldt-Forum aller Orten. Durch den Rücktritt Manfred Rettigs, des Vorstands der Schloss-Stiftung, ist Bewegung in die Sache gekommen. Andreas Kilb lässt in der FAZ die nun auch schon fast zwanzigjährige Idee des Forums Revue passieren und blickt mit Grauen auf den entstehenden Neubau der Schloss-Attrappe, wo zwar die Orte der großen Museen schon festgelegt sind, nicht aber, was im Parterre und der ersten Etage entstehen soll. Auf den Webseiten der Institute findet er nur "unausgegorene Planungen": "Und die Lage wird dadurch nicht besser, dass der Rohbau des Schlosses seit acht Monaten fertig ist und der Innenausbau unaufhaltsam fortschreitet. Es ist, als würden in einem Haus die Leitungen verlegt und Heizkörper eingebaut, bevor überhaupt feststeht, wo sich Wohn- und Schlafzimmer, Küche und Bad befinden werden."

Bernhard Schulz lauschte unterdessen für den Tagesspiegel der Jahrespressekonferenz von Hermann Parzinger, der über die vielen Bauvorhaben der Preußen-Stiftung berichtete.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.01.2016 - Kulturpolitik

In der Berliner Zeitung ist Nikolaus Bernau gar nicht so unfroh über den Abgang von Manfred Rettig als verantwortlichem Bauherrn des Berliner Schlosses. Jetzt könne man endlich auch mal umplanen! "Bisher regierte Rettig als Alleinherrscher über das Projekt, agierte mit dem Termin- und Kostenargument. Jetzt aber ist durch die Berufung des unabhängigen Neil MacGregor und seiner offensichtlichen Unterstützung durch Monika Grütters erstmals die Nutzerseite so stark im Planungsprozess geworden, wie sie es immer hätte sein sollen. Sicher kann es keinen grundlegenden Neuanfang geben. Dazu ist zu viel Beton gegossen worden. Aber es können Korrekturen im Detail stattfinden: der Herausriss der inzwischen unsinnigen Bibliothekseinbauten, die Neuverteilung von Ausstellungsräumen etwa." Und was die Einhaltung des Kostenplans von 590 Millionen angeht: "Fachleute haben schon um 2009 angekündigt, dass ein so großer Bau mit diesen Funktionen realistisch etwa 750 Millionen Euro kosten wird."

Die Münchner Konzertsaal-Entscheidung ist noch nicht verwunden. Patrick Bahners greift in der FAZ einen Leserbrief des ehemaligen bayerischen Finanzministers Kurt Faltlhauser an die SZ auf, der behauptet, dass die bayerische Regierung die Öffentlichkeit über Gutachten bei der Standortentscheidung getäuscht habe. Vor allem geht es um ein Gutachten des Akustikexperten Yasuhisa Toyota, der von einem Konzertsaal im zentral gelegenen Marstall-Gelände abgeraten habe: "Faltlhauser behauptet in seinem Leserbrief, Toyota habe in seinem Gutachten keinesfalls festgestellt, dass ein Konzertsaal im Marstall unmöglich sei. Der von ihm 'von Anfang an favorisierte Standort' sei 'durch eine verfälschende Überinterpretation des Wissenschaftsministeriums erledigt' worden."

Ebenfalls für die FAZ besucht Paul Ingedaay die europäische Kulturhauptstadt San Sebastian.

Laura Weissmüller erzählt in der SZ, wie die Deutsche Bahn große Grundstücke in zentralen Vierteln Frankfurts, Münchens oder Berlins an private Investoren verkauft hat, ohne dass die Politik eingegriffen hätte: "Dabei hätte jede Großstadt die Macht gehabt, zu entscheiden, was und vor allen für wen auf diesen wichtigen Flächen gebaut wird. Erstens, weil der Paragraf 24 des Baugesetzbuches ihr ein Vorkaufsrecht einräumt. Zweitens, weil sie bestimmen konnte, was dort gebaut werden durfte. Denn auf ehemaligem Bahnland darf erst einmal keiner bauen außer der Bahn. Erst wenn die Kommunen einen Bebauungsplan erstellt haben, ändert sich das. Die frei gewordenen Bahnhöfe und Gleisfelder waren ein weißes Blatt Papier. Jede Stadt konnte sich überlegen: wie viel sozialer Wohnungsbau dort entstehen sollte; ob ein Theater oder ein Museum gut hierhin passen könnte; ob die Gewerbeflächen auch für Kreative und Kleingastronomen bezahlbar sein sollen." Statt dessen gibt es dort jetzt teure, gesichtslose Eigentumswohnungen, die den Mietspiegel in die Höhe treiben.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.01.2016 - Kulturpolitik

Ob feste Häuser oder Festivals, überall werden die Genres gemischt, "es sieht alles irgendwie gleich aus", meint im Tagesspiegel müde Rüdiger Schaper zu Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele. Der versucht ihn im Interview mitzureißen: "Wirklich? Jan Fabres 'Mount Olympus'-Marathon oder Tino Sehgal im Gropius-Bau, das sind moderne Riten der Kunst mit ihrer ganz eigenen Energie, die sind unverwechselbar. Und wir spüren, dass man für kurze Zeit eine Gesamtberliner Wirkung erzielen kann: zum Beispiel mit der Ai-Weiwei-Ausstellung oder im Falle von Robert Wilsons 'Einstein on the Beach'. In den kommenden Jahren werde ich mich sehr um diese großen Formate und Behauptungen bemühen, das fordert auch die pure Größe unserer Häuser. Ich bin zuversichtlich, denn ich habe das Gefühl, dass gerade sehr viel passiert …"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.01.2016 - Kulturpolitik

Anders als viele Journalisten ist Matthias Frehner, Direktor des Berner Kunstmuseums, dem Cornelius Gurlitt seine Bilder vermacht hat, von der Arbeit der Gurlitt Task Force nicht enttäuscht: Sie habe grundlegende Arbeit geleistet und dass es nur so wenig Raubkunst gebe, sei doch eigentlich eine gute Sache, meint er in der NZZ, denn es zeige: "Was in Cornelius Gurlitts Wohnung und in seinem Salzburger Haus beschlagnahmt oder durch seine Anwälte sichergestellt worden war, ist keine milliardenschwere Raubkunst-Sammlung, mit deren Aufarbeitung sich ein Teil der Schandtaten der Nationalsozialisten in großem Umfang wiedergutmachen ließe. Die durch die Medien verbreiteten Erwartungen waren unrealistisch."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.01.2016 - Kulturpolitik

Nicht sehr gut nimmt Rüdiger Schaper im Tagesspiegel den vorzeitigen Abgang von Schloss-Bauherr Manfred Rettig auf. Schon die Begründung - bis jetzt sei man im Zeit- und Kostenplan geblieben, das könnte sich mit dem Hinzukommen Neil MacGregors ändern - findet Schaper fragwürdig. Schließlich gebe es seit 2014 Hinweise auf Verzögerungen und Kostensteigerungen: "Unklar ist, ob die Mängel bis heute abgearbeitet und welche Zusatzkosten tatsächlich entstanden sind. Zweifel an der Kompetenz des Architekten und Wettbewerbssiegers Franco Stella gab es von Anfang an. Manfred Rettig hat intern stets auf die Probleme und Risiken am Schlossbau hingewiesen: Das kann man sagen. Dass es sowieso teurer wird, liegt bei der Größe des Projekts auf der Hand. Doch Rettig kann dafür nicht die Museumsplaner angreifen und sich aus dem Staub machen - in dem Moment, da die Geschichte von Schloss Sorglos zerbröselt."

Klaus Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts und ehemals der Preußen-Stiftung, plädiert im Tagesspiegel dafür, dass das Humboldt-Forum eng mit den Goethe-Instituten zusammenarbeiten möge: "Voraussetzung für eine solche kontinuierliche Beteiligung und ein partnerschaftliches Engagement von Humboldt-Forum und Goethe-Netz ist die vertragliche Regelung der Aufgaben im Rahmen des Humboldt-Forums. Vorstellbar ist eine Übereinkunft der Staatsministerin für Kultur und Medien und des Außenministers, um Innen-Kulturpolitik und Außen-Kulturpolitik zu verknüpfen."

In der FR beschreibt Jan Opielka, wie die neue polnische Regierung künftig eine "andere", ihr genehme Kultur fördern will: "Was dies genau bedeutet, hat der Minister in dieser Woche in einer Stellungnahme vor einer Parlamentskommission umrissen. Zu den Prioritäten des Ressorts zählt künftig der Bau des Museums der Geschichte Polens, die Stärkung der 'Geschichtspolitik' und die Förderung 'von ein bis zwei Film-Großproduktionen, die das Wissen um die polnische Geschichte befördern sollen'."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.01.2016 - Kulturpolitik

Gestern stellte Ingeborg Berggreen-Merkel, die Leiterin der Taskforce zur Erforschung der Gurlitt-Sammlung ihre Ergebnisse vor. Die Bilanz ist dürftig, schreibt Marcus Woeller in der Welt: Lediglich bei elf Werken von über 500 Werken "ist die Provenienz geklärt, bei vieren der Raub durch die Nationalsozialisten bestätigt. Das sind die Gemälde von Liebermann und Matisse sowie eine Zeichnung von Adolph Menzel und eine Arbeit von Carl Spitzweg, deren Identität und Herkunft aber auch schon seit langem bekannt sind (dazu kommt der Pissarro aus Salzburg). Bei zwei der elf Werke hat sich ein starker Verdacht des NS-verfolgungsbedingten Entzugs ergeben, bei fünf Werken konnte er ausgeschlossen werden."

In der taz findet Ronald Berg das Ergebnis der Kommission "ziemlich mager". Aber es wurde auch etwas erreicht, meint Brigitte Werneburg: "Die Provenienzforschung wurde institutionalisiert, dabei zentralisiert und mit den nötigen Geldmitteln ausgestattet. Das wird die Chancen aller Erben von Opfern des NS-Kunstraubs auf Restitution erhöhen."

Nach dem überraschenden Abgang von Schlossbaumeister Manfred Rettig hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters jetzt noch ein Problem beim Humboldt-Forum, meldet im Tagesspiegel Antje Sirleschtov. "Der von Grütters nach Berlin gelotste Gründungsintendant Neil MacGregor ... hat es abgelehnt, als Geschäftsführer der GmbH Verantwortung für die Umsetzung seiner Gestaltungsvisionen zu übernehmen. Grütters muss nun - und zwar in Windeseile - einen anderen Geschäftsführer finden. Man ahnt, dass das nicht leicht werden wird. Schließlich ist Ärger vorherzusehen, wenn einer (MacGregor) kreative Ideen hat und der andere sie umsetzen und den Kopf hinhalten muss. Zumal jetzt, wo es um Raumkonzepte, Nutzungsideen und Exponatauswahl geht, die Zahl derer, die unbedingt mitreden möchten, erwartungsgemäß immer größer werden wird."

Es mag ja vielleicht was kosten, aber irgendjemand muss endlich mal Ideen fürs Forum entwickeln, meint Christiane Peitz: "Ganz schön unbequem, wenn MacGregor fragt, wie denn der Islam im Humboldt-Forum vorkommen soll - in einem derart fortgeschrittenen Stadium. Aber besser spät als nie. Bei ihrem Amtsantritt vor zwei Jahren fand Grütters eine bauliche Hülle vor, die bislang nur für den engagiert geplanten Umzug der Dahlemer Museen nach Mitte zugerüstet wird. Gesamtkonzepte für eine Neupräsentation der globalen Kulturen in der globalisierten Welt? Fehlanzeige. Das Versäumnis ist Grütters' Vorgängern zuzuschreiben. Sie legte los, in letzter Sekunde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.01.2016 - Kulturpolitik

In der SZ überlegt Gottfried Knapp, warum nirgends in Deutschland - auch nicht in München - so viele inhaltlich wie architektonisch interessante Museen stehen wie in Frankfurt. Es liegt wohl am starken privaten Engagement Frankfurter Bürger, vermutet er: "Städels Vorbild wirkt in Frankfurt bis heute mächtig nach. Wie kein anderes Museum in Deutschland profitiert das privat gegründete Kunstinstitut von der Spendenbereitschaft der Bürger und von den stattlichen Summen, die bei lokalen Firmen eingeworben werden. ... Seit Städels Ur-Initiative waren es immer wieder bürgerschaftliche Gruppierungen, die Verantwortung für einen bestimmten Bereich des Kulturerbes übernahmen und die so begründeten Sammelinstitute dem Magistrat der Stadt zur Pflege weiterempfahlen."

In Berlin hat Schlossbauherr Manfred Rettig das Handtuch geworfen, berichtet Ralf Schönball im Tagesspiegel. Bisher war er im Kosten- und Zeitplan geblieben. Doch eine Ankündigung von Monika Grütters im Tagesspiegel hat ihn offenbar zum Rückzug bewogen. Grütters hatte erklärt: "Natürlich haben wir immer den Kosten- und Zeitrahmen im Blick. Aber wenn Neil MacGregor nichts verändern könnte, da, wo es aus seiner Sicht notwendig ist, dann hätte ich ihn für das Humboldt-Forum nicht aus London holen müssen." Laut Schönball klang das "fast schon wie ein Freibrief. Die Kandarre jedenfalls, die Rettig angelegt hatte, um eine Kostenexplosion wie bei anderen Bauprojekten des Bundes zu verhindern - der Staatsbibliothek, dem Bundesnachrichtendienst oder der James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel -, sie ist gelockert. Man darf davon ausgehen, dass Rettig das nicht wollte."

Im Interview mit dem Tagesspiegel erklärt Rettig: "Ich möchte schon ein Zeichen setzen. Man kann sich fürs zuverlässige Bauen auf den Kopf stellen, aber wenn die Disziplin bei den Nutzern nicht da ist, fährt so ein Projekt vor die Wand. Mit meinem Abgang wird das deutlich auf den Punkt gebracht."

In der FAZ greift Julia Voss auf einer ganzen Seite noch einmal den Fall Gurlitt auf und kommt zu dem Schluss, "dass Cornelius Gurlitt in Bayern nicht zum Verhängnis wurde, dass er NS-Raubkunst besaß. Sondern dass er, spätestens im Jahr 2012, isoliert und hilflos geworden war. So wurde er ein Bauernopfer, mit dem sich gut von staatlichen Versäumnissen ablenken ließ."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.01.2016 - Kulturpolitik

Bernd Schultz von der Villa Grisebach ist einer der Hauptlobbyisten gegen das Kulturgutschutzgesetz. In der FAZ hat er jetzt einen Kompromissvorschlag, der sicher auch den Kunsthandel zufrieden stellen würde: "Gibt es nicht einen effektiveren und friedensstiftenden Königsweg für alle Beteiligten als diese Gesetzesnovelle? Wie wäre es zum Beispiel mit einem staatlichen Vorkaufsrecht zum fairen Marktpreis?"