9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.09.2015 - Kulturpolitik



Für ein prächtiges Paar mit Rembrandts Ganzfigurenporträts des Marten Soolmans und seiner Frau Oopjen Coppit, das die Rothschilds für 160 Millionen Euro verkaufen wollen, finden der Louvre und das Rijksmuseum in Amsterdam eine europäische Lösung, berichtet Bettina Wolfarth in der FAZ: Sie kaufen sie gemeinsam und stellen das Paar alternierend in Paris und in Amsterdam aus. Außerdem in der FAZ: Jan Brachmann besucht die neue Philharmonie von Breslau.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.09.2015 - Kulturpolitik

Wo sollen die vielen Flüchtlinge untergebracht werden, überlegt Dankwart Guratzsch in der Welt. Die Innenstädte leiden jetzt schon unter einem Mangel an günstigen Wohnungen, mit Wohnsilos am Stadtrand drohen Verhältnisse wie in den Pariser Banlieues. Die Flüchtlinge können auch nicht aufs Land, weil sie Arbeit brauchen. Zeit für Architekten und Stadtplaner, ein paar Ideen zu entwickeln, meint Guratzsch: "Von den Landesregierungen und vom Städtetag hat man bisher nur gehört, dass sie Geld vom Bund haben wollen, um die Probleme zu lösen. Doch Gestaltung ist keine Frage der Finanzierung, sondern des Menschenbildes und der Phantasie. Im Städtebau müssen sie jetzt beweisen, was sie hierzu seit den 1960er Jahren dazugelernt haben oder ob für sie Bauen noch immer nichts anderes ist als Erich Honeckers "Lösung der Wohnungsfrage als soziales Problem" - also das Arbeiterschließfach und das Wohngetto auf der Grünen Wiese." Eins ist laut FAZ allerdings sicher: die Golfstaaten nehmen keine Flüchtlinge auf, bieten aber an, Moscheen zu bauen.

In der NZZ zeichnet Wei Zhang Stärken und Schwächen des chinesischen Schulsystems auf.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.09.2015 - Kulturpolitik

In der NZZ beschreibt Marc Zitzmann das Zähneknirschen, das die Neubesetzung von Chefposten an wichtigen Institutionen in Frankreich ausgelöst hat: "undurchsichtige, undemokratische Entscheidungsstrukturen sowie die Klüngelei zwischen Politikern und Stars und Sternchen des Medien- und Kunstbetriebs zeitigen zwangsläufig Rumor über Günstlingswirtschaft".
Stichwörter: Kunstbetrieb

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.09.2015 - Kulturpolitik

Julia Voss staunt in der FAZ sehr, dass sich das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt doch recht zögerlich mit der eindeutigen Raubkunst-Provenienz einiger seiner Werke auseinandersetzt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.09.2015 - Kulturpolitik

In Berlin hat der "Ideenwettbewerb" für das am Kulturforum geplante Museum der Moderne begonnen, berichtet Bernhard Schulz im Tagesspiegel und hofft verhalten auf eine Belebung des öden Areals: "Ja, nicht alle Bedenken sind ausgeräumt - ihrer gibt es viele und wird es immer geben. Als Bremssand. Doch nun kommt Bewegung auf, werden Gehirne angestrengt, Entwürfe er- und bedacht. Es besteht erstmals seit Jahrzehnten die Aussicht, aus dem unwirtlichen Ort einen wirtlichen zu machen. Ein Stück Stadt vom Besten. Im Herzen Berlins."

In der FAZ mokiert sich Andreas Kilb darüber, "dass von den zweihundert Millionen Euro, die das geplante Museum der Moderne am Berliner Kulturforum kosten soll, glatte neunzig Millionen für "Sonstiges" reserviert sind, wie ein Experte des Bundesbauamts erläuterte - also für Planungskosten, Risikovorsorge, Sicherheitsanlagen, Transport "und Möblierung". Ja, eine Sitzbank, die ist teuer!"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.09.2015 - Kulturpolitik

Zwanzig Museumsdirektoren hat Italiens Kulturminister Dario Franceschini abberufen und durch neue, darunter sieben Ausländer, ersetzt. Ziel ist es, das träge Museumssystem wachzurütteln, damit es eine größere valorizazzione seiner Kulturschätze produziere. Ob das gelingt? Gabriele Detterer hat in der NZZ ihre Zweifel und weist außerdem auf einen Widerspruch hin: "Die Welle der Neuberufungen ließ die Wogen hochgehen und lenkte von tiefgehenden Problemen ab. So von den durch massive staatliche Überschuldung dem Kultursektor auferlegten Budgetkürzungen, die es erschweren, Bau- und Sanierungsprojekte zügig voranzutreiben und ein vielfältiges Ausstellungsprogramm mit attraktiven Serviceangeboten für Museumsbesucher zu verbinden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.09.2015 - Kulturpolitik

Der berühmte Baal-Tempel in der antiken Wüstenstadt Palmyra ist dem Erdboden gleichgemacht, melden die Agenturen (hier im FAZ.Net), die sich auf Satellitenaufnahmen des Forschungs- und Ausbildungsinstituts der Vereinten Nationen (Unitar) beziehen. "Auf einer auf den 27. August datierten Satellitenaufnahmen ist eine rechteckige von Säulen umgebene Anlage zu sehen. Auf einer jüngeren Aufnahme vom Montag sind dagegen nur noch einige der Säulen erkennbar."

Bitteren Spott hat Alan Posener in der Welt für Daniel Barenboim, der mit seiner Staatskapelle und einem andächtig lauschenden Frank-Walter Steinmeier so gern in Teheran gespielt hätte - und den die Iraner nun wegen seines israelischen Passes nicht reinlassen. Darauf gekommen waren die Mullahs komischwerise erst, als rechte Israelis gegen Barenboims geplante Reise protestierten: "Die Süddeutsche entblödete sich nicht, kommentierend Israel und den Iran - die sich sonst "spinnefeind" seien - gleichzusetzen, weil beide gegen Barenboims Auftritt seien. Als ob Kritik gleichzusetzen wäre mit einem Auftrittsverbot. Nicht die israelische Kritik ist das Problem, sondern die in solchen Kommentaren zutage tretende deutsche Äquidistanz gegenüber Israel und dem Iran." (Posener spielt auf einen SZ-Artikel Sonja Zekris an, der nicht online steht.)

Ist es wirklich sinnvoll, ein paar tausend Euro Staatsgelder an in herkömmlichem Sinne "gute" Buchhandlungen zu verteilen, wie es gerade in Deutschland geschieht? Roman Bucheli hat in der NZZ seine Zweifel: "Es geht um Strukturerhaltung. Innovativ hingegen wäre eine Förderung, die den unaufhaltsamen Strukturwandel begleitet. Ein breites Sortiment ist noch kein schützenswertes Kulturgut. Bücher müssen auch unter veränderten Bedingungen den Weg zu den Leserinnen und Lesern finden. Hier gälte es einfallsreiche und fortschrittliche Modelle zu entdecken und zu fördern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.08.2015 - Kulturpolitik

Die IS-Milizen haben einen weiteren Tempel in Palmyra gesprengt, berichten Spiegel online und alle anderen Medien mit Agenturen: "Augenzeugen berichten, dass die Dschihadisten am Sonntag den Baaltempel in Palmyra gesprengt hätten. Das rund 2000 Jahre alte Bauwerk sei dabei schwer beschädigt worden. "Diese Explosion hätte sogar ein Gehörloser gehört", sagte Nasser al-Thaer, ein Bewohner Palmyras der Nachrichtenagentur AP. "Es ist die totale Zerstörung. Die Steine und Säulen liegen auf dem Boden.""

In einem sehr interessanten Artikel in der NZZ beschreibt Ulrich M. Schmid, wie der Kreml mit seiner Doktrin der "Russischen Welt" versucht, die außerhalb Russlands verstorbenen berühmten Landsleute wieder für sich zu beanspruchen. Schaljapins Leiche wurde bereits von Paris nach Russland gebracht, jetzt soll auch auch die sterblichen Überreste Rachmaninows, die am Vierwaldstättersee begraben liegen, zurück nach Russland. Die amerikanischen Erben Rachmaninows lehnen das allerdings strikt ab: Kulturminister Wladimir Medinski "begründete seinen Vorstoß mit der Gefahr, dass Rachmaninoff bald nicht mehr als russischer Komponist wahrgenommen werde: "Wenn man heute amerikanische Quellen anschaut, dann ist Sergei Rachmaninoff ein großer amerikanischer Komponist russischer Herkunft. Die Amerikaner privatisieren auf arrogante Weise Rachmaninoff, wie auch die Namen von Dutzenden und Hunderten Russen, die sich durch den Willen des Schicksals nach der Revolution im Ausland wiederfanden.""

Im Gespräch mit Sabine Vogel von der FR versucht der britische Museumsmann Neil MacGregor seine Begriffe fürs kommende Humboldt-Forum zu präzisieren: "Es gibt Shared Heritage, aber vor allem gibt es Shared Experience... Eine Sammlung wie die des British Museums oder der Stiftung Preußischer Kulturbesitz bietet die Möglichkeit zu sehen, wie anderswo und in einer anderen Epoche andere Leute zu anderen Lösungen gekommen sind, die jetzt vielleicht nutzbar sind. Das ist das revolutionäre Potenzial dieser Sammlungen: Die anderen Denkarten kennenzulernen." Der Tagesspiegel dokumentiert Neil MacGregors Rede zur Auszeichnung mit der Goethe-Medaille.

In der FAZ weist Kerstin Holm auf zwei kommende Zusammenarbeiten zwischen Museen des Preußischen Kulturbesitzes und der Ermitage hin, die bei allen politischen Schwierigkeiten zu begrüßen seien.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.08.2015 - Kulturpolitik

Bernd Noack greift in der NZZ die Kritik von Eyüp Yildiz, stellvertretender Bürgermeister von Dinslaken, an der Triennale auf, die unter anderem eine ehemalige Zeche von Dinslaken als Spielort nutzte: Den Arbeitslosen nutze das alles überhaupt nichts, im Gegenteil, sie würden noch mehr ausgegrenzt. Noack hat für diese Haltung durchaus Verständnis, wenn er sich so umsieht: "Allein die Dimensionen der alten Bergbau-Anlagen sprengen den Rahmen des Vorstellbaren, die Zeit erlaubt sich Kapriolen zwischen einem florierenden Gestern und einem ungewissen Morgen; für die Künstler werden die offensichtlichen Diskrepanzen zur Herausforderung. Doch das Bild, das sich einem wirklich bot, wirkte manchmal nur noch wie kitschige Sozialromantik. Während glühend rot die Sonne zwischen rostigen Fördertürmen unterging, standen die ortsfremden Besucher wie Statisten in einer trügerischen aufgepeppten Untergangs-Kulisse herum."

Weiteres: In der NZZ singt Andreas Breitenstein eine Hymne auf Südkorea, das sich nach seiner glanzvollen wirtschaftlichen Entwicklung auch zu einer Weltgeltung beanspruchenden Kulturnation entwickelt hat. Berhard Schulz liest für den Tagesspiegel ein "Schwarzbuch" über die Sammlung Bührle, das die problematische Provenienz einiger Werke, die im Kunsthaus Zürch gezeigt werden, bestätigt und dennoch ein differenziertes Bild des Sammlers entwickelt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.08.2015 - Kulturpolitik

Italien diskutiert darüber, ob das Kolosseum künftig gewinnbringend für Veranstaltungen genutzt werden soll, berichtet Henning Klüver in der NZZ. Hanno Rauterberg beklagt in der Zeit den Kleinmut der Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher in der Debatte um das Berliner Kulturforum.