Der ein wenig schillernde Journalist
Wolfram Weimer soll also Bundeskulturminister werden? Die Kollegenschaft aus den Feuilletons fühlt sich schlecht bedient. "Bislang ist nicht bekannt, dass er sich
sonderlich für Kulturpolitik interessiert hätte",
merkt Dirk Knipphals in der
taz an. Auch als Verleger überzeugt er ihn nicht: In der Weimer Media Group findet er "einen Haufen zusammengewürfelter Magazine". Von Weimers Kulturkonservatismus zu schweigen: "Avancierte, emanzipative und popkulturelle Ansätze müssen sich auf
Gegenwind einstellen."
Der Aufschrei um den neuen Kulturstaatsminister Weimer seitens des linksliberalen Mainstreams ist völlig überzogen, konstatiert Ijoma Mangold auf
Zeit Online. Weimer "vertritt dezidiert
liberalkonservative Positionen. Diese haben nichts mit AfD-Positionen zu tun, sind aber in der medialen Öffentlichkeit
so unterrepräsentiert, dass vielen das Blut in den Adern gefriert, wenn sie ausgesprochen werden." Dabei könnte er gerade durch seine Erfahrung im Medienbereich frischen Wind in das Amt bringen und der CDU helfen, AfD-Wähler zurückzugewinnen: "Weimer kann man also
als Trostpflaster verstehen für all die Unionswähler, die einen dynamischen Politikwechsel wollten und Dieselsubventionen, Mütterrente und das Ende der Schuldenbremsen bekommen haben, ohne dass dem Koalitionsvertrag
irgendeine Ambition anzusehen wäre, die Sozialsysteme zu reformieren. ... Wenn er über den Rückbau des Staates spricht, sieht man vielleicht keine Kettensäge vor sich, aber doch zumindest die Umrisse einer Gartenschere."
Der frühere
Welt-Chefredakteur Wolfram Weimer ist das genaue Gegenteil der bisherigen Kulturstaatsministerin Claudia Roth, konstatieren Matthias Heine und Christian Meier in der
Welt. "Was von Weimer nun zu erwarten ist, bleibt spekulativ ... Ziemlich wahrscheinlich werden einige 'woke' symbolpolitische Maßnahmen, die Roth angeschoben hat, auf den Prüfstand gestellt. Und gewiss wird Weimer nicht die Sorte Kulturstaatsminister werden, die
Antisemitismus auf der Documenta bagatellisiert oder applaudierend dabeisitzt, wenn auf der Berlinale Israel einseitig angeklagt wird." Michael Hesse
warnt dagegen in der
FR: "Der Wind weht
scharf von rechts. Wie in den USA."
In der
SZ zeichnet Hans-Jürgen Jakobs wenn schon nicht die Bromance, dann doch die enge Partnerschaft von Friedrich Merz und Wolfram Weimer nach: "Wiederholt kürte Weimer seinen
Golfpartner bei
ntv zur '
Person der Woche'. Im September 2024 war Merz der richtige Kanzlerkandidat: In der Vergangenheit habe es Phasen der Republik gegeben, in denen eine 'Vaterfigur (Konrad Adenauer)' nötig gewesen sei, nun jedoch brauche Deutschland - nach all den 'Weichspülern der Macht' - einen kantigen Sanierer à la Merz: 'Typus durchsetzungsstarker Mann mit hoher Wirtschaftskompetenz'. Vor einigen Wochen, im April, war Merz dann 'Person der Woche', weil eine 'Koalition der Aufräumer' entstehe." Merz und Weimer treffen sich außerdem seit vielen Jahren auf dem von Weimer und seiner Frau ausgerichteten
Ludwig-Erhard-Gipfel in Gmund." Wer dabei sein will: Kongress-Gesamtticket (ohne Gipfelnacht!) kostet 3.213 Euro.
Einer geht in jedem Fall als Verlierer aus der Berufung Weimer heraus.
Joe Chialos Zeit als Berliner Kultursenator könnte bald zu Ende sein, spekuliert Peter Laudenbach in der
SZ: "Wegners persönliche Beziehung zu ihm gilt als abgekühlt ... Dass das Verhältnis zwischen dem Kultursenator und seiner Staatssekretärin Sarah Wedl-Wilson, einer erfahrenen Kulturmanagerin, zerrüttet sein soll, ist zumindest im Berliner Kulturbetrieb kein Geheimnis."
Aber auch das
Münchner Kulturleben liegt im Argen. Die Geigerin Julia Fischer und der Cellist Daniel Müller-Schott haben in einem Interview mit der
Abendzeitung Alarm geschlagen. Hannes Hintermeier kann es in der
FAZ nur bestätigen: "Der größte Brocken aufseiten der Stadt steht mit der Sanierung des
Kulturzentrums Gasteig an, ein Projekt von elbphilharmonischer Finanzdimension. Das
Stadtmuseum braucht eine neue Leitung, es muss jemand mit langem Atem sein, denn das Haus am Jakobsplatz ist für mindestens sieben Jahre eine Baustelle. Gebaut wird auch in der
Villa Stuck, dem
Valentin-Karlstadt-Musäum, das
NS-Dokumentationszentrum hat die Bauphase bald hinter sich, danach ist der Kunstbau des
Lenbachhauses dran. Ad interim ist auch Kulturreferent Marek Wiecher."