9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.03.2021 - Kulturpolitik

Die Politik hat einen Stufenplan vorgelegt, der je nach Inzidenzwert schrittweise Öffnungen für Museen, Kino, Theater und Konzertsäle ermöglichen soll. Der Tagesspiegel hat ein Dossier zusammengestellt. Ebenfalls im Tagesspiegel hat sich Christiane Peitz die Details des Stufenplans mal genauer angeschaut: "Wie bitte können Selbsttests vor dem Theater- oder Kinobesuch nachgewiesen werden? Wer bezahlt die Schnelltests, wo und von wem werden sie ausgeführt? Erst zum Arzt oder Apotheker, dann ins Konzert, ist es so gemeint? Auch die Notwendigkeit bundeseinheitlicher Kinoöffnungen für bundesweite Filmstarts wurde erneut ignoriert. Vollends verwirrend dann die Mitteilung, dass die Kultur beim nächsten Corona- Gipfel am 22. März auf der Agenda steht. Kommt dann alles wieder anders?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.03.2021 - Kulturpolitik

Die  Fotojournalistin und Kuratorin Maren Lübbke-Tidow berichtet für die FAZ über ein Online-Symposion zum projektierten "Deutschen Fotoinstitut", das in den Ruch geriet, eine Reparaturanstalt für die alternden Werke Andreas Gurskys und der Düsseldorfer Schule werden zu sollen. Um so mehr wundert sich Lübbke-Tidow, dass das Symposion nur "Denkanstöße für das Rheinland und Ruhrgebiet" geben wollte: "Dies war eine Selbstbeschränkung, die dem nationalen Anspruch des künftigen Instituts nicht gerecht wird, und man musste sich fragen, warum hier nicht bundesländerübergreifend, ja international, divers und auch generationenübergreifend über ein Medium diskutiert wurde, das wie kein anderes über regionale und nationale Grenzen hinweg global verständlich und zugleich noch immer zu wenig erforscht ist und internationale Standards zur Verständigung braucht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.02.2021 - Kulturpolitik

Bereits vor der Pandemie verdiente mehr als ein Drittel aller Bildenden KünstlerInnen in Deutschland weniger als 1.100 Euro netto im Monat, entnimmt Christiane Peitz im Tagesspiegel den Zahlen von 2019, die das Statistische Bundesamt in Wiesbaden nun vorgelegt hat. Die Pandemie hat nun die gesamte Kulturszene mit Wucht getroffen, fährt Peitz fort: "Laut einer aktuellen Prognos-Studie im Auftrag des 'Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft' des Bundes belaufen sich die Umsatzverluste 2020 auf 22,4 Milliarden Euro - ein Minus von 13 Prozent im Vergleich zu 2019. Zwar ist der Einbruch nicht ganz so gravierend, wie in Worst-Case-Szenarien vor knapp einem Jahr prognostiziert wurde. Aber dem Deutschen Kulturrat zufolge handelt es sich um den größten Rückgang seit 2009. Am stärksten wirkt sich die Coronakrise auf den Markt für die Darstellenden Künste aus, mit einem Umsatzverlust von 85 Prozent. Bei der Musikbranche schlägt das Virus mit 54 Prozent Minus zu Buche, bei der Kunst mit 51 Prozent. In ihrer Umsatzentwicklung würden diese Teilmärkte sogar 'um mindestens 14 Jahre zurückgeworfen', so Prognos."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.02.2021 - Kulturpolitik

In der SZ verteidigt Till Briegleb die jüdische Gemeinde Hamburgs, die ihre 1939 zerstörte Synagoge wieder rekonstruieren will, statt etwas ganz neues zu bauen: Geschichtsrevisionismus und Disneyland-Wünsche wurde ihr daraufhin vorgeworfen und dass sie damit die Verbrechen der Nazis ungesehen machen würden, was Briegleb "völlig absurd" findet: "Die Begründer der modernen Formensprache und Stadtplanung favorisierten bekanntlich die Tabula rasa, die Standardisierung und reinigende Beseitigung des Alten. Dass die ästhetische Reduktion dieses Stils jemals ein differenzierteres Geschichtsbild in der Gesellschaft erzeugt hätte, würde vermutlich heute kein Architektursoziologe mehr behaupten." Und in Hamburg findet Briegleb die Diskussion besonders heuchlerisch, wo "alle Orte der Täter in derselben Stadt, vom Rathaus bis zum ehemaligen Gestapo-Hauptquartier, schmuck und ohne jede Gedenklücke im Stil der Vergangenheit rekonstruiert wurden, Letzterer als Shoppingmall."

Eine Forschergruppe hat einen "Leitfaden Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten" erarbeitet, in dem geklärt wird, welche Weltgegend wann als Kolonie zu gelten hat, aber Andreas Kilb ist in der FAZ nicht sehr zufrieden: "Eine abschließende Festlegung von Erwerbungsumständen, die als unrechtmäßig zu betrachten seien und deshalb zur Rückgabe von Objekten führen könnten, hielten die Autorinnen 'wegen der Vielzahl der verschiedenen Fallgestaltungen' derzeit nicht für sinnvoll, orakelt der Leitfaden." Und so bleibe jedes Museum in der Frage der Rückgabe weiterhin auf sich gestellt. Im Tagesspiegel sieht Nicola Kuhn das nicht ganz so kritisch: "Es könnte ein Zeichen des Aufbruchs sein, so war Veränderungswille gestern bei der digitalen Präsentation des Leitfadens zu spüren. Aber auch die Sorge, dass die finanziellen Ressourcen der Museen nicht reichen für eine Untersuchung, genauer: Onlinisierung der Sammlungsbestände und den Dialog mit den Interessensvertreter:nnen aus den Herkunftsgesellschaften. Dazu gehören ebenso Reisemöglichkeiten für Kolleg:nnen etwa aus Afrika, Visa und Stipendien. 'Ein neue Ethik für den globalen Kulturaustausch' forderte deshalb Eckart Köhne, Präsident des Museumsbunds. Nur so bekomme der Prozess Glaubwürdigkeit. Zugleich ließ er durchblicken, dass diese neue Ethik ihre Kosten hat." Wie schleppend es mit der Bestandsaufnahme geht, beschreibt Paul Starzmann, ebenfalls im Tagesspiegel.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.02.2021 - Kulturpolitik

Die Berliner Museen erfinden sich gerade neu als aktive Mitspieler in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Aber was will eigentlich Monika Grütters, fragen sich in der Zeit Hans-Jürgen Hafner und Kito Nedo, die die Kulturstaatsministerin "seltsam geheimnistuerisch" finden bei der von ihr angestoßenen Reform der Stiftung: "Selbst in den Museen, gerade in der Belegschaft, wird derzeit viel gerätselt: Welche Ziele das Kulturstaatsministerium verfolgt, um welche Veränderungen es konkret gehen soll und wie der Fahrplan aussieht, wird hinter verschlossenen Türen im kleinen Kreis diskutiert. Man werde die Öffentlichkeit 'selbstverständlich zu gegebener Zeit umfassend über die Ergebnisse informieren', erklärt ein Grütters-Sprecher. Doch Transparenz, Mitsprache und Beteiligung sind selbstverständlich in demokratischen Prozessen. Seitens der Politik wird sie gegenüber Kulturinstitutionen regelmäßig eingefordert. Ausgerechnet bei den kulturpolitischen Reformbemühungen um die SPK bleibt die Öffentlichkeit jedoch weitgehend außen vor."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.02.2021 - Kulturpolitik

Zu Wochenbeginn erteilte Klaus Lederer im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses dem Vorstoß der Hohenzollern, Berlin und Brandenburg zum Abschluss der Verhandlungen über Objekte aus nach 1945 enteigneten Immobilien zu drängen (Unsere Resümees), eine Absage, meldet Bernhard Schulz im Tagesspiegel: Auch "Erhard Grundl, als kulturpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion Konferenz-Veranstalter, fand bestätigt, die Wissenschaft habe die Frage der Vorschubleistung eindeutig beantwortet. Es sei nun an den Gerichten, auf Grundlage des Ausgleichsleistungsgesetzes zu entscheiden. Für Grütters, sekundierte Conze, werde der Spielraum für 'klandestine Gespräche' zunehmend enger. Um so mehr - wäre anzufügen - hat die Öffentlichkeit Anspruch darauf, eine so weitreichende Entscheidung wie die am Eigentum der einst hohenzollernschen Kunstschätze nicht hinter verschlossenen Türen verhandelt, sondern in einem ordentlichen Gerichtsverfahren entschieden zu sehen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.02.2021 - Kulturpolitik

Man darf sich bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz wieder getrost zurücklehnen und die Zeit bis zur Pension runterzählen - die Reformpläne, die geplante Zerteilung, die im Sommer für Wirbel sorgten (Unsere Resümees), scheinen vom Tisch zu sein, schreibt Jörg Häntzschel, der für die SZ in die vor zwei Wochen vorgetragenen Konzepte blicken konnte: Parzinger wird vermutlich bleiben, eher soll Eissenhauer abgedrängt werden und die  Museen sollen "nach Standorten in vier 'Cluster' gruppiert werden, die für sich weitgehende Autonomie besitzen und gemeinsam einer rotierenden 'Leitungsgruppe' unterstellt sind. Der Präsident hätte nicht mehr das letzte Wort über jedes Detail der Häuser, bekäme dafür aber die Verantwortung für einzelne, bisher bei den Museen liegende Bereiche - wie die Forschung - übertragen. Dieser Vorschlag soll nun von der staatlichen Firma 'Partner Deutschland' geprüft werden. Eine öffentliche Diskussion darüber wird nicht gewünscht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.02.2021 - Kulturpolitik

Im Interview mit dem Tagesspiegel sind die Berliner Museumsleiter Friederike Seyfried und Matthias Wemhoff hoffnungsfroh, dass die Neuordnung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz tatsächlich zustande kommt und ihnen mehr Freiheit gibt: "Die bisherige Organisation mit einer Generaldirektion und darüber angesiedelten Verwaltung funktioniert nicht mehr. Wir brauchen größere Effizienz, es gibt zu viel Hierarchie. Bisher hat ein Kurator der Alten Nationalgalerie den dortigen Sammlungsleiter über sich, der wiederum den Direktor der Nationalgalerie, der den Generaldirektor, und über ihm steht der Präsident. Solche Befehlsketten sind nicht mehr zeitgemäß. Verantwortung muss dort wahrgenommen werden, wo gehandelt wird", sagt Wemhoff.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.02.2021 - Kulturpolitik

In der SZ rauft sich Gerd Matzig die Haare, wenn er im Spiegel liest, wie Grünenfraktionschef Anton Hofreiter dem angeblich unökologischen Einfamilienhaus an den Kragen will. "Die Grünen missverstehen diese Wohnform in aller Grimmigkeit. Sie waren mal zuständig für die Utopie vom besseren, nicht nur vom richtigeren Leben. Wann sind daraus diese dystopisch schlecht gelaunten Sturmtruppler geworden", fragt er und erinnert: "Man kann inzwischen auf dem Land leben, völlig energieeffektiv, ja auch in Plusenergiebauweise, nahe an der Natur, und dennoch in der Stadt arbeiten - von zu Hause aus. Nennt sich Digitalisierung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.02.2021 - Kulturpolitik

Am Samstag hatte Peter Laudenbach in der SZ über das Zerwürfnis zwischen dem Regisseur Ersan Mondtag und der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" berichtet. Eine gemeinsam geplante Performance wurde abgesagt, Mondtag, der in dem Projekt auch Aussagen des AfD-Politikers Björn Höcke zitieren wollte, warf der Stiftung daraufhin "Zensur" vor. (Unser Resümee), mehr auch heute in Efeu.

Heute nun nimmt sich Peter Laudenbach in der SZ die Historikerin und Stiftungsdirektorin Gundula Bavendamm direkt vor: Rechts sei sie zwar nicht, behauptet er, aber sie habe ihren Vater -  den Ex-Journalisten Dirk Bavendamm, der sich im "trüben Milieu zwischen akademisch verbrämtem Geschichtsrevisionismus und offenem Rechtsextremismus" bewege - als Direktorin des Alliiertenmuseums in den 10er Jahren neben anderen Ehrenamtlichen Akten studieren und sortieren lassen. Für Laudenbach sollte das Folgen haben: "Gundula Bavendamm hat in der Frage, ob ihre Loyalität eher ihrem Vater Dirk Bavendamm oder einer von ihr geleiteten Institution gehört, mindestens einmal die falsche Entscheidung getroffen. Damit wird ihr Verbleib im Amt zur Belastung für die Vertriebenen-Stiftung. Bereits Gundula Bavendamms respektloser und konfuser Umgang mit dem von ihr erst engagierten und dann rüde gefeuerten Regisseur Ersan Mondtag ließ Zweifel daran aufkommen, ob sie ihrer Aufgabe gewachsen ist."

Dass Nawapan Kriangsak, Tochter des illegal mit Khmer-Kunst handelnden und im vergangenen Jahr verstorbenen Sammlers Douglas Latchford, sich nun entschieden hat, dessen Sammlung an Kambodscha zurückzugeben, begrüßt die Ethnologin Brigitta Hauser-Schäublin zwar in der Welt. Bis heute sei jedoch nicht bekannt, "wie viele Dutzend oder gar Hundert (oder sind es gar Tausend?) weiterer Kulturschätze Kambodschas, die während des Bürgerkriegs zwischen 1970 und 1990 und unter Veranlassung oder Mitwirkung Latchfords gestohlen wurden, sich unerkannt in Museen und Privatsammlungen weltweit befinden." Und: "Zudem stellt sich die Frage, ob es eigentlich reicht, wenn die Rückgaben in einer staatlichen musealen Sammelstelle in der Hauptstadt enden. Die antiken Tempelstätten der Khmer waren (und sind) bis heute Stätten der Verehrung der lokalen, ländlichen und ohnehin armen Bevölkerung. Es sind diese Menschen, denen die als beseelt verstandenen Götterbilder geraubt wurden. Sie haben keine Lobby."