In der SZ verteidigt Till Briegleb die
jüdische Gemeinde Hamburgs, die ihre 1939 zerstörte Synagoge wieder
rekonstruieren will, statt etwas ganz neues zu bauen: Geschichtsrevisionismus und Disneyland-Wünsche wurde ihr daraufhin vorgeworfen und dass sie damit die Verbrechen der
Nazis ungesehen machen würden, was Briegleb "völlig absurd" findet: "Die Begründer der modernen Formensprache und Stadtplanung favorisierten bekanntlich die
Tabula rasa, die Standardisierung und reinigende Beseitigung des Alten. Dass die ästhetische Reduktion dieses Stils jemals ein differenzierteres Geschichtsbild in der Gesellschaft erzeugt hätte, würde vermutlich heute kein Architektursoziologe mehr behaupten." Und in Hamburg findet Briegleb die Diskussion besonders heuchlerisch, wo "
alle Orte der Täter in derselben Stadt, vom Rathaus bis zum ehemaligen
Gestapo-
Hauptquartier, schmuck und ohne jede Gedenklücke im Stil der Vergangenheit
rekonstruiert wurden, Letzterer als Shoppingmall."
Eine Forschergruppe hat einen "Leitfaden
Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten" erarbeitet, in dem geklärt wird, welche Weltgegend wann als Kolonie zu gelten hat, aber Andreas Kilb ist in der
FAZ nicht sehr zufrieden: "Eine abschließende Festlegung von Erwerbungsumständen, die als unrechtmäßig zu betrachten seien und deshalb zur Rückgabe von Objekten führen könnten, hielten die Autorinnen 'wegen der Vielzahl der
verschiedenen Fallgestaltungen' derzeit nicht für sinnvoll, orakelt der Leitfaden." Und so bleibe jedes Museum in der Frage der Rückgabe weiterhin auf sich gestellt. Im
Tagesspiegel sieht Nicola Kuhn das
nicht ganz so kritisch: "Es könnte ein Zeichen des Aufbruchs sein, so war
Veränderungswille gestern bei der digitalen Präsentation des Leitfadens zu spüren. Aber auch die Sorge, dass die finanziellen Ressourcen der Museen nicht reichen für eine Untersuchung, genauer:
Onlinisierung der Sammlungsbestände und den Dialog mit den Interessensvertreter:nnen aus den Herkunftsgesellschaften. Dazu gehören ebenso Reisemöglichkeiten für Kolleg:nnen etwa aus Afrika, Visa und Stipendien. 'Ein
neue Ethik für den globalen Kulturaustausch' forderte deshalb Eckart Köhne, Präsident des Museumsbunds. Nur so bekomme der Prozess Glaubwürdigkeit. Zugleich ließ er durchblicken, dass diese neue Ethik
ihre Kosten hat." Wie schleppend es mit der Bestandsaufnahme geht,
beschreibt Paul Starzmann, ebenfalls im
Tagesspiegel.