In der Diskussion um die
Benin-Bronzen in dieser Woche ist doch etwa gründlich schiefgegangen. Andreas Kilb erzählt die komplizierte Geschichte auf knappem Raum in der
FAZ. Am Montag hatte Hartmut Dorgerloh, der Intendant des Humboldt-Forums in Berlin, in einem Telefonat mit der
Süddeutschen Zeitung von Rückgabe gesprochen (unser
Resümee). Und dann passierte folgendes: "Die Zeitung machte daraus eine Meldung, in der die
baldige Restitution aller deutschen Benin-Bronzen angekündigt wurde. Die
postkoloniale Internetblase, vor allem die pressure group um den Hamburger Historiker
Jürgen Zimmerer, jubelte, doch dann folgte die Ernüchterung: Die Meldung wurde
gelöscht, der Sachverhalt korrigiert. Der Satz von Dorgerloh allerdings blieb stehen." Kilb annonciert einen längeren Prozess der Verhandlungen vor allem zwischen Museen - und empfiehlt dem Humboldt Forum unterdessen, die provisorische Ausstellung der Bronzen in die Hände eines
nigerianischen Kurators zu geben.
Die Schauspielerin
Katharina Kwaschik gehört zu den Initatorinnen einer
Petition, die die
Kultur im Grundgesetz verankert sehen will. Hintergrund ist die existenzielle Not vieler Künstler in der Coronakrise. Im Gespräch mit Susanne Messmer
sagt sie in der
taz: "Uns geht es um den Schutz von Kunst und Kultur, den wir im Grundgesetz verankert wissen wollen. Die Freiheit der Kunst ist ja im Grundgesetz formuliert und stellt damit
ein Grundrecht dar. Die Kunst kann aber nur frei sein, wenn ihrer Entfaltung nichts im Wege steht, ihr Achtung und Akzeptanz entgegengebracht werden und sie durch die Kulturpolitik geschützt wird. Bislang ist etwa die Kulturförderung eine freiwillige Aufgabe der Länder und Kommunen."
In der
Welt sind Rainer Haubrich die ganzen Debatten um das
Humboldt Forum entschieden zu "
woke". Die Benin-Bronzen können ruhig zurück nach Nigeria, aber dann sollte das Projekt bitte
gefeiert werden,
meint er: "Es ist erstaunlich, wie es den Kritikern in den Medien gelungen ist, diesen - ohne Zweifel wichtigen - Teilaspekt zum alles beherrschenden Thema rund um das Humboldt Forum zu machen. (…) Anstatt dieses
Wunderwerk nun mit Begeisterung zu vermarkten, halten die Macher des Humboldt Forums rund um Generalintendant Hartmut Dorgerloh das Haus im
Würgegriff der '
Wokeness'. Sie schämen sich förmlich dafür, hinter Barockfassaden zu arbeiten, und versuchen gar, den Begriff 'Berliner Schloss' systematisch zu tilgen."