Erfreut
wandelt Ulrich Schmid für die
NZZ durch die von
Cilly Kugelmann kuratierte neue Dauerausstellung im
Jüdischen Museum Berlin. Dabei resümiert er auch die scharfe Debatte um das Museum, die zum Abgang des vorigen Direktors Peter Schäfer geführt hat - wegen des Streits darum, wo Antisemitismus heute verortet wird (eine Frage, die offenbar nur "Rechte" umtreibt): "Dass auch die neue, großartige Dauerausstellung
die Kritiker zur Rechten nicht restlos beglücken wird, ist absehbar. Die engagierten Patrioten möchten mehr Politik, mehr Aktualität und eine vertiefte Darstellung des Problems, das nach ihrer Auffassung die deutschen Juden heute am meisten bewegt: des Antijudaismus, spezifisch des muslimischen Antijudaismus. Und was das angeht,
verweigert sich das Museum tatsächlich. Diese Ausstellung ist nicht auf Krawall hin kuratiert."
Auch Klaus Hillenbrand
begrüßt in der
taz, dass dieser Konflikt gemieden wird: "Dass es
ein Leben jenseits von Todesdrohungen und Judenhass gibt, dass Judentum wieder in diesem Land existiert und wie vielschichtig es ist, erfährt man in diesem letzten Kapitel, das mit einer
großartigen Videoinstallation endet: Auf 21 Monitoren berichten Menschen über ihr Jüdischsein in Deutschland. Sie sprechen über ihre Hobbys, Berufe, Wünsche und was es bedeutet, ein Jude zu sein."
Stefan Trinks, Kunstredakteur der
FAZ, hofft im Leitartikel auf Seite 1 dieser Zeitung, dass das
Humboldt-Forum es trotz der bitteren aktuellen Debatten zur Zeit zeigen wird, "dass es eine europäische Tradition gibt, die im
Namen der Dekolonisierung zu verteidigen". Es gehöre Mut dazu, "auch jene Geschichte miteinzubeziehen und zu verteidigen, die sich seit Forster, Herder oder den Humboldts
jedem europäischen Suprematiegedanken widersetzt hat. Es waren aber die Sammler nichteuropäischer Objekte mit ihrer Empathie, die sich als Alternative und als Korrektoren gegenüber Räubern und Versklavern empfanden und damit viele Zeugnisse indigener Kulturen
vor der Zerstörung bewahrten."