Anna-Lena Scholz und Tobias Timm hatten gestern als erste über das Gutachten des Wissenschaftsrats über die
Stiftung Preußischer Kulturbesitz berichtet - und über die Empfehlung, sie aufzulösen. Nun gehen sie in der
Zeit mehr ins Detail der Argumentation: "Bisher sei auf dem Weg durch die vielschichtigen Hierarchieebenen vieles versandet. Wenn man dem
Organigramm der Zuständigkeiten folgt, müsste etwa - ein fiktives Beispiel - der Leiter der Alten Nationalgalerie, will er eine Ausstellung organisieren, diese nicht nur mit dem Direktor der Nationalgalerie absprechen, sondern auch mit dem Generaldirektor der
Staatlichen Museen (der über eine eigene Verwaltung herrscht); diesem wiederum ist der Präsident der SPK mit seiner
Hauptverwaltung vorgesetzt, die in allen Budget- und Personalfragen das Sagen hat."
Andreas Kilb zeigt sich in der
FAZ allerdings von dem Vorschlag, die SPK in
vier kleinere Stiftungen zu zerschlagen, nicht überzeugt: "Haben sich die Evaluierer aus dem Wissenschaftsrat schon einmal gefragt, ob die eine Forderung vielleicht der anderen widersprechen könnte? Vier Stiftungen brauchen
vier eigene Stiftungspräsidenten und ebenso viele Leitungsstäbe, Dienstsitze, Pressesprecher, Personalchefs et cetera. Die Summen, die diese institutionellen Umrüstungen kosten, werden bei der kreativen und technischen Aufrüstung der Einrichtungen schmerzlich fehlen."
Längst "überfällig"
nennt Rüdiger Schaper heute im
Tagesspiegel indes den Vorschlag, die Stiftung aufzulösen. "
Perestroika für die Preußenstiftung!" ruft er: "Aufbau und irgendwie auch noch der Geist der Stiftung stammen aus den
1950er Jahren, aus dem West-Berlin des
Kalten Kriegs. Nach der Wende wurden Museen, Bibliotheken, Forschungseinrichtungen schnell zusammengelötet. Es entstand ein kaum beherrschbares Konglomerat aus etlichen stark renovierungsbedürftigen Altbauten in Ost und West und tückischen neuen Projekten. Das erklärt sich aus der Historie, aber der Stau am Bau lähmt gewaltig. Im Grunde beginnt das Problem schon mit dem Namen. Preußischer Kulturbesitz: historisch nicht falsch, aber
abschreckend und einengend. Auch die Sache mit dem 'Besitz' passt nicht mehr so recht ins 21. Jahrhundert."
Für die
Berliner Zeitung hat sich Harry Nutt unter anderem bei
Olaf Zimmermann, dem Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats,
umgehört: Als "
Gau" für die SPK bezeichnet er den Bericht: "Das wird der größte Umbau werden, den wir im Bereich der deutschen Kulturpolitik erlebt haben. Das gilt insbesondere mit Blick auf das Verhältnis der neuen Einrichtung zu den Ländern, von denen ja gewissermaßen 15 von 16 offensichtlich vor die Tür gesetzt werden sollen." Und: "Es ist zumindest ungewöhnlich, dass der Bericht vorab an die Redaktion der
Zeit gelangt ist. Das zeigt zumindest, dass da sehr
starke politische Kräfte im Hintergrund am Werk sind." Ebenfalls im
Tagesspiegel sammelt Christiane Peitz Reaktionen aus der Politik auf die Empfehlungen des Wissenschaftsrates.