Die
Empörungswellen, die über alles und jeden hereinbrechen, der mal eine schräge Äußerung macht, sind auf Dauer nicht gut für eine Demokratie, meint der Medienforscher
Bernhard Pörksen im
Interview mit der
Welt. Wir müssen lernen, so seine Forderung, eine "redaktionelle Gesellschaft der Zukunft" zu werden. Nur dann werden wir das Internet
auch positiv nutzen können, wie sein Beispiel einer
Schülerin aus Schottland zeigt, die mit ihrem Blog eine "Massenbewegung" für besseres Essen auslöste: "Und diese Schülerin, Martha, wäre bei einem Anruf in der Lokalredaktion ihrer Zeitung vermutlich schon
an der Sekretärin gescheitert. Sie hatte zu ihren besten Zeiten eine Million Leser und bekam jede Menge Geldspenden, mit denen sie dann eine Schulküche im afrikanischen Malawi finanziert hat. ... Dieses Beispiel zeigt: Es kommt auf uns an und auf die Relevanz, die wir Themen beimessen - als
Gatekeeper eigenen Rechts."
Die Schweizer
No Billag-Initiative ist gescheitert, hierzulande machen es sich die Intendanten der öffentlich-rechtlichen Anstalten in ihrem Status quo wieder gemütlich. Noch vor der Abstimmung hat
Markus Heidmeier von der
Beratungsagentur "Kooperative Berlin" bei
Zeit online diesen Status quo allerdings angeprangert und
fordert zum Beispiel eine Art
öffentlich-rechtliches Facebook: "Längst könnten heutige Reichweiten genutzt werden, um eine öffentlich-rechtliche Community aufzubauen. Die so organisierte digitale Reichweite müsste perspektivisch natürlich auch Dritten zur Verfügung stehen, wie zum Beispiel dem Goethe-Institut oder der Bundeszentrale für politische Bildung oder
sogar einem Zeitungsverlag. Auch das wäre
Public Value: nicht nur smarte und adäquate Angebote, sondern auch Plattformen und Reichweiten für die Inhalteanbieter der offenen Gesellschaft." Und Heidmeier fordert: Der "
Erneuerungsprozess darf weder dem öffentlich-rechtlichen System noch der Politik überlassen bleiben".
Konsequenzen in Deutschland nach der Abstimmung in der Schweiz fordert auch Claudia Tieschky in der
SZ: "Der Rundfunk in Deutschland braucht einen
neuen Gesellschaftsvertrag. Die Schweiz hat ihren bereits."