Das schöne Presse-Selbstbild von der "
vierten Gewalt" unterschlägt, dass es in der Regel nur wenige Journalisten oder Medien sind, die etwas wagen, während alle anderen brav mitmachen,
schreibt in der
taz der Anwalt
Tora Pekin, der sich für die
Cumhuriyet-Redakteure in Haft einsetzt: "Von den regimetreuen Medien brauchen wir erst gar nicht zu reden. Wir schämen uns für sie. Aber in der Türkei gibt es auch Medien, denen man nicht direkt ansieht, dass sie
mit der Macht verbändelt sind. Zaghaft bezeichnen sich ihre Mitarbeiter*innen als Journalist*innen. Manchmal behaupten sie sogar, ihre Tätigkeit sei für das Gemeinwohl. Aber Journalismus, der nicht
am Lack der Machthaber kratzt, wäre ein Oxymoron. Journalist*innen einzusperren heißt, die Bewegungsfreiheit des Journalismus einzugrenzen."
Nach der Niederlage des "
No Billag"-Referendums gab es große Erleichterung, auch bei deutschen Sendern. Aber der Refombedarf bleibt bestehen,
findet Perlentaucher Thierry Chervel in einem Gastbeitrag für die
Welt und fordert eine Neuformulierung der Idee
öffentlich-rechtlicher Information, die vom Internet aus denkt. Unter anderem schlägt er "ein
öffentlich-rechtliches Netflix" vor, "das nicht nur die Mediatheken und Archive der Sender pflegt, sondern auch als eine Internet-Kinemathek funktioniert... Denn Netflix wird sich nicht um das
filmische Erbe von Fritz Lang bis Fassbinder kümmern, und die Sender senden nur 'Tatort' und Mankell... Wäre das öffentlich-rechtliche System reformfähig, dann ließen sich solche innovativen Ansätze finanzieren, indem man die
Redundanzen der Anstalten reduziert und Geld abzweigt. Mit einer Milliarde Euro ließe sich schließlich schon eine Menge anfangen."
Außerdem: Angesichts rechtspopulistischer Angriffe, etwa durch die AfD,
fordert Klaus Staeck in der
FR die Öffentlich-Rechtlichen auf, "deutlichere Zeichen ihres Reformwillens" erkennen zu lassen.
(Via
turi2) Offenbar hat die
taz mal wieder eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die über die Zukunft ihrer Zeitung nachdenkt. Das
Thesenpapier wird im Netz präsentiert: "Laut, plakativ, geistreich - so ist die
taz. Auf Papier.
Online ist unser Journalismus limitiert und schlecht durchdacht. Dabei sind dort unsere Leser*innen. Und bald nur noch dort. Es muss unsere
absolute Priorität sein, das
taz-Profil ins Netz zu bringen. Dabei müssen wir nicht die Ersten sein, die neue Technologien ausprobieren, aber wir sollten schneller das übernehmen, was uns hilft, besseren Journalismus zu machen."
Die saudische Sendergruppe
MBC hat
türkische Serien, darunter die Seifenoper Noor, aus dem Programm genommen,
meldet Dunja Ramadan in der SZ. Neben dem türkischen Verhältnis zu Katar stoße den Saudis die "
Freizügigkeit" türkischer Serien auf, vielen Klerikern sei die Serie zu "unislamisch", so Ramadan: "Seit Jahren warnen sie vor dem
negativen Einfluss auf die arabische Gesellschaft. So soll die Anzahl der Scheidungen nach der Ausstrahlung von Noor rasant angestiegen sein - nachweisen lässt sich das natürlich nur schwer. 'Viele Frauen schalten den Fernseher an und sehen wie Muhanad dieser Frau - wie heißt sie noch mal - ah ja, Noor, hinterherrennt und dann vergleichen sie ihn mit ihrem Mann. Dabei ist das Schauspielerei! Ich schwöre bei Gott, es ist Schauspielerei.
Sie bekommt Geld dafür ihn zu lieben, in Wahrheit mag sie ihn wahrscheinlich gar nicht', empört sich etwa der jordanische Scheich Wassim Youssef im arabischen Fernsehen. Tatsächlich sind in den letzten Jahren die Scheidungszahlen in der Region angestiegen: So lassen sich im ultrakonservativen Saudi-Arabien
30 Prozent der Ehepaare scheiden."
Außerdem: Die
New York Times präsentierte gestern eine schön aufbereitete
Liste von 167 Frauen, die sie in ihren
Nachrufen nicht gewürdigt hatte.