9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.02.2018 - Medien

Die Öffentlich-Rechtlichen werden laut der Finanzkommission Kef bis Ende 2020 einen Überschuss von 544,5 Millionen Euro haben, berichtet Michael Hanfeld in der FAZ: Kein Wunder, dass nirgends "grundlegende Einsparungen" sichtbar sind. Die Vorsitzende des NDR-Verwaltungsrats, Dagmar Gräfin Kerssenbrock, hat den Bericht der Kef bereits zurückgewiesen und kritisiert, er greife in die Programmfreiheit der Sender ein, so Hanfeld. "Was sich in diesen Worten ausdrückt, muss man sich vor Augen halten: Die Verwaltungsratschefin eines öffentlich-rechtlichen Senders, politisch fest bei der CDU verortet, behauptet, dass ein unabhängiges Gremium von Finanzprüfern indem es tut, was seine Aufgabe ist, seine Kompetenzen überschreitet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.02.2018 - Medien

Unter der für Deutsche schräg klingenden Überschrift "Ich habe in 32 Jahren als Journalist noch nie wen geklagt" erklärt der österreichische Anchorman Armin Wolf in seinem Blog, warum er gegen den FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache vor Gericht geht - Strache hatte ihm in einem als "Satire" ausgewiesenen Facebook-Beitrag der Lüge bezichtigt. Wolf dazu: "Pauschale und persönliche Diffamierungen von ganzen Medien und Redaktionen oder von einzelnen Journalistinnen und Journalisten sind keine 'Kritik'. Schon gar nicht durch mächtige Politiker, die bereits angekündigt haben, 'im Sinne der Objektivität auch im ORF Optimierungen vornehmen' zu wollen." Der Standard bringt einen Hintergrund zum Streit.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.02.2018 - Medien

Journalisten übersehen gern, dass sie selbst ein wesentlicher Faktor von Hypes sind. Stern-Reporter Hans-Martin Tillack hatte Martin Schulz jahrelang in Brüssel erlebt und dort keine besondere Geradlinigkeit vorgefunden. Doch seit Schulz nach Deutschland kam, wurde ihm das Etikett "glaubwürdig" auf die Stirn gedrückt: "Und, wie gesagt: Viele Journalisten glaubten das nun auch. Die Begeisterung war so groß, dass ihm selbst erfahrene Beobachter alle möglichen weiteren Fähigkeiten zuschrieben. 'Schulz hat das, was Angela Merkel fehlt: Er hat den Überschwang, das Feuer, die Begeisterung', analysierte Heribert Prantl Ende Januar 2017 in der Süddeutschen Zeitung... Im Fall von Martin Schulz hat man einen Kandidaten erst für angebliche Qualitäten gelobt, die er in Wahrheit nie hatte - und ihm das dann hinterher zum Vorwurf gemacht. Die Glaubwürdigkeit des Journalismus stärkt das nicht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.02.2018 - Medien

Ganz im Stillen hat die Fazit-Stiftung, die vor allem die FAZ bertreibt, aber seit einigen Jahren auch die Frankfurter Rundschau und die Frankfurter Neue Presse, diese beiden Titel an den Münchner Verleger Dirk Ippen und seine hessischen Partner, die Gießener Verlegerfamilie Rempel verkauft, berichtet Christoph Schmidt-Lunau in der taz: "Im vergangenen Jahr hatte die FNP noch eine Million Euro in einen hochmodernen Newsroom investiert; in Medienkreisen kursiert das Gerücht, auch das Gebäude, in dem die Redaktion untergebracht ist, stehe zum Verkauf, ebenso wie der FAZ-Stammsitz; es werde dringend Geld für die ebenfalls notleidende FAZ gebraucht. Zu solchen Informationen gab es am Wochenende weder eine Bestätigung noch ein Dementi. Die FAZ werde sich künftig auf ihre 'nationale Strategie' konzentrieren, heißt es in der Mitteilung ihrer Eigentümer." Die FR, die noch zu zehn Prozent  der Karl-Gerold-Stiftung gehört, beharrt auf ihrem überregionalen Anspruch.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.02.2018 - Medien

Seit einem Jahr sitzt der Journalist Deniz Yücel nun ohne Anklage in der Türkei im Gefängnis. Die taz bringt einen Auszug aus seinem Buch "Wir sind ja nicht zum Spaß hier". Darin schildert er auch, wie er das Schreibverbot umging, indem er Aufzeichnungen zunächst mit einer Gabelspitze in Bücher ritzte: "Ein paar Tage später ergab sich bei einem Arztbesuch ein unbeobachteter Moment: ein Stift direkt vor meiner Nase! Ich griff sofort zu und schmuggelte den Kugelschreiber an der Leibesvisitation vorbei in meine Zelle. Nur Papier hatte ich immer noch nicht. Aber ich hatte ein zweites Buch: 'Der kleine Prinz', türkische Ausgabe. Meine Dilek hatte sie den Anwälten mitgegeben. Ohne jeden Hintergedanken, außer vielleicht dem, uns beide an den großen Satz: 'Du bist für deine Rose verantwortlich' zu erinnern."

Weiteres: In der NZZ schildert Marc Neumann, wie Amerikas hervorragender öffentlicher Radiosender, das National Public Radio, immer wieder seine Hörer "nach allen Regeln der Kunst einseifen" muss, um Spendengelder zu akquirieren.

Verleger Dieter von Holtzbrinck hat den Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart rausgeworfen. In der FAZ kann sich Michael Hanfeld etliche Gründe dafür vorstellen, zum Beispiel auch publizistische Bruchlandungen, über die Steingart immer recht nonchalant hinwegging: "Wo er war, war oben". Und weiter: "Dass allein Steingarts Text Dieter von Holtzbrinck zum Einschreiten veranlasste, ist freilich schwer vorstellbar. Steingart schreibt stets mit dem Vorschlaghammer, er übertreibt maßlos, überzieht gezielt und ohne Gnade, macht keine Gefangenen und kein Hehl daraus, dass er sich für wichtig hält." In der SZ ziehen sich Caspar Busse und Claudia Tieschky mit einem ausgewogenen Report aus der Affäre.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.02.2018 - Medien

(Via turi2) Oha, diese Meldung bei Focus online klingt doch ein wenig unheimlich: Die AfD, die ja jetzt vom Staat wie alle erfolgreichen Parteien ordentlich gepäppelt wird, plant mit ihren Geldern einen eigenen Newsroom inklusive Fernsehstudio in ihren Fraktionsräumen: "Neben der klassischen Pressestelle sollen rund zwanzig weitere Mitarbeiter für die Kommunikation zuständig sein, erfuhr Focus aus Fraktionskreisen. Die Arbeitsweise des 'Newsrooms' werde der in journalistischen Redaktionen ähneln. Der Schwerpunkt wird auf der Verbreitung der AfD-Inhalte in den sozialen Medien liegen. Die Mitarbeiter sollen im Schichtbetrieb rund um die Uhr tätig sein."

Die Digitalstrategie der New York Times scheint aufzugehen (zumindest für die New York Times). Die Times erlöst jetzt durch Digitalabos 340 Millionen Dollar im Jahr, durch Digitalanzeigen 238 Millionen Dollar im Jahr, notieren Edmund Lee und Rani Molla bei Recode.net. "Das Digitalgeschäft der Times wächst um 30 Prozent jährlich, also schneller als Google und Facebook. Natürlich ist ein solcher Vergleich ein bisschen fadenscheinig. Gegen die beiden ist die Times ein Zwerg. Aber er sagt dennoch etwas aus, denn erstens waren es Facebook und Google, die das Nachrichtengeschäft auffraßen, und zweitens wächst die Times, eine 166 Jahre alte Firma, die allen Stürmen bis zur Selbstverleugnung widerstand, nun wie ein Silicon-Valley-Gigant."

Warum sind die Anhänger der No-Billag-Initiative so schlecht auf die Schweizer Radio- und Fernsehgesellschaft zu sprechen, fragt Michael Schönenberger in der NZZ und sieht Selbstüberschätzung, Gebührenpflicht und ein nur wenige Denkmuster abbildender Sendeplan des teuren Senders als mögliche Erklärung. Zumindest muss die SRG dringend "abspecken", meint er, denn: "Eine zu große, steuerfinanzierte SRG gefährdet die Medienvielfalt. Eine funktionierende Demokratie setzt viele und vor allem mit ihren unterschiedlichen politischen Haltungen präsente Medien voraus. Neben einer seriösen und fundierten Information, die gerade auch die SRG leistet, ist es diese Meinungsvielfalt, die grundlegend ist für die Meinungsbildung in der Demokratie. Der Staat sollte die Rahmenbedingungen also derart setzen, dass möglichst viele unabhängige Medien koexistieren können."

Und wer noch an Medienklatsch interessiert ist: Gabor Steingart, Chef des Handelsblatt, wird laut Spiegel online wegen eines recht drastischen Kommentars über Martin Schulz offenbar von Dieter Holtzbrinck gekippt. Holtzbrinck soll sich sogar bei Schulz entschuldigt haben.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.02.2018 - Medien

Ein Erfolg der No-Billag-Initiative (Unser Resümee) würde das Aus der Öffentlich-Rechtlichen in der Schweiz bedeuten, glaubt in der Zeit die Journalistin Bernadette Conrad - den Öffentlich-Rechtlichen würden 75 Prozent ihrer Einnahmen verloren gehen. Einem jungen Mann, der "aus Prinzip" keine "Zwangsabgabe" für den "Staatssender" leisten wolle, erwidert sie: "Wie malt er sich die 'Freiheit' in einer Welt der Privatsender aus, wo Information immer interessengeleitet und kommerziell ist? Die Freiheit der Privatwirtschaft, wie sie uns von Donald Trumps oder Silvio Berlusconis Medien vermittelt wird."

Frederik Fischer stellt bei Medium.com einige "Indie-Startups" im deutschen Online-Journalismus vor, worunter er Online-Medien versteht, die irgendwie relevant sein wollen. Warum die Uebermedien vorkommen, der Perlentaucher aber zum Beispiel nicht, erklärt sich durch das Auswahlkriterium "Finanzierung überwiegend über die Crowd, Stiftungen oder Mäzene. Wer sich vornehmlich über Werbung finanziert, bleibt grundsätzlich unberücksichtigt. Warum Werbeabhängigkeit problematisch ist? Das wird zum Beispiel hier gut erklärt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.02.2018 - Medien

Auch beim zweiten Anlauf, den "Telemedienauftrag" zu beschließen, gab es nun am Donnerstag keine Einigung, meldet Christian Meier in der Welt. Eine Einigung  der Länder über die strittigen Fragen kann so erst im Juni zustandekommen. Besonders gestritten wird über die "Presseähnlichkeit": "Während es einigen Vertretern öffentlich-rechtlicher Sender am liebsten gewesen wäre, man hätte den Begriff gleichsam entsorgt, weil er ihrer Meinung nach zu schwammig und im digitalen Zeitalter nicht adäquat sei, gibt es unter den Medienpolitikern dennoch Verständnis für die Argumente der Verlage, die sich vor einer digitalen Expansion beitragsfinanzierter Medien geschützt sehen wollen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.02.2018 - Medien

Die NZZ bringt mit Blick auf die anstehende Volksabstimmung zur No-Billag-Initiative gegen die Schweizer Rundfunkgebühren ein Pro und Kontra . Die Schweiz wähle nicht zwischen Staatsmonopol und vollständigem Wettbewerb, sondern zwischen einem kontrollierten und einem unkontrollierten Medienoligopol, betonen der Wirtschaftsethiker Martin Kolmar und der Politologe Ulrich M. Schmid: "Generell muss aber eine liberale Sicht auf die Rahmenbedingungen der Bildung politischer Meinungen in der Schweiz die Wichtigkeit eines unabhängigen öffentlichen Medienhauses unterstreichen. Im Unterschied zu Google und Facebook übernimmt nämlich die SRG die Verantwortung für die Inhalte, die sie auf ihren Kanälen verbreitet. "

"Zwangsfinanzierte und mit dem Staat verbandelte Medien werden in einer offenen Gesellschaft zunehmend zu einem Anachronismus", meint hingegen der Publizist Robert Nef und schlägt stattdessen frei wählbare Nutzergebühren und gegebenfalls einen durch die Politik eingeräumten Budgetposten vor, mit dem die Behörden "bei privaten Sendern ein elektronisches Zeitfenster zur 'notwendigen amtlichen Information in den elektronischen Medien' und zum 'sprachlich-kulturellen Minderheitenschutz' erwerben könnten. Solche steuerfinanzierte Sendungen sollten dann aber stets mit dem Logo des Staates gekennzeichnet sein."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.01.2018 - Medien

Vor zwei Tagen kritisierte der ehemalige BGH-Richter (und Zeit-online-Kolumnist) Thomas Fischer auf Meedia die Zeit-Berichterstattung über Dieter Wedel, der er vorwirft, "jeden Ansatz zu professionell-kritischer Distanz" gegenüber den Vorwürfen gegen Wedel vermissen zu lassen: "Die Zeit-Veröffentlichungen vom 4. und 25. Januar 2018 sind nicht neutral oder unvoreingenommen, sondern beziehen Position und fällen ein Urteil. Dazu nutzen sie Mittel der Suggestion und Verzeichnung, der Zirkelschlüssigkeit und der Denunziation. Das gilt für die Auswahl der referierten Zeugen-Bekundungen, aber zum Beispiel auch für die tendenziöse Verwendung von Konjunktiv und Indikativ: Die belastenden Aussagen werden in mittelbarer Form eingeführt ('sie sagt…, dass…'); wenn sich Lücken zeigen oder Nachfragen aufdrängen, wechselt der Bericht aber unvermittelt in den Indikativ ('Sie weiß nicht mehr, …'). Die Autoren wechseln immer wieder zwischen der Rolle der Berichterstatter über Behauptungen und der von Berichterstattern über Wahrheiten. Das führt zu einer zirkelschlüssigen, suggestiven Geschlossenheit der Darstellung."

Ebenfalls auf Meedia widerspricht Fischer jetzt die Juristin Elisa Hoven, die Fischers Anforderungen an investigative Berichterstattung überzogen findet: "Ein Journalist kann - schon aufgrund fehlender Eingriffsbefugnisse - nicht in gleicher Weise Beweise erheben wie ein Gericht. Setzte man dies aber voraus, wäre jeder Bericht über den Verdacht einer Straftat unzulässig. Investigative Recherchen mit strafrechtlichem Bezug dürfte es also nicht geben (kein 'Watergate', keine Aufdeckung des 'DFB-Skandals 2006', keine Berichte über Untreuehandlungen von Vorstandsvorsitzenden - übrigens alles Fälle, in denen keine entsprechende Medienschelte erfolgt ist)."

Die Länder tagen über die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Sender, die Finanzbedarf angemeldet und bisher nur wenige Sparpotenziale gehoben haben, so Michael Hanfeld in der FAZ. Auch die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (Kef) mahne zu weiteren Einsparungen, sonst sind die Gebührenzahler dran: "Kommen die Ministerpräsidenten in Sachen Auftrag, Struktur und Finanzen der Öffentlich-Rechtlichen zu keiner Lösung, 'müsste' der Rundfunkbeitrag nach Einschätzung der Finanzexperten auf 18,70 Euro im Monat steigen."