9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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2294 Presseschau-Absätze - Seite 21 von 230

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.10.2024 - Medien

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In der FAZ berichtet Frauke Steffens, dass der Newsletter Shelf Awareness, ein wichtiger, sich als "progressiv" verstehender Informationsdienst der amerikanischen Verlagsbranche, keine Anzeige des neuen Buchs von Bernard-Henri Lévy mit dem Titel "Israel Alone" platzieren wollte: "Der Verleger Matt Baldacci begründete das damit, dass jene 250 unabhängigen Buchhandlungen, die Partner des Unternehmens seien, Beschwerden von Angestellten und Kunden bekommen könnten und man sich diesen verpflichtet fühle. Laut Free Press hat der Newsletter 600.000 Leser. Hintergrund der Entscheidung ist vermutlich die Tatsache, dass viele linke und liberale Amerikaner, die die wichtigste Klientel vieler unabhängiger Buchhandlungen sind, den Krieg Israels in Gaza und die derzeitige israelische Regierung kritisch sehen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.10.2024 - Medien

Jeff Bezos hat als Eigentümer der Washington Post offenbar eine Wahlempfehlung für Kamala Harris in seiner Zeitung verhindert (unser Resümee). In der FR notiert Michael Hesse, dass das Ansehen der Medien in den USA generell gesunken ist: "Einer Umfrage zufolge glaubt in den USA ohnehin nur noch eine Minderheit den Medien. Nur noch 31 Prozent der Befragten hätten volles oder überwiegendes Vertrauen in die Massenmedien, ergab eine Umfrage des Gallup-Instituts. Der Rest der Befragten vertraue Presse, Fernsehen und Radio 'überhaupt nicht' (36 Prozent) oder 'nicht sehr' (33 Prozent), so Gallup. (...)  'Die Zeitung ist ihren Lesern und der Öffentlichkeit verpflichtet, nicht den privaten Interessen ihrer Besitzer', heißt es in der Washington Post. Diese Zeiten könnten vorbei sein. Auch die Los Angeles Times verzichtet auf Wahlempfehlungen - auf Druck ihres Eigentümers, des Milliardärs Patrick Soon-Shiong, heißt es. Es beginnt die Zeit der Oligarchen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.10.2024 - Medien

Alexander Kluge ist lange dabei. Hubert Spiegel spricht mit ihm in der FAZ über Lage und vor allem Mentalität in den Öffentlich-Rechtlichen. Kluge warnt vor der Schleifung von Kultursendern: "Heute ist Arte unter anderem ein Rettungsanker für bestimmte Produktionen. Wie viele Opernübertragungen von den Salzburger Festspielen haben Sie je im WDR gesehen? Dort hat einmal ein Redakteur namens Bernd Alois Zimmermann gearbeitet. Von ihm stammt die Oper 'Die Soldaten' nach Jakob Michael Reinhold Lenz. Was durfte er beim WDR machen? Zwischenmusiken für Hörspiele? Unter einer anderen Obrigkeit als dem WDR, sagen wir mal dem Erzbischof von Salzburg, wäre eine weitere Oper dabei herausgekommen. Oder zumindest eine Messe." Wer Arte und 3sat fusionieren will, so Kluge, "haut am Ende alles kaputt".

Jeff Bezos, Eigner der Washington Post, und Patrick Soon-Shiong, Besitzer der Los Angeles Times, haben offenbar verhindert, dass ihre Zeitungen eine Wahlempfehlung für Kamala Harris aussprechen. Ist es Feigheit, fragt Heike Buchter, in Zeit online: "Angesichts der kurzfristigen Entscheidung der beiden Milliardäre kann man zu dem Schluss kommen, dass sie mit einem Wahlsieg Donald Trumps rechnen. Beide sind an Unternehmen beteiligt, die viel zu verlieren hätten, sollten Aufsichtsbehörden und Regierung in Washington ihnen plötzlich feindlich gesinnt sein. Trump hat während der Kampagne wiederholt klargemacht, dass er seine politischen Gegner bestrafen will. Mit Bezos hatte er schon während seiner ersten Amtszeit Zusammenstöße, weil ihm die Berichterstattung von dessen Post nicht gefiel." In der SZ berichtet Willi Winkler.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.10.2024 - Medien

Lange haben die Ministerpräsenten der Länder mit der Reform der öffentlich-Rechtlichen Sender gezögert - schließlich profitieren sie alle von den Sendern ihrer Länder, die ihnen ihre Relevanz zurückspiegeln. Nun wurde gestern ein Plan vorgestellt: Die Kultursender Arte und 3sat sollen fusioniert werden oder auch nicht, und manches andere. Die Entscheidung über die Gebührenerhöhung wurde dagegen vertagt, weil man die Finanzierungsmodi verändern wolle. Aurelie von Blazekovic und Claudia Tieschky berichten für die SZ. Die Lobbyisten der Zeitungen haben sich aber in einem Punkt durchgesetzt: "Beschlossen sind nun Neuerungen in einem anderen alten Streit, der zuletzt in den Sendern für besonders viel Aufruhr sorgte, gefühlt mehr als die Tatsache, dass manche Sender in Gänze verschwinden. Nämlich: schärfere Regeln zur Presseähnlichkeit." Da die Zeitungen selbst immer weniger Texte online bringen, möchten sie auch nicht, dass jemand anders in die Lücke grätscht. Ein Riesengewinn für die Demokratie!

Da passt die jüngste Kolumne von Ronya Othmann in der FAS: Sie beschreibt die immer polarisierteren sozialen Medien und ihr kompliziertes Wechselspiel mit den traditionellen Medien, die mitspielen und zuweilen gegenhalten: Aber "die Öffentlichkeit hat sich mehr und mehr aufgesplittert, ist in Nischen abgewandert. Dabei ist sie das Fundament der Demokratie." Und der Internetkritiker Adrian Lobe stellt ebenfalls in der FAS fest: "Ohne eine Hierarchisierung von Informationen wird die digitale Öffentlichkeit auf Dauer nicht funktionieren können."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.10.2024 - Medien

"Die Süddeutsche Zeitung plant, ihre Außenbüros in den Landkreisen rund um die Landeshauptstadt München zu schließen", meldet Spiegel online, basierend auf nicht online stehende Recherchen Medieninsider. "Die Chefredaktion der SZ teilte die Umstrukturierung am Mittwoch gemeinsam mit der Ressortleitung den etwa sechzig Mitarbeitenden der Außenbüros in einer außerordentlichen Konferenz mit. Laut der Mitteilung von Ver.di soll die Berichterstattung aus den Landkreisen rund um München in diesem Zuge stark zurückgefahren werden." Auch David Rech berichtet auf Zeit online: "Die eigenständigen Regionalteile der Zeitungsausgaben rund um München wird das Blatt aufgeben... Für die Beschäftigten sei die Nachricht überraschend gekommen, sagte SZ-Journalist und Landesvorsitzender der Deutschen Journalisten Union ver.di in Bayern, Franz Kotteder, gegenüber Zeit Online. 'Die Leute sind vor den Kopf gestoßen.'"

In der taz interviewt Daniel Bax Jodie Ginsberg vom "Komitee zum Schutz von Journalisten" (CPJ), die Israel vorwirft, Journalisten im Gazastreifen systematisch zu verfolgen. "Journalisten werden von Israel ins Visier genommen und getötet. Und niemand wird dafür zur Rechenschaft gezogen." Ob Journalisten Terrororganisationen angehören, lässt sich für Ginsberg meist nicht ausmachen. "Es gibt die Redensart: der Terrorist des einen ist der Freiheitskämpfer des anderen. Für uns ist es sehr wichtig, kein Urteil darüber zu fällen, welche Medien gut oder schlecht sind." In der FAZ berichtet Christian Meier.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.10.2024 - Medien

Der Streit um die Presseähnlichkeit der Öffentlich-Rechtlichen Sender ging Anfang der Woche in eine neue Runde, als sich der SWR und sechzehn Zeitungsverlage vor dem Landgericht Stuttgart gegenüberstanden. Auf Zeit Online versucht der in Oxford lehrende Politikwissenschaftler Rasmus Kleis Nielsen zumindest die Sorge der privaten Nachrichtenmedien vor Verdrängung durch die Öffentlich-Rechtlichen zu entkräften, dazu zitiert er aus einer Schweizer Studie, die nach der Kampagne gegen die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR) entstanden ist: "Die Schweizer Ergebnisse sind eindeutig. Das Forscherteam schreibt: 'Die Analyse ergibt keine Hinweise darauf, dass die SRG private Medien im Informationsbereich verdrängt.' Die öffentlichen Medien werden vielmehr in der Regel zusätzlich zu Privatanbietern genutzt. Tatsächlich kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass SRG-Nutzer mehr Nachrichtensendungen kommerzieller Medien konsumieren als Nicht-SRG-Nutzer." In der SZ kommentiert Wolfgang Janisch zum Thema: "Der Gesetzgeber muss Bedingungen schaffen, in der eine privatwirtschaftliche Presse gedeihen kann."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.10.2024 - Medien

In der taz plädiert Ilija Trojanow für mehr positive Utopien in der medialen Berichterstattung: "Wir leben in der reichsten Gesellschaft, die es je zwischen Borkum und Mainau gegeben hat, wir beuten die halbe Menschheit und die gesamte Natur aus - und doch wälzen wir uns im Sumpf unserer Ängste und massieren uns mit dem warmen Öl des Selbstmitleids. Das ist erbärmlich. Ein Journalismus, der reale Geschichten des Gelingens, des Erkämpfens und Verteidigens erzählt, wäre eine wichtige Impfung gegen diese Pandemie der Katastrophenbilder. Denn das tägliche Gift, das uns in die Ohren und Augen geträufelt wird, zersetzt die Vernunft und das Vertrauen auf Fakten."
Stichwörter: Trojanow, Ilija

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.10.2024 - Medien

Der Kulturwissenschaftler Ladislaus Ludescher hat in einer Langzeitstudie untersucht, wie wenig die Medien über Krisen im "Globalen Süden" berichten. Allein in der "Tagesschau" wurde dem Sport im ersten Halbjahr 2022 mehr Sendezeit eingeräumt als allen Ländern des "Globalen Südens" zusammen: "Als 'tödlichster Krieg des 21. Jahrhunderts' gilt der Bürgerkrieg in der nordäthiopischen Region Tigray, der zwischen 2020 und 2022 schätzungsweise bis zu 600.000 Menschenleben forderte. In den Nachrichten wurde hierüber kaum berichtet. Zu den vergessenen militärischen Konflikten gehören auch die Kämpfe in Myanmar zwischen Rebellen und der antidemokratischen Militärjunta sowie der Krieg im Sudan, wo Schätzungen zufolge über sechs Millionen Menschen auf der Flucht sind und eine Hungersnot droht. Die Liste der medial vernachlässigten Krisen, Kriege und Katastrophen ließe sich leicht verlängern. ... Im Durchschnitt beschäftigen sich Nachrichtenmedien in lediglich etwa zehn Prozent ihrer Sendezeit oder Beitragsseiten mit den Ländern des Globalen Südens, obwohl dort etwa 85 Prozent der Weltbevölkerung leben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.10.2024 - Medien

"Fatal" nennen Ulrike Dotzert, ehemalige Leiterin der Arte-Abteilung des NDR und Sabine Rollberg, ehemalige Arte-Beauftragte des WDR, in der Welt die Überlegung, 3sat und arte zusammenzulegen: Statt "nach Effizienz zu fragen, nehmen Politiker die Wirkung in Kauf, die in Frankreich von der Ankündigung ausgeht, Arte und 3sat zusammenzulegen: Dort ist der Straßburger Sender längst dem Rassemblement National ein Dorn im Auge. Sobald sie kann, spätestens wenn sie Staatspräsidentin ist, wird Marine Le Pen versuchen, Arte zu kassieren. Nun liefert man ihr Argumente. Wie kann es sein, dass in Deutschland ausgerechnet die, die immerzu die Brandmauer predigen, jetzt den Rechtspopulisten zuvorkommen?"
Stichwörter: Arte, 3sat, Brandmauer, Le Pen, Marine, NDR

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.10.2024 - Medien

Maria Ossowski kritisiert in der Jüdischen Allgemeinen die Israel-Berichterstattung vieler deutscher Medien. Als einen Champion der Täter-Oper-Umkehr identifiziert sie Spiegel online. Schlimmer aber fast ist für sie die Schlagseite der öffentlichen-rechtlichen Nachrichtensendungen und besonders der "Tagesschau"-Redaktion. Zwar sei es eine schöne Geste gewesen, dass die "Tagesthemen" zum Jahrestag der Hamas-Pogrome aus Israel gesendet wurden. Danach aber folgte eine Dokumentation, in der mal wieder vor allem Israel übel dasteht: "Subtext der Doku über den 7. Oktober: Die Israelis sind Täter, nicht Opfer. Und Netanjahu ist schuld, dass die Geiseln nicht nach Hause kommen. Damit bewegt sich diese Dokumentation im Mainstream der Wahrnehmungen einer zunehmend israelfeindlichen Gesellschaft. Sie ist nur ein Beispiel von vielen. 'Israel droht mit Selbstverteidigung', diese Focus-Schlagzeile bringt alle Doppelzüngigkeit in der Nahost-Berichterstattung auf den Punkt. Es grenzt an Desinformation - bewusste oder unbewusste."