In der
taz schreibt Georg Seeßlen einen wehmütigen
Nachruf auf die
gedruckte Zeitung, mit der auch ein Stück Demokratie verloren geht: "Als Element von Kritik und Kontrolle waren Zeitungen ein wichtiger Bestandteil der Gewaltenteilung in der Demokratie. Allerdings funktionierte das nie so, wie man es sich als aufklärerisches Ideal vorstellen konnte. Denn im mehr oder weniger goldenen Westen musste die Presse im Allgemeinen, die Zeitung im Besonderen immer auch einen weiteren Widerspruch ausdrücken, nämlich den zwischen Demokratie und Kapitalismus. Die Nachricht war immer zugleich Botschaft und Ware. Und eine Zeitung war immer auch eine soziale Waffe. Man konnte Kriege und
Bürgerkriege damit anzetteln, Stimmungen mehr in die fortschrittliche oder in die konservative Richtung lenken oder einfach bösartigen Blödsinn verbreiten."
Daniel Bratanovic und
Nick Brauns bilden die neue Chefredaktion der
Jungen Welt, Brauns ist jener Redakteur, der am Tag nach dem 7. Oktober einen Artikel mit dem Titel "Gaza schlägt zurück" verfasste,
erinnert Dominik Lenze in der
taz. Die
antiimperialistische Leitlinie der ältesten, noch bestehenden linken Zeitung Deutschland, die die USA und Israel verteufelt und Putin, Hamas oder Kim Jong-un hofiert, dürfte sich entsprechend kaum ändern, so Lenze: "Der Gaza-Text ist nicht Brauns einzige journalistische Entgleisung: 2007 gab er einen Sammelband heraus, in dem zu einer
links-
jihadistischen Querfront aufgerufen wird - samt Autoren, die der Hisbollah nahe stehen. Er fordert ein 'Bündnis des islamisch-religiösen Widerstands gegen Imperialismus und Zionismus mit der säkularen Linken.'" Eine der ersten Amtshandlungen von Bratanovic als neuer Co-Chefredakteur: "Er hielt eine Rede auf der 75-Jahr-Feier der DDR, die die Zeitung im Berliner Kino Babylon organisierte. Gesprochen hat auch der Ex-SED-Chef
Egon Krenz, der in den Mauerschützenprozessen wegen Totschlags verurteilt wurde."
Weitere Artikel: Nach fünfzig Jahren stellt der italienische kommunistische Altertumswissenschaftler
Luciano Canfora die Zeitschrift
Quaderni di storia ein, schreibt Stefan Rebenich, der auf den Natur-und-Wissenschaften-Seiten der
FAZ auf die Erfolgsgeschichte der Zeitschrift zurückblickt: "Eine einsame, ja autokratische Entscheidung beendete eine internationale Erfolgsgeschichte. Ökonomische Gründe waren nicht ausschlaggebend. Der Verlag Edizioni Dedalo in Bari sah keinen Grund, die
Quaderni di storia aus dem Programm zu nehmen. ... Offenbar glaubt ... Canfora, er könne als Herausgeber nicht ersetzt werden."