Für all jene, die in den
öffentlich-rechtlichen Sendern am Status quo interessiert sind, hat der Föderalismus viele Vorzüge. Die Länder sind medienpolitisch zuständig. Reiner Haseloff, Ministerpräsident von SachsenAnhalt leitet jetzt eine Kommission bei der CDU zur Reform der Sender und hofft nun alle 16 Länder auf zumindest ein
paar kleine Schritte einzuschwören. Als Deisderate benennt er im Gespräch mit Tobias Blanken und Christian Meier von der
Welt etwa: "Die Anstalten könnten sich
viel besser vernetzen, nicht nur beim Sport. Wodurch enorme Mittel freigemacht werden können. Beitragsgelder werden derzeit immer mehr in
Tochterfirmen gesteckt, etwa Produktionsfirmen, bei denen wir Gremienmitglieder kaum wissen, wie die Kostenstrukturen sind. Zahlen aus Verträgen kennen die Gremien häufig gar nicht, sodass Entschlüsse ohne Detailkenntnisse mitgetragen werden müssen. Diese Informationen müssen jetzt auf den Tisch, wir brauchen
mehr Transparenz."
Seit Ende Juli haben rund 350 Sprach- und Literaturwissenschaftler in einem
Aufruf die
Gendersprache im öffentlich-rechtlichen Rundfunk kritisiert. Reaktionen der Sender gab es kaum, ärgert sich in der
FAZ Fabian Payr, einer der Mitunterzeichner. Statt dessen gab es als Antwort nur Standardschreiben, in dem von diskriminierungsfreier Kommunikation die Rede ist, was laut Payr schon unterstellt, dass jeder, der nicht gendert, diskriminiert. "Mit dem Hinweis auf Veränderungen in Gesellschaft und Sprache schließlich nimmt das
ZDF auf den Sprachwandel Bezug. Gendern wird als
natürliches Sprachwandelphänomen verkauft, wo ehrlicherweise von
Sprachplanung oder Sprachpolitik die Rede sein müsste. Gegenderte Sprache ist nicht das Ergebnis eines natürlichen Sprachwandels, wie Genderbefürworter immer wieder behaupten, sondern die Folge eines
gezielten Spracheingriffs, der von Behörden und Institutionen mittels Gesetzen, Leitfäden und Richtlinien vorangetrieben wird." Gendersprache "ist ein akademischer Soziolekt, der Diskursvorherrschaft anstrebt", so Payr. Damit gewinne man kein Vertrauen.
Auch die amerikanischen Medien haben Probleme, ein
diverses Publikum noch zu erreichen. Aber diese Probleme sind oft hausgemacht, meint der Journalist
Matt Taibi, der seine Eröffnungsrede zu einer Debatte um dieses Thema in seinem
Substack-Newsletter publiziert hat. "Nachdem das Internet aufkam und den Markt mit neuen Stimmen überschwemmte, stellten einige Sender fest, dass es finanziell sinnvoller war, eine
bestimmte Zielgruppe zu dominieren, anstatt sich um die gesamte Zielgruppe zu bemühen. Und wie? Das ist ganz einfach. Man füttert das Publikum mit Nachrichten, von denen man weiß, dass sie
ihm gefallen werden. ... Nennen Sie es das Modell der 'Publikumsoptimierung': Anstatt mit einer Geschichte zu beginnen und den Fakten zu folgen, beginnen Sie mit dem, was Ihrem Publikum gefällt, und arbeiten sich
rückwärts zur Geschichte vor. In diesem System bedient die überwältigende Mehrheit der nationalen Medienorganisationen die eine oder andere 'Seite'. Laut einer Pew-Center-Umfrage von vor ein paar Jahren wählen beispielsweise 93 Prozent der Fox-Zuschauer die Republikaner, während die Zuschauer von MSNBC zu 95 Prozent die Demokraten wählen, ein Phänomen, das sich genau widerspiegelt."