Die
Fußball-WM beginnt. Ist die
Kritik an Katar rassistisch? Fände die WM in Australien oder Mexiko oder Austalien statt, würde man nicht über Menschenrechte diskutieren, behauptet Dunja Ramadan im Leitartikel der
SZ. Aber "eins vorneweg:
Jeder Arbeiter, der beim Bau eines WM-Stadions in Katar ums Leben gekommen ist, ist einer zu viel."
Die Medien berichten weiterhin über
Katar, als hätten sie mit der Angelegenheit nichts zu tun und als wären nicht sie es, die das Ereignis
überhaupt erst zum Ereignis machen. Die
FAZ bringt einen launigen Text des Schriftstellers und Fußballfans
Moritz Rinke, der überhaupt nicht einsieht, warum nur er das Ereignis boykottieren soll: Und was ist "mit
all den Volkswagen, die durch unser Land fahren? Der katarische Staatsfonds besitzt 14 Prozent des VW-Konzerns, ein katarischer Minister sitzt sogar in Wolfsburg im Aufsichtsrat. Müsste man nicht auch alle
Siemens-Geräte ausstöpseln und abschalten, das
Deutsche-Bank-Konto kündigen, nichts mit
Hochtief bauen, keine Reise bei
Hapag-Lloyd buchen, keine Energie bei
RWE beziehen, nie wieder ein
Bayern-München-Spiel schauen?" Und natürlich keinen der
öffentlich-rechtlichen Sender gucken, die einen erheblichen Beitrag zur Finanzierung des Spektakels leisten.
Laut statista.de zahlen die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland
214 Millionen Euro für die Übertragungsrechte der WM.
Jan Christian Müller
sagt in der
FR eine "
freudlose WM" an: "Etliche deutsche Fans äußern sich derart angewidert über das Gebaren von Katar und Fifa, dass sie sowohl auf den Trip ins Emirat verzichten als auch die
TV-Übertragungen boykottieren wollen. Man wird sehen, ob das zur kollektiven Ignoranz gegenüber dem Turnier führt, wie sich das auf die
Einschaltquoten und die ohnehin getrübte Stimmung in Deutschland auswirken wird."
Die Interimsintendantin des
RBB,
Katrin Vernau, hat nach den Skandalen ihrer fristlos gekündigten Vorgängerin Patricia Schlesinger Bilanz gezogen. Michael Hanfeld resümiert in der
FAZ. Trotz Rücklagen aus zu hohen Gebühreneinnahmen droht
ein Minus: "Das Geld wurde
mit vollen Händen ausgegeben. Zwischen 2017 und 2020 stieg der 'Netto-Mehraufwand' um 99 Millionen Euro. Das wurde aus der Rücklage bedient. Der 'Mehraufwand' in den Jahren 2021 bis 2024 beträgt 97 Millionen Euro. Das verbraucht die
Reserven vollends. Ende 2021 betrug die Liquidität des Senders noch 45 Millionen Euro, Ende 2024 werden es nur noch vier Millionen sein. Und von da an rutscht der Sender ins Minus." Auf der Website des
RBB selbst
berichten René Althammer und Jo Goll. Hier lohnt es sich die Leserkommentare des Artikels (es lebe das Internet!) zu lesen, wo sich die Information findet, dass Vernau trotz ihres Jahresgehalts von 295.000 Euro
einen Mietzuschuss erhält.
Ebenfalls auf der Website des
RBB berichten Reporter, wie sozial der
RBB mit seinen Spitzenkräften verfährt, auch und gerade, wenn sie
in Rente sind: "Wie aus Recherchen von
NDR und
RBB und aus vertraulichen Dokumenten hervorgeht, schloss der
Rundfunk Berlin-Brandenburg (
RBB) mit seinem scheidenden Chefredakteur
Christoph Singelnstein einen gut dotierten
Beratervertrag - zusätzlich zu dessen lebenslangem Anspruch auf ein
jährliches Ruhegeld von mehr als
100.000 Euro und seiner
gesetzlichen Rente. In Summe soll Singelnstein vom
RBB derzeit einen
monatlichen Betrag erhalten, der ungefähr der Höhe seines letzten Gehalts als Chefredakteur entsprechen würde - das wären um die
15.000 Euro pro Monat." In der
SZ berichtet Aurelie von Blazekovic.