9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.11.2022 - Medien

"So" ist das neue "äh". Darüber ärgert sich der Kunsthistoriker Wolfgang Kemp in der FAZ, als er Deutschlandfunk Kultur hört. Der Gebrauch solcher "verbalen Weichmacher", schreibt er in der FAZ, sei "pandemisch". Schlimm genug, dass die Wort-Genossen "sozusagen" und "sowieso" auch nur als Füllwörter dienten, um den "Sprachfluss am Laufen zu halten". Aber dass die Nutzer ständig redeten, um mit "so" nur unterwürfig gegenüber ihren Gesprächspartnern etwas anzudeuten anstatt die Dinge klar und deutlich zu benennen, ist Kemp ein Graus. Genauso wie "ganz", "total", "genau" "immer", "auf jeden Fall" und "alles", die er als "angewandte Lob- und Humilitätskultur" bezeichnet, weil sie Empathie nur vortäuschten. "Man könnte jetzt eine alte Rundfunk-Redewendung gebrauchen: Das versendet sich doch. Aber um einmal von den Inhalten zu sprechen: Das 'irgendwie' oder 'so' legt sich wie Mehltau über Aussagen, die Sachaussagen sein könnten und die Darstellungsfunktion der Sprache nutzen." Besonders aufgefallen ist Kemp dieser neuartige und doch weit verbreitete Sprachgebrauch in dem Podcast "Lakonisch elegant" über Ernst Jünger.

Der Tagesspiegel wird neu konzipiert - bei solchen Meldungen muss man heute skeptisch sein, denn meist bedeutet das eine fluffigere Präsentation von weniger Inhalt. Die Westberliner Zeitung will ab jetzt vierzig Seiten Welt und vierzig Seiten "Weltstadt" bringen, berichtet Steffen Grimberg in der taz. Was aber wegfällt, ist die Medienseite, eine der renommiertesten der Republik, so Grimberg: "Mit der Auflösung eines Fachressorts fehlt irgendwann auch die Expertise. Dann ist keineR mehr Expert*in und ständig am Ball. Mit dem Versprechen 'mehr Expert*innen', das auch so ein Jingle im Werbeblock für den neuen Tagesspiegel ist, passt das nicht zusammen."

Der Spiegel überprüft aktuell mehrere Artikel über die Flüchtlinge am griechisch-türkischen Grenzfluss Evros, meldet unter anderem die Welt: "Konkret geht es um den Verdacht, dass Flüchtlinge den Tod eines Mädchens erfunden haben könnten. 'Einige ursprüngliche Berichte hatten die Schilderungen der Flüchtlinge, die bis heute am Tod des Mädchens festhalten, als Tatsache übernommen.' (…) Die Spiegel-Korrespondenten, aber auch die Dokumentation des Magazins, das Faktentreue überprüft, haben den Schilderungen der Flüchtlinge auf Basis ihrer Recherchen geglaubt. Doch nach Darstellung des Berichts vom Medieninsider ist es nicht klar, ob es dieses Mädchen, die fünfjährige Maria, wirklich gab und wenn ja, ob sie tatsächlich an der Grenze gestorben ist."
Stichwörter: Tagesspiegel, Spiegel, Westberlin

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.11.2022 - Medien

Nach einer Anfrage der Linken legte die Bundesregierung offen, dass das von den Grünen-Politikern Ralf Fücks und Marieluise Beck gegründete "Zentrum Liberale Moderne" seit 2018 für 24 Projekte mit 4.472.572,56 Euro subventioniert wurde, schreibt Frank Lübberding in der Welt. Hier werde "Verfassungsschutz gespielt", bezahlt mit Steuergeldern, ärgert er sich, vor allem mit Blick auf den Sektor "Gegneranalyse" des Zentrums: "Der dort praktizierte Aktivismus zur Bekämpfung politischer Gegner wird vom Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend für 2021 und 2022 unter dem Projektnamen 'Demokratie lebe' mit 316.211,47 Euro unterstützt. So lässt sich das Zentrum Liberale Moderne aus Bundesmitteln eine eigene Abteilung zur Brandmarkung politischer und medialer Gegner finanzieren. Angeblich geht es dabei um die 'Gegner der offenen Gesellschaft'."

Außerdem: Beim Facebook-Konzern verschieben sich die Prioritäten weg von der einst so gepriesenen Förderung des Journalismus hin zu Content-Videos im Stile von Tiktok, berichten Christian Meier und Stephan Weichert, der über mehrere Jahre mit dem News Partnerships Team von Meta zusammengearbeitet hat, in der Welt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.11.2022 - Medien

Die Fußball-WM beginnt. Ist die Kritik an Katar rassistisch? Fände die WM in Australien oder Mexiko oder Austalien statt, würde man nicht über Menschenrechte diskutieren, behauptet Dunja Ramadan im Leitartikel der SZ. Aber "eins vorneweg: Jeder Arbeiter, der beim Bau eines WM-Stadions in Katar ums Leben gekommen ist, ist einer zu viel."

Die Medien berichten weiterhin über Katar, als hätten sie mit der Angelegenheit nichts zu tun und als wären nicht sie es, die das Ereignis überhaupt erst zum Ereignis machen. Die FAZ bringt einen launigen Text des Schriftstellers und Fußballfans Moritz Rinke, der überhaupt nicht einsieht, warum nur er das Ereignis boykottieren soll: Und was ist "mit all den Volkswagen, die durch unser Land fahren? Der katarische Staatsfonds besitzt 14 Prozent des VW-Konzerns, ein katarischer Minister sitzt sogar in Wolfsburg im Aufsichtsrat. Müsste man nicht auch alle Siemens-Geräte ausstöpseln und abschalten, das Deutsche-Bank-Konto kündigen, nichts mit Hochtief bauen, keine Reise bei Hapag-Lloyd buchen, keine Energie bei RWE beziehen, nie wieder ein Bayern-München-Spiel schauen?" Und natürlich keinen der öffentlich-rechtlichen Sender gucken, die einen erheblichen Beitrag zur Finanzierung des Spektakels leisten. Laut statista.de zahlen die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland 214 Millionen Euro für die Übertragungsrechte der WM.

Jan Christian Müller sagt in der FR eine "freudlose WM" an: "Etliche deutsche Fans äußern sich derart angewidert über das Gebaren von Katar und Fifa, dass sie sowohl auf den Trip ins Emirat verzichten als auch die TV-Übertragungen boykottieren wollen. Man wird sehen, ob das zur kollektiven Ignoranz gegenüber dem Turnier führt, wie sich das auf die Einschaltquoten und die ohnehin getrübte Stimmung in Deutschland auswirken wird."

Die Interimsintendantin des RBB, Katrin Vernau, hat nach den Skandalen ihrer fristlos gekündigten Vorgängerin Patricia Schlesinger Bilanz gezogen. Michael Hanfeld resümiert in der FAZ. Trotz Rücklagen aus zu hohen Gebühreneinnahmen droht ein Minus: "Das Geld wurde mit vollen Händen ausgegeben. Zwischen 2017 und 2020 stieg der 'Netto-Mehraufwand' um 99 Millionen Euro. Das wurde aus der Rücklage bedient. Der 'Mehraufwand' in den Jahren 2021 bis 2024 beträgt 97 Millionen Euro. Das verbraucht die Reserven vollends. Ende 2021 betrug die Liquidität des Senders noch 45 Millionen Euro, Ende 2024 werden es nur noch vier Millionen sein. Und von da an rutscht der Sender ins Minus." Auf der Website des RBB selbst berichten René Althammer und Jo Goll. Hier lohnt es sich die Leserkommentare des Artikels (es lebe das Internet!) zu lesen, wo sich die Information findet, dass Vernau trotz ihres Jahresgehalts von 295.000 Euro einen Mietzuschuss erhält.

Ebenfalls auf der Website des RBB berichten Reporter, wie sozial der RBB mit seinen Spitzenkräften verfährt, auch und gerade, wenn sie in Rente sind: "Wie aus Recherchen von NDR und RBB und aus vertraulichen Dokumenten hervorgeht, schloss der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) mit seinem scheidenden Chefredakteur Christoph Singelnstein einen gut dotierten Beratervertrag - zusätzlich zu dessen lebenslangem Anspruch auf ein jährliches Ruhegeld von mehr als 100.000 Euro und seiner gesetzlichen Rente. In Summe soll Singelnstein vom RBB derzeit einen monatlichen Betrag erhalten, der ungefähr der Höhe seines letzten Gehalts als Chefredakteur entsprechen würde - das wären um die 15.000 Euro pro Monat." In der SZ berichtet Aurelie von Blazekovic.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.11.2022 - Medien

ARD und ZDF zusammenzulegen, ist für Frank Überall, den Chef des Deutschen Journalisten Verbandes, ein Unding. In der FAZ schreibt er: "Nicht umsonst gibt es im Bereich der privaten Medienhäuser ein recht strenges Kartellrecht, das solche Megafusionen untersagt." Außerdem gebe es ja auch noch den Auftrag publizistischer Vielfalt. Damit schießt der DJV-Vorsitzende nicht zum ersten Mal gegen den ARD-Vorsitzenden Buhrow und seine schon legendäre Hamburger Rede (unsere Resümees). "Allein unter Kostendruck die Reform der öffentlich-rechtlichen Sender zu diskutieren, sägt beharrlich am System. Durch seine undifferenzierten Äußerungen hat der Privatmann Tom Buhrow einen Türspalt geöffnet für diese Sichtweise. Der Diskurs muss jetzt wieder ernsthafter werden", schreibt Überall. "Weglassen" von Programmbestandteilen ist sicher kein Tabu, doch müssen solche Entscheidungen konsequent auf der Grundlage des gesetzlichen Auftrags besprochen werden." Sonst drohten Reformen an der Realität der Landesparlamente und des Bundesverfassungsgerichts zu scheitern.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.11.2022 - Medien

Immer wieder werden Reporter bei ihrer Arbeit behindert.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.11.2022 - Medien

Twitter ist keine Goldmine, sondern nur noch eine ausgebaggerte Grube, glaubt Ben Tarnoff in der NYReview of Books, und in diese stürze sich Elon Musk mit verrückter Verve. "Für Musk bedeutet Twitter zu viel. Es ist ein Ventil für seine unermesslichen Ressentiments, ein Brutkasten für seine reaktionäre Politik, eine Arena für ironievergiftete Memes, eine Bühne, auf der er eine Fangemeinde kultiviert, ein Megaphon für die Vermarktung seiner verschiedenen Unternehmungen, ein Ort, an dem seine Gefühle verletzt werden, eine Highschool-Cafeteria voller cooler Kids, an denen er sich rächen kann. Und genau das macht ihn zu einem miserablen Geschäftsführer. Die kühle Disziplin des Kapitals erfordert Zurückhaltung. Musk hingegen hat seine kurze Amtszeit als Eigentümer von Twitter in einem Fieber der Desublimierung verbracht.

Ja, vielleicht hat auch der Reichtum Männer wie Donald Trump, Elon Musk und Kanye West verdorben, aber zu richtig verzogenen Typen wurden sie erst auf Twitter, lästert Jaron Lanier in der NYTimes: "Was sind meiner Meinung nach die Symptome einer Twitter-Vergiftung? Es macht sich eine kindliche Verunsicherung breit, wo vorher Stolz war. Anstatt über allem zu stehen, wie es die starken Persönlichkeiten der Geschichte stets taten, jammert und wütet das moderne, mit sozialen Medien vergiftete Alphamännchen. Das funktioniert, weil seine Follower ähnlich vergiftet sind und sich so gut identifizieren können. Um es klar zu sagen: Heulsusen sind viel besser als Stalins. Und dennoch gab es viele reifere und nachsichtigere Führungspersönlichkeiten, die besser waren als beide, auch wenn wir uns aufgrund unseres starken Tribalismus, der durch die weit verbreitete Sucht nach sozialen Medien noch verstärkt wird, nicht mehr darüber einigen können, wer sie waren."

Einen der vielen Nachrufe auf den Journalisten Wolf Schneider schreibt in der FR Sylvia Staude, die durch Schneiders Sprachschule gegangen ist. Zwar musste sie über den konservativen Pedanten immer wieder die Augen rollen, ihm aber doch meist recht geben. Eingetrichtert hat er ihr auf jeden Fall die Regel für Klartext: "Schlagen Sie den Ochsen gerade vor den Kopf".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.11.2022 - Medien

Der Pressezar Rupert Murdoch ist nicht zufrieden, wenn Politiker unter ihm nicht so funktionieren. Murdoch hat mit Trump gebrochen, schreiben Anna Nicolaou and Joshua Chaffin in der Financiel Times (und Trump ist total sauer): "Murdoch nutzte seine Publikationen als Briefpapier und machte den Anfang. Auf der Titelseite der New York Post erschien am Donnerstag ein überdimensionales Bild des ehemaligen Präsidenten, der von einer Ziegelmauer stürzt, eine Anspielung auf den Kinderreim Humpty Dumpty, mit der Schlagzeile: 'Don (der keine große Mauer fertigbrachte) ist tief gefallen'. Das Wall Street Journal, das ebenfalls zu Murdochs News Corp gehört, veröffentlichte am selben Tag einen Leitartikel mit dem Untertitel: 'Er hat jetzt 2018, 2020, 2021 und 2022 versagt.' Die Redakteure der Zeitung schreiben: 'Trump hat die Wahlen 2022 verpfuscht . . er hat die Republikaner in ein politisches Fiasko nach dem anderen geführt'."

Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat an diesem Mittwoch dem Institut für Rundfunktechnik (IRT) aus München, das den öffentlich-rechtlichen Sendern untersteht, eine "herbe Niederlage" zugefügt (Unsere Resümees), berichtet Klaus Ott in der SZ: "In einem 68-seitigen Urteil hat das OLG die Berufung des öffentlich-rechtlich getragenen Technik-Instituts gegen eine Entscheidung des Landgerichts Mannheim vom September 2019 zurückgewiesen." Was hätte sich von den 317 Millionen Euro, "von denen vor allem auch die ARD indirekt profitiert hätte, nicht alles bezahlen lassen", seufzt Ott: "Zahlreiche Folgen des Tatorts zum Beispiel, Deutschlands meistgesehener Krimireihe im TV, von der eine Folge im Schnitt 1,5 bis 1,7 Millionen Euro kostet. Oder große Teile der teuren Übertragungsrechte für die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Oder ganze Spartenprogramme von ARD und ZDF, fast ein ganzes Jahr lang; beispielsweise 3Sat oder der Kinderkanal. Hätte das IRT seine Patente besser vermarktet, dann hätten sich dessen Gesellschafter einen Teil ihrer hohen Zuschüsse für das Institut ersparen und dieses Geld für das Programm verwenden können."

Sascha Lobo sichtet für seine Spiegel-online-Kolumne die Medien und findet sie in der Iran-Berichterstattung doch ausgesprochen schwach: "Die iranische Revolution der Frauen, der jungen Menschen findet in deutschen Leitmedien noch immer nicht ausreichend statt. Wie als Symptom beträgt die Gesamtzahl der Spiegel-Titelbilder zum Thema ebenfalls: null. Ein Themenschwerpunkt stand Ende Oktober lediglich links oben in der Ecke, als sich das Titelbild dem britischen Regierungschaos widmete. Automatisch ergibt sich die Frage: warum? Es ist eine Frage, die die iranische Diaspora traurig, wütend, fassungslos macht. Zu Recht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.11.2022 - Medien

Mit seinem Vorschlag, die Doppelstruktur von ARD und ZDF infrage zu stellen, schiebt Tom Buhrow "den schwarzen Peter an die Politik", sagt der Produzent Günter Rohrbach im Welt-Interview: "So spielt er ein Spiel weiter, das seit Langem Veränderungen blockiert: Schuld sind immer die andern. Im Übrigen würde eine solche Radikalkur im Wesentlichen die vielen hundert freien Mitarbeiter treffen, die das Programm faktisch herstellen. Die Festangestellten könnten die Sache aussitzen." Zudem sei auch schon die Fusion von kleinen Sendern wie Radio Bremen oder dem Saarländischen Rundfunk mit größeren Anstalten an der Politik gescheitert: "Die Fusion dieser beiden Sender mit ihren größeren Nachbarn ist seit vielen Jahren der Hit unter den von außen kommenden Reformvorschlägen. Sie ist zuverlässig an den betreffenden Landesherren gescheitert, die sich dieses Filetstück in ihrer ohnehin kleinen Medienwelt nicht entreißen lassen wollten. Im Gegenteil wurden über Jahrzehnte hin üppig ausgestattete Landesfunkhäuser über die Bundesländer verstreut."

"Wir springen zu kurz, wenn wir bloß über … politische Zuständigkeiten diskutieren", verteidigt sich indes Carsten Brosda, Hamburger Senator für Kultur und Medien, in der SZ. Die Öffentlich-Rechtlichen müssen die gesamte Gesellschaft in den Blick nehmen, fordert er. Und sie selbst brauchten Kontrolle: "Wir brauchen journalistische Medien, die öffentliche Kommunikation in den Fokus nehmen. Wir brauchen eine externe Expertenkommission, die Druck entfaltet, indem sie die Optionen der Zukunft analysiert, die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger ermittelt und auf dieser Grundlage darstellt, wie öffentlich-rechtliche, also gemeinwirtschaftlich finanzierte, Angebote unsere Öffentlichkeit bereichern können."

Und in der FAZ betrachtet Sigrun Albert vom Zeitungsverlegerverband die Buhrow-Rede aus der Perspektive ihrer Lobby-Interessen. Interessant zur Buhrow heute auch das Van-Magazin zu Buhrows Äußerungen über die Rundfunkorchester, mehr in efeu.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.11.2022 - Medien

Die Osteuropaforscherin Franziska Davies ist auch auf Twitter sehr präsent. Neulich hatte sie in einem langen Thread die ehemalige ARD-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz, die in der Volkshochschule Reutlingen einen sehr prorussischen Vortrag gehalten hatte, scharf kritisiert. Das Krone-Schmalz-Video bei Youtube war 700.000 angeklickt worden. Nun hat Krone-Schmalz, die ihre Positionen gern im Namen der Meinungsfreiheit vertritt, Davies über ihre Anwälte eine Aufforderung zur Unterlassung geschickt. Julian Seiferth und Michael Ströbel resümieren den Streit bei t-online.de: "Davies Aussagen seien von der Meinungsfreiheit nicht gedeckt, argumentiert Krone-Schmalz' Anwalt René Rosenau. "Frau Davies behauptet wahrheitswidrig, die Mandantin habe seit Jahrzehnten nicht journalistisch oder wissenschaftlich zu Russland gearbeitet und sei deshalb keine Russland-Expertin. Frau Davies möchte nicht diskutieren, sondern 'canceln'." Auch Davies wird anwaltlich vertreten und. Krone-Schmalz versuche, "eine Kritikerin anwaltlich zu schikanieren", wird sie im Artikel zitiert. "Aufhören will sie mit ihrer Kritik dagegen nicht - im Gegenteil: Demnächst will sie einen längeren Text über Krone-Schmalz veröffentlichen." Das Börsenblatt hatte vor einigen Tagen gemeldet, dass der Verlag C.H. Beck Titel von Krone-Schmalz nicht mehr nachdrucken will, weil sie "Gefühle verletzen und zynisch wirken" könnten.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.11.2022 - Medien

Reformimpulse kann man auch durch Bürokratismus geduldig zerkauen, wie man sehr schön kann man in einem von Helmut Hartung geführten FAZ-Interview mit Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue sehen kann. Er reagiert auf Tom Buhrows Rede zu den Öffentlich-Rechtlichen (unsere Resümees). Aber bei Raue läuft der Reformbedarf der Anstalten dann etwa darauf hinaus, dass die Leute ihre UKW-Radios wegschmeißen sollen: "Jeden achten Euro geben wir für die Programmverbreitung, wie für UKW, DAB, Kabel, Satellit und Streaming, aus. Das sind für UKW etwa 13 Millionen Euro und für DAB rund 15 Millionen Euro. Mit UKW decken wir für Deutschlandfunk Kultur nur 50 Prozent der Fläche Deutschlands ab, beim Deutschlandfunk sind es 72 Prozent Fläche über UKW, mit DAB+ dagegen 98 Prozent Abdeckung - für alle drei Programme."