Nach James Bennet, Redakteur der Meinungsseite der
New York Times, der über den Gastartikel eines nicht korrekt meinenden Senators stolperte, geht nun auch seine Kollegin
Bari Weiss - ihren Abschiedsbrief
veröffentlicht sie in ihrem Blog. Man kann in der
New York Times einfach nicht mehr meinen, meint sie: "Meinungsartikel, die vor zwei Jahren noch leicht durchgegangen wären, bringen einen Redakteur oder Autor heutzutage
in Bedrängnis, falls er nicht
gleich gefeuert wird. Wenn bei einem Artikel befürchtet wird, dass er intern oder in den sozialen Medien Widerwillen hervorruft, schlagen ihn der Redakteur oder Autor gar nicht mehr vor. Falls sie doch die Kraft haben, ihn vorzuschlagen, werden sie eilends
auf sicheren Grund bugsiert. Und falls es ihnen in seltenen Fällen einmal gelingt, ein Stück zu publizieren, das nicht
explizit linke Ideen vertritt, dann aber nur nachdem jede einzelne Zeile sorgfältig durchmassiert, beraten und und unter Vorbehalt gesetzt wurde."
Ironischer Weise
publiziert der
New-York-Times-Kolumnist Ross Douthat gerade heute zehn Thesen zur "
Cancel Culture", die ziemlich genau definieren, wie "Cancel Culture funktioniert: Ein Angriff auf J.K. Rowling diene in Wirklichkeit dazu,
die Mehrheit gleichzuschalten, nicht Rowling zu schaden: "Du musst nicht Rowling unmöglich machen, wenn du die weniger bekannte Schriftstellerin unmöglich machen kannst, die sich auf ihre Seite stellte. Du musst nicht die berühmten Uni-Leute kippen, die den offenen Brief in
Harper's unterzeichneten, wenn du
halb so alte Leute entmutigen kannst zu sagen, was sie denken."
Selbst in der
Modepresse müssen inzwischen reihenweise Redakteure und Mediengründer gehen wegen "unsensibler Bemerkungen",
meldet Modebloggerin Navaz Batliwalla in ihrem Blog
Disneyrollergirl (
mehr hier).
Vielleicht sollte die Linke ihre Prioritäten neu sortieren,
meint fast schon verzweifelt der amerikanische Wissenschaftler
Ashutosh (
Ash)
Jogalekar in seinem Blog
The Curious Wavefunction: "Gegenwärtig sollte es das
oberste Ziel eines jeden amerikanischen Bürgers sein, der über ein gewisses Maß an Anstand und Intelligenz verfügt,
Donald Trump und seiner unwissenschaftlichen, rassistischen und ignoranten Regierung die
größte Niederlage in der amerikanischen Wahlgeschichte zu bereiten. Fast nichts anderes ist in diesem Jahr so wichtig. Leider gibt es immer noch unentschlossene Menschen, aber gerade in den letzten Monaten hoffte man, ... dass sie desillusioniert sind. Die Demokraten sollten diese Leute
mit offenen Armen in ihren Reihen willkommen heißen. Wäre es also schwieriger oder einfacher für die Unentschiedenen, die Wahl eines Demokraten zu erwägen, wenn sie selbsternannte Demokraten sehen, die Statuen stürzen, Twitter-Mobs auf Leute loslassen, mit denen sie nicht einverstanden sind, die versuchen, Karrieren zu zerstören und jeden herabzusetzen oder auszuschalten, der vielleicht
nur etwas anders denkt als sie?"