Diese
Meldung bei
Politico und anderen Medien sorgt für eine
Sensation in den USA, die auch die gesamte Homepage der
New York Times dominiert: "Der Oberste Gerichtshof hat dafür gestimmt, das
Grundsatzurteil Roe v. Wade aufzuheben. Dies geht aus einem ersten Entwurf einer von Richter Samuel Alito verfassten Mehrheitsmeinung hervor, der innerhalb des Gerichts zirkulierte und
politico vorliegt." Die bisherigen
Abtreibungsgesetze der USA würden damit gekippt. Das Papier ist also noch nicht abschließend. Dass ein solches Papier
überhaupt geleakt wurde, ist in der amerikanischen Rechtsgeschichte ohne Beispiel,
erläutert die
New York Times, die zum Thema auch
ein Liveblog eingerichtet hat.
Bei
Politico werden einige Schlüsselpassagen aus dem über neunzigseitigen Papier
zitiert. Eine davon spricht darüber, dass das Thema Abtreibung in den
Gesetzgebungsprozess zurückverwiesen soll: "Roe war von Anfang an
grundfalsch. Die Begründung war außergewöhnlich schwach, und die Entscheidung hatte schädliche Folgen. Weit davon entfernt, eine nationale Regelung der Abtreibungsfrage herbeizuführen, haben Roe und Casey die Debatte angeheizt und die
Spaltung vertieft. Es ist an der Zeit, die Verfassung zu beherzigen und die Frage der Abtreibung wieder den
gewählten Volksvertretern zu überlassen." Das wird in vielen Staaten allerdings auf ein Verbot von Abtreibung hinauslaufen.
Die Formulierung "
grundfalsch" ("egregiously wrong") ist kein Zufall,
erläutern Josh Gerstein und Alexander Ward in
Politico, die das Papier dem Richter
Samuel Alito zuschreiben. Als "grundfalsch" seien zuvor zwei Entscheidungen des Gerichts von späteren Richtern bezeichnet worden: jenes "Urteil von 1944, das die
Inhaftierung japanischer Amerikaner während des Zweiten Weltkriegs bestätigte, 'Korematsu gegen die Vereinigten Staaten', und das Urteil von 1896, das die
Rassentrennung unter der Überschrift 'getrennt, aber gleich' segnete, 'Plessy gegen Ferguson'. Der Supreme Court hat 'Korematsu' nie formell aufgehoben, aber in einer Entscheidung von Roberts aus dem Jahr 2018 missbilligt."
In
Texas gilt jetzt schon faktisch ein Abtreibungsverbot. Seitdem steigt die Zahl von "
abortions at home", die meist in Form von Medikamenten von feministischen Organisationen angeboten werden,
berichtet Carter Sherman bei
Vice.com. Außerdem sind "die Auswirkungen des texanischen
Verbots weit über die Grenzen des Bundesstaates hinaus zu spüren. Am Donnerstag gab die Organisation Planned Parenthood bekannt, dass zwischen dem 1. September und dem 31. Dezember die Zahl der Abtreibungspatienten aus Texas in den Gesundheitszentren der Nachbarstaaten
um fast 800 Prozent gestiegen ist. Vor allem in den Kliniken in Oklahoma stieg die Zahl der texanischen Patienten im Vergleich zum Vorjahr um fast 2.500 Prozent."
==========Nicht nur Putin, auch ein weiterer Autokrat,
Xi Jinping, steht vor den Trümmern seiner größenwahnsinnigen Politik,
schreibt Gideon Rachman in der
Financial Times. Gescheitert ist die "
Zero Covid"-Politik des chinesischen Parteiführers, wie der erbitterte Lockdown in der 26-Millionen-Stadt
Schanghai gezeigt hat. Xi Jinping möchte beim Parteitag im November sozusagen zum
ewigen Führer Chinas gesalbt werden, während Parteiführer vor ihm nach zwei Amtsperioden zurücktraten. "Damit die weitere Konsolidierung der persönlichen Macht von Xi wie geplant verläuft, darf
der Xi-Kult nicht beschädigt werden. Doch nun sieht sich der chinesische Staatschef mit der
albtraumhaften Aussicht konfrontiert, dass die Monate bis zum Parteikongress von einer wirtschaftlichen Krise und sozialen Spannungen durch wiederholte Lockdowns geprägt sein werden."