9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Politik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.02.2026 - Politik

Der heutige Himmel über Teheran sieht nicht danach aus (hier ein erster Bericht in der Zeit, hier die Liveticker zu den heutigen Angriffen Israels und der USA, hier Trumps Statement). Aber Thomas Ribi erklärt in der NZZ nochmal, worin die Ayatollahs im Iran ihre Mission erblicken: "Irans Verfassung basiert auf der Herrschaft der schiitischen Rechtsgelehrten. Und laut Khomeinis Lehre müssen diese nicht nur das Land regieren. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Voraussetzungen zu schaffen für ein heilsgeschichtliches Ereignis: die Rückkehr des zwölften Imams, des Mahdi. Nach der Vorstellung der 'Zwölfer-Schiiten' wird er irgendwann in der Zukunft erscheinen, um die Welt in einen paradiesischen Idealzustand zu versetzen." Mit dem Mahdi verhält es sich laut Ribi wie folgt: "Fünfjährig war der Mahdi, als er verschwand. Weil er sich zurückzog oder weil er von Allah entrückt wurde, so ganz klar ist das nicht. Seitdem ist er verborgen. Niemand hat ihn gesehen. Aber er lebt, davon sind die schiitischen Muslime überzeugt. Wo, weiß niemand. Unter der Erde, sagen die einen. Andere vermuten ihn an einem unzugänglichen Ort, auf einer Insel oder im Meer."

Hier die vielleicht aktuellste Reaktion auf Twitter auf den israelisch-amerikanischen Angriff:

Stichwörter: Iran, Schiitischer Islam

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.02.2026 - Politik

In einem Offenen Brief, den die Zeit veröffentlicht, fordern Autoren mit iranischem Hintergrund wie Navid Kermani, Jasmin Tabatabai, Naika Foroutan und Mohammad Rasoulof die Bundesregierung auf, wegen des Todes vermutlich zehntausender Demonstranten im Iran strafrechtlich gegen das Regime zu ermitteln: "Durch unzählige Videoaufnahmen, Augenzeugenberichte und 'Leaks' aus dem Staatsapparat sind die Verbrechen umfassend dokumentiert. Die Bilder und Berichte nähren den Verdacht, dass es sich bei dem Massaker um keine spontanen Übergriffe von Soldaten und Milizionären gehandelt hat, sondern um eine geplante, systematische und landesweite Aktion der Staatsführung, um den Freiheitswillen der iranischen Bevölkerung ein für alle Mal zu brechen. Die Verantwortlichen für die unfassbaren Verbrechen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. ... Deutschland hat sich mit dem Völkerstrafgesetzbuch 2002 ein besonders völkerrechtsfreundliches Statut gegeben. Dieses hat sich bereits bei der Aufarbeitung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit des Assad-Regimes in Syrien bewährt, wofür Deutschland zu Recht international viel Anerkennung geerntet hat. Wir unterstützen daher öffentlich die Einreichung des European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) vom 10. Februar 2026 mit der Forderung, dass die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe Strukturermittlungen und gegebenenfalls personenbezogene Ermittlungen im Falle von Iran aufnehmen sollte."

"Xi-Jinping-Lehre" steht in China ab der dritten Klasse auf dem Lehrplan, konstatiert Rebecca Ricker auf Zeit Online. "In China muss jedes Schulkind, jeder Uni-Student, jedes Parteimitglied, jede chinesische Journalistin und jeder Beamte Xi-Jinping-Lehre lernen. Es gibt eine Xi-Jinping-KI, sowie eine gamifizierte Xi-Jinping-Lehre-Lernapp mit dem Namen Xuexi Qiangguo, was übersetzt heißt: Lerne und baue ein starkes Land. Das 'Xi' in 'Xuexi' ist das gleiche Schriftzeichen wie der Name des Generalsekretärs. So heißt die App auch 'Lerne von Xi'." Natürlich könnte man das einfach abtun und sich daran erinnern, dass man auch selber in der Schule so manchem gelauscht und es wieder vergessen habe, so Ricker. So einfach ist das hier jedoch nicht. "Doch es ist ja nicht ein einzelner Kurs, betont Sinologe Chris Mittelstädt: Egal, ob man als Unternehmerin eine neue Fabrik eröffnet oder als Professor einen Vortrag hält, man muss die Vokabeln der Xi-Jinping-Lehre verwenden und 'das Spiel mitspielen'. Andernfalls bekomme man keine Genehmigungen oder Beförderungen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.02.2026 - Politik

Philip Plickert, Wirtschaftskorrespondent der FAZ in London, kommt in der Jüdischen Allgemeinen auf den iranischen Unternehmer Ali Ansari zurück, der ein großes Immobilien-Portfolio besitzt - unter anderem zwei Hilton-Hotels in Frankfurt. Ansari steht den Revolutionsgarden und wohl auch Mojtaba Khamenei, dem Sohn des Ayatollah nahe. "Spätestens seit die EU die IRGC als Terrororganisation eingestuft hat, müsste sie auch ein kritisches Auge auf das Firmen- und Immobilienvermögen von Ali Ansari werfen. Nach Informationen der FAZ haben deutsche Nachrichtendienste damit angefangen. Doch bislang ist offiziell nichts geschehen. Weder Brüssel noch Berlin haben Sanktionen verhängt. Erstaunlich ist auch, wie gering das deutsche Medienecho auf die Enthüllungen zum Immobilien- und Hotelbesitz eines mutmaßlichen Finanziers der terroristischen Mullah-Regimes ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.02.2026 - Politik

Ali Laridschani soll nach Khameneis Tod Irans Geschäfte übernehmen, meldet die taz und bezieht sich auf einen Artikel in der New York Times. Laridschani war mal Kulturminister und kommt aus einer einflussreichen Familie, heißt in dem kleinen Porträt: "Laridschani profilierte sich in den vergangenen Jahren als ultrakonservativer und rücksichtsloser, aber zugleich pragmatischer Politiker, der im Ernstfall alles tut, was nötig ist, um die Islamische Republik zu erhalten." Hier ein älterer Tweet des Auswärtigen Amtes zu Laridschani.


Die iranische Schriftstellerin und langjährige Vorsitzende des "Komitee zur Verteidigung Salman Rushdies in Frankreich" Mahshid Amirshahi demonstrierte 1979 gegen den Schah und warnte vor einem Mullah-Regime. Heute lebt sie im französischen Exil und warnt vor einem Regime-Change von Außen, wie sie im Interview mit Zeit Online erklärt. "Ich kann nicht akzeptieren, dass jemand wie Pahlavi, mit der Unterstützung ausländischer Kräfte, aus der Ferne Anweisungen für einen Regimewechsel erteilt. Für mich ist das schlimmer als die ultimative Beleidigung. Persönlich bin ich auch absolut nicht damit einverstanden, dass sich eine ausländische Regierung in mein Land einmischt. Der Gedanke, dass sich andere Länder, egal ob die USA, Israel oder auch andere regionale oder internationale Akteure, auf diese Weise in die Vorgänge im Iran einbringen, ist für mich unerträglich."
Stichwörter: Iran, Laridschani, Ali

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.02.2026 - Politik

Nicht an Kaiser Nero oder Augustus fühlt sich Oliver Meiler in der SZ erinnert, wenn er sich Donald Trump ansieht. Es gibt eine viel bessere Analogie, meint er: "Es ist verrückt, wie viele Analogien es zwischen Trump und Berlusconi gibt." Berlusconi "war in vielem ein dunkler Avantgardist. Trump lernte vom Italiener, wie man Kritiker kontert, traditionelle Medien etwa und beharrliche Richter: Alles Kommunisten! Er schaute sich auch ab, wie man die Öffentlichkeit flutet mit immer neuen Unflätigkeiten und Tabubrüchen, mit Lügen und Übertreibungen, wie man damit Skandale überspielt, Zeit gewinnt und Staub aufwirbelt, wie dann alle nur von einem reden. Gut oder schlecht? Egal. Und wie man untreue Alliierte zu Verrätern macht, wie man sie vom Hof jagt und an den Pranger stellt. Auch darin scheint das Ancien Régime durch."

Frauke Steffens erzählt in der FAZ, wie Donald Trump drei entscheidende Gesetze der Civil-Rights-Ära abschwächen will, den "Voting Rights Act", den "Civil Rights Act" von 1964 und den "Fair Housing Act" von 1968. "Zusammen gelten die drei Gesetze als die größten legislativen Erfolge der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, weil sie nicht nur jahrhundertealte Diskriminierungen für illegal erklären, sondern dem Staat auch auferlegen, deren Folgen aktiv zu bekämpfen. Diese Regelwerke lassen sich mit den vorhandenen Mehrheiten nicht abschaffen. Doch weil sie nur einen Rahmen abstecken und ihre Durchsetzung von Verordnungen, Behördenentscheidungen und Gerichtsurteilen abhängt, können Gerichte und Regierung sie entscheidend schwächen."

Der Schriftsteller Schriftsteller Hans Christoph Buch hat Wurzeln in Haiti. Im SZ-Interview beschreibt er die verzweifelte Lage des Karbikstaates: "Der letzte Präsident ist vor fünf Jahren ermordet worden, offenbar von kolumbianischen Söldnern. Es heißt, er habe gegen den Drogenschmuggel vorgehen wollen. Seitdem herrscht auf Haiti Anarchie, und zwar im schlechtesten Sinne. Die Banden kämpfen um Einflusszonen, die Kämpfer dafür rekrutieren sie aus Kindern aus den Slums. In den Gebieten, die sie kontrollieren, schuf die Drogenmafia Suppenküchen, Geiselgefängnisse, Waffen- und Drogendepots (...) Die UN wollen eine neue Friedenstruppe mobilisieren, aber ohne US-Beteiligung fehlt das Geld dafür. Washington ließ zwar einen Zerstörer vor der Küste auffahren, aber Präsident Trump hat schon gesagt, was er von Haiti hält: Er nennt es ein 'Shithole'. Trotzdem droht er damit, Hunderttausende Haitianer abzuschieben in ein Land ohne Regierung, komplett heruntergewirtschaftet und von Kriminellen beherrscht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.02.2026 - Politik

Nachdem erst der französische Außenminister Jean-Noël Barrot und dann sein deutscher Amtskollege Johann Wadephul nach einer Rede der UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese deren Rücktritt forderten, behauptete Albanese auf Twitter, das Video ihrer Rede sei manipulativ geschnitten worden (unsere Resümees): Patrick Bahners hat sich für die FAZ die gesamte Rede angeschaut und stellt fest: Das Video mag ungeschickt geschnitten sein, weniger problematisch ist die Botschaft deshalb nicht. Im Original sagt Albanese: "Wenn das Völkerrecht einen Messerstich ins Herz erhalten hat, ist gleichzeitig wahr, dass die globale Gemeinschaft noch nie so klar die Herausforderungen gesehen hat, vor denen wir alle stehen. Wir, die wir keine großen Mengen an Finanzkapital, Algorithmen und Waffen kontrollieren, sehen jetzt, dass wir als eine Menschheit einen gemeinsamen Feind haben, einen Feind." Albanese erklärt, sie habe mit dem "gemeinsamen Feind" nicht Israel gemeint, sondern die "Freunde Israels". Bahners kommentiert: "In Kenntnis der vollständigen Rede wird der Streit über den Zusammenschnitt müßig. Das 22-Sekunden-Kondensat der Propagandakompanie 'UN Watch' hätte so in der ARD nicht gesendet werden können, verfälschte aber Albaneses Botschaft nicht. Denn sie erklärte auf einer Konferenz, an der auch der iranische Außenminister und ein Hamas-Führer teilnahmen, nicht alle Waffenlieferanten zu Menschenfeinden, sondern diejenigen, die Israel beliefern."

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Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran nehmen zu. Donald Trump hat dem Regime nun ein "Ultimatum" von fünfzehn Tagen gestellt, innerhalb derer eine Einigung in Sachen Atomwaffen erzielt werden soll, berichtet unter anderen Felix Busjaeger in der FR. Ebenfalls in der FR bezeichnet der Autor Joseph Croitoru, der ein Buch über Netanjahu geschrieben hat, diese "Deadline" allerdings auch als "Schonfrist" für die USA. So kriegsbereit wie sich Trump und Israels Präsident Netanjahu geben, seien sie nicht, glaubt Croitoru: "Dass die USA und Israel dem angeblich die ganze Welt gefährdenden Iran ohne große Verluste durch Luftangriffe erhebliche Schäden zufügen können, haben sie im vergangenen Sommer bewiesen. Eine längere kriegerische Auseinandersetzung würde allerdings schmerzliche Verluste auch für sie bedeuten. Dass in Washington bald von einer neuen Schonfrist die Rede sein wird, würde nicht überraschen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.02.2026 - Politik

Timbuktu hat seine "Biennale Artistique et Culturelle" gefeiert, mit Musik, Tanz und Schauspiel, bunten Kostümen und Frauen ohne Schleier - Dschihadisten hin oder her, erzählt Issio Ehrich in einer Reportage für die Zeit. "Künstlerinnen und Künstler legen mit jedem Auftritt neue Facetten des kulturellen Reichtums Malis frei. Und der Armee gelingt es nicht nur, in Timbuktu für Sicherheit zu sorgen. Während der Biennale durchbricht sie außerdem die Benzinblockade in der Hauptstadt und ermöglicht ein Gipfeltreffen, zu dem die Präsidenten Burkina Fasos und Nigers anreisen. Es ist eine Machtdemonstration, die wenige Beobachter für möglich gehalten hätten." Mehr als eine Atempause im Kampf gegen die Islamisten ist es aber nicht, ahnt Ehrich.

Der kongolesische Frauenarzt und Nobelpreisträger Denis Mukwege ist enttäuscht von der Münchner Sicherheitskonferenz abgereist, erzählt er im Interview mit der taz: Der Krieg im Kongo interessierte dort kaum jemanden. "Wir wollen, dass diese Krise endet. Dreißig Jahre Leid, dreißig Jahre Kriegsverbrechen, das ist zu viel. Wir brauchen keine Reden mehr, wir brauchen konkretes Handeln. ... Wir schlagen eine internationale Friedenskonferenz für die Region vor, im Kontext des Rahmenabkommens von Addis Abeba von 2013 über Frieden und Sicherheit in der DR Kongo und in der Region. Dieses Abkommen wurde nie umgesetzt. Wir schlagen vor, es zu neuem Leben zu erwecken und zu erweitern: alle Unterzeichnerstaaten und dazu die Zivilgesellschaft, die großen Bergbaufirmen mit Interessen im Kongo, die kongolesischen Unternehmen. Sie alle müssen sich an einen Tisch setzen und miteinander reden, denn dies ist ein Wirtschaftskrieg. Es geht um die Kontrolle strategischer Mineralien. ... Das extreme Elend macht die Menschen anfällig für Manipulation. Nennen wir die Dinge beim Namen. Aus den Kivu-Provinzen exportieren Chinesen enorme Mengen an Gold im Wert von Milliarden Dollars, und die Kongolesen bleiben arm zurück."

Im letzten Jahr gingen junge Menschen in Bangladesch, Nepal, Indonesien und vielen anderen südasiatischen Staaten auf die Straße und brachten zum Teil ihre Regierungen zu Fall, konstatiert Alexander Görlach in der NZZ. Ihre Ziele - mehr Demokratie - haben sie bisher nur rudimentär erreicht, doch ihre Wut könnte auch in anderen Weltteilen inspirierend sein. "Von vielem, was die Jugend Südostasiens beklagt, können junge Menschen überall auf der Welt ein Lied singen: Mieten und Lebenshaltungskosten gehen auch in Sydney, Taipeh, Buenos Aires, Mexiko-Stadt, Berlin, London und New York durch die Decke. Mit der Erkenntnis, dass es der jungen Generation heute schlechter gehen wird als ihren Eltern, kommt die Wut auf ein System, das, anders als versprochen, nicht der Mehrheit der Gesellschaft dient, sondern nur den wenigen Superreichen."

Die Epstein-Files sind veröffentlicht und es kommen allerhand Grausamkeiten ans Tageslicht, doch es ist wichtig, bei den Fakten zu bleiben und keine Verschwörungstheorien zu verbreiten, schreibt Nils Minkmar in der SZ. Bei der Auswertung werde ein zu großes Augenmerk auf Jeffrey Epstein und nicht auf die jungen Frauen und Männer gelegt, die er missbraucht habe. "Internationaler Spion für Mossad und FSB, Organhändler und Kannibale, Serienmörder und Menschenzüchter nach privatem Eugenik-Programm - all diese Mutmaßungen über Epstein verstärken seine posthume Legende... Epsteins Taten sind immens schrecklich, und seine geschickte Inszenierung als Netzwerker und globaler Machtmakler war Teil des kriminellen Systems. Das war seine Geschichte. Hören wir nun jene seiner Opfer."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.02.2026 - Politik

Für die deutsche Linke scheint es sich bei der Frage des Iran "um ein obskures Regionalthema" zu handeln, kritisiert Nils Minkmar in der SZ. Bei der Demonstration in München am Samstag waren circa 250.000 Menschen da, die Iraner protestierten aber größtenteils unter sich: "Die deutsche und europäische Linke hätten in Scharen zur Theresienwiese ziehen können, so wie die Anti-Schah-Proteste den Auftakt der 1968er-Bewegung in Berlin bildeten". Aber so lange es nicht um Israel geht, scheint das Bewusstsein für internationale Politik sehr eingeschränkt zu sein: "Das Regime in Teheran steht nicht nur für Folter, Mord und Ausbeutung im Inneren, es steht auch außenpolitisch verlässlich an der Seite von Terroristen und todessehnsüchtigen Fanatikern. Nacht für Nacht zerstören und töten die Drohnen aus iranischer Produktion die Städte der Ukraine. Wenn Teheran aufhört, Benzin auf Konfliktherde zu kippen, und sich stattdessen um Bildung, Wachstum und Freiheit im Inneren kümmert, wird die Welt eine andere, eine neue Jahreszeit, die Hoffnung beginnt. Das geht nicht nur die Bürgerinnen und Bürger Irans an, es handelt sich um ein Thema der universellen Gerechtigkeit."

"Die iranische Gesellschaft ist weiter entwickelt, als die Führung es zulässt", konstatiert Mansoureh Rahnama in der NZZ. Die Zivilgesellschaft müsse auf sich selbst vertrauen, sie brauche keine charismatischen Anführer, auch keinen Schahsohn: "Frauenbewegungen und digitale Selbstorganisation zeugen von politischer Reife. Die Demonstrationen entspringen existenzieller Not, keiner Revolutionsromantik. Millionen gingen aus Verzweiflung auf die Straße - der existenzielle Kampf um das tägliche Brot ist längst untrennbar mit dem Ruf nach Freiheit verwoben (...) Der öffentliche Diskurs neigt dazu, einzelne Persönlichkeiten zu Hoffnungsträgern zu stilisieren. Doch Irans Proteste richten sich auf Gerechtigkeit und Teilhabe, nicht auf mögliche Heilsfiguren. Demokratie braucht stabile Institutionen, keine charismatischen Führer."

Die iranische Nobelpreisträgerin Narges Mohammadi, die derzeit im Gefängnis sitzt, schwebt in Lebensgefahr, sagt Mariam Claren, Leiterin der Iran-Abteilung bei der Menschenrechtsorganisation HÁWAR.help, im Tagesspiegel-Interview. Schon bei ihrer Verhaftung sei es zu massiver Gewalt gekommen, außerdem sei sie herzkrank und erhalte keine Medikamente: "Wenn sich das mörderische Regime Mohammadi entledigen will, dann indem die Machthaber sie langsam sterben lassen. Damit die Welt davon möglichst wenig Notiz nimmt (...) Die Islamische Republik ist extrem frauenfeindlich. Und Mohammadi ist eine Frau, die es wagt, in der Öffentlichkeit den Mund aufzumachen, um die Mullahs scharf zu kritisieren. Weibliche politische Gefangene werden oftmals noch brutaler behandelt als männliche. Warum? Weil extreme Frauenfeindlichkeit zu den Grundpfeilern der Islamischen Republik gehört. Für die Mullahs ist Narges Mohammadi ein massiver Störfaktor."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.02.2026 - Politik

Es war eine der größten Demonstrationen in der Geschichte Münchens, aber sie landet in den meisten Zeitungen nur auf den Innenseiten. 250.000 Exiliraner waren nach München gereist um den Schahsohn Reza Pahlavi zu hören. In der taz berichtet Dominik Baur. Flaggen mit dem Löwensignet wehten über dem Platz. "Manche halten auch nur Bilder in die Höhe. Von Ermordeten des Regimes etwa oder von solchen, denen die Hinrichtung droht. So wie Mona Noroozi. Oder Saleh Mohammadi. Oder Melika Azizi. Das Schild mit ihrem Bild hält ihre Mutter hoch. Doch trotz der Trauer, der Angst um Angehörige, Freunde, Landsleute: Die Stimmung ist gut, fast ausgelassen. Ein Hauch von Aufbruch weht über die Theresienwiese - sei es aus Zweckoptimismus oder Überzeugung. Als seien es nur noch die letzten Meter auf dem Weg zur Demokratie, die zu bewältigen seien."

Unterwürfig war der Applaus für Marco Rubios Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz, wo man nach der Erfahrung mit J. D. Vance im letzten Jahr offenbar schon dankbar war, dass der große Bruder seine Pillen ohne Ohrfeige überreichte. Aber "Rubio machte genau dort weiter, wo Vance im vergangenen Jahr aufgehört hatte", meint Hansjürgen Mai in der taz. "Er kritisierte die Politik westlicher Länder, die sich dank Massenmigration, Freihandelsabkommen und einem 'Klimakult' im Niedergang befänden, und er versprach eine bessere Welt, in der koloniale Ansichten für mehr Wohlstand und Frieden sorgen würden." Ausführlich berichten für die taz Cem-Odos Gueler und Pascal Beucker. Und Tanja Tricarico und Hansjürgen Mai bemerken nebenbei in der taz, "dass Rubio in seiner mit Anspannung und Nervosität erwarteten Rede kein Wort über die Ukraine verlor. Ohnehin bekam der Krieg Russlands gegen die Ukraine, der sich in wenigen Tagen zum vierten Mal jährt, relativ wenig Aufmerksamkeit in München" - eigentlich handelt ihr Bericht von nun endgültig vorliegenden Beweisen, dass Alexej Nawalny vergiftet wurde.

Auch Nikolas Busse findet in der FAZ entscheidender, "was Rubio nicht sagte. Seine Rede enthielt kein Bekenntnis zur Verteidigung des Nato-Gebiets und keine Bekräftigung des Beistandsversprechens in Artikel 5, so wie man das in München früher von amerikanischen Vertretern zu hören bekam. Stattdessen gab es eine Einladung zur weiteren Zusammenarbeit, verbunden mit dem unverhohlenen Hinweis, dass Amerika auch bereit sei, allein zu handeln."

Dass Marco Rubio den Westen fast ausschließlich als "christlich" und eigentlich als katholisch definierte, ist den meisten Kommentatoren offenbar nicht aufgefallen - immerhin, in der FAZ regiert der Historiker Andreas W. Daum: "Es fällt auf, dass seine Münchner Rede alle jüdischen und islamischen Beiträge zur europäischen Kultur außen vor lässt, als wenn es sie nie gegeben hätte. Vielleicht könnte der Stab des bilingualen, Englisch und Spanisch sprechenden Außenministers einmal einen Besuch in Andalusien und Sevilla, Orten, die Rubio nannte, arrangieren. An Rubios Bild des europäisch-amerikanischen Kulturtransfers erstaunt vielleicht am meisten, dass die jüdischen Traditionen und Einflüsse auf die europäische Kultur ebenso ungenannt bleiben wie das Wirken von Gelehrten, Emigranten und Flüchtlingen aus dem nationalsozialistisch beherrschten Europa mit jüdischem Hintergrund auf die Gesellschaft der Vereinigten Staaten." Und wie wär's mit den Ideen der Aufklärung, der Religionsfreiheit und der Trennung von Religion und Staat?

Gustav Seibt unterzieht Rubios Rede in der SZ einem "Close Reading": Klar, erstmal könnte man erleichtert sein, dass der Außenminister von Europa und USA als Verbündeten sprach und die "westliche Zivilisation" rühmte. Aber was genau meinte er eigentlich damit? "Rubio rühmte die Beiträge europäischer Siedler beim Aufbau der amerikanischen Staaten, darunter deutsche Farmer und ihr Bier; dass europäische Sklavenhändler zugleich die größte gewaltsame Bevölkerungsverschiebung der Weltgeschichte (um Rubios Superlativstil aufzugreifen) ins Werk setzten, fehlt in diesem Geschichtsbild: Ureinwohner weithin ausgerottet, Schwarzafrikaner an ihre Stelle gesetzt. Damit wird aber auch der nichtweiße Bevölkerungsanteil der USA aus dem zivilisatorischen Erbe ausgebürgert." 

Was die doch als recht peinlich empfundene Standing Ovation für Rubio angeht, hat die Deutschland-Korrespondentin von Le Monde Sylvie Kauffmann folgende Anmerkung: "Es waren drei deutsche Politiker, Verteidigungsminister Boris Pistorius, Außenminister Johann Wadephul und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, die in der ersten Reihe saßen und nach einer kurzen Absprache mit einem Nicken das Signal für die Standing Ovations gaben, sobald Rubio seine Rede beendet hatte. Der Reflex folgte: Hinter ihnen erhob sich die Mehrheit der Anwesenden, darunter etwa vierzig US-amerikanische Politiker und Verantwortliche sowie Vertreter des traditionell atlantisch geprägten europäischen Verteidigungs- und Diplomatie-Establishments."

Nick Cohen, einst Kommentator des Observer, heute Blogger, analysiert, was Trump, Rubio und co. unter "Redefreiheit" verstehen. Schließlich ist Ungarn, das Rubio nach München besucht, das Vorbild für den Trumpismus: "'Mertek Media Monitor', eine Organisation, die sich für Pressefreiheit in Ungarn einsetzt, und das Rule of Law Lab der New York University haben gerade einen düsteren Bericht über die Unterdrückung unabhängiger Medien in Ungarn veröffentlicht. Die Parallelen zu Trumps Angriffen auf die Pressefreiheit in den USA sind verblüffend. Den Autoren des Berichts zufolge hat Orbáns Fidesz-Partei in den letzten fünfzehn Jahren die Kontrolle über 80 Prozent der ungarischen Medien übernommen. 'Ungarn hat sich von einem pluralistischen Mediensystem zu einem der schlimmsten Beispiele für Medienvereinnahmung innerhalb der Europäischen Union entwickelt. ... Die Regulierung der Medien, die Eigentumsverhältnisse und die staatliche Werbung sind alle in den Händen der Regierung oder ihrer Verbündeten konzentriert, während unabhängige Medien mit der Instrumentalisierung von Gesetzen, gezielter Ausgrenzung, rechtlicher Schikane und Verleumdungskampagnen konfrontiert sind.' Das ist der Zustand, den Trump, Rubio und all die anderen großen Verfechter der Meinungsfreiheit nachahmen möchten."

Auch Friedrich Merz' Rede in München fand große Beachtung. Simon Strauss denkt in der FAZ über diese Aussage Merz' nach: "Nicht nur zu viel staatliche Macht zerstört das Fundament unserer Freiheit. Zu wenig staatliche Macht führt auf anderem Weg zum selben Ergebnis." Strauss dazu: "Das ist eine folgenreiche Bemerkung, läuft sie am Ende doch auf eine Renaissance nationalen Souveränitätsdenkens hinaus. Eines Denkens, das hierzulande wegen der totalitären Inbesitznahme von Staatlichkeit durch die NS-Diktatur bis eben in Verruf geraten war, das sich jetzt aber, im Angesicht neuer, antiinstitutioneller Feindschaften, wieder besser anhört. Die Angst vor 'zu wenig Macht' jedenfalls ist größer geworden in diesem Land. Schlägt nun also wieder seine nationale Stunde? Und findet sich dabei auch 'unsere Geschichte' wieder neu?"

In der FAZ berichtet Reinhard Veser über die nun vorliegenden Beweise, dass Alexej Nawalny vergiftet wurde. "Epibatidin ist ein Gift, das von einer in Ecuador vorkommenden Froschart produziert wird, aber auch synthetisch hergestellt werden kann. Es kann in kurzer Zeit zur vollständigen Lähmung aller Körperfunktionen, einschließlich der Atmung, führen. In den Neunzigerjahren war wegen seiner starken schmerzstillenden Wirkung zu einer möglichen medizinischen Nutzung geforscht worden. Wegen der extremen Giftigkeit von Epibatidin war das aber nicht weiterverfolgt worden."

Es waren vor allem die ärmeren Iraner, die Anfang des Jahres auf die Straße gingen, weniger die Akademiker und Intellektuellen, schreibt Omid Rezaee bei Zeit Online. Er kritisiert, dass sich der intellektuelle Teil der Opposition zunehmend in identitätspolitischen Diskursen oder ideologischen Konzepten verliert, und damit die soziale Realität vieler Iraner vergisst. Das hat auch mit der kategorischen Ablehnung des Schah-Sohns Reza Pahlavi zu tun: "Linke und progressive Kräfte des Iran müssen nicht jede Forderung der Pahlavi-Anhänger übernehmen, um politisch relevant zu bleiben. Doch je stärker politische Positionen zu identitären Markern werden, desto enger wird der Raum, in dem gesellschaftliche Wirklichkeit überhaupt noch wahrgenommen werden kann. Anstatt die Ursachen der Hinwendung eines erheblichen Teils der Gesellschaft zu einer Figur wie dem ehemaligen Kronprinzen analytisch zu verstehen und mit den dahinterliegenden Erfahrungen empathisch umzugehen, bleibt die politische Praxis oft auf moralische Abgrenzung fokussiert. Doch in einem Land wie dem Iran, dessen politische Landschaft von Widersprüchen geprägt ist, wird sich politische Wirksamkeit kaum an ideologischer Reinheit entscheiden. Sondern daran, ob sie noch in Kontakt zur sozialen Realität steht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.02.2026 - Politik

Heute wird in München die große Demo für den Iran stattfinden, Reza Pahlavi wird reden. Teseo La Marca stellt sich in der taz die Frage, wie ein Regimewechsel im Iran zustande kommen könnte. Es gibt durchaus so etwas wie eine Opposition innerhalb des Iran, unter den Kurden sowieso, die etwa zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen, aber auch in anderen Teilen des Landes - La Marca sieht aber auch hier Pahlavi als Integrationsfigur: "Die Tatsache, dass es trotz der allgegenwärtigen Repression überhaupt eine Zivilgesellschaft gibt, ist eigentlich ein Wunder. Aber sie existiert nicht nur, sondern ist auch stark aktiv: von den zahlreichen Gewerkschaften und Studentenorganisationen bis hin zu den kompetenten Lokalverwaltungen, die demokratisch gewählt sind und das Land am Laufen halten. Bereits während der Islamischen Revolution haben die dezentrale Verwaltung und die starke Zivilgesellschaft einen relativ nahtlosen Übergang zu einem neuen politischen System möglich gemacht. Und auch jetzt darf man hoffen, dass sie im Falle eines Regimewechsels einen Kollaps wie in Libyen oder Irak verhindern würde. Dazu kommen zahlreiche iranische Künstler, Sänger, Journalisten, Frauenrechtlerinnen und Umweltaktivisten, die wegen ihrer Kritik am Regime große Teile ihres Lebens im Gefängnis verbracht haben."

Susanne Knaul, ehemalige taz-Korrespondentin in Israel, spricht einige innerpalästinensische Angelegenheiten an, die in den deutschen Medien eher selten zur Sprache kommen. Damit im Gazastreifen so etwas wie eine funktionierende palästinensische Zivilverwaltung zustande kommt, müssten sich PLO und Hamas versöhnen, meint sie: Aber "in den zwanzig Jahren des bitteren innerpalästinensischen Konflikts konnte die Fatah einem weiteren Coup der Hamas im Westjordanland nur deshalb entkommen, weil dort noch immer die Besatzungsarmee stationiert ist. Und weil die Fatah-nahen Truppen im Kampf gegen den gemeinsamen islamistischen Feind mit den israelischen Sicherheitsdiensten zusammenarbeiten. Damit stehen die Zeichen auf eine baldige Versöhnung nicht gerade günstig. Hier sind die Geberländer, allen voran Saudi-Arabien, Katar und Ägypten gefragt, um mit der Verknüpfung finanzieller Zuwendungen an konkrete Schritte zur nationalen Versöhnung Überzeugungsarbeit zu leisten. Ziel ist: eine Kontrollinstanz, ein Gesetz und nur eine Waffengewalt."

In München ist Sicherheitskonferenz. Friedrich Merz hielt eine Rede, die ganz gut ankam (mehr in Spiegel online hier der Text der Rede). Es wird in den Feuilletons sehr viel über die Weltlage nachgedacht. 

Da stellt sich etwa die Frage, wie man Trump als historisches Phänomen einzuordnen hat. Ist er ein Faschist? Ein Imperialist in der Tradition des 19. Jahrhunderts? SZ-Autor Claudius Seidl sucht Antwort bei den Politologen Stacie Goddard und Abraham Newman, die in einem viel diskutierten Aufsatz eher eine Parallelle zu einem willkürlichen Königtum ziehen. Alles werde verständlich, wenn man "Zölle als Tributzahlung und Unterwerfungsgesten" betrachte, resümiert Seidl: "Besonders anschaulich, schreiben Goddard und Newman, sei das im Verhältnis Trumps zum indischen Ministerpräsidenten Modi geworden. Trump forderte, dass Modi sich dafür bedanke dafür, dass Trump den Frieden zwischen Indien und Pakistan gestiftet habe. Und dass er, als gerechten Lohn, Trump für den Friedensnobelpreis nominiere. Modi konnte die Forderung nicht erfüllen, weil er sonst im eigenen Land erledigt gewesen wäre. Trump bestrafte ihn mit Zöllen in Höhe von fünfzig Prozent."

Etwas tiefergehend denkt der exilchinesische Autor Yang Lian in der virtuellen Tiefruckbeilage der FAZ über die Veränderungen nach, die sich für die ganze Welt seit 1989 ergeben haben, eine Welt, in der "Totalitarismus und Kapitalismus stillschweigend Hand in Hand gehen. Kommunisten sind Kapitalisten, Kapitalisten sind Kommunisten, Ideologien sind austauschbar." Die Idee der Dissidenz wird damit obsolet, so Yang: "Taubheit und Aphasie machen uns zu bloßem Schaum. Unser Gefühl von Verlorenheit hat vor allem mit dem Verlust unserer klassischen Vorstellung von Demokratie zu tun. Was wir bislang mit aller Selbstverständlichkeit als gut funktionierendes Regelwerk der Demokratie aufgefasst haben, kann allzu leicht untergraben und zur Zerstörung der Freiheit instrumentalisiert werden. Demokratie hängt inzwischen als großes Fragezeichen über unseren Köpfen. Vielleicht taugen Trumps bizarre Possen wenigstens dazu, uns zum Nachdenken über die Frage 'Was ist Demokratie?' zu zwingen."

Der Westen soll seinen Abstieg managen - mit dieser These findet der im gleichgeschalteten Hongkong lehrende Politologe Daniel Marwecki viel Widerhall in den Feuilletons. Im FR-Gespräch mit Michael Hesse wiederholt er seine These nochmal. Beim Thema "Abbau der Demokratie in Hongkong" winkt Marwecki eher ab: "Es gibt kaum Staaten, die nicht von sich behaupten, demokratisch zu sein. Demokratie spielt immer eine Rolle - als Leitbild. Das zeigt die normative Kraft der demokratischen Idee. Chinas Parteiregierung würde argumentieren: Wir halten individuelle Rechte nicht so hoch, weil wir kollektive Rechte betonen - und schaut her, wir haben 800 Millionen Menschen aus der Armut gehoben. Das ist auch ein Recht." Immerhin konzediert er: "Politisch ist China natürlich keine Demokratie im westlichen Sinne, sondern ein Parteistaat, in dem die Regierung nicht in Frage gestellt werden darf, das ist klar."

Der gute alte Antiamerikanismus funktioniert ja im Blick auf Trump nicht so. Er findet sich dagegen in einem Zeit-online-Artikel des Politologen Moritz Weiss und in der Art, wie er an die Zeit vor Trump erinnert: "Die US-Präsenz in Europa war nie ein Akt der Nächstenliebe, sondern eine strategische Investition in die globale Hegemonie. Washington hat den Europäern nichts geschenkt. Mit dem Militärschirm für Europa kaufte sich das Weiße Haus politischen Gehorsam und eine geopolitische Basis, um Weltpolitik nach eigenen Vorstellungen zu gestalten." 

Die Europäer müssen jedenfalls angesichts einer in mehr als zwei Hemisphären zerfallenden Welt ihre Position überdenken, mahnt Leander Scholz in der NZZ: "Unter dem Druck, dem sich die EU nicht nur von Russland und China, sondern auch von den Vereinigten Staaten ausgesetzt sieht, haben viele Mitgliedstaaten ihre Rüstungsausgaben deutlich gesteigert. Aber um handlungsfähig zu werden, muss sich das vereinigte Europa seine eigene Gründungsakte unter der Maßgabe einer europäischen Souveränität neu aneignen."