9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.10.2023 - Religion

Das Islamische Zentrum Hamburg (IZH), über das der Verfassungsschutz inzwischen riesige Dossiers angelegt hat, ist nichts anderes als eine "Miniatur des iranischen Monster-Staats", schreibt Georg Mascolo, der in der SZ nicht fassen kann, dass das IZH trotz Drängens verschiedener Parteien bis heute nicht verboten wurde: "Wie immer, wenn sich plötzlich die Ereignisse überstürzen, bleibt die entscheidende Frage, warum alle Warnungen und Forderungen so lange unerhört bleiben konnten. Beim IZH heißt die beschämende Antwort, dass hier die so gern bemühte Formel von Israels Sicherheit als deutscher Staatsraison über Jahrzehnte im politischen Tagesgeschäft ziemlich kleingerieben wurde. Mal war es der religiöse Dialog in der Hansestadt, dann kam außenpolitische Rücksichtnahme hinzu. Immer fand sich ein Grund, den iranischen Außenposten in Bestlage unangetastet zu lassen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.10.2023 - Religion

Die liberale, von Seyran Ates gegründete Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin-Moabit soll demnächst geschlossen werden, berichtet Lea Becker im Tagesspiegel. Die Moschee hat das in ihrem Newsletter mitgeteilt: "In einem Onlinemagazin des IS sei die Moschee demnach als 'Ort der Teufelsanbetung' bezeichnet worden. 'An dieser Stelle möchten wir unseren aufrichtigen Dank den deutschen Sicherheitsbehörden aussprechen, die trotz hoher Belastung die Dschihadisten ausfindig machten und verhafteten', heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Newsletter."

Tayyip Erdogan richtet die Türkei wirtschaftlich zugrunde und korrumpiert das Rechtssystem. Dafür wird das Land aber immer religiöser, konstatiert Bülent Mumay in seiner FAZ-Kolumne: "Die Menschen leiden Hunger, aber das Budget der staatlichen Religionsbehörde Diyanet etwa, das im laufenden Jahr bereits 1,2 Milliarden Euro betrug, wird 2024 auf 3,1 Milliarden Euro erhöht. Die Zahl der Korankurse für Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren hat die Zahl der staatlichen Vorschulen überholt. Die vorhandenen Vorschulen werden mit einem neuen Beschluss nachgerade in Korankurse umgewandelt. Künftig sind Gebetsräume in allen Vor- und Grundschulen Pflicht." Auch den Antisemitismus fördert Erdogan nach Kräften, so Mumay.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.09.2023 - Religion

Die Religionswissenschaftlerin Rabia Kücüksahin (die zur Zeit laut Bio auf ihrer Website die Staatlichen Museen in Berlin berät) fordert im Gespräch mit Ronen Steinke von der SZ nicht nur, dass Lehrerinnen und andere Beamtinnen, aber auch Schülerinnen ab acht Jahren Kopftuch tragen dürfen, sondern mehr noch, dass der Staat sie dabei unterstützt: "Es gibt in Wahrheit viele Gründe, warum Frauen in Europa ein Kopftuch tragen. Es gibt Frauen, die das Kopftuch aus religiösen Gründen tragen. Es gibt Frauen, die es tragen, um den Erwartungen ihrer Familie oder ihres Partners zu entsprechen. Es gibt Frauen, die es für ein Gefühl des Schutzes tragen. Und es gibt Frauen, die es tragen möchten, aber aus Angst vor Diskriminierung nicht tun. Großbritannien zeigt: Richterinnen und Polizistinnen mit Kopftuch werden gesellschaftlich akzeptiert, wenn der Staat sich hinter sie stellt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.09.2023 - Religion

KI könnte dem traditionellen Glauben unter die Arme greifen, meint die Technikethikerin und katholische Theologin Anna Puzio im SZ-Interview mit Moritz Baumstieger und Andrian Kreye. Wir müssten uns nur darauf einlassen. "Im Westen scheuen wir uns noch, Verbundenheit zu Maschinen aufzubauen. Doch wenn man genauer hinschaut, gibt es auch im Christentum viele Gegenstände, die religiöse Bedeutung haben: Reliquien sind heilig, Gebäude wie Kirchen werden geweiht, wir segnen Autos und sogar Waffen. In Hinblick auf technologische Neuerungen hängen unsere Kirchen sicher zurück, aber meine These ist, dass sich das ändern wird: Je mehr Technik in unserem Alltag präsent ist, desto mehr wird sich auch das theologische Augenmerk darauf richten."

Springer-Chef Mathias Döpfner scheint der erste Gläubige dieser von Puzio geforderten Sakralisierung der KI zu sein. Im Welt-Leitartikel schreibt er über die Auswirkungen von KI auf den Journalismus. Durch ChatGPT habe er gelernt: "Das meiste, was wir im Journalismus in den letzten Jahrzehnten gemacht haben, werden künftig diese Maschinen tun. Das wird uns entweder überflüssig oder besser machen. Das, worauf es wirklich ankommt, rückt jetzt wieder in den Mittelpunkt: die Nachricht, mittelhochdeutsch: die Zeitung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.09.2023 - Religion

In der SZ glaubt Heribert Prantl, dass die Politik bei der Entscheidung über die Ablösezahlungen an die Kirchen einfach auf Zeit spielt: "Die Länder wollen keine Ablösezahlungen; lieber lässt man die bisherigen Jahreszahlungen vorläufig weiterlaufen und lässt die Zeit arbeiten: Die öffentliche Stimmung entwickelt sich schlecht für die Kirchen; der Zeitgeist heute ist kirchenkritisch. Rückblickend hätten die Kirchen wohl lieber vor fünfzig Jahren, als sie gegen das Papier der FDP agitierten, über Ablösezahlungen verhandelt. Sie befürchten heute, nach den Missbrauchsskandalen, eine Art moralische Inflation bei den ihnen juristisch zustehenden Geldern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.08.2023 - Religion

Die Vorsitzende des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken Irme Stetter-Karp fordert einen Ausschluss von AfD-Mitgliedern für kirchliche Ehrenämter. Kirchenrechtlich gibt es dafür keine Grundlage, erklärt der Jura-Experte Gregor Thüsing in der Welt: Jeder Gläubige darf solche Ämter bekleiden, solange er nicht aus der Kirche ausgetreten ist oder exkommuniziert wurde. "Rechtsextreme Positionen sind mit christlichem Denken unvereinbar", das ist für Thüsing klar, trotzdem ist er gegen ein Verbot: "Dem Auftrag der Kirche widerspricht es, Menschen zurückzuweisen, die sich zu Gott und seiner Gemeinschaft bekennen - mögen sie auch in wichtigen gesellschaftlichen Fragen anders denken als kluge kirchliche Verlautbarungen. Alle Menschen sind zum Heil berufen - auch solche, die einer Partei angehören, die die Mehrheit der Gesellschaft aus guten Gründen für gefährlich, destruktiv oder zumindest unappetitlich hält."
Stichwörter: Katholizismus, Kirche, AfD

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.08.2023 - Religion

Bei hpd berichtet Werner Koch, wie die Katholische Kirche - hier die Diözese Rottenburg-Stuttgart - mit staatlichen Mitteln eine Islamberatung auf die Beine stellt und versucht, muslimischen Gruppen einen ähnlichen Zugang auf kommunaler Ebene zu ermöglichen, wie sie selbst ihn hat. Das hat durchaus auch Vorteile für die Katholiken: "Durch die Islamberatung trägt die katholische Kirche offensichtlich zur Stärkung der Religiosität bei. Ein Ziel, das auch dem Ministerpräsident von Baden-Württemberg am Herzen liegt, der besorgt ist über die Entkirchlichung und Säkularisierung der Gesellschaft. Die Gleichstellung der islamischen Gruppen mit den Kirchen ist im Interesse der Kirchen. Deshalb treten sie dafür ein, den islamischen Religionsunterricht zu etablieren und Staatsverträge zu ermöglichen - sie wollen nicht, dass der Religionsunterricht abgeschafft wird oder Staatsverträge mit Religionsgemeinschaften in Frage gestellt werden." Ein großer Teil der Muslime wird jedoch bei den Beratungen ausgegrenzt, kritisiert Koch: "Dass ein Großteil der Muslime, ebenso ein Teil der Geflüchteten, keine religiösen Muslime sind, wird nicht angesprochen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.08.2023 - Religion

In Buxtehude sind gerade 381 Stellen für ErzieherInnen in Kindergärten ausgeschrieben. In der Kindertagesstätte "Wilde Hummeln" wurde einer Mitarbeiterin dennoch fristlos gekündigt. Grund war keineswegs mangelnde Qualifikation, sondern die einfache Tatsache, dass sie aus der Kirche ausgetreten war, berichtet Helmut Ortner bei hpd.de. Dazu muss man wissen, dass die kirchlichen Unternehmen Diakonie (evangelisch)  und Caritas (katholisch) zu den größten Arbeitgebern in Deutschland gehören. Die Kirchen betreiben Tausende von Kindergärten und anderen Einrichtungen - und diese werden nicht aus Kirchensteuern finanziert. Als "Tendenzbetriebe" haben sie ein eigenes Arbeitsrecht, das Kündigungen gestattet: "Ob Kita oder Einrichtungen in anderen sozialen Bereichen, etwa in der Jugendarbeit, der Sucht-Prävention, der Altenpflege sowie den vielfältigen Beratungszentren in kirchlicher Trägerschaft: der Staat bezahlt. Warum aber wird das kirchliche Arbeitsrecht dann dem staatlichen Arbeitsrecht nicht angeglichen? Tatsache ist: An die 1,5 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in kirchlichen Einrichtungen sind auch im Jahre 2023 noch immer Beschäftigte minderen Rechts. Ein unhaltbarer Zustand."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.07.2023 - Religion

Die katholische Kirche befindet sich momentan in einem "Bürgerkrieg", sagt Publizist Marco Politi im Zeitonline-Interview mit Raoul Löbbert. Währenddessen befördert Papst Franziskus Vertraute in wichtige Ämter und versucht die Kirche im Stillem zu reformieren. Dabei begegnet dem Papst viel Angst: "Selbst viele Reformer wollen nicht die Einheit der Weltkirche aufs Spiel setzen. Da dient die anglikanische Kirche als Negativbeispiel: Im Norden ist sie liberal, da können Frauen und Homosexuelle Priester und Bischöfe werden. Im Süden, vor allem in Afrika, ist das völlig undenkbar. Da können Anglikaner mit Anglikanern nicht mehr miteinander reden. Und bei den Protestanten, die all das haben, was die Deutschen wollen - Frauenpriestertum et cetera - sind die Kirchen ebenfalls leer. "

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.07.2023 - Religion

Niklas Zimmermann schildert in der FAZ die Konflikte um die "Ukrainische Orthodoxe Kirche" (UOK). Das Problem sei, dass weder ukrainische Politiker noch die Russische Orthodoxe Kirche die Eigenständigkeit der UOK ernstnähmen: "Seit Präsident Selenski im vergangenen Dezember das Ziel einer 'spirituellen Unabhängigkeit' der Ukraine formuliert hat, wird der UOK vorgeworfen, sie werde noch immer aus Moskau gesteuert. Diesem Eindruck tritt der dortige Patriarch nicht entgegen. Im Gegenteil: Diese Woche ließ Kirill verlauten, dass die UOK ein untrennbarer Teil der Russischen Orthodoxen Kirche sei. Und die Ukraine überhaupt ein Teil des 'Heiligen Russlands'."