9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

835 Presseschau-Absätze - Seite 69 von 84

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.08.2015 - Religion

Die katholische Kirche in Spanien hat so ihre Schwierigkeiten mit dem islamischen Urspung vieler ihrer Bauten, etwa in Cordoba, schreibt Marian Brehmer in der NZZ: ""Mezquita" (Spanisch für "Moschee"), so wird das Wahrzeichen von Córdoba gemeinhin genannt. Doch die Verwirrung fängt beim Blick in die Info-Broschüre an, die am Eingang ausliegt. "Kathedrale von Córdoba" steht dort in großen Lettern. Das Wort "Moschee" taucht nur in einem kurzen Absatz auf, in dem von einer "islamischen Intervention" die Rede ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.08.2015 - Religion


Foto: Wikimedia Commons.

Die IS-Milizen haben die wichtigsten antiken Bauwerke in der syrischen Ruinenstadt Palmyra zerstört: den Baalschamin-Tempel, der im 2. Jahrhundert nach Christus errichtet worden war, berichtet Spiegel online unter Berufung auf den Direktor der syrischen Antikensammlungen, Maamoun Abdulkarim: "Bei der Explosion sei die sogenannte Cella des Tempels, ihr innerster heiliger Bereich, zerstört worden. Die umgebenden Säulen seien eingestürzt."

Die Versklavung religiöser Minderheiten, und besonders ihrer Frauen, durch die IS-Milizen kann sich nicht nur auf den Koran, sondern auf eine jahrhundertealte Praxis in der islamischen Welt berufen, die erst unter der Kolonisierung gestoppt wurde, schreibt der Economist: "Fast hundert Jahre lang war der Nahe Osten zumindest auf dem Papaier frei von Sklaven. "Menschen sind frei geboren, und niemand hat das Recht, sie zu versklaven, erniedrigen, unterdrücken oder auszubeuten", verlangte die Kairoer Menschenrechtserklärung von 1990. Frühe dschihadistische Gruppen folgten diesem Trend und stellten sich als Befreiungsbewegungen dar. Aber selbst wenn Sklaverei verurteilt wird, machen Beobachter auf die andauernde Knechtschaft aufmerksam. Der Global Slavery Index (GSI), dessen Zahlen von einer Australischen NGO und der Hull University erstellt werden, hält fest, dass in 14 Staaten über ein Prozent der Bevöllkerung versklavt sind, die Mehrheit davon islamische Länder."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.08.2015 - Religion

Im Interview mit Joachim Frank von der FR verteidigt der designierte Friedenspreisträger (und nicht zufällige Mosebach-Laudator) Navid Kermani den ästhetizistischen Zugang zu Religion und feiert unverhohlen die Propagandawirkung von Kunst: "Die göttliche Wahrheit ist nicht in erster Linie etwas, was uns intellektuell einleuchtet, sondern das wir zumal in Momenten höchster Verzückung und Not als eine Wirklichkeit erfahren. In ihren ästhetischen Vermittlungen überwältigt uns diese Wirklichkeit, sie reißt uns mit, verschlingt uns, aber sie macht uns etwa in der Musik einfach auch Freude, wir genießen sie auch. Mir scheint, ein wesentlicher Grund für den Bedeutungsverlust des Christentums in unseren westlichen Gesellschaften liegt darin, dass die Kirchen so wenig auf die Form achtgeben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.08.2015 - Religion

Die Ermordung kritischer Blogger ist für Islamisten inzwischen eine Art Volkssport in Bangladesch, berichtet Tim Neshitov in der SZ. Von dem nach München geflohenen Blogger Ananya Azad, dessen Vater in München unter offenbar ungeklärten Umständen Selbstmord beging, erfährt er einiges über die Hintergründe: So ermordeten 1971 pakistanische Milizen mehr als drei Millionen Bengalen, weil diese sich von Pakistan abspalten wollten. "Auch bengalische Milizen mordeten. Aus Rache. ... Atheistische Blogger fordern heute nicht nur Frauenrechte ein, sondern auch harte Strafen für die alten Islamisten. "Todesstrafen", präzisiert Ananya Azad. "Ein Mensch, der nachweislich für den Mord an 337 Menschen verantwortlich war und 36 Frauen vergewaltigte, verdient den Tod.""

In der FAZ bespricht Ex-Bischof Wolfgang Huber das Buch "Ungläubiges Staunen" des Büchner-Preisträgers Navid Kermani - und ist nicht hundertprozentig froh, wil Kermanis ästhetizistische Liebe zum Christentum den Protestanismus ein bisschen fad aussehen lässt. So findet er bei Kermani "nicht die Theologie des Kreuzes (die keineswegs auf eine "Entlastung Gottes" zielt), nicht die gewissensbestimmte Freiheit eines Christenmenschen, nicht die Mündigkeit aller Glaubenden, nicht die Inkulturation des Christentums in die Moderne."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.08.2015 - Religion

Im Interview mit der Zeit erklärt Navid Kermani anlässlich seines neuen Buches "Ungläubiges Staunen", warum ihn das Christentum und seine Kunst so faszinieren. Und warum seiner Ansicht nach die Ärmsten oft die Tolerantesten sind: "Je weiter Sie in die Dörfer vordringen, je weniger aufgeklärt also die Menschen sind (lacht), desto weniger haben die Menschen ein Problem mit dem anderen Glauben. Das habe ich oft erlebt, in Südamerika genauso wie in Indien oder Ägypten. Die Volksfrömmigkeit erschien mir oft toleranter. Die Wortführer des Fundamentalismus sind stets die Studierten. Die Elenden geben allenfalls den Mob, der aufgestachelt wird oder heute in Syrien und im Irak zum Kanonenfutter wird."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.08.2015 - Religion

Alles, was das Leben lebenswert macht, auf einen Blick: Für die SZ hat Rudolf Neumaier im Landesmuseum für Klosterkultur in Dalheim eine Ausstellung zur Kulturgeschichte der Todsünden besucht.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.08.2015 - Religion

In Rom wurde ein Platz nach Martin Luther benannt, meldet Joachim Frank in der FR. In Bayern gedenkt man heute unterdessen Mariä Himmelfahrt: Somit gibt es keine SZ.
Stichwörter: Luther, Martin

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.08.2015 - Religion

Die FR hat das lange Gespräch aus der Samstagsausgabe online gestellt, das Christian Thomas mit dem Ägyptologen Jan Assmann über dessen Studie über die biblische "Exodus"-Geschichte führte. Darin erklärt Assmann, weshalb er in der Erzählung vom Auszug aus Ägypten und dem Bundesschluss zwischen Gott und Mose die "Blaupause einer transzendent verankerten Verfassung" sieht: "Hier wird nicht nur zum ersten Male eine Revolution gemacht, hier wird auch zum ersten Mal einem Volk eine Verfassung gegeben. Das ist ein Aspekt der Geschichte, der nach meinem Eindruck in der westlichen Perspektive unterbelichtet geblieben ist. Man bringt das immer mit Athen in Verbindung, mit Athen und seiner Demokratie, doch in solchen Darstellungen bleibt die Bedeutung dieser Gründung vollkommen abgedunkelt, die in der Geschichte, etwa im 17., 18. Jahrhundert, mindestens so bedeutend war. Da hat man sich nicht auf Aristoteles berufen, sondern auf Jehova, wenn es galt, das Königtum in seine Schranken zu verweisen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.08.2015 - Religion

In der taz schildert Bernhard Clasen, wie Oleg Rostovtsev, Vorstand der jüdischen Gemeinde in Dnipropetrowsk, sich für Versöhnung in der Bevölkerung engagiert: Rostovtsev führt "Gespräche mit den Ultranationalisten, bringt auch Besucher aus Russland mit ihnen in Kontakt. Wieder bemüht er einen Vergleich. "Auch mir gefällt an meinem Körper nicht alles, ich mag meine Pickel nicht, aber ich akzeptiere meinen Körper. Und wir bauen hier eine Nation auf, die für alle da ist: Juden, Armenier, Ukrainer und auch die Nationalisten. Russland wollte uns Juden lange als fünfte Kolonne aufbauen, weil wir zu 98 Prozent russischsprachig sind. Doch das ist nicht gelungen.""

Für die Welt besucht Eckhard Fuhr eine große Ausstellung über den Merseburger Dom, der seine tausend Jahre feiert.
Stichwörter: Ukraine, Jüdische Gemeinde, Clan

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.08.2015 - Religion

In der FAZ steht nur eine kurze Meldung zum Tod des Bloggers Niloy Neel, der am Freitagnachmittag von Islamisten in Bangladesch mit Macheten zerhackt wurde, weil er sich religionskritisch geäußert hatte. Global Voices schreibt: "Niloy ist der vierte Blogger, der innerhalb von sechs Monaten ermordet wurde. Alle Ermordeten dachten säkular und kritisierten die religiösen politischen Bewegungen im Land. Sehr viel mehr wurden angegriffen und erhielten Morddrohungen." Niloys Name hatte auf einer Liste von 84 Personen gestanden, die Islamisten bei der Regierung eingereicht hatten und die sie wegen "Atheismus" verfolgt sehen wollten. "Die Regierung antwortete, indem sie Websites sperrte und einige Blogger, aber auch Führer der religiösen Rechten festnahm."
Stichwörter: Atheismus, Bangladesch, Blogger