9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

835 Presseschau-Absätze - Seite 84 von 84

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.03.2014 - Religion

In der FR liest sich Dirk Pilz durch aktuelle Bucherscheinungen, die sich mit der Diffundierung der Religion in den säkularen Gesellschaften befassen. Zwar lobt er durchaus die Vorzüge, die es mit sich bringt, dass man in religiös entspannten Zeiten lebt, aber so richtig will ihm das dann doch nicht schmecken: "Die eingeübten Zuschreibungen von Konfessionen greifen nicht länger: Es gibt immer weniger, die sich unter eindeutige Begriffe sperren lassen. Die mentale, religiöse Landschaft erlebt derzeit einen tiefgreifenden Wandel: Die einflussreichste Gruppe werden künftig die Religionslosen stellen. Die Folgen sind noch nicht absehbar." Der notorisch religionsskeptische Perlentaucher ist sich sicher: Es werden gute sein.
Stichwörter: Säkularismus

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.02.2014 - Religion

Alan Posener verteidigt in der Welt die Frömmigkeit, zu der sich laut einer Umfrage immerhin 90 Prozent der Amerikaner bekennen, gegen die Kollegen von Spiegel, die diese Religiosität eher problematisch fanden: "Wenn es ein Skandal sein soll, dass 90 Prozent der Amerikaner an einen Schöpfer glauben, so wiederholt sich der Skandal jedes Mal, wenn Christen das Glaubensbekenntnis von Nicäa wiederholen: 'Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren.' Alles Ignoranten?"

Dem syrischen Dichter Adonis war zu Beginn der Arabellion vorgeworfen worden, er äußere sich nicht klar genug zur Arabellion. Er sieht es im Gespräch mit Claas Relotius in der Welt anders: "Bei aller Hoffnung auf Wandel habe ich immer gewusst: Ich kann unter keinen Umständen eine Revolution unterstützen, die in einer Moschee beginnt oder endet." Er äußert sich religionskritisch und sagt weiter: "Eine Militärdiktatur kontrolliert nur deinen Körper und deine Gedanken. Die Diktatur der Religion erfasst dagegen auch deine Seele, sie nimmt Besitz von dir - das ist das Gefährlichste."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.02.2014 - Religion

In einem längeren Essay zum 25. Jahrestag der der Morddrohung gegen Rushdie zieht Kenan Malik auf seinem Blog Pandaemonium die Konsequenzen: "Dank der Fatwa wurde die Rushdie-Affäre zum wichtigsten Streit über Meinungsfreiheit der modernen Zeit. Sie wurde zu einer Wasserscheide in Bezug auf unsere Einstellung zu diesem Wert. Rushdies Kritiker verloren eine Schlacht - die 'Satanischen Verse' sind nach wie vor in Umlauf. Aber sie gewannen einen Krieg. Das innerste Argument des Rushdie-Falls - dass es moralisch inakzeptabel ist, andere Kulturen zu beleidigen - ist nun weithin verinnerlicht." Sein Beispiel ist der Rückzug von Wendy Donigers Buch "The Hindus: An Alternative History" nach Protesten in Indien (mehr dazu hier).

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.02.2014 - Religion

Warum bekommen die Muslime eine Islamkonferenz, die Buddhisten aber keine Buddhistenkonferenz, fragt Monika Maron in einem Text, den Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner in letzter Minute kippte, und den jetzt die Welt am Sonntag brachte. Sie benennt allerdings auch, dass der Status von Religion in Deutschland an sich problematisch ist: "Wenn die religiösen Ansprüche der Muslime mit dem Gleichheitsgebot des Grundgesetzes kollidieren sollten, müsste man, wie der deutsch-ägyptische Autor Hamed Abdel Samad es schon vorgeschlagen hat, die Privilegien der christlichen Kirchen womöglich beschränken, um den Zugriff des Islam auf das öffentliche Leben von uns allen zu verhindern."

Dass Büchner, der sich gerade noch gegen einsame Entscheidungen von Chefredakteuren ausgeprochen hatte, den Artikel gekippt habe, weil er ihm zu "sarrazinmäßig" gewesen sei, bestreitet der Spiegel laut Tagesspiegel. "Tatsächlich sei ihr Beitrag für die aktuelle Ausgabe eingeplant gewesen, dann aber zugunsten einer besseren Mischung aus dem Heft genommen worden, da es in einem Beitrag bereits um die Anhänger des türkischen Predigers Fetuhullah Gülen gehe."

Im Tagesspiegel interviewt auch Eren Güvercin den französischen Islamwissenschaftler Olivier Roy zur Attraktivität des Salafismus, den Roy als eine extreme Ideologie definiert, die sowohl die Kultur der islamischen Länder als auch die Werte der Moderne ablehnt: "Die RAF war ebenfalls das Phänomen einer Generation, die ihre Eltern als Faschisten bezeichnete oder als Menschen, die ihre Seele dem Konsum opferten. Der Fehler, der gerade in Europa gemacht wird, ist, dass man im Salafismus eine Art Kampf der Kulturen (sieht) statt eine eigenartige Radikalisierung einer westlichen oder verwestlichten Jugend. Dieses Missverständnis rührt daher, dass Europa die Rolle der Konvertiten einfach nicht versteht."

In der FAZ erzählt Emran Feroz, ein Österreicher afghanischer Herkunft, die Geschichte eines jungen, nach Österreich emigrierten Tschetschenen, der sich durch den Syrien-Konflikt radikalisiert.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.01.2014 - Religion

In Baden-Württemberg beschwerten sich christliche Schulen darüber, dass Dirk Kurbjuweits Novelle "Zweier ohne", in der es auch um erste sexuelle Erfahrungen von Jugendlichen geht, zur Schullektüre gemacht wurde. Im FAZ-Interview mit Saska Müller erklärt SPD-Kultusminister Andreas Stoch, wie die Behörden einknickten und als Alternative ein Buch von Max Frisch gestatteten: "Es wurde nicht entschieden Kurbjuweits Buch als ungeeignet zu betrachten. Unsere Auswahlkommission ist nach wie vor überzeugt, dass sein Buch als Prüfungslektüre gut und richtig ist. Wir teilen also die Bedenken nicht, aber wir wollten eine Auswahl bieten, um zu zeigen, dass wir die Bedenken ernst nehmen." Das nennen wir virtuoses Bürokratentum!