9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.05.2014 - Religion

Der Theologieprofessor Jan-Heiner Tück erklärt in der NZZ nach Lektüre eines Gesprächsbandes mit dem Erzbischof von Buenos Aires Jorge Mario Bergoglio und dem Rabbiner Abraham Skorka, was Papst Franziskus über das Judentum denkt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.05.2014 - Religion

Endlich kommen erste Reportagen aus Nigeria. Adam Nossiter hat sich für die New York Times mit einigen der Schulmädchen getrofffen, die Boko Haram entfliehen konnten: "They told us: 'We are Boko Haram. We will burn your school. You shall not do school again,' Ms. Bishara said. 'You shall do Islamic school.' And they were shouting, 'Allahu akbar!'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.05.2014 - Religion

Asfa-Wossen Asserate spricht im Interview mit Takis Würger von Spiegel Online ausführlich über die religiöse Gewalt in Afrika, die zuletzt zur Entführung von über 200 zum großen Teil christlichen Mädchen durch eine islamistische Terrortruppe führte und sagt dann auf die Frage, ob die Welt ohne Religion besser wäre: "Nein, Religion ist eine wunderbare Institution, um Toleranz zu verbreiten. In der Hingabe zu Gott kann der Gläubige erkennen, was ihn mit anderen Gläubigen verbindet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.05.2014 - Religion

Sehr scharf antwortet Hamed Abdel-Samad in der Welt auf Joseph Croitorus Kritik seines Buchs "Der islamische Faschismus" in der SZ (unser Resümee) - die Redaktion der SZ ließ ihn offenbar nicht auf Croitorus Vorwurf der Geschichtsklitterung entgegnen. Es geht wieder einmal um die Nähe der Muslimbrüder zum Faschismus, die Croitoru mit dem Argument bestreitet, dass Hassan al-Banna dem Faschismus gegenüber erst skeptisch gewesen sei und sich dann ganz distanziert hätte: "Belege für diese anfängliche Skepsis und spätere scharfe Kritik bringt Croitoru nicht. Dagegen gibt es zwischen 1935 und 1946 zahlreiche Verlautbarungen und Artikel al- Bannas und seiner Gefährten, die ihre Nähe zum europäischen Faschismus deutlich bestätigen. Während des Zweiten Weltkriegs behauptete der Gründer der Muslimbruderschaft, Deutschland, Italien und Japan stünden dem Islam nah." Croitorus Artikel steht in der SZ auch online.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.05.2014 - Religion

In der NZZ schildert Joachim Güntner am Beispiel des Münsteraner Professors für islamische Theologie, Mouhanad Khorchide, die Probleme bei der Verwissenschaftlichung des Islams in Deutschland: "Sein Pochen darauf, Religion sei eine Herzensbeziehung, in welcher der Gläubige unmittelbar zu Gott stehe, entzieht den Rechtsgelehrten Autorität. Die Vernunft und mit ihr der Zweifel, der im Islam leicht unter Häresieverdacht gerät, erfahren bei ihm eine Aufwertung. Spricht Khorchide davon, Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit seien wichtiger als die formal genaue Einhaltung von Regeln und Ritualen, so stärkt dies das Gewissen, also eine individuelle Instanz, gegenüber den institutionellen Kräften. Im theologischen Seminar ist Hinterfragen erlaubt, ja erwünscht. Aber bekommt es der Frömmigkeit, wenn sie sich mit Aufklärung paart?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.04.2014 - Religion

Der Welt-Korrespondent Thomas Kielinger antwortet auf David Camerons viel diskutierte Behauptung, Großbritannien sei ein christliches Land, mit der Anmerkung, dass die anglikanische Kirche eine rein politische Gründung war und sich wohlweislich von inhaltlichen Aussagen fernhält: "Solche staatspolitische Unschärfe in Glaubensfragen, die den religiösen Frieden sichern sollte, entwickelte sich bald zur typisch englischen Form der Gläubigkeit, zu einem breiten Feld des Tolerablen - und der Toleranz -, auf dem die von nun an der etablierten Kirche angehörenden Kleriker sich einrichteten wie in einem theologischen Wellnesszentrum."

Außerdem: Jan-Heiner Tück meditiert in der NZZ über die Entscheidung von Papst Franziskus, morgen seine Vorgänger Johannes XXIII. und Johannes Paul II. heilig zu sprechen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.04.2014 - Religion

Charlotte Wiedemann schreibt in der taz mit Blick auf Ägypten, Algerien und Syrien, dass auch der Antiislamismus faschistische Tendenzen aufweisen kann: "Den Terror säkularer Regime zu verharmlosen, das war im Westen vor Beginn der Arabischen Revolten gängige Praxis. Nach dem Sturz von Mubarak schien sich das zu ändern, doch war das, wie man heute sieht, von kurzer Dauer. Der Fall Syrien: Schon gilt Assad, der Schlächter, als kleineres Übel. Und immer noch entzieht es sich jeglicher Vorstellung, dass es düstere taktische Allianzen zwischen einem säkularen Staatsapparat und einem religiös verbrämten Terrorismus geben kann. Obwohl die Entstehung von 'al-Qaida im Maghreb' mit Personal aus dem algerischen Geheimdienst dafür bereits ein Beispiel war."

In der SZ berichtet Alexander Menden von dem Widerspruch, den sich Premier David Cameron mit seinem Aufruf zu einem selbstbewussteren Christentum eingehandelt hat: "Abgesehen davon, dass wir im engeren konstitutionellen Sinne weiterhin eine Staatskirche haben, ist Britannien kein 'christliches Land'", befinden unter anderem Ken Follett, Philip Pullman und Simon Singh im Daily Telegraph.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.04.2014 - Religion

Im Interview mit Christopher Resch erklärt Hamed Abdel-Samad in der taz, worauf sein Buch "Der islamische Faschismus" zielt: Für faschistisch hält er nicht allein den Islamismus, der Faschismus sei vielmehr im Koran selbst angelegt: "Die Idee des unfehlbaren, charismatischen Führers, das Gottesbild, dass man mit Gott nicht verhandelt, dass man Gott nicht infrage stellt, das sind alles Elemente, die im Koran verankert sind. Die naive Aufteilung der Welt in Gläubige und Ungläubige, das haben nicht Islamisten erfunden, auch das ist auch im Ur-Islam verankert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.03.2014 - Religion

In der Berliner Zeitung stellt der Schriftsteller Assaf Gavron zur Einstimmung auf die deutsch-israelischen Literaturtage noch einmal die Frage, was moderne Israelis an das "jahrtausendealte primitive Ritual" der Beschneidung bindet, ohne eine echte Antwort haben: "Warum um alles in der Welt sollten wir - säkulare israelische Juden, die nicht einmal die einfacher einzuhaltenden religiösen Vorschriften befolgen, die alles tun, um unsere kleinen Babys zu beschützen, die sich über alte religiöse und heidnische Rituale lustig machen -, warum also sollten wir einverstanden sein mit dieser grausamen Verletzung unserer nur ein paar Tage alten Babys zu einem religiösen Zweck, an den wir nicht glauben?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.03.2014 - Religion

Kommt eine neue Islam-Debatte? Hannah Lühmann verfolgte für die FAZ eine Debatte zwischen Jakob Augstein und Hamed Abdel-Samad über dessen Buch "Der islamische Faschismus - eine Analyse". Auf Augsteins Frage, ob das so im Koran stehe, antwortete Abdel-Samad: "Das sei so typisch; man versuche sofort, das Ganze zu einer deutschen Debatte zu machen, Augstein sitze wie der Schiedsrichter vor der Dönerbude, der sich einen Islam bestelle, aber 'bitte ohne Zwiebeln, ohne Tomaten und ohne scharf'. Das Publikum jault fast vor kontroverser Zustimmungslust..."

"Ja, es gibt ihn, den islamischen Faschismus", meint die Berliner Rechtsanwältin Seyran Ates in der Zeit, die Hamed Abdel-Samads Buch nicht gegen den Islam gerichtet sieht, sondern gegen die Feinde der Demokratie: "Hamed Abdel-Samad schreibt: 'Die Mehrheit der in Europa lebenden Muslime ist apolitisch. Sie pauschal als potenzielle Terroristen anzusehen, wäre eine Gefahr für den Frieden.' Aber genau diese schweigende Mehrheit der Muslime ist nun gefragt. Sie hat es in der Hand, den Extremisten etwas entgegenzusetzen. Hamed Abdel-Samad bedauert, dass sie sich kaum mobilisieren lässt. Das ist auch meine Erfahrung. Liberale Muslime sind zum Beispiel in der Deutschen Islamkonferenz nicht mehr vertreten. Was tun? Die Politik muss aufhören, sich auf konservative Verbände zu konzentrieren. Die säkularen Muslime müssen sich endlich organisieren."