Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

980 Presseschau-Absätze - Seite 35 von 98

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.05.2021 - Design

Vor fünfzig Jahren eroberten die Hotpants, einst als "leicht verrucht und ordinär" geltend - und sowohl für Frauen als auch für Männer gedacht, die Modewelt und die Straßen, freut sich Michael Ossenkamp in der Berliner Zeitung: "Bereits in den 1950er-Jahren hatten sich mutige Ladys nach dem Vorbild von Hollywood-Diven wie Marilyn Monroe mit den als 'Short Shorts' bezeichneten Höschen auf die Straßen gewagt und in einigen Städten der USA für helle Aufregung gesorgt. 1958 konnte die Band The Royal Teens noch mit dem Song 'Short Shorts' einen Hit feiern, danach gelang es Sittenwächtern aber, die im High-Waist-Style geschnittenen Teile zu verbannen. Wer im Alltag Hotpants trug, musste wegen Missachtung des vorherrschenden Dresscodes mit heftiger Kritik rechnen."
Stichwörter: Hot Pants, Monroe, Marilyn

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.05.2021 - Design

Hat sich stets bemüht: Ewan McGregor als Halston (Netflix)

Ewan McGregor spielt in einer fünfteiligen Miniserie auf Netflix den legendären, 1990 gestorbenen Jetset-Modedesigner Halston, der in den 70ern zwischen Disco-Chic und Sex'n'Glam so ziemlich alles mitnahm. Eine glatte Fehlbesetzung, seufzt allerdings Jürg Zbinden in der NZZ: "McGregor ist ein Halston-Fake, vom Scheitel bis zur Sohle. Der Designer mit dem Look eines Dressman verfügte über eine Eleganz, die dem kompakter gebauten Schotten fehlt, was der Schauspieler nicht überspielen kann."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.05.2021 - Design

Hermann August Weizenegger in der Ausstellung © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstgewerbemuseum / David von Becker

"Es passt zu unserer absurden Zeit, dass man eine der außergewöhnlichsten Ausstellung in Berlin derzeit nicht anschauen kann", schreibt Renata Stih in der taz, und legt uns dennoch "Atmoism - gestaltete Atmosphären" über Hermann August Weizenegger im Kunstgewerbemuseum am Kulturforum ans Herz. Hier biete sich "ein überwältigender Eindruck.", denn Weizenegger bezieht sich in dieser Ausstellung auch explizit auf die räumlichen Gegebenheiten des Hauses und deren Sammlung: "In dieses Universum der kostbaren Dinge bringt Weizenegger eine völlig neue Dimension von Design, die sich stark mit Wiederverwertung von Material und der Umwidmung von Dingen auseinandersetzt. Er interveniert gezielt in Sammlung und Architektur, initiiert über Gegenstände Dialoge und geht virulenten Fragen von Nutzen, Sinn und Unsinn von Design nach, alles sehr genau formuliert und doch wunderbar spielerisch."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.05.2021 - Design

Tisch von Mario Tsai (Webseite)


Im FAZ Quarterly führt Florian Siebeck in das Kunsthandwerk Chinas ein, das im modernen Design führend werden will. Zu den neuen Designern gehört auch "Mario Tsai, der mit Anfang 30 schon zu den gefragtesten Gestaltern des Landes zählt: Mit seinem 'Soft Minimalism' entledigt er sich in seinen Entwürfen allen Überflusses. In der Praxis wird daraus etwa der vier Meter lange, nur wenige Millimeter dicke Tisch 'Gongzheng' aus Aluminiumprofilen, der die Grenzen der Statik zu überwinden scheint; oder die Bank 'Grid' aus einem halben Zentimeter dünnen Sperrholzplatten, die massiv und federleicht zugleich wirkt - und irgendwie auch surreal."
Stichwörter: Chinesisches Design

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.05.2021 - Design

Mit Rebekka Endlers "wütenden" Buch "Das Patriarchat der Dinge" denkt Laura Weißmüller in der SZ über die Ungerechtigkeiten von Design nach: Denn die gestaltete Welt - von der Medizin über Klimaanlagen bis zum Auto - ist zum erheblichen Teil für den Durchschnittsmann eingerichtet. "Es ist die klar feministische Perspektive auf das Design und all seine Verästelungen, die diese eklatante Fehlstellung, den blinden Fleck auf dem Skizzenblock der Gestalter zutage fördert. Wobei ja nicht nur Frauen außer Acht gelassen werden, wenn nur ein gesunder, mittelalter weißer Mann als Ausgangspunkt für den Entwurf genommen wird. Alte und Kranke fallen nicht darunter, Menschen mit anderer Hautfarbe und Transgender auch nicht. Schuld an diesem Missstand dürfte nicht zuletzt die Vorstellung eines universellen Designs sein, eines Design, das sich an alle richtet und allen gerecht werden will." Der zwei Meter messende Perlentaucher, der diese Zeilen schreibt, ergänzt in der Fülle normsprengender Partikel noch die oft - und auch hier - übersehene Körpergröße.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.05.2021 - Design

In seiner Stilkolumne fürs ZeitMagazin verneigt sich Tillmann Prüfer vor dem widerstandsfähigen und im Grunde unkaputtbaren Leder. In den aktuellen Sommerkollektionen ist es auch oft zu sehen, allerdings nicht nach alter Rockermanier: "Die Schnitte der neuen Lederhosen sind weit und leger. Bei Alexander McQueen und Louis Vuitton erinnern die Hosen sogar an Bürokleidung mit Bügelfalte. Dank neuer Schnitttechniken und Laser-Technologie lässt sich Leder heute so exakt verarbeiten wie Seide. Doch sobald es anfängt, zu altern und sich zu verhalten wie ein lebendiges Material, verrutscht die Bügelfalte, und nichts passt mehr. In diesem Sinne ist jede Lederhose auf dem Oktoberfest nachhaltiger."

Weiteres: In der taz freut sich Bettina Maria Brosowsky, dass das Georgia Institute of Technology in Atlanta nun einen seiner Gründer würdigt, den Bauhaus-Absolventen und Industriedesigner Hin Bredendieck. Besprochen wird die große, von Karl Kolbitz herausgegebene Monografie über Gio Ponti ("ein Buch über die Herstellung der Schönheit. Im Kleinen wie im Großen", schwärmt Alf Mayer im CrimeMag).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.04.2021 - Design

In Frankfurter Quarterly spricht die Modedesignerin Iris von Herpen über ihre Arbeit, für die sie aktuell mit Biologen zusammenarbeitet. Dazu inspiriert wurde sie Merlin Sheldrakes Buch "Verwobenes Leben": "Er beschreibt die gigantischen Netzwerke der Pilze, die sogenannten Mykorrhiza, die in Symbiose mit Pflanzen und Bäumen Informationen und Nährstoffe austauschen. Pilze haben ganz unterschiedliche Fähigkeiten, zu denen gerade viel geforscht wird: Sie sind imstande, Pestizide, Plastik und sogar TNT abzubauen, und können Werkstoffe liefern, die in Zukunft CO2-intensive Materialien wie Beton und Leder ersetzen können. Genau daran arbeiten wir für die kommende Kollektion. Gemeinsam mit einem Biologen aus Amsterdam fertigen wir einen Stoff, den wir aus Baumwurzeln wachsen lassen. Das geht sehr langsam voran, aber wir hoffen, das Ergebnis im Sommer zeigen zu können."

Dass die deutsche Nachkriegsmoderne ohne das von Ulm und Dieter Rams geprägtes Industrie- und Produktdesign von Braun nicht zu haben ist, weiß Tilmann Krause von der Welt natürlich. Trotzdem regt sich bei ihm auch gar nicht mal so leiser Widerspruch gegenüber dieser Konsensmeinung, als er sich durch die Exponate der Braun-Ausstellung im Berliner Bröhan-Museum klickt: In so geballter Zusammenstellung zeigt sich ihm dann doch, dass die reine Braun-Lehre "auch eine Persistenz des Eindimensionalen, Immergleichen mit sich brachte, die auf Dauer ermüdet". Trotz einiger Experimente in den späten Sechzigern "dominierten im Großen und Ganzen weiter Rastermuster und Eckigkeit". So zeige sich "das mutlose Sichklammern an das Unscheinbare." Und trotzdem war diese Nachkriegsmoderne "künstlerisch besonders hochstehend. In späteren Dezennien übernahmen dann die Onkel Bräsigs."

Besprochen wird Rebekka Endlers Buch "Das Patriarchat der Dinge" (taz), in dem die Autorin darauf aufmerksam macht, dass für Design und Gestaltung in aller Regel der Mann das Maß aller Dinge ist und die Frau das Nachsehen hat.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.04.2021 - Design

Rudolf Horn und Eberhardt Wüstner, MDW-Montagemöbel, 1967, Archiv Rudolf Horn, Foto: Friedrich Weimer, Dresden

"Es gab niemals Ecken und Kanten contra Plaste und Elaste", stellt NZZ-Kritikerin Judith Leister in der derzeit nur per Video erfahrbaren Ausstellung "Deutsches Design 1949-1989. Zwei Länder, eine Geschichte" des Vitra-Design Museums fest: Design in der BRD, Design in der DDR - beide lagen näher beieinander als man denkt. Denn zumindest bis 1961 "war der deutsch-deutsche Raum noch durchlässig für Ideen". Zu sehen gibt es, "wie in den Sechzigern fluide Formen das Design eroberten. Inspiriert vom Wettlauf der Supermächte ins All, suchte man auch in der DDR nach einer originären Formensprache für Plastik. ... Die SED-Führung erkannte, dass Industriedesign als Wirtschaftsfaktor auch den Lebensstandard verbessern kann. Renommierprojekte wie das Restaurant Moskau an der Ostberliner Karl-Marx-Allee (1961) oder der Palast der Republik (1976) propagierten den Funktionalismus offensiv, bis in Details wie Typografie und Besucherleitsystem", während im Westen "der Funktionalismus schon ab den fünfziger Jahren stilbildend war".

Außerdem: In seiner Stilkolumne im ZeitMagazin widmet sich Tillmann Prüfer dem Minirock, der die aktuellen Sommerkollektionen der großen Häuser dominiert.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.04.2021 - Design

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von AZ Factory (@azfactory)


Der Designer Alber Elbaz ist mit 59 Jahren an Covid19 gestorben. Claire Beerman schreibt einen Nachruf im ZeitMagazin: Elbaz, der unter anderem für Yves Saint Laurent und Lanvin gearbeitet hatte, war "nicht bloß einer der erfolgreichsten Modeschöpfer seiner Generation", sondern er "war auch ein Mann, der Menschen, vor allem Frauen, durchschauen konnte. Er war Therapeut und Designer zugleich; er verstand es, ihnen mit seinen Kleidern Sicherheit und Selbstbewusstsein zu geben. Meryl Streep, die ihm 2015 in New York einen Modepreis überreichte, sagte damals: 'Wenn Sie mit dem Gefühl, das Sie mir mit Ihren Kleidern geben, auch das Leben so vieler anderer Frauen verbessert haben, dann sollten Sie diesen Preis jedes Jahr bekommen.'"

Erst im Januar war Elbaz nach einer mehrjährigen Auszeit - Lanvin hatte ihn 2015 entlassen - mit einer neuen Kollektion und einem neuen Label zurückgekehrt. Ende März hatte Claire Beermann noch ein großes Gespräch mit ihm im ZeitMagazin. Über sein langes Sabbatical sagt er: "Ich vertraute der Modewelt nicht mehr. ... Der Rhythmus der Modeindustrie, der Druck, der Zeitmangel, die Tatsache, dass man immer mehr und mehr produzieren und immer billigere Arbeitskräfte finden und immer größer denken muss - all das fand ich furchtbar. Ich fragte meine Kollegen, ob sie eigentlich glücklich seien. Das sollten Sie Designer mal in Interviews fragen! Die Antwort ist, sie sind unglücklich. Das Problem ist, dass man in der Modewelt von heute als Kreativer auch Manager sein muss. Creative Director ist ein komplexer Titel. In dieser Position soll man kreativ sein, muss sich aber gleichzeitig mit jedem Problem des Unternehmens befassen. Dabei geht viel Energie verloren."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.04.2021 - Design

Das Automobil im Wandel der Zeit beschäftigt heute die Feuilletons: Die Kupplung etwa ist im Schwinden begriffen, wie der Blick in Verkaufsstatistiken belegt. Sehr zum Gram von Paul Jandl in der NZZ, dem nun auch das letzte bisschen rumpelige Sinnlichkeit beim Fahren von Autos verloren zu gehen droht: "Der Motor überhitzte im Sommer, und innen wurde es im Winter nicht warm. In den Kurven hupte das Auto vor sich hin. Man musste es fahren, wie der Organist die Orgel spielt. ... In unseren Autos sitzen wir jetzt in wattierten Sicherheitszonen. Wir sind die entmachteten Könige der Anfahrhilfen und der Spurhaltesoftware. In der Duzfreundschaft, die zwischen uns und der Technik herrscht, liegt eine Unterwerfung, die man früher nicht für möglich gehalten hätte. Das Auto war kein Ort der Widerspruchsfreiheit, sondern einer der Diskussionskultur. Denn das Assistenzsystem hieß Beifahrer."

Und Niklas Maak in der FAZ erklärt angesichts immer selbstbewusster gegenüber dem Fahrer auftretender Automobile: "Das Hochgefühl, das das Auto auslöst, liegt auch daran, dass es, anders als Familienmitglieder und Kollegen, über die Entscheidungen seines Fahrers nicht diskutiert. Kein Auto beklagt, dass sich in seinen Kofferraum kohlenhydratreiche Einkäufe stapeln, kein Auto jammert, dass sein Fahrer es durch energische Tritte aufs Gaspedal zwingt, viel Benzin zu schlucken. Doch jetzt soll sich alles ändern."
Stichwörter: Auto