Das Dahinschleichen der Zeit: "Der Fleck" von Willy Hans (Grandfilm) Kamil Moll, der auch als Kritiker für den Perlentaucher tätig ist, spricht im Filmdienst mit WillyHans über dessen Spielfilm "Der Fleck". Darin erzählt der Langfilmdebütant unter anderem mit Mitteln des Experimentalfilmers von einem Teenager, der die Schule schwänzt, um lieber mit Freunden einen Tag am Fluss zu verbringen. "Die Grundprämisse beim Schreiben war, mich an dieses Alter zurückzuerinnern und an solche Tage, die eigentlich selten waren, aber eine wahnsinnige Magie entfaltet haben", sagt der Filmemacher. "Man erwartet nichts", doch "auf einmal entwickelt sich ein solcher Tag aus einem Dahinschleichen der Zeit in etwas Aufregendes und Wertvolles. In etwas, das dann eine Art von Erinnerung erzeugt. Darin liegt eine Grundarchitektur des Erlebens jugendlicher Zeit: Alles ist absichtslos, nirgendwo gibt es eine Art von Bestimmung. Die Zeit rinnt dahin - und auf einmal entsteht aus diesem Nichts eine Bedeutung."
Jörg Seewald resümiert in der SZ die Debatten vom Filmfest München. Zum einen ging es dabei darum, dass sich die Münchner Kinolandschaft vom Corona-Knick, anders als etwa Berlin, einfach nicht erholen will. Zum anderen stellte ChristianPetzold grundsätzliche Fragen zum Ethos des Filmemachens in Deutschland: "Er sang ein Loblied auf dieProvinz. ... Denn die aus Petzolds Sicht kreativsten Köpfe kämen eben nicht aus Metropolen wie Berlin, sondern aus der Provinz." Dort entstehen in Petzolds Worten "'die Wünsche und Sehnsüchte. Die werden nach Berlin getragen. Diese Stadt lebt von den Wünschen und Sehnsüchten, die andere Leute mitbringen. Sie sind das Material und die Energie.'" Leider sei die Provinz in Deutschland so hässlich, es stelle sich daher "die Frage: 'Kann man die Provinz wieder so filmen, dass sie einen Zauber hat?' Letztlich gehe es auch darum in seinem neuen Film 'Miroirs No. 3': 'Kann man es schaffen, einen Kuss auf einem Rasengitterstein genauso schön wie im Jardin du Luxembourg zu inszenieren?'"
Weiteres: Maria Wiesner erinnert in der FAZ an StevenSpielbergs ersten "Jurassic Park". Besprochen werden MartinaPluras Teeniekomödie "Mädchen, Mädchen" (critic.de), RebeccaLenkiewiczs "Hot Milk" (taz) und JamesGriffiths' Tragikomödie "The Ballad of Wallis Island" mit CareyMulligan (SZ).
Heute Abend beginnt im Berliner Zeughauskino die von Perlentaucher-Filmkritiker Lukas Foerster kuratierte Willi-Forst-Retrospektive. Zu Forst, auf dessen Wiener Operetten- und Musikkomödien man lange Zeit vor allem im Fundus-Programm von 3sat stieß und den man wohl am ehesten mit den Filmvorlieben der Großelterngeneration in Verbindung bringen würde, hat er über ErnstLubitsch und - ausgerechnet - dem japanischen Maverick Seijun Suzuki gefunden, erzählt Gerhard Midding auf epdFilm. Die Wiederentdeckung hat sich gelohnt: "In seinem anmutigen Komödienstil bewahrte er tatsächlich etwas von dem, was nach 1933 gänzlich verbannt schien: ein Begreifen, wie nah Melancholie und Witz beieinander liegen. Seine besten Filme entführen ihr Publikum in ein nicht nur verzuckertes Wien, sie lassen Spuren erahnen einer Empfindsamkeit, die sich während des Zerfalls der k.u.k. Monarchie entwickelte. Diese Melange aus Wehmut und Skepsis erreichte indes nie den Grad von Pessimismus, der die Exilfilme von Wilder, Siodmak oder Max Ophüls prägt. Wie diese fasziniert auch ihn die Macht von Täuschung und Maskierung - kaum ein Forst-Film, in denen Gefühle und die Realität nicht immer auch gebrochen, reflektiert wahrgenommen werden. Es ist ein Kino der Verführung, das deren Inszenierung gleichzeitig ironisch entlarvt. ... Frivolität und Leichtsinn mögen auf den ersten Blick bei ihm herrschen, aber sie haben einen doppelten Boden und fordern nicht nur in den Melodramen ihren Preis."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Weiteres: Annabelle Hirsch spricht für die FAS mit VanessaSchneider, die über ihre Cousine MariaSchneider, die in "Der letzte Tango von Paris" von BernardoBertolucci und MarlonBrando für die berüchtigte "Butterszene" sexuell rüde überrumpelt und gedemütigt wurde, ein Buch geschrieben hat. Marie-Luise Goldmann berichtet in der WamS bestens gelaunt vom FilmfestMünchen, zumal das Festival seinen Akkreditierten ein paar halbe Maß sowie ein paar Bade-Sprünge in die Isar spendiert. Christian Schröder schreibt im Tagesspiegel einen Nachruf auf die Schauspielerin AnitaKupsch. Wieland Freund schreibt in der Welt zum Tod von MichaelMadsen. In der Literarischen Welt erinnert sich GeorgStefanTroller an seine Begegnung mit Russ Meyer.
Besprochen werden BenSmallbones "Homestead" (taz), TorstenKörnersARD-Dokumentarfilm "Mädchen können kein Fußball spielen" (Tsp) und die Sky-Serie "The Narrow Road to the Deep North" (WamS).
Der Schauspieler MichaelMadsen ist im Alter von 67 Jahren gestorben. Tarantino, damals selbst noch ein No-Name, machte ihn mit seinem epochemachenden Debütfilm "Reservoir Dogs" zum Namen, als er den sadistischen Mr. Blonde spielte. "Er war ein Star, und trotzdem ein Mann der zweiten Reihe, damit hatte er sich irgendwann abgefunden und machte sich selbst darüber lustig", schreibt David Steinitz in der SZ. "Madsen spielte in diversen Filmen mit, auch großen kommerziellen Hits wie der Wal-Schnulze 'Free Willy' (und hoffte inständig, dass dies nicht der Film wäre, für den er in Erinnerung bleiben würde). Aber am besten lief es eben doch immer, wenn Tarantino sich meldete. Dieses Warten auf einen Anruf des Meisters hat Madsen wieder und wieder als quälend beschrieben. Auch, dass er zwischen seinen Tarantino-Jobs nicht nur ein bisschen, sondern sehr viel Müll gedreht hat, hat er unumwunden zugegeben. 'Piranhaconda' zum Beispiel. Oder 'Scary Movie 4'. 'Aber wenn du eine Hypothek abbezahlen musst, dann musst du eben auch Geld verdienen', sagte er dann gern."
Mit diesem makabren Tanz in "Reservoir Dogs" ging Madsen in die Filmgeschichte ein:
Außerdem: Im Tages-Anzeigerbringen Oliver Schneider und Claudia Schmid Hintergründe dazu, dass sich die NZZ vom Zurich Film Fest trennt. Wie das Festival künftig auf eigenen Beinen stehen soll, erklärt Direktor Christian Jungen im NZZ-Gespräch. Andreas Kilb schreibt in der FAZ zum Tod von AnitaKupsch. Und das Artechock-Team liefert fleißig Kurzkritiken vom FilmfestMünchen.
Besprochen werden RebeccaLenkiewiczs "Hot Milk" mit VickyKrieps nach dem Roman von DeborahLevy (Welt, Tsp), MartinaPluras gleichnamiges Remake der 2001er-Teeniekomödie "Mädchen, Mädchen" (Standard, FD), DurgaChew-Boses beim Filmfest München gezeigtes Remake von OttoPremingers "Bonjour Tristesse" (Artechock), PedroPinhos beim Filmfest München gezeigter Film "I Only Rest in the Storm" (Artechock), GarethEdwards' "Jurassic World: Rebirth" (Artechock, Welt, unsere Kritik) und TorstenKörnersARD-Dokumentarfilm "Mädchen können kein Fußball spielen" (FAZ),
Schlecht gelaunt aufs Theaterbrett genagelt: "Frisch" Mit "Frisch" von DamianJohnHarper kommt der seltene Fall eines deutschen Thrillers in die Kinos - Mark McNays gleichnamige literarische Vorlage wurde dafür von einer englischen Kleinstadt in den Ruhrpott verlegt. Ordentlich Schmackes hat die rund um ein Schlachthaus angesiedelte Geschichte um zwei ungleiche Brüder jedenfalls, freut sich Perlentaucher Benjamin Moldenhauer. Der Regisseur setzt "auf schnelle Schnitte und ab der Hälfte auf ein stark gesteigertes Tempo. Und auf die Macht der Straße. Wo alle Proll-Slang sprechen, wird es echt. Nur meldet sich leider außerdem ein großes Mankos des Genrekinos, insbesondere im deutschen Gangster- bzw. Kleingangsterfilm, zu Wort. Die Figuren reden wieder einmal, als seien sie auf Theaterbretter genagelt worden. Auch wenn einer einen totschlagen will und ihn entsprechend zusammenschreit, lässt man sich ausreden, hin und wieder ist gar noch Zeit für bedeutsame Pausen zwischen den Sätzen. Trotzdem aber schön, wie schlecht gelaunt und fatalistisch drauflos gesplattert und geprügelt wird."
Genrekino aus Deutschland solle auch entsprechend verortet sein, findet Daniel Kothenschulte in der FR. Aber in diesem Fall legte "offenbar niemand besonderen Wert darauf, dass man das Land auch sähe. So addiert sich das Obskure und Beliebige schließlich zu dem Gegenteil künstlerischer Aneignung, zu einem großen Achselzucken." Der Film "hätte mehr Stilisierung vertragen oder eine genauere Milieuzeichnung, oder auch psychologisch ausgearbeitetere Figuren", findet Michael Kienzl auf critic.de. "Harper versucht teilweise zu viel auf einmal statt seine Stärken gezielter auszuspielen."
Außerdem: Im Tagesspiegelempfiehlt Christian Schröder die von Perlentaucher-Filmkritiker Lukas Foerster kuratierte Willi-Forst-Retrospektive im Berliner Zeughauskino. "Man darf ihm die Unterkomplexität seiner Musik nicht übelnehmen", schreibt Patrick Holzapfel in der NZZ zur Dröhn-Filmmusik von HansZimmer, der im neuen Formel1-Film "F1" mal wieder ganz besonders dröhnt, denn "er bedient mit ihr letztlich nur die Unterkomplexität der Blockbuster, für die er oder einer seiner Mitarbeiter komponiert". Martin Wittmann erzählt in der SZ die Geschichte des Delorean-Autos, das im vor 40 Jahren uraufgeführten 80s-Filmklassiker "Zurück in die Zukunft" zur Zeitmaschine wurde. Philipp Bovermann berichtet in der SZ von der Premiere von HelgeSchneiders neuem Film "The Klimperclown" auf dem Filmfest München. Jörg Gerle erinnert im Filmdienst an den vor kurzem verstorbenen Filmkomponisten LaloSchifrin.
Besprochen werden GarethEdwards' "Jurassic World: Rebirth" ("ein funktionstüchtiger Blockbuster", schreibtPerlentaucher Kamil Moll, FR, NZZ), die DVD-Ausgabe von JamesMadigans Actionsause "Fight or Flight" ("Sicher nicht A, eher B", aber "eine große Popcorntüte voll Fun", verspricht Ekkehard Knörer in der taz) und RebeccaLenkiewiczs "Hot Milk" mit VickyKrieps nach dem Roman von DeborahLevy (FAZ, SZ). Tagesspiegel und Filmdienst blicken außerdem auf die Kinostarts der Woche.
Mit gewohnt markigen Sprüchen verspricht MarkusSöder der insbesondere bayerischenFilmbranche mal wieder das Blauweiße vom Himmel (2018 kündigte er noch vollmundig an, das Filmfest München zur Berlinale-Konkurrenz auszubauen, worauf man an der Isar noch heute wartet). Die Filmbranche wiederum hängt gerade akut in den Seilen und hört deshalb genau hin, berichtet Jörg Seewald in der SZ im Rahmen des seit einigen Tagen laufenden FilmfestsMünchen. "Bei vielen Filmfest-Gästen bleibt die Sorge, ob die Versprechungen schnell genug umgesetzt werden. Wenn die Steuererleichterungen erst 2026 griffen, finde vorher noch ein großesProduzentensterben statt, lautet die Befürchtung. ... Tatsächlich hatte sich der mögliche Befreiungsschlag schon zuvor auf der Creators Conference angedeutet. In seltener Offenheit sprachen hier Vertreter der öffentlich-rechtlichen Sender über den aus ihrer Sicht ungleichen Wettkampf der Systeme. ... Festivaldirektor Christoph Gröner bilanzierte, den 'Thinktank' desFilmschaffens mit der Creators Conference an die Isar gelockt zu haben. 'Alle sind inspiriert rausgegangen und erwarten, dass in der zweiten Jahreshälfte 2025 etwas passiert.'"
Weiteres: Für Zeit Onlineporträtiert Ronja Wirts den Schauspieler JacobElordi. Besprochen werden DamianJohnHarpers Ruhrpott-Thriller "Frisch" (taz), GarethEdwards' Dinosaurier-Reißer "Jurassic World: Rebirth" (Standard, FAZ) und die Sky-Serie "The Narrow Road to the Deep North" (FAZ).
Auch Bert Rebhandl ist in der FAS überzeugt: "Alles hängt an dem Rätsel, ob Rose sich ihr Leiden vielleicht nur einbildet, weil es ihr hilft, ihre Tochter an sich zu fesseln. 'Hot Milk' funktioniert auf dieser Ebene ganz klassisch wie ein analytisches Drama. Allmählich werden Stationen der Geschichte der beiden Frauen deutlicher, allmählich kann man traumatische Erfahrungen ausnehmen, die vielleicht zu dem unhaltbaren Zustand geführt haben, der in Almería in eine Krisis übergehen wird."
Besprochen werden die Reality-Doku "In höchster Not" über Bergrettung (FAS) und Gareth Edwards "Jurassic World: The Rebirth" (taz).
"Go Clara Go." Bild: Lindenau Museum Altenburg/Archiv Ralf-Rainer Wasse.
Sylvie Kürstens Dokufilm "Go Clara Go" über die DDR-Künstlergruppe Clara MoschzeigtFR-Kritikerin Ingeborg Ruthe, was in Sachen Kunst im Arbeiter- und Bauernstaat trotz allem möglich war: Zum Beispiel "die wilden, experimentellen Kunstaktionen in freier Natur, am Ostseestrand, allesamt nackt auf einem knorpeligen, blattlosen Baum. Als Kritik am heuchlerischen Umweltschutz im vormundschaftlichen Staat, am Waldsterben durch die überalterten Industrieanlagen, das Chemie-Gift in vielen Seen und Flüssen. Der eigene Körper war kostenloses, rebellisches Kunst-Material. Für ihre provokante 'Baumbesteigung' konkurrierten die Protagonisten damals nicht mit den ikonisierten (Land-Art-)Performances der Westkunst, sondern philosophisch und politisch kühn, mit Brecht-Versen aus 'An die Nachgeborenen.'" Hier der Trailer.
1971 hat es in Mexiko ein Frauenfußball-Turnier gegeben, das eigentlich eine Weltmeisterschaft war, wenn auch nicht von der FIFA anerkannt. Rachel Ramsay und James Erskines widmen dem frühen Frauenfußball nun den Dokufilm "Copa 71", den Bert Rebhandl in der FAZ trotz einiger Kritikpunkte gerne sieht: "Wie in vielen Fällen im neueren dokumentarischen Kino lässt auch 'Copa 71' von einer alternativen Version träumen, die weniger auf Spin hin getrimmt ist. Man muss nur die Fotografien der sechs Spielerinnenkader der teilnehmenden Mannschaften ein wenig mustern und hat schon eine riesige Liste an Themen und Fragen: Die politische Lage in Mexiko um 1970, der Faktor Indigenität, der Faktor Mode, der Faktor Kommerz (wurde die Mundial in Europa im Fernsehen gezeigt?), allgemeiner eine Geschichte der Emanzipation in einer Welt, die 'Entwicklungsländer' wahrzunehmen begann."
Weitere Artikel: Der kanadische Regisseur Denis Villeneuve soll für die nächste James Bond-Verfilmung das Steuer übernehmen, melden SZ und FR. Marge Simpson stirbt - aber erst in 35 Jahren, beruhigtSpiegel Online: Nach Gerüchten, die blauhaarige Familienmutter aus Springfield würde in der kommenden Staffel zu Tode kommen, stellt sich nun heraus, dass es sich um eine Vorausdeutung in die Zukunft gehandelt hat. Andreas Kilb gratuliert Isabelle Adjani in der FAZ zum Siebzigsten.
Besprochen werden Joseph Kosinskis Formel 1-Drama "F1" (Welt, FAZ, NZZ), Noémie Merlants "Les femmes au balcon" (NZZ), die finale Staffel der koreanischen Horror-Serie "Squid Game" auf Netflix (FAZ) und die vierte Staffel von "The Bear", die soeben auf Disney Plus angelaufen ist (BlZ).
Gut geölte Maschine: Szene aus Joseph Kosinskis "F1". Um "Momente höchster Konzentration und Leistungsfähigkeit" geht es in Joseph Kosinskis Motorsportfilm "F1", stellt Nicolai Bühnemann beim Perlentaucher fest. Der von Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton mitproduzierte Film dreht sich um den ehemaligen Rennfahrer Sonny Hayes, der nach einem schweren Unfall in die Kriminalität abrutscht und überzeugt den Kritiker mit einem Spiel aus Einfachheit und Komplexität: "Bei aller Gegenwärtigkeit, die Filme, in denen Technologie eine zentrale Rolle spielt, fast immer an sich haben, nimmt sich eine große Jerry-Bruckheimer-Produktion wie 'F1' im von aufgeplusterten Franchise-Filmen dominierten Hollywood der Gegenwart wie ein faszinierender Fremdkörper aus: Eine gut geölte Maschine, in der sich Einfachheit und Komplexität ständig gegenseitig durchdringen. Der Plot ist gewunden wie eine Rennstrecke: Männer mit Riesenegos müssen ihre Pläne und Bedürfnisse aufeinander abstimmen, ein Rennfahrer und eine Chefmechanikerin verlieben sich und ein aalglatter Manager intrigiert im Hintergrund, was das Zeug hält. Komplex ist auch der Schnitt in den Rennszenen, die einen Großteil der Laufzeit ausmachen."
Auch Zeit-Kritikerin Berit Dießelkämper kann dem Film, trotz etwas Kitsch und latentem Konservatismus einiges abgewinnen - vor allem den Rennszenen: "Zunächst wird aber sehr viel Auto gefahren - auf Strecken, die aussehen, als hätte sie ein auf Rechtshändigkeit umgeschultes Kind gemalt: ein ermüdeter Papagei in Monza; eine schwer verletzte Fledermaus in Abu Dhabi. Dort werden dann jene wunderbaren Szenen produziert, die die Faszination dieses Sports und folglich auch des Films ausmachen, der für die Dreharbeiten exklusiven Zugang zu den Originalkulissen hatte. Da ist der Blick ins Cockpit mit der Nahaufnahme eines willensstarken Mannes in konzentrierter Einsamkeit; der Blick aus dem Cockpit auf die vorbeifliegende Strecke; oder auf die anderen umhertanzenden Wagen (...)" Das gefällt auch Daniel Kothenschulte in der FR, allerdings gibt es da ein anderes Problem: "Vielleicht entstanden so die realistischsten F1-Rennszenen der Filmgeschichte, doch den eigentlichen Superlativ gewinnt der Film für sein flächendeckendes Product Placement (...) Anfangs mag man das noch dem Realismus zurechnen, bald aber nervt diese optische Werbetrommelei kolossal."
Das italienische Kino steckt in der Krise, berichtet Ulrike Sauer in der NZZ - Kinos sterben, die Produktion ist am Boden: "Schuld an ihrer Notlage gibt die moribunde Branche der Regierung. Sie habe den Kinoproduzenten vor einem Jahr den Geldhahn vollends abgedreht und die überfällige Reform der staatlichen Filmförderung seither verschleppt. Es geht um Steuervergünstigungen, die seit 2016 das Wachstum der italienischen Filmwirtschaft beflügelt und viele ausländische Produktionen angezogen haben. Die Neugestaltung des Gesetzes blieb das Kulturministerium schuldig."
Weitere Artikel: Silvia Hallenleben weist in der taz auf die Filmreihe "Pioneers of Black British Cinema" hin, die im Berliner Arsenal-Kino im Wedding stattfindet. Besprochen werden Kevin Macdonalds und Sam Rice-Edwards Dokumentarfilm "One to One: John Lennon und Yoko Ono" (FR), Ryan Fleck und Anna Bodens Horrokomödie "Freaky Tales" (taz, SZ) und die israelische Netflix-Serie "Bad Boy" (Perlentaucher).
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