Essay

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Rückkehr des Ernstfalls

Essay 05.12.2022 Der Klimawandel mit all seinen Folgen lässt uns wieder auf den harten Boden der Realität aufprallen. Das Leitmotiv kultureller Selbstverständigung lautet nun nicht mehr "Wie wirklich ist die Wirklichkeit?" sondern: wieviel Infragestellung von Wirklichkeit können sich die Gesellschaften des 21. Jahrhunderts noch leisten, ohne ihr Überleben zu gefährden? Dabei wird die Rückkehr des Ernstfalls sich nicht in einer Re-Essentialisierung sinnverwaister philosophischer Disziplinen erschöpfen. In der von allen Lebewesen geteilten  Atmosphäre gibt es nämlich nur Eine gemeinsame Welt. Von Daniele Dell'Agli

Erleichterung und Zufriedenheit

Essay 30.08.2022 Seit zehn Jahren läuft der Hamburger Staatsvertrag mit den Islamverbänden, und er wird wohl weiterlaufen. Der Vertrag bringt diesen Verbänden Einfluss und Status, obwohl überhaupt nicht klar ist, wen sie - außer Staaten, die Einfluss nehmen wollen - überhaupt repräsentieren. Die versprochene Evaluierung des Vertrags entpuppt sich als Wohlfühlveranstaltung. Richtig wäre eigentlich, die Sinnhaftigkeit von Staatsverträgen mit Religionsgemeinschaften grundsätzlich zu überprüfen. Von Necla Kelek, Peter Mathews

Reale Naherwartung

Essay 19.08.2022 Denis Newiak erzählt in "Blackout" vom Nutzen und Nachteil der Fiktion fürs Überleben: Er überprüft Filme und Serien auf Szenarien, die jederzeit real eintreten können, etwa die eines totalen Stromausfalls und seiner Auswirkungen auf das Funktionieren unserer Gesellschaft. Damit leitet er womöglich einen Paradigmenwechsel der Medientheorie ein. Aber andererseits können auch dytopische Serien und Filme einen Paradgmenwechsel gebrauchen: hin zu zukunftskritischen Realfiktionen. Von Daniele Dell'Agli

Entweder Nie wieder oder Nie wieder

Essay 12.05.2022 Es gibt nicht ein "Nie wieder", es gibt zwei. Es gibt ein "Nie wieder Krieg" und ein "Nie wieder Auschwitz". Sie sind alles andere als miteinander identisch. Die Emma-Brief-Autoren ziehen auch aus dem jüngsten Krieg noch die Lehren aus den fünfziger Jahren: Es zeigt sich, dass wir den Schock des Krieges viel tiefer verinnerlicht haben als den des Holocaust. Habermas, Kluge, Schwarzer und Co. haben die antitotalitären Lehren aus der Geschichte  nie gezogen. Von Thierry Chervel

Ein Pionier der Aufklärung

Essay 26.04.2022 Übermorgen vor 250 Jahren wurde der Altonaer Arzt und Aufklärer Johann Friedrich Struensee in Kopenhagen hingerichtet. Zunächst wurde ihm die Hand abgehackt. Drei Beilhiebe brauchte der Henker anschließend, um ihm den Kopf abzutrennen. Struensee hatte in Dänemark als Regent unter Christian VII. die erste totale Pressefreiheit der Welt erlassen. Er reformierte Dänemark in vielen Bereichen und revolutionierte die Öffentlichkeit und das Privatleben. Was hat ihn aufs Schafott gebracht? Von Frederik Stjernfelt

Aus dem Giftschrank gepurzelt

Essay 08.02.2022 Arte zeigte neulich den Splatter-Klassiker "Day of the Dead", aber dann auch ganz schnell wieder nicht. Aus der Mediathek wurde sogar der Programmhinweis gestrichen. Dem Sender war wohl nicht bekannt, dass der Film in Deutschland nicht nur indiziert, sondern regelrecht verboten ist. Wie ein ganzes Genre, das in Deutschland dadurch marginalisiert wurde. Um das verstehen, bedarf es einer Rückblende ins Zeitalter der Videotheken und der frommen Moralapostel. Und um es zu beenden, bedarf es einer Gesetzesänderung. Von Thomas Groh
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