Essay

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Wenn du sprichst, wenn du schweigst

Essay 10.01.2025 Einen Trost hat Boualem Sansal: Er ist nicht allein. Seit Beginn des Hirak im Jahr 2019 haben die Festnahmen wegen Meinungsdelikten in Algerien stetig zugenommen. Bis heute werden mehr als 200 AktivistInnen, JournalistInnen, StudentInnen oder BloggerInnen der Anstiftung zur Gewalt, der Störung der öffentlichen Ordnung und/oder der Gefährdung der nationalen Einheit beschuldigt. Sansals Ansichten sind kühn, und seine Kritik am Islamismus ist kompromisslos. Westliche Linke, die ihn kritisieren, verkennen, dass der Islamismus für jede Laizistin und jeden Laizisten muslimischer Tradition eine reale Gefahr ist. Von Naila Chikhi

Die Fatwa als Handlungsmodell

Essay 09.01.2025 Niemand hätte heute mehr den Mut, die "Satanischen Verse" zu schreiben, geschweige denn zu publizieren. Zu machtvoll ist das mit der Fatwa wieder errichtete Tabu. Aber die Fatwa war auch inspirierend: Im Kleinen hat die westliche Linke nach 1989 das Modell der Fatwa immer  wieder kopiert und sich angeeignet. Die Fatwa  als neues Verfahren zur Einschüchterung der Mehrheit begründete das Bündnis zwischen westlicher Linker und dem Islamismus. Auszug aus dem Buch "Das verordnete Schweigen", das am Montag in Berlin vorgestellt wird. Von Thierry Chervel

Vertrauenskrise - Wohlstandskrise - Identitätskrise

Essay 17.12.2024 Das Jahr 2024 war ein Jahr der dramatischen Umbrüche, nicht nur wegen der Kriege, sondern auch wegen der politischen Krisen in den wichtigsten Ländern des Westens: In den USA und Frankreich ist diese Krise akut. Deutschland steht am selben Abgrund - wie weit entfernt, entscheiden die Bundestagswahlen. All diese Länder sind überdies von diskursiv kaum zu lösenden Polarisierungen gekennzeichnet, gegen die nur ein antitotalitärer Konsens und die Wiedergewinnung von Politik helfen. Von Ulrike Ackermann

Der Anti-Politiker schlechthin

Essay 29.11.2024 Rumänien findet sich selten in den deutschen Nachrichten. Vor 35 Jahren etwa, als es aus der Dunkelheit heraustrat. Nun treffen wieder verwirrte Blicke auf die flimmernden Bildflächen. Mit dem rechtsextremen Präsidentschaftskandidaten Călin Georgescu hatte niemand gerechnet. Er ist ein Politiker der Rache, ein Putin-Fanatiker, der Journalisten zurechtweist wie ein kommunistischer Rektor. Ein gefährlicher Mann in einem Land, das in den besagten 35 Jahren keine Zivilgesellschaft entwickelt hat. Von Luca Oprea-Calin

Reif für die Responsivität

Essay 20.09.2024 Demokratie im Test: Warum Menschen oft irrational, manchmal sogar gegen ihre eigenen Interessen wählen, ist immer noch nicht hinreichend erforscht. Mit "kognitiver Dissonanz" ist das Phänomen jedenfalls nicht zu erklären. Schon eher mit den Paradoxien einer verweigerten Responsivität bei Regierenden und Regierten gleichermaßen. Diese wiederum zeugt vor allem von einem - schon im Grundgesetz angelegten - Unverständnis für den experimentellen Charakter von Demokratie. Von Daniele Dell'Agli

Verleugnete Kontinuität

Essay 05.08.2024 Wie ein Dogma wiederholen Omer Bartov und andere Historiker die Behauptung, die Morde der Hamas hätten mit dem Holocaust nichts zu tun. Sie wenden sich damit gegen die Evidenz. Die ideologischen, historischen und semantischen Beziehungen, die den Antisemitismus der Hamas mit dem der Nazis verbinden und die wissenschaftliche Literatur, die diesen Zusammenhang belegt, kann mittlerweile nur noch übersehen, wer sie partout übersehen will. Seit dem 7. Oktober lässt sich die Holocaust-Geschichte von der Gegenwart nicht länger trennen. Von Matthias Küntzel

Gegen den intellektuellen Dammbruch

Essay 10.06.2024 Wir alle sind aufgerufen, Lars-Henrik Gass den Rücken zu stärken. Es geht darum zu verhindern, dass der Antisemitismus erneut zu einem kulturellen Code werden kann. Wie sich dieser Geist ausbreiten konnte, zeigte etwa der Adorno-Preis für Judith Butler im Jahr 2012 und die bis heute anhaltende  Weigerung der Jury, darunter Repräsentanten der Nachfolge-Generation Kritischer Theorie, sich von diesem Preis zu distanzieren. Wir übernehmen Wolfgang Kraushaars Laudatio auf den Leiter der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen aus Anlass der Verleihung der Ernst-Cramer-Medaille der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Von Wolfgang Kraushaar

Aber es ist kein Friede

Essay 25.04.2024 Ist es dem vermeintlichen "Ende der Geschichte" zuzuschreiben, dass Manes Sperber fast in Vergessenheit geraten ist? Sperbers große Romantrilogie "Wie eine Träne im Ozean" war lange nur mehr im Antiquariat zu haben. Nun wird sie endlich neu herausgebracht und zeigt die brennende Aktualität von Sperbers antitotalitärem Denken. Gegen die Sinnlosigkeit der Geschichte nach Möglichkeiten politischen Handelns zu suchen und dem Tod einen Sinn im Leben entgegenzuhalten - das gehört zum Eindringlichsten, was der Roman dem Leser zu geben vermag. Einige Tage vor Erscheinen des Bandes  publizieren wir das Nachwort des Mitherausgebers Rudolf Isler. Von Rudolf Isler

Das Klima, die Kühe und wir Journalisten

Essay 24.01.2024 In Berlin findet gerade die Grüne Woche statt. Das ist ein guter Anlass, sich in Florian Schwinns Buch "Die Klimakuh" zu vertiefen, das mit dem Vorwurf aufräumt, Kühe seien besonders schädlich fürs Klima. Allein wegen der falschen Narrative, die seit mindestens zehn Jahren in den Medien ihr Unwesen treiben, und darüber, wie sie zustande gekommen sind, lohnt es sich schon, dieses Buch zu lesen. Aber Schwinn geht es auch darum, Naturschutz und Landwirtschaft zusammenzudenken. Von Uta Ruge
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