
Der
Auslandsreporter Robert D. Kaplan schickt eine
Liebeserklärung an den englischsprachigen Dienst von
Al Dschasira: "Die Tatsache, dass Doha, die Hauptstadt von Katar, nicht die Hauptstadt einer Großstadt ist, erleichtert es
Al Dschasira, sich auf alle vier Ecken der Welt gleichermaßen zu konzentrieren, statt nur auf die Brennpunkte imperialer oder postimperialer Interessen. Sender wie
CNN oder
BBC berichten weniger über das Ausland als vielmehr über die Auswirkungen, die die kollektiven Obsessionen Washingtons oder Londons im Ausland haben. Und sie heben oft Leute hervor, die zwar hervorragende Referenzen, aber wenig zu sagen haben.
Al Jazeera dagegen hat den Dreh raus, Leute vors Mikrofon zu holen, die interessante Dinge sagen, wie den brillanten, unbekannten
russischen Analysten, der erklärt hat, dass Russland und China das nordkoreanische Regime gleichermaßen brauchen, weil es einen Pufferstaat gegen das freie und demokratische Südkorea bildet."
Der Zusammenbruch des Journalismus in den USA hat Platz geschaffen für eine
neue Spezies von Reportern,
meint Mark Bowden und beschreibt das am Beispiel der beiden Videos mit Auszügen von Reden, die die Richterin Sonia Sotomayor vor ihrer Berufung zum Obersten Gericht vor Studenten gehalten hat (das eine findet man
hier, das andere scheint aus dem Netz verschwunden zu sein.) Die Videos waren von einem
Blogger ausgegraben, veröffentlicht und dann von allen großen Fernsehanstalten übernommen worden - ohne den Gesamtzusammenhang zu recherchieren und vor allem ohne die Quelle (das Blog
VerumSerum.com) zu nennen. Für Bowden ist die Vorgehensweise des Bloggers "
postjournalistisch. Sie sieht Demokratie, schon der Definition nach, als immerwährenden politischen Kampf. Die Rolle des Bloggers ist es,
seiner Seite zu helfen. Verzerrungen und Ungereimtheiten, Fehlurteile, fehlender Kontext - all das zählt nur wenig, weil diese Sünden von beiden Seiten begangen werden, am Ende ist man meist quitt. Niemand hat mit irgendetwas Recht, egal wie sicher er zu sein behauptet. Die Wahrheit ist etwas, das sich im Hexenkessel der Debatte entwickelt. Nein, nicht Wahrheit:
Sieg, denn
gewinnen ist viel wichtiger als
Recht haben. Macht ist die größte Errungenschaft. Daran ist nichts neu. Wir haben es nur nie für Journalismus gehalten."
Außerdem:
"Gebt
nicht dem Internet die Schuld am Niedergang der großen Medienkonzerne. Gebt
unfähigen Geschäftsführern die Schuld",
rufen Jonathan A. Knee, Bruce C. Greenwald und Ava Seave. In einem Offenen Brief
bittet Andrew Sullivan
George W. Bush, die Verantwortung für die
Folterungen unter seiner Präsidentschaft zu übernehmen. Und Christopher Hitchens
findet Jon Stewart,
Al Franken und
Stephen Colbert so selbstgefällig, dass er darüber jeden Humor verliert.