Magazinrundschau - Archiv

Atlantic

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Magazinrundschau vom 17.08.2010 - The Atlantic

Christopher Hitchens liest zwei neue Bücher über Antisemitimus - eine Geschichte des Antisemitismus in Großbritannien von Anthony Julius und Robert S. Wistrichs monumentale Weltgeschichte dieser düsteren Passion, "A Lethal Obsession". Aber beide haben ihn relativ kalt gelassen. Für Hitchens bleibt "der Hauptimpetismus des Antisemitismus theokratisch: Neuerdings ist er vom Christentum zum Islam gewandert. Eine tiefere Untersuchung über seine Ursprünge und Merkmale würde vielleicht mit der Frage beginnen, ob nicht der Glaube das eigentliche Problem ist. In diesem Zusammenghang würde sich auch die wesentliche Frage stellen, ob das Gift des Antisemitismus nur die Juden bedroht."

Auf die Titelgeschichte des Atlantic - Jeffrey Goldbergs große Recherche über die Gefahr eines Kriges zwischen Israel und den Iran haben wir bereits am Freitag hingewiesen.

Magazinrundschau vom 18.05.2010 - The Atlantic

James Fallows verspricht in seinem jüngsten Artikel für the Atlantic nicht wenig: "How To Save the News". Fallows hat Google besucht und lässt sich versichern, wie sehr der Firma an den alten Medien liegt. Interessant ist dann, worauf es - ausgedruckt - nach 16 eher trockenen Seiten hinausläuft: auf ein Ipad, nur dass es höchstwahrscheinlich nicht von Apple sein soll. Fallows zitiert die absurde Vision von Google-Chef Eric Schmidt: "In fünf oder zehn Jahren werden Informationen natürlich vorwiegend über elektronische Geräte konsumiert. Sie werden mobil und persönlich sein, mit einem hübschen Farbbildschirm. Stellen Sie sich ein Ipod oder Kindle vor, das intelligent genug ist, Ihnen eine Story zu zeigen, die auf einer Story von gestern aufbaut, ohne redundant zu sein. Und es kennt Ihre Freunde und weiß, was sie lesen und wichtig finden. Und es hat grafische Anzeigen mit vielen schönen Farben, aber viel persönlicher und zielgenauer, ohne aufdringlich zu werden. Und es hat GPS und weiß, was um Sie herum passiert. Wenn Sie sich all das vorstellen, finden Sie ganz schnell eine Antwort auf Ihre Fragen, und zwar inklusive Abos und Anzeigen."
Stichwörter: Ipod, Schmidt, Eric, Kindle

Magazinrundschau vom 16.02.2010 - The Atlantic

James Fallows hat sich mit einer Reihe von Geheimdienst-Experten getroffen, um sich über die Bedrohung zu informieren, die von China im Cyberspace ausgeht. Ihm stellt sich die Weltlage jetzt so dar: "Die Chinesen gehören zu den drei, vielleicht zwei größten Probleme des Cyberspace', meint James Lewis, ein früherer Diplomat aus der Abteilung Sicherheit und Aufklärung, der mittlerweile am Center for Strategic and International Studies in Washington arbeitet. 'Sie sind bei weitem nicht das größte Problem, und ob sie die Nummer zwei sind, ist auch fraglich' - nach seiner Analyse ist Russland die Nummer eins, mit seiner Kombination aus staatlichen, organisiert-kriminellen und unorganisiert-individuellen Aktivitäten. Nummer zwei ist Israel - und es gibt noch mehr auf der Liste: 'Die Franzosen sind berüchtigt dafür, wie sie über ihre Geheimdienste nach wirtschaftlichen Vorteilen spähen', sagte mir Ed Giorgio, der für die NSA als Ober-Chiffrierer und -Dechiffrierer gearbeitet hat. 'Die Israelis suchen den politischen Vorteil. Brasilien ist dabei, in Sachen Finanzkriminalität aufzuschließen mit Russland, das sich alles gleichermaßen zuschulden kommen lässt."

In der University of California at Santa Cruz wird demnächst ein große Grateful-Dead-Archiv öffnen, Joshua Green beeindruckt vor allem, wie die Band ihre treuen Fans belohnte: "Die Band etablierte eine Telefon-Hotline, um sie vor allen öffentlichen Ankündigungen über ihren Tourneeplan zu informieren, reservierte ihnen die besten Plätzen und gewährte Nachlässe für die Tickets, die die Band selbst über einen eigenen Versand vertrieb. 'Die Grateful Dead waren Meister im Schaffen und Erfüllen des avancierten customer value', erklärt mir Barry Barnes, Ökonom an der Nova Southeastern University in Florida."
Stichwörter: Grateful Dead, Washington, Florida

Magazinrundschau vom 15.09.2009 - The Atlantic

Der Auslandsreporter Robert D. Kaplan schickt eine Liebeserklärung an den englischsprachigen Dienst von Al Dschasira: "Die Tatsache, dass Doha, die Hauptstadt von Katar, nicht die Hauptstadt einer Großstadt ist, erleichtert es Al Dschasira, sich auf alle vier Ecken der Welt gleichermaßen zu konzentrieren, statt nur auf die Brennpunkte imperialer oder postimperialer Interessen. Sender wie CNN oder BBC berichten weniger über das Ausland als vielmehr über die Auswirkungen, die die kollektiven Obsessionen Washingtons oder Londons im Ausland haben. Und sie heben oft Leute hervor, die zwar hervorragende Referenzen, aber wenig zu sagen haben. Al Jazeera dagegen hat den Dreh raus, Leute vors Mikrofon zu holen, die interessante Dinge sagen, wie den brillanten, unbekannten russischen Analysten, der erklärt hat, dass Russland und China das nordkoreanische Regime gleichermaßen brauchen, weil es einen Pufferstaat gegen das freie und demokratische Südkorea bildet."

Der Zusammenbruch des Journalismus in den USA hat Platz geschaffen für eine neue Spezies von Reportern, meint Mark Bowden und beschreibt das am Beispiel der beiden Videos mit Auszügen von Reden, die die Richterin Sonia Sotomayor vor ihrer Berufung zum Obersten Gericht vor Studenten gehalten hat (das eine findet man hier, das andere scheint aus dem Netz verschwunden zu sein.) Die Videos waren von einem Blogger ausgegraben, veröffentlicht und dann von allen großen Fernsehanstalten übernommen worden - ohne den Gesamtzusammenhang zu recherchieren und vor allem ohne die Quelle (das Blog VerumSerum.com) zu nennen. Für Bowden ist die Vorgehensweise des Bloggers "postjournalistisch. Sie sieht Demokratie, schon der Definition nach, als immerwährenden politischen Kampf. Die Rolle des Bloggers ist es, seiner Seite zu helfen. Verzerrungen und Ungereimtheiten, Fehlurteile, fehlender Kontext - all das zählt nur wenig, weil diese Sünden von beiden Seiten begangen werden, am Ende ist man meist quitt. Niemand hat mit irgendetwas Recht, egal wie sicher er zu sein behauptet. Die Wahrheit ist etwas, das sich im Hexenkessel der Debatte entwickelt. Nein, nicht Wahrheit: Sieg, denn gewinnen ist viel wichtiger als Recht haben. Macht ist die größte Errungenschaft. Daran ist nichts neu. Wir haben es nur nie für Journalismus gehalten."

Außerdem: "Gebt nicht dem Internet die Schuld am Niedergang der großen Medienkonzerne. Gebt unfähigen Geschäftsführern die Schuld", rufen Jonathan A. Knee, Bruce C. Greenwald und Ava Seave. In einem Offenen Brief bittet Andrew Sullivan George W. Bush, die Verantwortung für die Folterungen unter seiner Präsidentschaft zu übernehmen. Und Christopher Hitchens findet Jon Stewart, Al Franken und Stephen Colbert so selbstgefällig, dass er darüber jeden Humor verliert.

Magazinrundschau vom 18.08.2009 - The Atlantic

Jeffrey Goldberg, selbst Jude, der einst in der israelischen Armee gedient hat, fühlt sich recht unbehaglich bei Tarantinos auch in Deutschland einhellig bejubelter Nazischlachterei "Inglourious Basterds". Dieser Film sei der "feuchte Traum eines Juden", der so nur von einem Nichtjuden hätte realisiert werden können. Am Ende schreibt Goldberg:"Meine Toleranz für die Gewalt in Tarantinos Fantasiewelten geht ziemlich weit. Aber 'Inglourious Basterds' ist der erste Tarantino-Film, der sich auf reale historische Ereignisse bezieht. Vielleicht finde ich seine Anti-Nazi-Exzesse darum fehl am Platz. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich keine Racheträume mehr habe. Sie hörten kurz nach meiner Zeit in der israelischen Armee auf. Natürlich würde ich Mengele immer noch ins Gesicht schießen, aus moralischer Notwendigkeit. Aber ich würde ihm vorher kein Hakenkreuz in die Stirn ritzen. Es käme mir nicht jüdisch vor."
Stichwörter: Exzess, Goldberg, Jeffrey

Magazinrundschau vom 19.05.2009 - The Atlantic

Eine der faszinierendsten Langzeitstudien der Wissenschaftsgeschichte stellt Joshua Wolf Shenk in der Titelgeschichte vor. Sie wurde 1937 begonnen und wird bis heute fortgeführt. Beobachtet wird dabei eine Gruppe von (ausschließlich männlichen) Studenten, die in jenem Jahr ihr Studium in Harvard antraten. Rund die Hälfte lebt heute noch. Und es geht um nichts Geringeres als die Frage: Wie erlangt man Lebensglück? Die Ergebnisse freilich sind eher "paradox" als eindeutig, wie Shenk betont: "Wie George Vaillant, seit mehr als vierzig Jahren der Leiter der Studie, betont, werden Langzeitstudien, wie Wein, mit dem Alter immer besser. Mit dem Eintritt der Studienobjekte ins mittlere Alter - sie waren in den 60er Jahren zwischen vierzig und fünfzig - erlangten viele von ihnen großen Erfolg. Vier von ihnen kandidierten für den US-Senat. Einer war Kabinettsmitglied, einer Präsident [das war John F. Kennedy, seine Akten sind jedoch bis 2040 unter Verschluss, PT]. Ein Bestseller-Autor war auch darunter... Unter all diesen glänzenden Erfolgen lagen dunklere Seiten. Schon 1948 zeigten 20 Mitglieder der Gruppe massive psychische Schwierigkeiten. Im Alter von fünfzig hatte fast ein Drittel der Männer mindestens einmal die Kriterien für eine Geisteskrankheit erfüllt... Der Initiator der Studie Arlie Bock zeigte sich verständnislos: 'Sie waren ganz normal, als ich sie aussuchte. Die Psychiater müssen sie aus der Bahn geworfen haben.'"

Magazinrundschau vom 21.04.2009 - The Atlantic

Simon Johnson hat für den Internationalen Währungsfonds gearbeitet und Länder wie Russland, die Ukraine und Argentinien beraten. Nun schreibt er über die Krise in den USA und muss Parallelen zu den "Emerging Markets" feststellen, die ihn für die Zukunft nichts Gutes hoffen lassen: Wie in den Schwellenländern, so schreibt Johnson, "hat die Finanzelite im Fall der USA eine zentrale Rolle für die Entstehung der Krise gespielt, mit stillschweigender Unterstützung der Regierung, bis zum unvermeidlichen Kollaps. Schlimmer noch, jetzt nutzt sie ihren Einfluss, um genau jene Reformen zu verhindern, die wir schnell brauchen, um die Wirtschaft aus ihrem Fall zu befreien. Und die Regierung scheint nicht fähig oder willens zu sein, gegen sie anzukämpfen."

Außerdem bespricht Benjamin Schwarz neue Bücher über den Nationalsozialismus, unter anderem von Richard J. Evans und Peter Fritzsche.

Magazinrundschau vom 20.01.2009 - The Atlantic

Joshua Green porträtiert den demokratischen Senator Chuck Schumer, der aggressiv die provozierende Ansicht vertritt, die Demokraten hätten die Mittelklasse zu lange vernachlässigt und sich zu sehr auf die untere Einkommensschicht konzentriert. Viele Journalisten rümpfen die Nase und halten ihn für ein politisches Leichtgewicht. "'Lemme tell you,' sagte er mit mehr als seinem üblichen Gusto, als ich ihn darauf hinwies. 'Ich hatte eine große Auseinandersetzung mit Redakteuren der New York Times, als ich darauf drängte, dass Collegegebühren steuerlich absetzbar werden. Sie schrieben ein Editorial, das verkündete, die Mittelklasse brauche das nicht. Gebt alles den Armen. Ich rief sie an und sagte: >Erstens, ihr kapiert nicht, dass jemand, der 68.000 Dollar im Jahr verdient und 20.000 Dollar Collegegebühren bezahlt, sich aufs Haar so arm fühlt wie jemand, der 22.000 Dollar verdient und keine Gebühren zahlen muss. Zweitens, wenn die Demokraten auf euch hören würden, hätten wir gerade mal 35 Sitze im Senat und ihr würdet uns dafür kritisieren, dass wir ineffektiv sind.< Diese Leute aus der - Anführungszeichen - linksliberalen Elite halten es für geradezu schlecht, der Mittelklasse helfen zu wollen.'"

Außerdem: Christopher Hitchens hat leichte Probleme mit Barack Obamas Image als "cool cat". Hua Hsu sieht das weiße Amerika in einer Identitätskrise und überlegt, wo es künftig lang gehen könnte mit der post-rassischen Gesellschaft. Andrew Curry beobachtet, wie in Erfurt zehn Teams aus Militärköchen auf einer Kaercher Futuretech Feldküche um die Meisterschaft bei der IKA/Olympiade der Köche kämpfen. Lisa Abend nimmt Baskischunterricht.

Magazinrundschau vom 09.12.2008 - The Atlantic

Wenn Barack Obama sein Amt antritt, werden die USA gut 2 Billionen Dollar (2.000.000.000.000 $) Schulden bei China haben. Gao Xiqing ist Chef der staatlichen China Investment Corporation (CIC), einem der größten Staatsfonds der Welt. Er verfügt über 200 Milliarden Dollar, 80 davon soll Gao Xiqing in ausländische Unternehmen investieren. Im Interview mit James Fallows lobt er den Pragmatismus der Amerikaner, der sie aus der Krise führen kann. Vorausgesetzt, einiges ändert sich. Dazu gehört vor allem das Gefühl der Überlegenheit, das nie angebracht ist, wie Xiqing aus der Kulturrevolution gelernt hat. "Die schlichte Wahrheit heute ist, dass Ihre Wirtschaft auf der Weltwirtschaft aufbaut. Sie baut auf der Unterstützung, der kostenlosen Unterstützung vieler Länder auf. Warum kommen Sie also nicht rüber und - ich will nicht sagen machen einen Kowtow [lacht], aber sind wenigstens nett zu den Ländern, die Ihnen Geld leihen. Sprechen Sie mit den Chinesen! Sprechen Sie mit den Leuten im Nahen Osten! Und ziehen Sie Ihre Truppen zurück ... so dass Sie Geld sparen können, statt täglich 2 Milliarden Dollar für sie auszugeben. Sagen Sie Ihren Leuten, dass sie sparen müssen, und überlegen Sie sich eine langzeitliche nachhaltige Finanzpolitik."

Im Aufmacher schreibt Henry Blodget aus einer ungewöhnlichen Perspektive über Finanzblasen: Als berühmter Aktienanalyst bei Merrill Lynch hat er während der Internetblase seine Klienten gegen die Wand gefahren und wurde vom damaligen New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer wegen Betrugs angeklagt. Die jetzige Immobilienblase hat Blodget als Journalist und Hausbesitzer erlebt und festgestellt, dass man auch zu früh aussteigen kann: Sein Haus, das er 2003 verkaufte, verdoppelte seinen Wert noch einmal, bevor die Blase platzte. "Wenn man genug Blasen erlebt hat, lernt man am Ende immerhin etwas wertvolles. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass es zwar schmerzt, zu früh auszusteigen, aber es schmerzt weniger als zu spät auszusteigen. Wichtiger noch, ich habe gelernt, dass fast all unsere gewöhnlichen Weisheiten über Finanzblasen falsch sind." Und das erklärt er dann ausführlich.

Außerdem: Benjamin Schwarz singt eine Hymne auf das "epochale" neue Buch des Oxforder Archäologen Barry Cunliffe, "Europe Between the Oceans".

Magazinrundschau vom 21.10.2008 - The Atlantic

Ausführlich und durchaus erhellend erklärt Andrew Sullivan, ehemaliger Chefredakteur von The New Republic, "warum ich blogge". Die Streitfrage, ob Blogs den langen Zeitungsartikel ersetzen werden, hält er für unnütz: Schließlich habe der Jazz auch nicht die klassische Musik ersetzt. "Tatsächlich ist dies eine goldene Zeit für den Journalismus. Die Blogosphäre hat dem Schreiben ein ganz neues Idiom hinzugefügt und eine ganze neue Generation mit der Nonfiction bekannt gemacht. Sie erlaubt Autoren auf eine Art laut nachzudenken, die es nie vorher gab. Gleichzeitig wurde ein Hunger und ein Bedürfnis nach traditionellem Schreiben freigelegt, die in einer Zeit des Fernsehens abzunehmen schienen."

Weitere Artikel: James Fallows wundert sich über die plumpe und sich selbst ein Bein stellende Selbstdarstellung der Chinesen. Warum die Flughafenkontrollen schlicht für die Katz sind, erzählt Jeffrey Goldberg, der unter anderem ohne aufzufliegen zwei Dosen Budweiser Light in einem falschen Bierbauch aus Neopren durch die Kontrolle brachte. Paul Bloom offeriert neueste Erkenntnisse zum Ich (als erste Person Plural). Sandra Tsing Loh kommentiert Dee Dee Myers Buch "Why Women Should Rule the World", "ob der Leser es will oder nicht". Christopher Hitchens, der Frenchs Biografie gelesen hat, schaudert es vor V.S. Naipaul.