Magazinrundschau - Archiv

Atlantic

238 Presseschau-Absätze - Seite 21 von 24

Magazinrundschau vom 21.04.2009 - The Atlantic

Simon Johnson hat für den Internationalen Währungsfonds gearbeitet und Länder wie Russland, die Ukraine und Argentinien beraten. Nun schreibt er über die Krise in den USA und muss Parallelen zu den "Emerging Markets" feststellen, die ihn für die Zukunft nichts Gutes hoffen lassen: Wie in den Schwellenländern, so schreibt Johnson, "hat die Finanzelite im Fall der USA eine zentrale Rolle für die Entstehung der Krise gespielt, mit stillschweigender Unterstützung der Regierung, bis zum unvermeidlichen Kollaps. Schlimmer noch, jetzt nutzt sie ihren Einfluss, um genau jene Reformen zu verhindern, die wir schnell brauchen, um die Wirtschaft aus ihrem Fall zu befreien. Und die Regierung scheint nicht fähig oder willens zu sein, gegen sie anzukämpfen."

Außerdem bespricht Benjamin Schwarz neue Bücher über den Nationalsozialismus, unter anderem von Richard J. Evans und Peter Fritzsche.

Magazinrundschau vom 20.01.2009 - The Atlantic

Joshua Green porträtiert den demokratischen Senator Chuck Schumer, der aggressiv die provozierende Ansicht vertritt, die Demokraten hätten die Mittelklasse zu lange vernachlässigt und sich zu sehr auf die untere Einkommensschicht konzentriert. Viele Journalisten rümpfen die Nase und halten ihn für ein politisches Leichtgewicht. "'Lemme tell you,' sagte er mit mehr als seinem üblichen Gusto, als ich ihn darauf hinwies. 'Ich hatte eine große Auseinandersetzung mit Redakteuren der New York Times, als ich darauf drängte, dass Collegegebühren steuerlich absetzbar werden. Sie schrieben ein Editorial, das verkündete, die Mittelklasse brauche das nicht. Gebt alles den Armen. Ich rief sie an und sagte: >Erstens, ihr kapiert nicht, dass jemand, der 68.000 Dollar im Jahr verdient und 20.000 Dollar Collegegebühren bezahlt, sich aufs Haar so arm fühlt wie jemand, der 22.000 Dollar verdient und keine Gebühren zahlen muss. Zweitens, wenn die Demokraten auf euch hören würden, hätten wir gerade mal 35 Sitze im Senat und ihr würdet uns dafür kritisieren, dass wir ineffektiv sind.< Diese Leute aus der - Anführungszeichen - linksliberalen Elite halten es für geradezu schlecht, der Mittelklasse helfen zu wollen.'"

Außerdem: Christopher Hitchens hat leichte Probleme mit Barack Obamas Image als "cool cat". Hua Hsu sieht das weiße Amerika in einer Identitätskrise und überlegt, wo es künftig lang gehen könnte mit der post-rassischen Gesellschaft. Andrew Curry beobachtet, wie in Erfurt zehn Teams aus Militärköchen auf einer Kaercher Futuretech Feldküche um die Meisterschaft bei der IKA/Olympiade der Köche kämpfen. Lisa Abend nimmt Baskischunterricht.

Magazinrundschau vom 09.12.2008 - The Atlantic

Wenn Barack Obama sein Amt antritt, werden die USA gut 2 Billionen Dollar (2.000.000.000.000 $) Schulden bei China haben. Gao Xiqing ist Chef der staatlichen China Investment Corporation (CIC), einem der größten Staatsfonds der Welt. Er verfügt über 200 Milliarden Dollar, 80 davon soll Gao Xiqing in ausländische Unternehmen investieren. Im Interview mit James Fallows lobt er den Pragmatismus der Amerikaner, der sie aus der Krise führen kann. Vorausgesetzt, einiges ändert sich. Dazu gehört vor allem das Gefühl der Überlegenheit, das nie angebracht ist, wie Xiqing aus der Kulturrevolution gelernt hat. "Die schlichte Wahrheit heute ist, dass Ihre Wirtschaft auf der Weltwirtschaft aufbaut. Sie baut auf der Unterstützung, der kostenlosen Unterstützung vieler Länder auf. Warum kommen Sie also nicht rüber und - ich will nicht sagen machen einen Kowtow [lacht], aber sind wenigstens nett zu den Ländern, die Ihnen Geld leihen. Sprechen Sie mit den Chinesen! Sprechen Sie mit den Leuten im Nahen Osten! Und ziehen Sie Ihre Truppen zurück ... so dass Sie Geld sparen können, statt täglich 2 Milliarden Dollar für sie auszugeben. Sagen Sie Ihren Leuten, dass sie sparen müssen, und überlegen Sie sich eine langzeitliche nachhaltige Finanzpolitik."

Im Aufmacher schreibt Henry Blodget aus einer ungewöhnlichen Perspektive über Finanzblasen: Als berühmter Aktienanalyst bei Merrill Lynch hat er während der Internetblase seine Klienten gegen die Wand gefahren und wurde vom damaligen New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer wegen Betrugs angeklagt. Die jetzige Immobilienblase hat Blodget als Journalist und Hausbesitzer erlebt und festgestellt, dass man auch zu früh aussteigen kann: Sein Haus, das er 2003 verkaufte, verdoppelte seinen Wert noch einmal, bevor die Blase platzte. "Wenn man genug Blasen erlebt hat, lernt man am Ende immerhin etwas wertvolles. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass es zwar schmerzt, zu früh auszusteigen, aber es schmerzt weniger als zu spät auszusteigen. Wichtiger noch, ich habe gelernt, dass fast all unsere gewöhnlichen Weisheiten über Finanzblasen falsch sind." Und das erklärt er dann ausführlich.

Außerdem: Benjamin Schwarz singt eine Hymne auf das "epochale" neue Buch des Oxforder Archäologen Barry Cunliffe, "Europe Between the Oceans".

Magazinrundschau vom 21.10.2008 - The Atlantic

Ausführlich und durchaus erhellend erklärt Andrew Sullivan, ehemaliger Chefredakteur von The New Republic, "warum ich blogge". Die Streitfrage, ob Blogs den langen Zeitungsartikel ersetzen werden, hält er für unnütz: Schließlich habe der Jazz auch nicht die klassische Musik ersetzt. "Tatsächlich ist dies eine goldene Zeit für den Journalismus. Die Blogosphäre hat dem Schreiben ein ganz neues Idiom hinzugefügt und eine ganze neue Generation mit der Nonfiction bekannt gemacht. Sie erlaubt Autoren auf eine Art laut nachzudenken, die es nie vorher gab. Gleichzeitig wurde ein Hunger und ein Bedürfnis nach traditionellem Schreiben freigelegt, die in einer Zeit des Fernsehens abzunehmen schienen."

Weitere Artikel: James Fallows wundert sich über die plumpe und sich selbst ein Bein stellende Selbstdarstellung der Chinesen. Warum die Flughafenkontrollen schlicht für die Katz sind, erzählt Jeffrey Goldberg, der unter anderem ohne aufzufliegen zwei Dosen Budweiser Light in einem falschen Bierbauch aus Neopren durch die Kontrolle brachte. Paul Bloom offeriert neueste Erkenntnisse zum Ich (als erste Person Plural). Sandra Tsing Loh kommentiert Dee Dee Myers Buch "Why Women Should Rule the World", "ob der Leser es will oder nicht". Christopher Hitchens, der Frenchs Biografie gelesen hat, schaudert es vor V.S. Naipaul.

Magazinrundschau vom 16.09.2008 - The Atlantic

Jed Perl verabschiedet Philippe de Montebello, der mit 72 Jahren in den Ruhestand geht und dessen Erfolgsrezept als Chef des New Yorker Metropolitan Museum darin bestand, das Publikum nicht zu unterschätzen. "Dies war ein goldenes Zeitalter, obwohl die staatlichen und privaten Zuwendungen schrumpften und die Überzeugung unter den Kulturkoryphäen wuchs, dass sich die Öffentlichkeit eher um die neueste Pop-Sensation scharen werde als um die Kunst der Vergangenheit. De Montebello gehörte aber nicht zu den Pessimisten. Er hielt nichts von der Idee, dass Leben und Sterben eines Museums von einigen massiv beworbenen Blockbuster- Veranstaltungen abhängt. Wie er mir im Mai sagte, operierte er unter der Maßgabe, dass 'das Publikum viel schlauer ist als andere ihm zubilligen. Die Öffentlichkeit ist intellektuell neugierig. Und die Leute wissen sehr wohl zwischen einer ernsthaften Ausstellung und reiner Augenwischerei zu unterscheiden.'"

Weiteres: James Fallows reist durch den Westen Chinas, zusammen mit zwei taiwanesischen Geschäftsmännern, die sich vorgenommen haben, diesen rückständigen Landstrich mit seinen 300 Millionen Einwohnern ins 21. Jahrhundert zu katapultieren. Benjamin Schwarz reibt sich vor Freude die Hände über Christian Landers Blog "Stuff White People Like", das die Trends im Lager progressiver weißer Mittelschichtsschichtsliberaler festhält. Große Momente der Menschheitsgeschichte fasst Eric Hanson zusammen, von Prousts erstem Asthma-Anfall über Hitlers ersten "Lohengrin" bis zu Ronald Reagans Eintritt bei den Republikanern.

Magazinrundschau vom 19.08.2008 - The Atlantic

Faszinierende Einblicke in die gescheiterte Präsidentschaftskandidaturbewerbung Hillary Clintons bietet ein Dossier, für das in erstaunlicher Offenheit das Kampagnen-Team interne Dokumente freigegeben hat. Joshua Green hat sie gelesen und erzählt die Geschichte einer völlig unerwarteten Niederlage chronologisch nach. Er fasst zusammen: "Zwei Gedanken drängten sich mir nach der ersten Lektüre auf. Der eine war, dass die Kampagne, dem äußeren Anschein zum Trotz, eine klare Strategie besaß und weit vorausgedacht war... Der zweite war: Wow, das war sogar schlimmer, als ich vermutet hatte! Selbst die zurückhaltendsten Weisen Washingtons hatten sich von Wut und fatalen Obsessionen überwältigen lassen."

Nicht weniger faszinierend sind die von Lisa Margonelli vermittelten Einblicke ins Innere der Termiten - genauer gesagt in deren dritten Darm. Dort finden sich nämlich sonst unbekannte Mikrobenarten, die können, was der Mensch bisher nur unter massivem Aufwand leisten kann: Sie zerlegen Holz in Wasserstoff. "Geben Sie einer Termite diese Seite und ihre mikrobischen Helfer werden daraus zwei Liter Wasserstoff erzeugen, genug, um damit zehn Kilometer in einem Brennstoffzell-Auto zu fahren. Wenn wir Holzabfälle auch nur mit einem Bruchteil der Termiten-Effizienz in Treibstoff verwandeln könnten, wären wir in der Lage, unsere Wirtschaft aus Sägemehl, gemähtem Rasen und alten Zeitschriften in Gang zu halten."

Außerdem: Robert D. Kaplan informiert mit Hilfe von vier amerikanischen Experten über die Situation in Burma und Christopher Hitchens bespricht einen Band mit Norman Mailers Politreportagen aus dem Jahr 1968.

Magazinrundschau vom 17.06.2008 - The Atlantic

Unaufhaltsam scheint der Niedergang der Zeitungen in den USA. Und justament in dieser finsteren Situation möchte Rupert Murdoch, von allen Seiten beargwöhnt, das von ihm aufgekaufte Wall Street Journal zur Erfolgsgeschichte machen. Mark Bowden schildert die Umstände: "Wir sind gekommen, um zu expandieren, sagte er. Er kündigt an, mit dem umgebauten Journal nicht nur die New York Times als bedeutendste überregionale Tageszeitung abzulösen, sondern daraus die erste wirklich globale Zeitung zu machen. Das wäre Musik in den Ohren eines jeden Journalisten, deshalb mischte sich auch Hoffnung unter die Befürchtungen, die den Zuhörern Murdochs bei seiner Einstandsrede anzusehen waren. Er mag furchtbar sein, aber er ist reich und furchtbar, schlau und furchtbar, mächtig und furchtbar. Und er mag wahnsinnig sein, wenn er noch an die Zukunft von Print glaubt, aber er ist entschlossen und wahnsinnig."

Unter der Überschrift "Macht Google uns dumm?" fragt Nicholas Carr sich und Experten danach, wie das Scannen und Browsen im Internet unser Textverstehen, unsere Konzentrationsfähigkeit und letztlich unser ganzes Denken verändert.

Magazinrundschau vom 25.03.2008 - The Atlantic

Ross Douthat macht in einem längeren Essay die Feststellung, dass Hollywood durch den 11. September in die siebziger Jahre zurückgeworfen wurde - keine Konvulsionen des Patriotismus, statt dessen eher Verschwörungstheorien: "In den letzten sechs Jahren hat die Filmindustrie nicht einen einzigen Majorfilm produziert, der die amerikanischen Soldaten im Irak oder in Afghanistan verherrlichte.... Konservative hatten gehofft, dass der 11. September den guten Geist der vierziger und fünfziger Jahre zurückbringen würde, in denen Pearl Harbor nachgespielt wurde, um Patriotismus und Zusammenhalt zu erzielen. Viele Linke fürchteten, dass das Schlechteste aus dieser Zeit wieder zutage treten würde, Zensur, Konformismus, McCarthyismus. Aber stattdessen machte sich ein anderes Jahrzehnt wieder breit: die paranoiden, zynischen, endzeitlichen Siebziger. Wir erwarteten John Wayne, und wir bekamen Jason Bourne... Matt Damons Bourne vereinigt die Effizienz eines James Bond mit der Politik eines Noam Chomsky."

Andere Artikel in einem überaus lesenswerten (und seit neuestem wieder online gestellten) Magazin: Da ist die Cover-Geschichte über die Britney-Spears-Jagdindustrie, auf die wir schon hingewiesen haben. Lawrence Scott Sheets porträtiert einen russischen Schmuggler, der Ihnen Stockfisch, aber auch waffenfähiges Uran besorgen kann. Und Robert D. Kaplan fragt, ob Kalkutta als Kolkata (so heißt die Stadt jetzt) eine Wiederauferstehung feiern wird.

Magazinrundschau vom 26.02.2008 - The Atlantic

Eliza Griswold erzählt die große Geschichte von Öl und Religion - und zwar aus Nigeria. Hier liegen die zehntgrößten Ölreserven der Welt und die Frontlinie zwischen Islam und evangelikalen Christen. In der Stadt Yelwa kam es bei den letzten Wahlen zu einem Massaker mit 78 Toten. "Danach gaben die Christen ein Edikt heraus, dass christlichen Mädchen verbot, sich mit einem muslimischen Jungen sehen zu lassen. 'Wir hatten ein Problem mit gemischten Ehen', sagt Pastor Sunday Wuyep, ein Kirchenführer in Yelwa. 'Weil unsere Frauen ganz einfach dumm sind und auf Geld aus sind', seufzt er. Die Ökonomie begründet im Kern die Feindschaft zwischen den beiden Gruppen: als Händler und Hirten waren die muslimischen Jarawa viel wohlhabender als die christlichen Tarok und Goemai. Aber Pastor Sunday glaubt wie viele andere auch, dass die Muslime die Christen auslöschen wollen, indem sie sie über die Heirat konvertieren lassen. 'Es ist ein biblischer Kampf', sagt Sunday. Und deshalb haben er und andere Altvorderen beschlossen, die Frauen zu bestrafen."

Weiteres: Alan Wolfe gibt einen sehr instruktiven Abriss der Religion in der Weltgeschichte: "Jeder neue Ausbruch religiöser Leidenschaft, hat, während er einige für Offenbarung und Ekstase bedeutete, etablierte Loyalitäten zerstört, Intoleranz gefördert und zu Gewalt zwischen den Auserwählten und Verdammten geführt." James Fallows berichtet, dass China während der Olympisches Spiele seine Internetzensur lockern will, so dass ausländische Besucher nicht mitbekommen, was eigentlich alles verboten oder blockiert ist. Und Christopher B. Leinberger sagt eine Rückkehr zum urbanen Leben in den USA und den Niedergang von Surburbia voraus.

Magazinrundschau vom 18.09.2007 - The Atlantic

Eigentlich ist Michael Hirschorn, wie er versichert, in Sachen "Web 2.0" ja ein Skeptiker. Den großen Erfolg des social-network-Anbieters Facebook findet er allerdings nur zu begreiflich: "Mark Zuckerberg war 23 und studierte in Harvard, als er 2004 Facebook startete. Das Konzept lief darauf hinaus, das legendäre 'Facebook' der Studienanfänger in ein digitales Format zu bringen und Studenten zu ermöglichen, nicht nur die Fotos der anderen zu sehen, sondern auch zu flirten, sich zu vernetzen und zu interagieren. Als sich die Seite auf Anhieb als populär erwies, zeigte Zuckerberg eine erstaunliche Zurückhaltung und beschloss, sie erst einmal nur für andere Colleges und nicht für jedermann zu öffnen - zuerst die Elite-Schulen, dann weitere. Diese Ausweitungsstrategie selbst war schon genial, denn sie verzichtete auf bedingungsloses Wachstum zugunsten des Aufbaus wirklicher Gemeinschaften, deren untereinander wieder vernetzte Loyalitäten sie umso fester an Facebook banden. Schließlich wurde die Community auf High-Schools ausgedehnt, dann Firmen, nun steht sie jedermann offen."