Magazinrundschau - Archiv

Atlantic

234 Presseschau-Absätze - Seite 22 von 24

Magazinrundschau vom 19.04.2004 - The Atlantic

Robert D. Kaplan, der gern von Orten berichtet, an denen viel geschossen wird, geht mit uns shoppen. Auf der Einkaufsliste: eine schusssichere Weste. Neben der Frage nach Gewicht und Material gilt es vor allem die Farbe zu bedenken: "Die Westen, die mich interessierten, gab es in schwarz, braun, graugrün, Wald-Camouflage, Wüsten- und Dreifarben-Camouflage. Schwarz war überall ausverkauft. Braun gefiel mir, weil es mich als Journalisten absetzen würde ohne zu sehr aufzufallen unter den Wüsten-Tarnanzügen der amerikanischen Truppen im Irak und Afghanistan. Wald-Camouflage ist das waldgrüne Muster, dass die US Armee in jedem Theater trägt außer im Mittleren Osten ... Ich mag Wald-Camouflage, aber graugrün wäre eine Alternative, dachte ich. Meine Entscheidung wurde noch kompliziert durch die Marines. Sie tragen Hightech-Tarnanzüge ("digital cammies") mit einem Muster, dass sich von den Wald- und Dreifarben-Mustern der anderen Dienste unterscheidet. Werden sie beleidigt sein, wenn ich wald trage?"

Weitere Artikel: Howell Raines, der Chefredakteur der New York Times, der über den Jayson Blair Skandal (mehr) stolperte, erklärt in einem langen, online leider nur auszugsweise zu lesendem Artikel, wie sich die New York Times - auch gegen Widerstände in den eigenen Reihen - modernisieren muss. Paul Maslin, persönlicher Meinungsforscher von Howard Dean, erzählt, wie Dean das Rennen gegen John Kerry verlor. Daneben gibt es ein Interview mit Maslin über Deans Wahlkampagne. Christopher Hitchens nimmt Jeffrey Meyers Somerset Maugham-Biografie zum Anlass den britischen Schriftsteller postum als "Conrad in tweeds" zu beleidigen. Und Martha Spaulding stellt den "brillanten Satiriker" John P. Marquand (1893-1960) vor.

Nur im Print: die Idee, ein Flugzeug in einen New Yorker Wolkenkratzer krachen zu lassen, hatte schon Hitler, erzählt Dieter Wulf. In der Reihe "Anarchie auf hoher See" schildert William Langewiesche den Untergang der "Estonia", die 1994 mit mehr als 850 Menschen versank (mehr hier). Außerdem gibt es einen Auszug aus der Biografie "Sarge: The Life and Times of Sargent Shriver" und - nur online - ein Interview mit dem Autor Scott Stossel. Shriver war ein charismatischer und radikaler Demokrat (er hat das Peace Corps gegründet und Johnsons "War on Poverty"-Kampagne unterstützt), hatte aber das Glück und das Pech, mit einer Kennedy verheiratet zu sein, was seine politische Karriere letztendlich entscheidend behinderte, meint Stossel.

Magazinrundschau vom 22.03.2004 - The Atlantic

Karl Marx verachtete ihn als einen "durch und durch vulgären Bourgois" im "Sold der britischen Oligarchie", Thomas Jefferson fand seinen Charakter "verdorben", Christopher Hitchens ist begeistert: von dem "reaktionären Propheten" Edmund Burke, dessen "Reflections On The Revolution In France" von 1789 in einer glänzenden Editon neu herausgegeben wurden. "War dies eine großartige und prophetische Anklage gegen revolutionären Exzess? War dies der schnöde Ekel eines Mannes, der das verachtete oder fürchtete, was er einmal als die 'schweinische Masse' bezeichnet hat? Und beinhaltete es, was man heute eine versteckte Agenda nennen würde? Die Antwort auf drei Fragen, scheint mir, ist ein eindeutiges Ja." Immerhin habe Burke bereits den Aufstieg Napoleons vorausgesehen, meint Hitchens, und seiner Huldigung an Marie Antoinette könne man mit zunehmenden Alter mehr und mehr abgewinnen.

Benjamin Schwarz empfiehlt vorbehaltlos das bereits heftig diskutierte Buch "The Birth Of The Palestinian Refugee Problem Revisited" des israelischen Historikers Benny Morris. Darin stellt Morris die Vertreibung der Palästinenser eher als realpolitische Folge des Unabhängigkeitskrieg dar, denn als ideologische Konsequenz des Zionismus. "Das Bild das sich aus dieser gewaltigen und verwickelten Geschichte ergibt, schmeichelt weder dem palästinensischen noch dem israelischen Selbstbild; und für diejenigen, die daran interessiert sind, moralische Schande zu finden, bietet das Buch eine Menge. Doch Morris' Verleumder sind so wütend, gerade weil er sich seinem Gegenstand als Realist, nicht als Moralist nähert."

Weiteres: Jonathan Ledgard ist in das afghanische Ajar Tal gereist, dem einstigen Jagdgrund von König Mohammed Zahir Shah. Nach dreiundzwanzig Jahren Krieg, berichtet Ledgard, ist kaum noch ein Schakal, Luchs oder Schneeleopard übrig. Besprochen werden ein ganzer Stapel neuer Bücher zu Sylvia Plath, die Kolumnen-Sammlung "Autumn Of The Moguls" des "bekanntermaßen verrückten" Michael Wolff und Jeffrey Massons Buch über Tierrechte "The Pig Who Sang To The Moon".

Nur in der Printausgabe zeichnet Jeffrey Rosen den US-Justizminister John Ashcroft als liebenswürdigen, bescheidenen, humorvollen Pragmatiker, der nichts zu tun habe mit dem Bild des engstirnigen, religiösen Eiferers, das sich die linke oder liberale Öffentlichkeit von ihm mache. "Wenn mich etwas überrascht hat", sagt Rosen im Interview, "dann, wie sehr er mich bezaubert hat". Und in einem ausfühlichen Essay schreibt der Philosoph Michael J. Sandel über Gentechnik, Designerkinder, bionische Athleten und das falsche Versprechen, den Körper beherrschen zu können.

Magazinrundschau vom 23.02.2004 - The Atlantic

Robert Kaplan porträtiert Colonel Tom Wilhelm, einen der neuen Militär-Diplomaten, die von den USA weltweit eingesetzt werden, um die jeweiligen Armeen eines Landes bei der Stange zu halten. Colonel Wilhelm ist eine absolut filmreife Figur - er war noch keine dreißig, als er bereits Helikopter fliegen konnte, in Alaska mit Eskimo-Scouts russische Spetsnaz aufspürte und Russisch an der Universität in Leningrad studiert hatte. Nach dem Fall der Mauer war er in Tadschikistan, Mazedonien und Bosnien. Zur Zeit ist er in Ulan Bator stationiert, wo Kaplan ihn besucht hat. Dort hilft er der mongolischen Armee, ihre Grenzen besser zu sichern, eine aktive Rolle bei Blauhelmeinsätzen zu spielen und Naturkatastrophen effektiver zu begegnen. Wilhelm ist einer von dreien ausländischen Militärattaches, die sich ständig in der Mongolei aufhalten: Außer ihm gibt es noch einen Russen und einen Chinesen. Seine Hauptaufgabe scheint es aber zu sein, die Mongolen zu lehren, die Amerikaner zu lieben, was einen amerikanischen Militärstützpunkt in der Mongolei überflüssig machen würde. Wie Wilhelm das anstellt, müssen Sie selbst lesen!

In der Titelgeschichte beschreibt Caitlin Flanagan auf mindestens dreißig Seiten, wie es amerikanischen Frauen gelungen ist, Berufstätigkeit, Familie und guten Sex unter einen Hut zu bringen. "Als hätte die gute Fee der Frauenbewegung ihren Zauberstab geschwungen, wurde das gesamte Problem gelöst. Mit der Ankunft einer billigen und leicht auszubeutenden Armee von armen, glücklosen Frauen - die vor Hunger, Krieg und Armut flohen, ihre Kinder zurückließen und dabei immer Vergewaltigung oder Tod auf ihren teuren und heimlichen Reisen fürchten mussten - kollabierte einer der nobelsten Grundsätze der zweiten Feminismus-Welle wie ein Kartenhaus. An den Docks wurden die Immigrantinnen nicht von hochorganisierten und politisch mächtigen Gruppen amerikanischer Frauen empfangen, die ihnen das Schicksal ihres Geschlechts erleichtern wollten, sondern von einer ebenso großen Armee hochgebildeter Karrierefrauen, die jemanden brauchten, der auf ihre Kinder aufpasst. Jeglicher Zweifel an der moralischen Gerechtigkeit, dass weiße Frauen dunkelhäutige Frauen beschäftigen, um ihnen die Drecksarbeit abzunehmen, verflüchtigte sich."

Weitere Artikel: In einem Kommentar blickt James Fallows besorgt auf den angestrengte Situation der US-Armee: "Es wäre eine leichte Übertreibung zu sagen, dass das gesamte US-Militär entweder im Irak ist, aus dem Irak zurückkehrt oder sich auf den Weg in den Irak macht. Aber nur eine leichte." Für amerikanische Colleges gibt es offenbar einen neuen Aufnahmetest, dessen dogmatische Regeln die Princeton Review nicht überzeugt haben. Deshalb hat sie geprüft, wie Shakespeare, Hemingway und Gertrude Stein beim Schreibtest abgeschnitten hätten. Miserabel natürlich, nur der Unabomber hätte bestanden. Außerdem sind Christopher Hitchens Hommage auf den Vater des Spionagethrillers und großen Schotten John Buchan ("Die neununddreißig Stufen") zu lesen sowie Mona Simpsons Erzählung "Dependents". Und der Historiker Christopher Browning, dessen Buch "Die Entfesselung der 'Endlösung'" nun auch auf englisch erscheint, erklärt in einem langen Gespräch, wie sich die "gewöhnlichen Deutschen" mit dem Holocaust arrangierten.

Magazinrundschau vom 12.01.2004 - The Atlantic

Das neue Atlantic Monthly ist zwar noch gar nicht online, aber wir haben bei Arts & Letters Daily bereits einen Link darauf gefunden. Kenneth M. Pollack, Autor eines Buchs, das im Vorfeld des Irak-Kriegs äußerst einflussreich war, äußert sich hier über in einem riesigen Essay zur Frage der nicht vorhandenen Massenvernichtungswaffen im Irak und der Desinformation durch die amerikanische Regierung. Seine Conclusio: "Die US-Regierung muss gegenüber der Weltöffentlichkeit eingestehen, dass sie sich über Saddams Massenvernichtungswaffen geirrt hat. Und sie muss zeigen, dass sie gewillt ist, weitreichende Maßnahmen zu ergreifen um die Probleme, die zu diesem Irrtum führten, zu korrigieren. Irak wird nicht die letzte Herausforderung der Außenpolitik sein, in der aufgrund zweideutiger Informationen Entscheidungen getroffen werden müssen." (Hier und hier Essays von Pollack über den Irak aus Foreign Affairs).

Magazinrundschau vom 19.01.2004 - The Atlantic

Atlantic Monthly präsentiert in dieser Ausgabe seinen jährlichen Bericht zur Lage der Nation. Die Redaktion ist sich einig, dass es vielen Amerikanern besser geht, als sie glauben, aber einigen schlechter, als sie wahrhaben wolle.

Der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama ("Das Ende der Geschichte") will das nation-building in Zukunft zu einer ständigen Einrichtung gemacht sehen. "Vieles hängt von unserer Fähigkeit ab, nicht nur Kriege zu gewinnen, sondern auch sich selbst tragende Demokratien und robuste marktorientierte Ökonomien aufzubauen - und zwar nicht nur in Afghanistan und Irak, sondern im gesamten Nahen Osten. Tatsache ist, dass die größte Bedrohung für uns und die Welt von schwachen, kollabierten oder gescheiterten Staaten ausgeht. Schwache oder abwesende Regierungen in Entwicklungsländern knüpfen das Netz, das Terrorismus, Flüchtlinge, Aids und globale Armut miteinander verbindet. Vor dem 11. September glaubten die USA, sie könnten das Chaos in entlegenen Gebieten wie Afghanistan ignorieren, aber die Kreuzung von religiösem Terrorismus und Massenvernichtungswaffen bedeutet, dass die einst peripheren Gebiete nun von zentraler Bedeutung sind."

Paul Starobin bemerkt eine "deutliche Erwärmung der ökonomischen, politischen und kulturellen Klimazone": Der Zorn der Amerikaner auf das Establishment wächst wieder: "Sturmreife Ziele sind das Pentagon, die Republikanische Partei, George Bush, multinationale Konzerne, der kalifornische Kfz-Steuereintreiber und der Oberste Gerichtshof von Massachusetts, der im November das Verbot von gleichgeschlechtlichen Ehen aufhob... Vielleicht ist der sensibelste Punkt jedoch die steigende Zahl von Verlusten im Irak."

Weitere Artikel: William Langewiesche findet das US-Weltraumprogramm auch ohne die neue Plänen schon viel "zu kostspielig und völlig richtungslos". Aber an der Idee, dass die menschliche Spezies in ferner Zukunft auf zwei Planeten leben kann, hält er trotzdem fest. Andrew Greeley, Priester und Soziologe, beobachtet den Aufstieg junger, reaktionärer Priester in der Katholischen Kirche, die gegen die alten Liberalen und das II. Vatikanische Konzil zu Felde ziehen. Joshua Green hat herausgefunden, dass die politischen Lager in den USA inzwischen derart polarisiert sind, dass es kaum einen Unterschied machen wird, welcher Demokrat gegen George Bush antreten wird. Und Christopher Hitchens schreibt in der gebotenen Länge über Proust.

Auf den Artikel von Kenneth M. Pollack, in dem der einstige Kriegsbefürworter mit der Regierung Bush und den nicht vorhandenen Massenvernichtungswaffen abrechnet, haben wir schon in unserer vorigen Magazinrundschau verwiesen. Hier noch einmal der Link zum Text.

Magazinrundschau vom 24.11.2003 - The Atlantic

Stephen King bekommt einen der National Book Awards, Deserteure der US-Armee werden nicht mehr belangt, und Männer dürfen braune Schuhe nach 18 Uhr tragen - es gelten einfach keine Standards mehr, seufzt Cullen Murphy, der dies alles ertragen kann, solange wenigstens an einigen Regeln festgehalten wird, darunter: Frauen und Kinder zuerst. Employees must wash hands before returning to work. Und immer, wirklich immer, lautet die korrekte Antwort: Liebling, Du siehst toll aus.

"Nach Dostojewski und kurz vor Arthur Koestler, aber zeitgleich mit Owell und Kafka und im Vorgriff auf Solschenizyn, da war Victor Serge", schreibt Christopher Hitchens in einer Huldigung des russischen Dichters, der mit "Der Fall des Genossen Tulajew" einen der "marxistischsten Romane aller Zeiten" geschrieben hat - und zwar 1948 in Orenburg, in der Ural-Sektion des Archipel Gulag. Marxistisch deshalb, meint Hitchens, weil Serge "ebenso gnadenlos auf das Unentrinnbare besteht wie er auf die Lebendigkeit der menschlichen Natur".

Weiteres: George Soros, früher Spekulant, heute Philanthrop, fühlt sich von der amerikanischen Vorherrschaft a la Bush schwer an die New Economy erinnert: Alles eine Frage der Zeit, bis die Luftblase platzt. Sidney J. Freedberg porträtiert den amerikanischen Vier-Sterne-General John Abizaid, der nun das Kommando für den Nahen und Mittleren Osten führt und zumindest in Computer-Simulationen sehr erfolgreich in Low-Intensity-Kriegen war. Von Lavanya Sankaran ist die Kurzgeschichte "The Red Carpet" zu lesen. Besprochen werden das Remake von "The Stepford Wives" mit Nicole Kidman, die letzten und besten Gedichte von W.B. Yeats und Bücher Michael J. Silverstein und James B. Twitchell über die absolute Notwendigkeit von Luxus.

Nur im Print stellt Jonathan Rauch fest, dass der Kommnunismus die "tödlichste aller Fantasien" der Menschheitsgeschichte war, dies aber niemanden zu kümmern scheint. Und Douglas Brinkley blickt auf die Vietnam-Erlebnisse von Senator John F. Kerry.

Magazinrundschau vom 20.10.2003 - The Atlantic

Nicht online lesen dürfen wir William Langewiesches große Reportage über den letzten Flug der Columbia oder James Manns Erinnerung an den jungen Donald Rumsfeld. Online gestellt ist ein Interview mit Mann, in dem er beschreibt, wie sich Rumsfeld von einer Taube zum Falken entwickelt hat. Online gestellt ist außerdem die ganze letzte Ausgabe! Darunter eine große Reportage von Mary Anne Weaver über die Frage, wer in Ägypten, dem bevölkerungsreichsten und wichtigsten arabischen Land, die Nachfolge des 75-jährigen Mubarak antreten könnte. Und ein Text von Mark Bowden über die "Dunkle Kunst des Verhörs", kurz: die Folter.

Aus der neuen Ausgabe: Philip Jenkins porträtiert den Erzbischof von Nigeria, Peter Jasper Akinola, auf den laut Jenkins alle Augen der anglikanischen Kirche gerichtet sind. Akinola hatte jüngst die Überlegungen der Kirche, schwule Lebensgemeinschaften unter Priestern zu erlauben, als "satanischen Angriff auf Gottes Kirche" verdammt: "Selbst in der Welt von Tieren, von Hunden, Kühen und Löwen, hören wir nichts on derartigen Dingen." Schön findet Jenkins das nicht, zeigt aber trotzdem Verständnis. "Wenn die anglikanische Gemeinde schwule Priester und Lebensgemeinschaften akzeptierte, würden die Muslime in Nigeria einen enormen Propaganda-Sieg davontragen - und in Dutzenden von anderen afrikanischen Ländern, in denen Christen und Muslime um Gläubige buhlen, oft mit Gewalt."

Ebenfalls im Netz ist der große Report über das Zulassungssystem der amerikanischen Colleges, bekanntlich der wichtigste "Kampfplatz im brutalen Wettkampf um Prestige". Dazu beschreibt James Fallows das große Chaos an den Unis, Don Peck erzählt, wie die Ablehnungszahlen der Unis zum allgemeinen Fetisch geworden sind. Nicholas Confessore bezweifelt Sinn und Zweck von Rankings.

Christopher Hitchens erläutert uns anhand von Fred Kaplans "The Singular Mark Twain" (Auszug), wie man eine Biografie nicht schreiben sollte. Caitlin Flanagan hat von Rachel Safier erfahren, wie man eine Hochzeit absagt und dabei Haltung und Gesicht wahrt. Besprochen werden außerdem Shirley Hazzards erstes Buch seit 23 Jahren, der meisterliche Roman "The Great Fire" (Auszug), eine neue Ausgabe von John Updikes frühen Erzählungen "The Early Stories 1953-1975", Peter Careys neuer Roman "My Life as a Fake" und eine erste militärgeschichtliche Studie zum Irakkrieg von Williamson Murray und Major General Robert H. Scales Jr.

Magazinrundschau vom 22.09.2003 - The Atlantic

Zumindest so lange er noch zögerte, galt Wesley Clark als Traumkandidat der Demokraten für das Präsidentenamt und auch für Joshua Green, der doch recht beeindruckt ist vom ehemaligen Vier-Sterne-General, Nato-Oberbefehlshaber, Kriegsheld und Rhodes-Stipendiat. "Drahtig und selbstsicher, mit gepflegtem grauen Haar, tritt er wie jemand auf, der es gewohnt ist, Verantwortung zu tragen. Hinter einem Pult oder im Fernsehen wird dies nicht so deutlich, doch persönlich ist er von solcher Spannung, dass man fürchten muss, bei Berührung einen elektrischen Schlag zu bekommen." (Übrigens hatte der Filmemacher Michael Moore - wahrlich kein Konservativer - kürzlich in einem offenen Brief Clark aufgefordert, bei den Präsidentschaftswahlen gegen George W. Bush zu kandidieren. Die FAZ am Sonntag hatte den Brief abgedruckt. Hier das Original. Und hier ein Link zur Seite der Clark-Anhänger.)

Warum es tatsächlich eine gute Idee ist, als politischer Außenseiter ins Rennen um die Präsidentschaft zu gehen, erklärt David Brooks: "In den vergangenen vier Jahrzehnten haben 49 Kongress-Mitglieder für das Präsidentenamt kandidiert. Alle haben verloren."

Wenn die Umweltschützer es nur zuließen, könnte Gentechnik in den nächsten fünfzig die meisten Probleme der Erde lösen, ist Jonathan Rauch überzeugt, der im folgenden auf zehn Seiten die Segnungen der Gentechnik besingt (ganze drei Zeilen sind den Risiken und Einwänden vorbehalten): "Die Produktion von Nahrung wird sich in den nächsten Dekaden verdoppeln, möglicherweise verdreifachen müssen. Selbst wenn die Produktion mit konventioneller Technologie derart gesteigert werden könnte, was zweifelhaft ist, wäre die nötige Menge an Pestiziden, Düngemittel und anderen schädlichen Chemikalien immens." Gentechnik dagegen könnte den Anbau ergiebiger machen, die Abholzung der Regenwälder und Savannen aufhalten, die Wasserverschmutzung beenden, den Boden fruchtbar halten, und und und, weswegen Rauch sogar einen Ausblick wagt: "In spätestens zehn Jahren werden amerikanische Unweltschützer (die europäischen sind dogmatischer) Gentechnik als ihr wirksamstes Mittel ansehen."

Angeregt von Peter Ackroyds "Albion" versucht Christopher Hitchens, das Bild des rätselhaften Engländers zu erklären: "Die Engländer haben nicht ganz zu unrecht den Ruf, robust und nüchtern zu sein, auch wenn sie sich vor allem in der Poesie ausgezeichnet haben. Sie werden für schüchtern, zurückgezogen und - besonders von Hollywood - für geziert bis verweichlicht gehalten, auch wenn bisher wenige Menschen eine erschreckendere und mitleidlosere Begabung zur Gewalt gezeigt haben. Ihre Vorliebe für Blumen und Tiere ist ein national wie international gern gemachter Witz, auch wenn es keinerlei Beweis für eine ähnliche Zärtlichkeit gegenüber, sagen wir, der nationalen Küche gibt. Von ihrem Naturell her sind sie egalitär und demokratisch, sogar populistisch, auch wenn sich der Kult um Aristokratie und Hierarchie erschreckend hartnäckig hält."

Harte Worte findet Benjamin Schwarz für Joan Didions neues Kalifornien-Buch "Where I was from", er findet es selbstgefällig und langweilig und Didion klar auf dem absteigenden Ast.

Nur im Print: Mark Bowden großer Report "The Dark Art of Interrogation"über die, nun ja, verschärften Verhörtechniken, die im Kampf um Informationen und gegen den Terror neuerdings in den USA angewendet werden; Mary Anne Weaver Suche nach einem Nachfolger für Ägyptens Präsident Mubarak und James Shreeves Porträt des TV-Schimpansen Oliver.

Magazinrundschau vom 18.08.2003 - The Atlantic

In einem ungefähr zwanzigseitigen Report führt James Fallows vor Augen, wie sich die Regierung Bush daran macht, die amerikanischen Medien in eine neue Ära zu führen, und zwar in eine des puren Kommerz. Anti-Trust-Gesetze werden gelockert und die Verpflichtung auf das öffentliche Interesse aufgehoben. Lichtgestalt dieses Zeitalters ist natürlich Rupert Murdoch, dem - zur Erinnerung - der Fernsehsender Fox News, die 20th Century Fox Studios, 35 lokale Fernsehstationen, die "New York Post", "The Weekly Standard", "HarperCollins", die Londoner "Times", "The Sun", Satelliten-Systeme in England und Asien ebenso gehören wie die Los Angeles Dodgers (hier der Link zu seinem Imperium). "Vieles sehen ihn als machtversessen, habgierigen, vulgären Reaktionär. Tatsächlich hat Rupert Murdoch unermüdlich daran gearbeitet, sein einzigartiges, weltumspannendes Medien-Netzwerk aufzubauen. Doch was ihn wirklich treibt, ist nicht Ideologie, sondern ein kaltes Gewinnkalkül - und die Überzeugung, dass die Medien wie jedes andere Geschäft behandelt werden sollten, nicht als nahezu heiliges öffentliches Gut. Die Bush-Regierung stimmt darin mit ihm überein. Rubert Murdoch hat die Zukunft gesehen. Und sie gehört ihm."

Eigentlich wäre der kosmopolitische, in Jerusalem und Kairo aufgewachsene, an amerikanischen Elite-Universitäten ausgebildete Edward Said der ideale Mann, um eine Brücke zwischen Orient und Okzident zu schlagen, findet Christopher Hitchens (mehr hier). Nur, warum tut er es nicht? Hitchens hat bei dieser Frage die Neuauflage von berühmtem Buch "Orientalism" im Blick, in der Said weiterhin jegliches Eingreifen des Westen in der islamischen Welt für illegitim erklärt. "Dies wäre gerade noch haltbar, wenn nicht andererseits islamistische Eingriffe in das westliche Leben ein solch wichtiges Moment geworden wären. Als 'Orientalism' zum ersten Mal publiziert wurde, war der Schah noch der Wächter des amerikanischen Kapitals im Iran, und seine Herrschaft war so exorbitant grausam und korrupt, dass Millionen säkularer Iraner willig waren, eine - wie sie meinten - vorübergehende Allianz mit Khomeini einzugehen, um ihn loszuwerden. Heute reichern die iranischen Mullahs Uran an und gewähren flüchtigen Bin Ladens Unterschlupf (die nebenbei ihre Schia-Glaubensgenossen in Afghanistan und Pakistan abschlachteten), während Studenten in Teheran mit amerikanischen Protestparolen ihr Leben riskieren."

Weitere Artikel: Patrick Buchanan stellt rein rhetorisch die "question du jour", ob nämlich George Bush bei den Wahlen 2004 geschlagen werden könnte. Natürlich nicht, und schon gar nicht von den Demokraten. Caitlin Flanagan entdeckt ihre Bewunderung für die gute alte Hausfrau. Jetzt liest sie heimlich "The Settlement Cook Book: The Way to a Man's Heart" und weist nebenbei auf einen interessanten Widerspruch hin: Dass Hollywood nämlich nicht müde wird, die GIs des Zweiten Weltkriegs zu verherrlichen, während es gleichzeitig die Ehemänner der Fünfziger verteufelt - als wären dies nicht dieselben Männer.

Besprochen werden Charles Baxter's neuer Roman "Saul and Patsy", die Biografie der Komikerin Lucille Ball "Ball of Fire" sowie Maile Meloys Debüt "Liars and Saints". Außerdem gibt es wie immer Gedichte von John Updike, Stanley Plumly und W. S. Merwin sowie eine Kurzgeschichte von Elizabeth Stuckey-French zu lesen.

Nur im Print: William Langewiesches großer Report über die Anarchie auf den Meeren, wo Nationen, Schiffseigner und Piraten ihr Unwesen treiben.

Magazinrundschau vom 30.06.2003 - The Atlantic

Alberto R. Gonzales gilt weithin als George Bushs Kandidat für den nächsten freiwerdenden Sitz im Obersten Gerichtshof. Der Mann hat eine Vorgeschichte: Gonzales, heute Berater des Weißen Hauses, schrieb in seiner Zeit als Staatsanwalt von Texas die Memoranden (einige sind hier zu lesen), aufgrund derer Gouverneur George W. Bush die Gnadengesuche von 150 Todeskandidaten ablehnte. Alan Berlow beschreibt einige dieser Fälle, zum Beispiel die Hinrichtung Terry Washingtons, ein wegen Mordes verurteilter geistig behinderter Mann, der den Verstand eines Siebenjährigen hatte. Am Ende seines Artikels erklärt Berlow: "Bei der Zusammenfassung der Fälle Terry Washington, David Stoker und Billy Gardner machte Gonzales Gouverneur Bush nicht darauf aufmerksam, dass unwirksame Verteidigung, essentielle Strafmilderungsgründe und sogar Zweifel an der Schuld des Angeklagten eine Verurteilung bedenklich machten. Dies waren alles Fragen von Leben und Tod, die eine gründliche Erklärung und Diskussion erfordert hätten, die kein Staatsanwalt in Gonzales' Position hätte auslassen dürfen ... In einem Staat, in dem sich die Strafjustiz mit gut-dokumentierter Regelmäßigkeit irrt, war dies ein schwerwiegender Fehler."

Weitere Artikel: David Brooks fragt, ob Tony Blair das ist, was Bill Clinton immer werden wollte: der Welt größter Baby Boomer. Mitglieder des politikwissenschaftlichen Rand-Instituts zeigen zehn Konflikte auf, die für die internationale Sicherheit ein großes Problem darstellen und trotzdem kaum Beachtung finden, etwa der israelische Grenzzaun, die Kluft zwischen Hindus und Moslems in Indien, Aids und Kindersoldaten in Afrika, und und und. Für Christopher Hitchens zeigt Sidney Blumenthals "The Clinton Wars", mit welch seltsamer Mischung aus Zynismus und Naivität all die Berater, Redenschreiber und Spin Doctors in Washington agieren. Außerdem zu lesen die Kurzgeschichte "Love Me" von Garrison Keillor sowie Gedichte von Robert Bly, Patricia Clark und John Skoyles.

Leider nicht im Netz zu lesen ist die Titelgeschichte, in der Robert D. Kaplan erklärt, wie das amerikanische Imperium am geschicktesten die Welt beherrschen kann. Zehn Regeln stellt er dafür auf, die auch in einem Online-Interview nachzulesen sind: "1. Produce More Joppolos. 2. Stay on the Move. 3. Emulate Second-Century Rome. 4. Use the Military to Promote Democracy. 5. Be Light and Lethal. 6. Bring Back the Old Rules. 7. Remember the Philippines. 8. The Mission is Everything. 9. Fight on Every Front. 10. Speak Victorian, Think Pagan."

Außerdem nur im Print: David Quammen beschreibt die Abschlachtung der Braunbären in Rumänien unter Nicolae Ceausescu. Adam Bellow singt ein Loblied auf den "guten" Nepotismus. Und Seth Gitell untersucht, wie die Demokraten zur Reform der staatlichen Finanzierung von Wahlkampagnen stehen.