Magazinrundschau - Archiv

Eurozine

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Magazinrundschau vom 26.01.2026 - Eurozine

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Hanna Nordenhök unterhält sich mit drei wichtigen Autoren aus Mexiko: Fernanda Melchor, Luis Jorge Boone and Emiliano Monge ist gemeinsam, dass sie in ihren Büchern auf Kinder als Ich-Erzähler zurückgreifen - eine Technik, die in der mexikanischen Literatur Tradition hat, wie wir lesen. Warum hat die kindliche Perspektive ein Comeback? In Melchors Romanen spielt beispielsweise die Sichtweise seelisch versehrter Kinder eine große Rolle. Nicht nur in ihrem Roman "Die Saison der Wirbelstürme" geht es um ein junges Mädchen, Norma, das sexuellem Missbrauch ausgesetzt ist. Melchor beschreibt hier eine toxische "Verwechslung" von Erwachsensein und Kindlichkeit, die sie auch auf die mexikanische Gesellschaft überträgt. Norma ist ein Kind, das "in Bezug auf eine kindische Erwachsenenwelt 'parentifiziert' wird. Norma's Mutter ist nicht die Erwachsene, sie ist ein Kind, das trinkt und Männern hinterherläuft, und Norma bleibt mit der Verantwortung für ihre Geschwister zurück. Ihr Stiefvater, der sie missbraucht, hat die gleiche Tendenz. In der mexikanischen Gesellschaft ist diese Infantilisierung der Erwachsenenwelt ein soziales und damit politisches Problem. Mexikaner lieben es, sich Autoritäten zu unterwerfen, weil wir ein angeborenes Bedürfnis haben, Kinder zu sein. Und ein Erwachsener, der ein Kind sein muss, ist jemand, dessen Bedürfnisse zu dem Zeitpunkt, als sie erfüllt werden sollten, nicht erfüllt wurden. Es gibt eine unerfüllte Sehnsucht nach Zärtlichkeit, eine Sehnsucht, die von anderen infantilen Erwachsenen korrumpiert wurde. Populistische Führer machen sich dieses Bedürfnis natürlich zunutze. 'Unterwirf dich mir, und alle deine Probleme werden verschwinden.' Für jemanden, der seit Generationen verletzt wurde, ist dieses Versprechen sehr verlockend."

Magazinrundschau vom 13.01.2026 - Eurozine

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Oxana Gherman stellt in einem ursprünglich bei New Eastern Europe erschienenen Artikel zeitgenössische Literatur aus Moldau vor. Die sowjetische Herrschaft lastet immer noch als Trauma auf den Moldauern, so Gherman, deshalb kreisen auch viele neuere Romane um individuelle Erfahrungen unter dem Sowjet-Regime. So zum Beispiel Tatiana Țîbuleacs 2018 erschienener Roman "Grădina de sticlă" ("Der gläserne Garten"), der "das menschliche Schicksal in einem der schmerzhaftesten Kapitel der Geschichte der Republik Moldau schildert. In ihrer Geschichte verwebt Țîbuleac persönliches Leid mit dem kollektiven Trauma eines Landes, das einem Experiment der Identitätsauslöschung ausgesetzt war. Die Protagonistin ist ein verlassenes Kind, das von einer Russin aus Chișinău adoptiert wurde. Zunächst scheint alles gut zu laufen: Das Mädchen findet Geborgenheit und ein menschenwürdiges Leben. Doch vom ersten Tag an wird ihr der Name genommen und sie erhält einen neuen - Lastochka (russisch für Schwalbe). Lastochkas wahre Identität bleibt im gesamten Roman unbekannt. Nach und nach wird sie zu einem Objekt, einem Besitz ihrer Adoptivmutter, degradiert und zur Knechtschaft gezwungen. Erst später erfährt sie, dass sie genau zu diesem Zweck aus dem Waisenhaus gekauft wurde. Die schmerzhaftesten Erlebnisse im Roman drehen sich um das Erlernen der russischen Sprache - einer Sprache, die Tamara, die Adoptivmutter, als prestigeträchtig und unverzichtbar betrachtet. Für Lastochka wird dieser Prozess zur Tortur. Was sie anfangs fasziniert, wandelt sich bald in etwas, das sie abstößt. Die russische Sprache wird ihr durch Demütigung und Gewalt aufgezwungen. Sie erträgt den Albtraum, unter Zwang eine Fremdsprache zu erlernen. Als sie sich weigert, Russisch zu sprechen, wird sie brutal bestraft. Die Frage der Sprache, die in einer Reihe tief bewegender Episoden dargestellt wird, weitet sich allmählich zu einer umfassenderen Auseinandersetzung mit Macht, Identität und Zugehörigkeit aus."

Magazinrundschau vom 06.01.2026 - Eurozine

Im Interview mit Mirjana Tomić gibt der bulgarische Politiologe Ivan Krastev einen Ausblick darauf, was 2026 politisch wichtig werden könnte. So viele konkrete Vorhersagen möchte er gar nicht machen, es sind vor allem drei wichtige Ereignisse, die das politische Klima bestimmen werden, glaubt er: Die Aussicht auf eine Art Waffenstillstand, von Frieden möchte er nicht sprechen, in der Ukraine, die Mid-Term-Wahlen in den USA, aber auch die Wahlen in Ungarn im April. "Diese werden aus vielen Gründen für Europa von entscheidender Bedeutung sein. Die ungarische Regierung spielt in der neuen politischen Konstellation Europas eine sehr wichtige Rolle, in der Präsident Trump sehr deutlich gemacht hat, dass er bestimmte politische Präferenzen und politische Freunde hat. Herr Orbán ist nicht nur Trumps ältester Freund in Europa, sondern meiner Meinung nach auch der strategisch wichtigste Verbündete. Ein Großteil der intellektuellen, finanziellen und institutionellen Infrastruktur der europäischen extremen Rechten hat ihren Sitz in Ungarn. Ihre wichtigsten Beziehungen zur amerikanischen MAGA-Bewegung laufen über ungarische Kanäle. Wenn Orbán die Wahl gewinnt, wird dies die Trump-freundliche Rechte in Europa konsolidieren und Auswirkungen auf andere Länder haben. Wenn Orbán verliert - und das wäre natürlich eine der Ironien der Geschichte -, würde dies in der 'Orbán-Ära der extremen Rechten' in Europa geschehen. Aber die Geschichte ist bekannt für ihren Sinn für Humor. Wir sollten diese Möglichkeit also nicht unterschätzen. Es könnte in beide Richtungen gehen."
Stichwörter: Krastev, Ivan

Magazinrundschau vom 15.12.2025 - Eurozine

Afra Wang untersucht, wie sich das Bild Chinas in den USA ändert. Galt das Land früher als weniger entwickelt und den USA unterlegen, wächst die Bewunderung, vor allem bei jungen Menschen: "Manchmal verflacht diese Naivität China zu einem glänzenden Idealbild, ignoriert Widersprüche und übersieht die Kosten. Auf TikTok und Instagram präsentiert sich China als schillerndes Spektakel: Drohnen formen dreidimensionale Gebilde über Chongqing, Magnetschwebebahnen gleiten in Zeitlupe dahin, Fabriken produzieren Elektroauto-Komponenten in rasender Geschwindigkeit, und die Straßenmode der Nachtmärkte von Chengdu ist allgegenwärtig. Der Sinofuturismus, einst ein von Lawrence Lek geprägter Begriff der Kunstwelt, hat sich zu einer Massenästhetik entwickelt. Er ist heute die visuelle Standardsprache, durch die Millionen von Westlern China wahrnehmen." Doch "diese Bewunderung für China entspringt auch der Krise Amerikas. Vor einigen Monaten hörte ich den Ökonomen Daron Acemoglu auf einer Veranstaltung in London erklären, dass liberale Demokratien sowohl an Zahl als auch an Legitimität verlieren. Junge Menschen zweifeln zunehmend am demokratischen Modell, und die Sympathie für autoritäre Alternativen hat sich von den Rändern in die Mitte verlagert. Antiliberale Ideen gewinnen an Einfluss. In einer postindustriellen Wirtschaft, die von Automatisierung, digitaler Technologie und Globalisierung geprägt ist, hat Amerikas Verlustgefühl China auf seltsame Weise anziehend gemacht. Der Politikwissenschaftler Rory Truex von der Princeton University formulierte es drastischer: Amerika erlebt eine Aushöhlung der Demokratie (...) Die Ironie ist offensichtlich: Truex hat seine Karriere der Erforschung des chinesischen Autoritarismus gewidmet und analysiert nun ähnliche autokratische Muster im eigenen Land."

Magazinrundschau vom 02.12.2025 - Eurozine

Woher kommt die Russland-Liebe der Italiener? Eine IPSOS-Umfrage aus dem Jahr 2025 zeigt, "dass die Unterstützung für die Ukraine in Italien in den letzten dreieinhalb Jahren stark zurückgegangen ist, von 57 Prozent im Jahr 2022 auf 32 Prozent im Jahr 2025", berichtet Aleksej Tilman. Eine aktuelle SWG-Umfrage zeige außerdem, "dass 41 Prozent der Befragten der Meinung waren, dass Italien aufhören sollte, Waffen an die Ukraine zu schicken. Unterdessen erklärten elf Prozent der Befragten ihre Unterstützung für Russland." Der unkritische Blick der Italiener auf Russland ist einerseits historisch bedingt, immerhin war die PCI, die kommunistische Partei Italiens, einst die größte kommunistische Partei Westeuropas, erklärt Tilman. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine ging die italienische Unterstützung für Russland in der Bevölkerung zwar stark zurück, doch blieb eine kleine politische Minderheit, die sich mit der Zeit wieder Gehör verschaffte: "Die offene Unterstützung für Russland nahm erheblich ab und blieb größtenteils auf die äußerste Linke und die äußerste Rechte des politischen Spektrums beschränkt. Dies zeigte sich deutlich an einer Vielzahl kleiner politischer Bewegungen, Medienunternehmen und Kulturorganisationen, die allgemein als 'Rossobruni' (ein Kunstwort aus Rot, das den Kommunismus repräsentiert, und Braun wie die Braunhemden, die erste paramilitärische Gruppe der Nazis) bezeichnet wurden. Eine dieser Gruppen ist dafür verantwortlich, dass im Jahr 2024 in italienischen Städten Hunderte von pro-russischen Werbetafeln aufgehängt werden. Gleichzeitig kam es in den ersten Tagen der Invasion zu einer Welle 'pazifistischer' Proteste, die Menschen unter dem Motto 'weder Russland noch die NATO' zusammenbrachten. Anders als die Antikriegsbewegung von 2003, die den amerikanischen Imperialismus im Irak eindeutig verurteilte, haben diese Proteste Russland selten für seine Aggression angeprangert, sondern stattdessen eine neutrale Haltung eingenommen. Wie sich dieser allgemeine Friedensruf in einen gerechten Frieden für die Ukraine umsetzt, bleibt unklar."
Stichwörter: Italien, Russland, Ukrainekrieg

Magazinrundschau vom 25.11.2025 - Eurozine

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Im Interview mit der ehemaligen Kriegsberichterstatterin Mirjana Tomić, unterhalten sich die russischen Investigativjournalisten Andrei Soldatov und Irina Borogan, die beide von russischen Behörden zu "ausländischen Agenten" erklärt wurden, über ihr neues Buch "Our Dear Friends in Moscow: The Inside Story of a Broken Generation". Sie beschäftigen sich darin mit einigen ihrer ehemaligen Kollegen, mit denen es vor allem während der Proteste in Moskau im Jahr 2011 wegen der mutmaßlichen Wahlfälschungen bei den Parlamentswahlen zum Bruch kam, wie Soldatov erklärt: "Um wen geht es also? Die meisten von uns lernten sich in der politischen Redaktion der Iswestija kennen. Da war zum Beispiel Petya Akopov, ein sehr intelligenter Mann, er war ein Freigeist, der sich stets für ungewöhnliche Dinge begeisterte. Er sammelte beispielsweise nordkoreanische Briefmarken und besaß eine riesige Bibliothek, die hauptsächlich Bücher über Nordkorea und China enthielt - er kannte sich in diesen Ländern bestens aus (...) Doch unsere Trennung verlief dramatisch. Ich würde sagen, der Moment, in dem wir begriffen, dass wir nicht mehr miteinander reden konnten, war während der Moskauer Proteste, als Akopov eine Liste von 'Volksfeinden' veröffentlichte. Uns allen war 2011 klar: Wer auf so einer Liste steht, hat ein Problem. Es gab bereits eine Liste von Journalisten, die in Russland angegriffen und getötet worden waren. Sie war 2011 schon recht lang, und Akopov setzte unsere Namen darauf. Ja, er hat sie geschrieben und weiterverbreitet. Mit unseren Namen darauf. Es war eine so persönliche Sache geworden, dass wir dachten, es sei unmöglich, darüber zu sprechen. Aber für das Buch haben wir den Kontakt zu den meisten dieser Menschen wiederhergestellt. Akopov war bereit, stundenlang mit uns zu sprechen. Das Buch ist das Ergebnis dieser Gespräche, unserer Erinnerungen und unserer Erkenntnisse über die 25 Jahre, die Russland durchgemacht hat."

Magazinrundschau vom 11.11.2025 - Eurozine

In einem ausführlichen und sehr lesenswerten Interview unterhält sich Misha Glenny, Rektor des Imperial War Museum, mit dem Historiker Gary Gerstle über die USA, ihre Geschichte und natürlich über Donald Trump. Gerstle argumentiert, dass für dessen Siegeszug der wirtschaftliche Niedergang der Arbeiterklasse mitverantwortlich ist: "Diese verlor nicht nur ihre rassistische Vorherrschaft, sondern auch ihre Arbeitsplätze. Trump versteht, dass der Wohlstand der Arbeiterklasse in den 1950er und 1960er Jahren auf der Industrie und den damit verbundenen Einkommen beruhte." Diese erodierten - bedingt durch den Neoliberalismus, so Gerstle, peu a peu, und in den ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts dann "erlebten junge und mittelalte weiße Männer in Amerika eine demografische Umkehrung, die bis dahin nirgendwo sonst in der nordatlantischen Welt stattgefunden hatte, außer in Kriegszeiten: Ihre Sterblichkeitsrate stieg sprunghaft an. ... Warum? Alkoholismus, Drogen, Selbstmord. Was einige Ökonomen als 'Todesfälle aus Verzweiflung' bezeichnet haben. Die Familien und Freunde dieser verstorbenen Männer gehörten zu den leidenschaftlichsten Anhängern von Trump." In einer Rede, die Trump 2016 vor Stahlarbeitern im Westen Pennsylvanias hielt, stellt Gerstle Erstaunliches fest: "Wenn man nicht wüsste, wer die Rede hält, könnte man nicht sagen, ob es Donald Trump oder Bernie Sanders ist. Trump und Sanders waren sich in dieser Hinsicht sehr ähnlich: Sie gaben einem Teil Amerikas eine Stimme, der seine Chancen verloren hatte und sich dessen bewusst war. Viele von Trumps Anhängern hatten zudem das Gefühl, dass ihre Chancen durch die Kampagnen für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Minderheiten, die Obama ins Weiße Haus gebracht hatten, geschmälert worden waren. All das geschieht gleichzeitig. Und genau das macht Trumps Wahlkampf - der meiner Meinung nach in seinem Wirtschaftsprogramm durchaus berechtigte Elemente enthält - so vergiftet und schädlich. Das Gefühl, dass Weiße das Nachsehen haben, weil People of Color profitieren."

Magazinrundschau vom 04.11.2025 - Eurozine

"Seit 2022 hat Russland mehr als 1.550 Kulturdenkmäler und 2.380 kulturelle Einrichtungen, darunter Bibliotheken, Museen und Theater, in der gesamten Ukraine beschädigt oder zerstört", ruft Yegor Mostovshikov in Erinnerung. Und so geht es weiter: "Die russischen Behörden rekonstruieren zerstörte Museen und integrieren sie in die umfassendere Russifizierungsstrategie. In den ersten Kriegstagen in Mariupol entführten und folterten Russen Museumsmitarbeiter, bis einige von ihnen kollaborierten. Heute haben die Behörden für die meisten Museen der Region neue Direktoren ernannt, die seither Partnerschaften mit verschiedenen Institutionen in ganz Russland geschlossen, an russischen Veranstaltungen teilgenommen, russische Auszeichnungen erhalten und im staatlichen Fernsehen gesprochen haben. Das zerstörte Heimatmuseum beispielsweise wurde wiederaufgebaut und beherbergt nun Exponate der russischen Nationalgarde. In den ersten anderthalb Jahren der Besatzung hatten die Behörden bereits mehr als 50 Ausstellungen in den besetzten Gebieten realisiert. Der Staat hat in den besetzten Gebieten auch neue Museen eingerichtet, die den russischen Kosaken, russischen Ikonen, den sowjetischen Donbass-Bergleuten und dem Widerstand im Zweiten Weltkrieg gewidmet sind."
Stichwörter: Ukrainekrieg, Russifizierung

Magazinrundschau vom 07.10.2025 - Eurozine

Wokeness hat eindeutig Vorzüge, wenn es darum geht, "ethnischen Minderheiten den Zugang zur Literatur zu erleichtern, Plattformen für LGBTQIA+-Aktivitäten zu sichern und bestimmte andere unterrepräsentierte Gruppen zu erreichen", meint der walisische Ökonom und Autor Simon Brooks in einem Essay für die Zeitschrift O'r Pedwar Gwynt, den Eurozine ins Englische übersetzt hat. Ein Problem gibt es allerdings für Minderheiten, die andere Minderheiten beherbergen, wie zum Beispiel die walisische Kultur, die oft als weißer Kolonisator mit den Engländern in einem Topf landet, obwohl sie selbst in der britischen Gesellschaft eine Minderheit ist. Die Iren haben das irgendwie besser hingekriegt, meint Brooks: "Vielleicht sollte sich der Kunstsektor in Wales fragen, warum derzeit die irischsprachige Kultur weltweit Beachtung findet und nicht die walisischsprachige Kultur. Die Band Kneecap hat mit ihren republikanischen Anti-Establishment-Botschaften auf Irisch unglaublichen Erfolg gehabt ... Eines der Ziele von Kneecap ist es, Kulturpolitik aus einer irischsprachigen statt aus einer anglophonen Perspektive zu interpretieren. Kneecap vergleicht irischsprachige Menschen mit denen, die unter 'Imperialismus und Kolonialismus' gelitten haben, und zieht direkte Parallelen zwischen irischsprachigen Menschen und den Ureinwohnern Amerikas und Australiens. In Wales wäre es unmöglich, dass eine solche Band Erfolg hätte. Sie würde 'gecancelt' werden, weil sie andeutet, dass Wales kolonisiert worden sein könnte, und der Vergleich mit den Ureinwohnern würde zu Vorwürfen der kulturellen Aneignung führen. ... Es ist auch möglich, dass die negative Haltung der Woke-Bewegung gegenüber der walisischen Diaspora (Fremdenfeindlichkeit, die ich als Londoner Waliser, der in einer walisischsprachigen Familie außerhalb von Wales aufgewachsen ist, selbst erlebt habe) darauf zurückzuführen ist, dass diese Diaspora als eine Art ethnische Minderheit angesehen werden könnte, die nicht auf der Rasse basiert. Nicht alle Minderheiten konnten von der Woke-Bewegung profitieren, und tatsächlich hat sich die Situation einiger Minderheitengruppen durch die anglophone Woke-Ideologie verschlechtert."

Magazinrundschau vom 15.09.2025 - Eurozine

Der polnische Kriegsberichterstatter Marcin Ogdowski mahnt im Gespräch mit Michal Sutowski von der polnischen Zeitschrift Krytyka Polityczna, angesichts des Eindringens russischer Drohnen in den polnischen Luftraum nicht gleich in Panik auszubrechen. Eine persönliche Gefahr für polnische Bürger bestehe bisher nicht. Dennoch müsse die polnische Regierung Sicherheitsmaßnahmen ergreifen: "Wir müssen noch etwas lernen. In der Ukraine werden Informationen über russische Raketen oder Drohnen in der Luft über elektronische Geräte an die Zivilbevölkerung weitergeleitet. Am häufigsten werden Apps verwendet, die die Menschen über ihr Smartphone warnen, wenn sich etwas nähert. Wir befinden uns nicht im Krieg, daher haben wir dieses System nicht. Aber vielleicht ist es an der Zeit, solche Lösungen einzuführen, damit die Bevölkerung in Echtzeit über Bedrohungen informiert wird. ... Die beste Vorgehensweise, auch nach dem heutigen Angriff, ist es, die Ukraine stärker zu unterstützen. Dort wird die russische Kriegsmaschinerie zermürbt. Polen sollte sich auch mit Hilfe der alliierten Streitkräfte um den Aufbau eines robusteren Luftabwehrsystems kümmern. Dieser Schutzschild, obwohl hier stationiert, sollte auch die Westukraine abdecken. Einfach gesagt: Wir sollten russische Drohnen und Raketen abschießen, bevor sie in den polnischen Luftraum eindringen."

Pioneer F/G Plaque: Pioneer 10 the first spacecraft to leave our solar system carries a message to other worlds. The plaque was designed by Drs. Carl Sagan and Frank Drake, the artwork was prepared by Linda Salzman Sagan. Image from NASA Ames Research Centre via Wikimedia Commons

Jess Thomson berichtet im New Humanist über die ungleiche Repräsentation der Geschlechter bei der US Raumfahrtbehörde NASA. Besonders geht er auf einen Fall in den 1970er Jahren ein, wo entschieden wurde, unter anderem eine Abbildung eines nackten Mannes und einer nackten Frau mit der Pioneer-Raumsonde ins Weltall zu schicken, für den Fall, dass die Raumsonde von außerirdischen Leben entdeckt werde. Die Nacktheit löste einigen Protest aus. "Die Ironie dabei war, dass diese Nacktbilder bereits einem Zensurprozess unterzogen worden waren, bevor sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Während die männliche Figur auf der Pioneer-Plakette anatomisch korrekt ist und einen normal aussehenden Penis zwischen den Beinen hat, fehlt der weiblichen Figur etwas Kleines, aber Entscheidendes. Konkret hat die weibliche Figur keine Schamspalte - mit anderen Worten, keine 'Öffnung' an der Vorderseite der Vulva, wo sich die großen Schamlippen trennen. (…) Es mag nicht weiter schlimm erscheinen, dieses kleine Detail auf der Pioneer-Plakette zensiert zu haben, aber es gab einen guten Grund, warum alle Designentscheidungen lange und sorgfältig abgewogen wurden. Für unseren hypothetischen Außerirdischen, der das Bild ohne Kontext betrachtet, erhöht jede Auslassung die Wahrscheinlichkeit falscher Schlussfolgerungen. Die männliche und weibliche Figur wurden ansonsten sorgfältig entworfen, um die Grundlagen der menschlichen Biologie klar und genau zu vermitteln."
Stichwörter: Nasa, Außerirdische, Polen, Russland, Nato