Magazinrundschau - Archiv

Eurozine

191 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 20

Magazinrundschau vom 11.06.2019 - Eurozine

Die von außen kaum nachzuvollziehende Angst der osteuropäischen Länder vor Flüchtlingen oder Immigration, lässt sich leichter verstehen, wenn man ein sehr viel seltener thematisiertes Phänomen in den Blick nimmt, schreiben Stephen Holmes und Ivan Krastev in einem langen Essay: den ungeheuren Bevölkerungsschwund dieser Länder (inklusive den Neuen Ländern in Deutschland) nach 1989. Lettland hat seit 1989 27 Prozent seiner Bevölkerung verloren, über 3,4 Millionen Rumänen verließen seit 2007 ihr Land. Die Zahl der Osteuropäer, die nach Westen zogen, übersteigt die Zahl der Flüchtlinge bei weitem. Hinzu kommt eine riesige Angst vor Diversität, die mit historischen Traumata zu tun hat: "Osteuropa war vor hundert Jahren der ethnisch vielfältigste Teil des Kontinents, heute ist es unglaublich homogen…", aber die aktivsten Teile der Bevölkerung verlassen die Länder nach wie vor: "In ganz Europa sind die Gebiete mit den größten Bevölkerungsverlusten am ehesten geneigt, rechtspopulistisch zu stimmen. Auch dies legt nahe, dass die illiberale Wende in Mitteleuropa zutiefst mit dem Massenexodus besonders junger Menschen und demografischen Ängsten verknüpft ist."

Außerdem: Brücken können nicht nur verbinden, sie können auch trennen, schreibt der ukrainische Autor Mykola Riabchuk, der sich gegen die Vorstellung wehrt, man müsse zu den Russen "Brücken bauen", um eine Verständigung zu erreichen: Eine neue Betonung der Nähe zu Russland, würde im Gegenteil Gräben innnerhalb der Ukraine aufreißen. "Das Argument, dass Künstler, die nach Moskau reisen, nicht für Putin, sondern für das gute russische Volk auftreten, klingt für mich so merkwürdig, als würde man sagen, dass die Künstler im Zweiten Weltkrieg in Berlin hätten auftreten sollen."

Magazinrundschau vom 28.05.2019 - Eurozine

In Nigeria gilt der Feminismus noch immer weithin als westlicher Angriff auf die afrikanische Kultur. In einem furchtbar hölzern geschriebenen, aber durchaus interessanten Text diskutiert Yemisi Akinbobola die Frage, wie männliche Widerstände gegen die Selbstermächtigung von Frauen ausgetrickst werden können. Sie rät zum neoliberalen Feminismus: "Der neoliberale Feminismus zielt nicht auf den Wandel von Kultur oder Gesellschaft, sondern auf einen der individuellen Lebensumstände, auf eine unternehmerisch ermächtigende Weise. Dies kann durchaus sinnvoll sein in einem Land wie Nigeria, wo die Beschäftigung niedrig und Armut groß ist und Unternehmertum de facto einen Ausweg darstellt. Alles, was die Selfmade-Mentalität befördert, was Frauen ermächtigt, rauszugehen und für sich Gelegenheiten zu schaffen, sollte vielleicht als Möglichkeit betrachtet werden, die Ungläubigen zu bekehren. Der neoliberale Feminismus stellt nicht den Status quo in Frage; er fordert das Individuum auf, sich selbst zu helfen. Und wenn er in einen Kontext allgemeinen Empowerments gestellt wird, nicht nur der Frauen, dann wird es für Männer schwierig zu rechtfertigen, warum sie Frauen weiterhin Hindernisse in den Weg legen. Das Geschäft wird zu einem Argument, dem sie sich nicht entgegenstellen können. In Nigeria die Aussicht auf ökonomischen Erfolg zu verstellen, ist ein Luxus, den sich die wenigsten leisten können."

Donald Trump hat die Realität in einen Zirkus verwandelt, in Karneval und Spektakel, getreu dem Motto seines Wahlkampfmanagers Roger Stone: "Politik ist Show-Business für Hässliche." Bei einer Lüge ertappt zu werden, stört ihn nicht. Anna-Karin Selberg erinnert das an Hanna Arendts Begriff von der modernen politischen Lüge, die nicht darin besteht, dass sie Realität leugnet, sondern sie transformiert. Wie Arendt in den "Ursprüngen und Elementen totaler Herrschaft" schrieb, ist es ein Merkmal des Totalitarismus, die Lüge in eine organisierte fiktive Welt zu verwandeln, eine alternative Realität: "Die Gefahr der modernen Lüge besteht nicht darin, dass sie historische Fakten verzerrt, sondern dass sie das gesamte faktische Gewebe auflöst und damit eine Geschichte der politischen Anfänge ersetzt durch eine alternative Geschichte, die diese zerstört. Das historische Gewebe, das 'spontan' zwischen Menschen entsteht, wird ersetzt durch eine organisierte, fiktive Realität: 'Der Unterschied zwischen der traditionellen und der modernen Lüge besteht im Unterschied zwischen dem Verbergen und dem Zerstören von Realität.'"

Magazinrundschau vom 24.04.2019 - Eurozine

Der weiße Mann, über den sich die Stokowskis dieser Welt so gern echauffieren, ist der Verlierer der Geschichte, zumindest in den ärmeren Schichten der Bevölkerung, sagt Francis Fukuyama in einer kleinen Rede, die sehr schön seinen aktuellen Diskurs über Identitätspolitiken der Linken und Rechten resümiert. Ökonomisch hatte er in den letzten Jahrzehnten durch die Globalisierung das Nachsehen, und von der modernen Dienstleistungsgesellschaft profitieren eher Frauen, sagt Fukuyama. So konnte der Identitätsdiskurs, den die populistische Rechte von den linken Emanzipationsbewegungen abgekupfert hat, bei diesen Bevölkerungsgruppen auf fruchtbaren Boden fallen. Dass dies geschehen konnte, so Fukuyama, hat nicht nur mit Fake News und Extremismus zu tun, sondern auch mit Tatsachen: "Dies wird nachvollziehbarer, wenn Sie sich ansehen, was in den USA mit der weißen Arbeiterklasse geschehen ist, die zu einem großen Teil der schwarzen Arbeiterklasse in eine Art soziales Chaos folgte. Unter gering qualifizierten weißen Arbeitern ist die Zahl alleinerziehender Familien stark gestiegen, es gibt einen Anstieg der Kriminalitätsraten in armen weißen Vierteln und eine Opioid-Epidemie, die über 70.000 Amerikaner im letzten Jahr tötete und die Lebenserwartung weißer Männer in den letzten Jahren senkte. Es ist also kaum zu leugnen, dass es diesen Leuten in gewisser Hinsicht extrem schlecht geht."
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Magazinrundschau vom 09.04.2019 - Eurozine

Alain Caillé ist - nach Marcel Mauss und Lewis Hyde - ein Soziologe der "Gabe". Aurore Chaillou und Martin Monti-Lalaubie führen mit ihm ein anregendes Gespräch, das ursprünglich in der Revue Projet erschien - unter anderem sieht er die Aktualität von Identitätsdiskursen darin, dass unsere Gesellschaft nicht mehr eine des "Habens", sondern des "Seins" sei. Anerkennung laufe über Identität. Auch über das Geben hat er interessante Dinge zu sagen, und mehr noch übers Nehmen. Wenn er sagt, dass die eigentliche Kunst sei, ein Geschenk anzunehmen, klingt er fast wie ein kluger Knigge. Wer eine Gabe bekomme, sei von vornherein in der Position der Schwäche. Und  "man muss recht stark sein, um seine Schwäche oder den Anschein der Schwäche zu akzeptieren. Man könnte sagen, dass der eigentlich Schenkende derjenige ist, der einwilligt, ein Geschenk anzunehmen und anzuerkennen, dass das, was er bekommen hat, ein Geschenk ist und keine Verpflichtung. Denn die Annahme und Anerkennung macht aus dem Geschenk ein Geschenk. Ohne das ist es kein Geschenk. Hier ein banales Beispiel: Es ist üblich, wenn man irgendwo eingeladen ist, etwas mitzubringen (eine Flasche Wein, ein Dessert, Blumen). Mich verdrießt das. Es ist so, als müsstest du von vornherein zum Tausch antreten."

Magazinrundschau vom 26.03.2019 - Eurozine

Vielleicht sollten wir aufhören, eine gemeinsame historische Ursache für den Aufstieg des Populismus zu suchen, überlegt die amerikanische Historikerin Holly Case. Was könnte geschichtlich auch die Länder verbinden, in denen Viktor Orbán, Jaroslaw Kaczyński, Donald Trump und Jair Bolsonaro an die Macht gekommen sind? Globalisierung, Kapitalismus oder die Moderne könnten vielleicht das Warum erklären, nicht aber das Warum jetzt? Umgekehrt werde ein Schuh draus, glaubt Case. Die Populisten verbindet die gemeinsame politische Strategie, die es erforderlich mache, die Geschichte umzudeuten: "Um zu erklären, was er mit illiberaler Demokratie meine, sagte Orbán: 'Illiberale Demokratie ist, wenn die Liberalen nicht gewinnen.' In seiner Ansprache zum Ende des Jahres 2006 bemerkte er genüsslich, dass alle, die dachten, die liberale Weltordnung sei unveränderbar', dass sich die Annahme, 'die Nationen sind am am Ende und können mit ihren Anhängern ins Museum wandern', als falsch erwiesen habe. Die Geschichte sei 1989 nicht an ihr Ende gelangt, schloss er, 'sie hat eine scharfe Wendung genommen, brach durch durch die sorgsam konstruierten Absperrungen und verließ den Pfad, der für sie vorgesehen war.' 1989 funktioniert nur als die Stunde Null des Liberalismus, die Ereignisse, die Francis Fukuyamas 'Ende der Geschichte' beflügelten. Wenn Orbán vorhatte, den Liberalismus zu unterminieren, dann musste er 1989 entsorgen."

Magazinrundschau vom 12.03.2019 - Eurozine

Agata Araszkiewicz und Agata Czarnacka blicken in einem aus Esprit übernommen Text auf die Situation der Frauen in Polen, die sich nicht erst unter der nationalkonservativen PiS-Regierung gravierend verschlechtert hat: "Tatsächlich sind die politischen Auseinandersetzungen um Frauenrechte das wichtigste Merkmal der polnischen Transformation. Die Transformation - in Bezug auf individuelle Rechte und bürgerliche Freiheiten, vor allem über den eigenen Körper - basierte in der Hauptsache auf zwei Entscheidungen: Die Religion in die Schule zurückzubringen und Abtreibungen zu verbieten, die in den 42 Jahren der Volksrepublik von 1947 bis 1989 voll zugänglich war. Die Frauenrechte auf dem Altar eines Nichtangriffspakts mit der Kirche zu opfern, die ein wichtiger sozialer Akteur im Kampf für Demokratie unter dem Kommunismus war, wurde zu einem Wesenszug der polnischen Modernisierung. Wie schon die Kulturtheoretiker Jan Sowa und Przemysław Czapliński schrieben, wird die Modernisierung häufig als infrastrukturelle oder technologische Verbesserung verstanden, ohne von einem fortschrittlichen Verständnis der Menschenrechte begleitet zu sein (vor allem nicht der Rechte von Frauen und Minderheiten). Die Freiheit des Einzelnen verkümmert - moralisch und exitenziell."

Außerdem: Man könnte zwar glatt glauben, dass viele Russen, Ungarn und Polen gerade ganz verrückt nach Abschottung in jeder Richtung sind, doch Julia Sonnevend meint, dass jedem Osteuropäer eine Art postsowjetische Angst vor Grenzen und Autoritäten in die DNS geschrieben sei.

Magazinrundschau vom 26.02.2019 - Eurozine

In einem aus der albanischen Zeitschrift Symbol übernommenen Interview mit Ag Apolloni spricht der spanische Schriftsteller Javier Cercas über seine Romane ohne Fiktion, die Dämonen der Geschichte und wie die spanische Literatur eine lateinamerikanische wurde: "Spanien hat keine substanzielle Romantradition - verglichen mit der englischen oder der französischen -, wir haben Cervantes, der nahezu ein Wunder war, nicht nur weil er den modernen Roman mehr oder weniger aus dem Nichts schuf, sondern auch weil er ihn praktisch ausschöpfte, wir finden im 'Don Quixote' in embryonischer Form alle oder fast alle zukunftigen Möglichkeiten der Gattung ... Zum Glück ist meine Tradition nicht Spanien, sondern, neben dem Universalen natürlich, das Spanische. Das heißt, dass der Argentinier Borges zu meiner Tradition gehört, der Mexikaner Rulfo und der Kolumbianer Garcia Márquez, denn sie alle schreiben in meiner Sprache. Ich halte mich für daher für ziemlich privilegiert, die narrative Tradition des Spanischen ist durch die lateinamerikanischen Erzähler im zwanzigsten Jahrhundert unermesslich bereichert worden. Tatsächlich haben ja erst diese großen Schriftsteller - angefangen bei Borges, der für mich der größte überhaupt ist - das spanische Erzählen so herausragend gemacht haben wie es zuvor nur unter Cervantes war." Cercas sagt auch, dass die "Garantie für das Überleben des Romans in seiner eigenen Natur liegt, einer Natur, die endlos frei, formbar, anpassungsfähig ist, was bedeutet, dass sich der Roman kontinuierlich verändern kann, während er gleichzeitig von anderen Formen genährt wird. In der Tat kann man die Geschichte des Romans so lesen: Mit Balzac assimilierte er die Geschichte, mit Flaubert die Poesie, mit den großen deutschen Schriftstellern der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts den Essay, und in letzter Zeit scheint es, als wolle er den Journalismus assimilieren, usw. Das ist der Roman: ein allesfressendes, mutierendes Monster, das sich verändert, wenn es andere Genres assimiliert, und seine eigenen Grenzen erweitert. Man sagte mir, meine Romane hätten etwas von Chroniken, von Philosophie, von Geschichte, von Biographie, von Autobiographie, und das ist alles wahr, aber es liegt eben daran, dass der Roman von sich aus das Miteinander der Genres zulässt, die sich dann gegenseitig nähren."

Magazinrundschau vom 19.02.2019 - Eurozine

Eurozine bringt eine geraffte Version der Democracy Lecture, die Richard Sennett für die Blätter für deutsche und internationale Politik gehalten hat. Sennetts Vortrag war ein großes Plädoyer für die offene Stadt und gegen geschlossene Systeme, für Komplexität und gegen Klarheit, für Inklusion und gegen Schönheit. Vor allem huldigt er einer Stadt, in der Menschen anders sein können, nicht im "netten liberalen Sinne" anders, sondern richtig, verstörend anders: "Das Geschlossene zeigt sich heute vor allem darin, dass Menschen nicht mehr glauben, mit Komplexität klarzukommen, mit Unterschieden, mit Menschen, die man nicht mag, und Situationen, die man nicht kennt. Diese Unfähigkeit, mit Abweichungen klarzukommen kommt einer kapitalistischen Ökonomie zugute, die davon profitiert, dass die Leute nur noch wollen, was bequem und gewohnt ist. Ich will gar nicht über Facebook sprechen, aber es ist offensichtlich, dass Facebook ein System der Geschlossenheit ist, mit seiner davon profitierenden Vampir-Technologie. Städte können für Menschen eine Schule sein, sich kompetenter zu fühlen. Gerade wegen ihrer Komplexität ermöglichen Städte den Menschen, die in ihnen leben, sich kompetenter zu fühlen, klarzukommen, nicht gleich die Fassung zu verlieren, wenn man einen Schwarzen, einen Flüchtling auf der Straße sieht. Ein Großteil unserer politischen Probleme resultiert aus diesem Zusammenwirken von einem ersehnten Rückzug und einer Ökonomie, die aus der Personalisierung Kapital schlägt, aus der Bequemlichkeit, aus der leichten Bedienbarkeit. Nutzerfreundlichkeit ist eine schreckliche, wirklich schreckliche Idee. Nutzerfreundlichkeit bedeutet, dass man keine Stimulation bekommt. Eine Stadt sollte nicht benutzerfreundlich sein. Sie sollte in Ort sein, an dem man lernt, mit schwierigen Situationen und mit anderen Menschen umzugehen - das macht sie offen."

Magazinrundschau vom 29.01.2019 - Eurozine

Open Democray setzt seine Recherchen in Sachen Brexit-Finanzierung fort. Einer der wichtigsten Geldgeber von Nigel Farrages Leave.EU-Kampagne war Arron Banks, der mit seinen Geldern in den britischen Steueroasen großes Interesse daran hat, der ach so regelungswütigen EU zu entkommen. Aber auch die Vote.Leave-Kampagne der Regierung hatte recht undurchsichtige Geldquellen, wie Adam Ramsay berichtet. Einer führt über die nordirische DUP und den recht schillernden Vizevorsitzenden der schottischen Konservativen, Richard Cook: "Wir fanden heraus, dass Richard Cook 2013 eine Firma mit Nawwaf bin Abdulaziz al Saud gegründet hatte, dem früheren Chef des saudi-arabischen Geheimdienstes, und einem Mann namens Peter Haestrup, der zugab, 1995 Hunderte von Kalaschnikows an Hindu-Terroristen nach Westbengalen geliefert zu haben - auch wenn er auf Verbindungen zum Geheimdienst hindeutet und meinem Kollegen Peter Geoghegan gegenüber erklärte, dass er 'diesmal auf der richtigen Seite' stehe. Wir wissen, dass Cook, während er angeblich im Recycling-Geschäft war, von den britischen Behörden die illegale Verschiebung von 250 Tonnen alter Autoreifen vorgeworfen wurde, die mit falschen Papieren versehen und einfach in Indien abgeladen worden waren. Wir wissen, dass er vor einem kalifornischen Gericht stand, weil er wegen offener Rechnungen in Höhe von 1,5 Millionen Dollar gegenüber einer internationalen Transportfirma vor Gericht stand. Wir wissen, dass eine seiner Firmen, die Konkurs ging und den britischen Steuerbehörden 150.000 Pfund schuldig blieb, auf einer Bank in Kambodscha fünf Millionen in Gold hortet. Und da die BBC unsere Recherchen aufgegriffen hat, wissen wir jetzt auch, dass die Hunderte Tonnen ukrainischer Eisenbahnschienen nie existiert haben, die er zusammen mit einem überführten deutschen Betrüger recycelt haben will. Die Wahlkommission sollte eigentlich wissen, woher das Bargeld der DUP kommt und behauptet, dies auch zu tun, aber nicht preisgeben zu dürfen. Doch jüngste Dokumente lassen daran Zweifel aufkommen. Ihre Nachforschungen scheinen sich darauf beschränkt zu haben, Richard Cook zu fragen, woher er das Geld hat und ihm seine Antworten zu glauben."
Stichwörter: Brexit-Kampagnen, Brexit

Magazinrundschau vom 18.12.2018 - Eurozine

Andrej Soldatow ist ein investigativer russischer Journalist, Mitbegründer des Blogs Agentura.ru, das sich mit russischen Geheimdiensten befasst. Er erzählt in einem Originalbeitrag für Eurozine die Geschichte des Internets in Russland seit den frühen Neunzigern, die auch eine Geschichte des Missbrauchs des Internets ist. Seine These ist, dass das frühe Internet bessere Empfehlungsmechanismen über Vertrauen hatte, während es im Zeitalter der sozialen Medien nur noch über die Menge der "Shares" läuft. Auch der Privilegierung seriöser Medien, die Facebook gegen Fake News einzusetzen behauptet, traut er nicht: "Das Konzept des öffentlichen Vertrauens ist so stark beschädigt, dass solche Versuche auch nichts mehr verändern. Wer würde denn heute Facebook noch glauben, dass es hinreichend ehrlich, intelligent und transparent ist, um Medien richtig zu hierarchisieren? Und warum sollte man die Entscheidung über die Hierarchisierung Facebook überlassen? Noch wichtiger ist aber die Feststellung, dass diese Methode keine Antwort auf die Frage bietet, was zu tun ist, wenn Millionen Menschen Fake News oder Beleidigungen weiterleiten. Die Vox Populi kann nicht ignoriert oder verboten werden, auch nicht ihr hässlicher Teil. Und in der schönen neuen Welt kann sie auch rein technisch nicht aus dem Internet entfernt werden."