Magazinrundschau - Archiv

Eurozine

222 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 23

Magazinrundschau vom 13.07.2021 - Eurozine

Die Grenzen verschieben sich, beobachten Marie-Eve Loiselle und Ayelet Shachar in einem dystopisch anmutenden Report über die neuen Möglichkeiten der Bio-Überwachung und künstlicher Intelligenz: "Im Gegensatz zu einer physischen Barriere ist die sich verschiebende Grenze in Raum und Zeit nicht fixiert; sie besteht aus rechtlichen Portalen, digitalen Überwachungswerkzeugen und KI-gestützter Risikobewertung anstelle von gemauerten Wällen. Die schwarzen Linien, die wir in Atlanten finden, stimmen nicht mehr mit den beweglichen Schaltstellen der Migrationskontrolle überein. Stattdessen verlagern die Regierungen die Grenze sowohl nach außen als auch nach innen und gewinnen dadurch enorme Kapazitäten zur Regulierung und Verfolgung von Personen, bevor und nachdem sie ihr gewünschtes Ziel erreicht haben. Die flexiblen Tentakel der sich verschiebenden Grenze wurden bis vor kurzem vor allem zur Überwachung von Menschen auf der Flucht vor Armut und Instabilität eingesetzt. Heute befindet sich jeder, auch Bürger reicher Demokratien, potenziell in ihrem immer weiter ausgedehnten Fängen."

Magazinrundschau vom 06.07.2021 - Eurozine

Im aktuellen Heft diskutieren die ungarische Schriftstellerin Zsófia Bán, die britische Schriftstellerin A. L. Kennedy und die BBC-Journalistin Rosie Goldsmith die Rolle der Literatur und der Intellektuellen in der politischen und gesellschaftlichen Öffentlichkeit heute, auch in Anbetracht der Pandemie. Die Frage, ob die Neubewertung von kulturellen Institutionen, eine gute Sache sei, beantwortet Bàn so: "Für die Ungarn ist es eine Art Deja-vu, weil wir diese Zeit der post-politischen Transition bereits hinter uns haben. Denkmäler fielen, Straßen wurden umbenannt etc., wieder und wieder. Schaut man sich die ungarische Geschichte an, scheint alles von Zeit zu Zeit verändert und neu bedacht werden zu müssen. Das letzte Mal geschah es in radikaler Weise nach dem Ersten Weltkrieg, nachdem 600 000 jüdische Mitbürger von den Nazis und den Ungarn ermordet worden waren. Etwas, das nicht sehr gründlich aufgearbeitet wurde. Dieser Prozess dauert an. Auch bei der Zensur gibt es das Gefühl des Deja-vu, auch wenn heute viel subtiler vorgegangen wird, durch Gelder und Veröffentlichung beziehungsweise Nichtveröffentlichung. Ungarische Schriftsteller haben eine gewisse Fähigkeit entwickelt, damit umzugehen. Für britische oder amerikanische Autoren könnte es schwieriger werden." Und Kennedy ergänzt: "Wir haben keine Zeit für Depression. Wir sind am Leben, nicht im Knast. Allerdings: Die Unterstützung schwindet, das trifft vor allem die Ärmeren. Es gibt so viele Autoren und Künstler, die nicht mal die Steuern bezahlen können, was sie wieder von Förderungen ausschließt. Künstler sind weiter darauf angewiesen, sich selbst zu finanzieren. Aber wir sind nicht an einem Punkt, wo die Leute verhungern. Wir werden möglicherweise eine ganze Generation verlieren, viele Leute verlassen das Land."

Magazinrundschau vom 18.05.2021 - Eurozine

Die Ukraine hat Russland um sein europäisches Selbstbild gebracht, stellt Igor Torbakow fest. Denn wenn Russland tatsächlich zu Europa gehörte, hätte es der Ukraine nicht ebensolche Avancen verwehren können. Mehr und mehr greife Moskau daher auf strategische Konzepte zurück, die das insulare Russland beschwören, und bleibe somit eine Bedrohung für seine Nachbarn, fürchtet Torbakow: "Was die Werte betrifft, ist die Kluft zwischen Moskau und dem Westen real. Nach dreihundert Jahren 'europäischer Lehrzeit', kehrt Russland nach Hause und akzeptiert seine kulturelle Einzigartigkeit (eine Synthese aus byzantinischem Erbe und Goldener Horde) ebenso wie den ihm eigenen autoritären Politikstil. Es wird sich nicht mehr in eine fremde kulturelle Identität, also den westlichen Liberalismus, pressen lassen, den die USA und die EU Moskau aufzwängen wollen, wie etwa Dmitry Trenin meint, langjähriger Direktor des Carnegie Moscow Center. Die derzeitige Konfrontation sei ein zwangsläufiges Ergebnis der westlichen Agrressivität und Ruslands Weigerung, dieser nachzugeben - im Gegensatz zu seinem unterwürfigen Verhalten in den späten Achtzigern, als Russland, damals noch im sowjetischen Gewand, den Kalten Krieg verlor. Trenin und ähnlich gestrickte Analysten in Moskau lassen die Aussichten kurz- und mittelfristig eher düster erscheinen, denn der hybride Krieg, in den Russland und der Westen momentan verstrickt sind, wird sich nicht so schnell beenden lassen."
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Magazinrundschau vom 20.04.2021 - Eurozine

Neben Mykola Riabchuck letzte Woche (unser Resümee) befassen sich zwei weitere bei Eurozine mit der brennenden Frage, wo Mitteleuropa denn nun liegt: Da, wo einige postsowjetische europäische Staaten es gerne hätten, oder da, wo Milan Kundera es in seinem Essay "A Kidnapped West or the tragedy of central Europe" von 1983 sehen wollte? Für Eurozines Chefredakteur Reka Kinga Papp liegt es ohne Frage in Österreich, wie er hier schreibt. Auch für den irischen Journalisten Enda O'Doherty ist Kunderas geografische Orientierung höchst strittig: "Auf Kunderas mentaler Landkarte ist der Osten schlecht, Russland vor allem, und der Westen (meist) gut, aber das Zentrum ist nicht, wie man annehmen mag, irgendwo dazwischen, sondern dehnt sich auf einer höheren Ebene und repräsentiert oder antizipiert, was ein ideales Europa sein sollte oder hätte sein sein sollen … Diese Vision eines großen pluralistischen, toleranten, multinationalen Staates in Mitteleuropa wurde tatsächlich unwahrscheinlich, nachdem der letzte Habsburger Kaiser Karl 1919 ins Exil gedrängt worden war, oder sogar fünf Jahre früher, als Franz Ferdinand in Sarajevo getötet wurde. Dennoch hatte die Vision ein Nachleben in den Köpfen liberaler 'Österreich-Ungarn', die machtlos dem Aufstieg eines neuen Turbonationalismus in den 1920ern und 30ern zusehen mussten. Das Jahr, in dem Kundera seinen Text schrieb, war eines verstärkter Spannungen zwischen Ost und West … Kundera war der Meinung, dass die Furcht, von Reagans USA verschluckt zu werden, vor allem in den kleinen StaatenMitteleuropas spürbar war, die damit Erfahrung hatten. In diesem Sinne erschien ihm das Schicksal der Region als Vorwegnahme des europäischen Schicksals. Als Heimat kleiner Staaten, so Kundera, hatte Mitteleuropa seine eigene Vorstellung von der Welt, eine, die der Geschichte sehr skeptisch gegenüberstand."

Magazinrundschau vom 16.03.2021 - Eurozine

Ähnlich nüchtern wie Françoise Daucé in La Vie des Idees (siehe oben) schildert die polnische Osteuropahistorikerin Maria Domańska die Lage in Russland. Auch sie beobachtet, dass Putin, nachdem die mobilisierende Kraft seines Regimes verlorengegangen ist und die Wirtschaftskraft beständig sinkt, vor allem auf Manipulationen des Wahlsystems und auf Repression zurückgreift. Das völlig marode Wahlsystem soll bei den Parlamentswahlen im September (einige Tage vor den deutschen Wahlen) die erwünschte Zweidrittelmehrheit für Putin produzieren. "Die Behörden haben also alle Werkzeuge geschaffen, um die Wahl zu manipulieren, offiziell gefälschte Ergebnisse zu verkünden und mögliche soziale Proteste zu unterdrücken. Abgesehen von Repressionen werden sie den gesamten Verwaltungsapparat einsetzen, um die loyale Wählerschaft zu mobilisieren und gleichzeitig Regimegegner von der Stimmabgabe abzuhalten... Angestellte des öffentlichen Dienstes werden gezwungen, für die vom Kreml unterstützten Kandidaten zu stimmen; andere notwendige Stimmen werden durch die zusätzliche Gewährung von Sozialhilfe gekauft, die in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise dringend benötigt wird."

Magazinrundschau vom 23.02.2021 - Eurozine

Dass Alexei Nawalny zu zweieinhalb Jahren Lagerhaft verurteilt wurde, ist in den Augen der russischen Bürgerrechtlerin Olga Romanowa alles andere als "beispiellos", sondern sehr typisch für die zur Farce verkommene Justiz und das Lagersystem, in dem in sowjetischer Manier Verurteilte untergebracht werden, die keine Kapitalverbrechen begangen haben. Das erzählt Romanowa im Interview mit Osteuropa, das Eurozine auf Englisch bringt: "Der GULag war ein feuerspeiender, blutrünstiger Drache, der die Menschen bei lebendigem Leibe verspeiste. Hundert Jahre sind vergangen, der Drache ist alt geworden und hat kein Feuer mehr, seine Krallen sind abgestumpft, und er hat nicht mehr so viel Appetit wie früher. Er sieht mehr aus wie eine alt gewordene Raupe. Aber es ist noch derselbe Drache. Er lebt immer noch. Das gegenwärtige Strafvollzugssystem in Russland ist niemals - ich betone: niemals - grundlegend reformiert worden. Das Äußerste, was noch unter dem damaligen Geheimdienstchef Lawrenti Beria erfolgte, war, dass das Strafvollzugssystem nicht mehr den Tschekisten oder der Polizei untersteht, sondern ins Justizministerium eingegliedert wurde. Das ist alles. Auch heute wird das Strafvollzugssystem de facto vom FSB verwaltet. Das gesamte Führungspersonal kommt aus dem Inlandsgeheimdienst. Aber das ist nicht anders als in der Freiheit. Ganz Russland steht unter Leitung von Geheimdienstlern, angefangen mit Putin."

Belarus ist beileibe nicht so zweigeteilt wie die Ukraine, wo die sprachliche und historische Trennung das Land zerreißt, betont die belarussische Autorin Nelly Bekus, dennoch gebe es auch in Belarus zwei Formen der nationalen Identität, die offizielle und die alternative: Die offizielle Version der belarussischen Geschichte basiert sehr stark auf der gemeinsamen belarussischen und russischen Existenz: Ob nun im Russischen Reich oder in der Sowjetunion, diese Perioden werden als entscheidend für die Bildung der belarussischen Identität angesehen. In der alternativen Interpretation der Geschichte, sehen sich die Weißrussen als eine osteuropäische Nation, die mehr mit Polen, Litauen und Tschechien gemein hat."

Magazinrundschau vom 09.02.2021 - Eurozine

Der belarussische Schriftsteller Viktor Martinowitsch, spricht im Interview, das Serge Sakharau für das Institut für die Wissenschaft vom Menschen in Wien geführt hat, über die Lage in Belarus, wo sich die Menschen dagegen wehren müssen, durch den permanenten Wechsel zwischen Hoffnung und Verzweiflung erschöpft zu werden. Die historische Dramatik könnte höchstens mit Prag 1968 verglichen werden. Aber: "Die Nachrichten verfolgen und im Tagebuch notieren - das erscheint mir im Moment wichtiger als sie schon zu analysieren. Was gerade geschieht, hat sich nirgendwo zuvor ereignet. Diese Dinge haben sich seit 1968 nicht in Osteuropa zugetragen. Ich habe mir auch angesehen, was in Polen während der Solidarnosc passierte, sie steckten damals 10.000 Menschen ins Gefängnis. In unserem Land sprechen wir von 25.000, die zu dem einen oder anderen Zeitpunkt bisher verhaftet wurden. Im Moment ist davon jeder betroffen. Man kann die Nachrichten ausschalten, aber wenn jemand, der einem nahesteht, verschwindet, dann muss man einfach die Listen der Verhafteten durchsehen. Wenn man jeden Sonntag diese Listen durchgehen muss, dann kann niemand in Ruhe leben."

Weiteres: Wenn Europa auch nach dem Brexit nicht auf Englisch als lingua franca verzichten kann, dann sollte es sich die Sprache wenigstens selbstbewusst aneignen, findet Philippe Van Parijs in einem ursprünglich im Wespennest veröffentlichten Text: "Wir müssen uns trauen, die Sprache zu sprechen, die auch unsere ist, ohne Hemmung und mit der ganzen Bandbreite unserer Akzente. Wir müssen uns selbst erlauben, alle Erneuerungen hinzuzufügen, die wir wollen." Hicham Khalidi und Rolando Vázquez stören sich daran, dass die EU-Kommission für ihren Green Deal auch auf das Bauhaus rekurriert, das sie aus ihrer heutigen Sicht viel zu inegalitär, eurozentrisch und nicht-inklusiv finden. Ganz abgesehen davon, dass die Moderne ganz generell für die beiden untrennbar mit Kolonialismus und industriellem Kapitalismus verbunden und deshalb unakzeptabel ist.

Magazinrundschau vom 26.01.2021 - Eurozine

Der heute berühmte Fotograf Boris Mikhailov war zunächst mal ein Amateur. Und er konnte nur als Amateur, hervorgegangen aus der "Fotoschule Charkow", überhaupt seine ganz und gar nicht konformen Fotos in der Sowjetzeit realisieren. Bohdan Shumylovych blickt auf die Arbeit diese Fotoschule zurück, die in Deutschland mit ihren höchst expressiven Fotos und an die Zwanziger erinnernden Experimenten noch zu entdecken ist. Die Amateure verkehrten in Clubs und geschlossenen Kreisen, erzählt Shumylovych, in der offiziellen professionellen Fotografie dominierte dagegen noch der sozialistische Realismus. So gehörte diese Amateurfotografie zu den Kräften, die im Untergrund am Selbstbild der Sowjetunion nagten - bis es zerfiel: "Die offizielle sowjetische Fotografie war paradox. Sie sollte um die sozialistische Welt auf 'objektive Weise' darstellen, erarbeitete aber eine idealisierte Vorstellung. In diesem Modus der Visualität wurden die sowjetischen Menschen aus der Perspektive einer idealen Zukunft gezeigt: Sie hatten keine Makel. Die inoffizielle Amateurfotografie sah die sowjetischen Subjekte jedoch aus einem ganz anderen Blickwinkel. Forscher, die sich mit der Charkower Fotografie beschäftigen, stellen oft fest, dass viele Vertreter dieser 'Schule' zu Innovatoren wurden, die zum Niedergang der etablierten sowjetischen Bildästhetik beitrugen." Die Fotoschule hat übrigens ihr eigenes, offenbar sehr aktives Museum.

Magazinrundschau vom 15.12.2020 - Eurozine

In einem Beitrag des Magazins blickt Olga Dryndova in das weibliche Gesicht der Revolution in Weißrussland: "Eine besondere Sichtbarkeit von Frauen bei Massenprotesten ist allerdings nicht nur in Belarus zu beobachten. Andere Beispiele sind der Arabische Frühling, Proteste in Lateinamerika und in den USA. Es scheint ein globaler Trend zu sein, der auf weibliche, tendeziell weniger gewalttätigen Protest setzt. Doch was genau steht dahinter? Lässt sich von einer feministischen Revolution in Belarus sprechen? Und ist es etwas Langfristiges? … Es wäre nicht ganz richtig zu sagen, die Tatsache, dass die Kandidaten Frauen waren, habe die Öffentlichkeit mobilisiert. Die Weißrussen waren schon vor den Wahlen politisiert. Die wirtschaftliche Stagnation, die unzureichenden staatlichen Reaktionen auf die Pandemie und die 26-jährige Amtszeit Lukaschenkos haben die Menschen radikalisiert. Die Öffentlichkeit wurde zu einer Protestwählerschaft, die bereit war, für jede starke Persönlichkeit zu stimmen, die sich gegen den amtierenden Präsidenten stellte. Dennoch machte die weibliche Dimension die Kampagne frisch, emotional und energetisch. Die Gründe: Die drei Frauen gaben nicht auf, nachdem die beliebtesten Kandidaten aus der Wahl ausgeschieden waren, und gaben den Menschen damit Hoffnung auf Veränderung. Ihre Kampagne war sehr emotional. Sie waren authentisch, erzählten persönliche Geschichten, sprachen über Liebe und forderten die Menschen auf, an sich selbst zu glauben. Daher wurde der ursprüngliche Slogan der Opposition 'Wir glauben, wir können, wir werden gewinnen' in eine weibliche Version umgewandelt: 'Wir lieben, wir können, wir werden gewinnen.'

Magazinrundschau vom 17.11.2020 - Eurozine

Der niederländische Schriftsteller Arnon Grunberg prüft , wie man sich mit Kontroversen über vergangenes Unrecht auseinandersetzen könnte, um in der Zukunft zu besseren politischen Entscheidungen zu gelangen: "Die Vergangenheit hat uns fest im Griff. Als ein Ort der Ungerechtigkeiten könnte man sie fast als ein 'Anderswo' betrachten, das nicht in Vergessenheit geraten und irgendwie 'repariert' werden sollte. Die Geschichte der Sklaverei etwa. Vergangenheit als Reservoir der Ungerechtigkeit wird in den USA teilweise aus Bequemlichkeit in der Black Lives Matter-Bewegung zusammengefasst. Ein anderes gutes Beispiel ist der Zweite Weltkrieg. Für andere ist die Vergangenheit eher eine vergangene Ära der Nostalgie mit großen Errungenschaften, die es heute nicht mehr gibt. Nehmen wir den Begriff 'Goldenes Zeitalter'. Er wurde von niederländischen Politikern instrumentalisiert, um das 17. Jahrhundert als Blüte der niederländischen Republik zu kennzeichnen. Wie sich also zur Vergangenheit verhalten? Mir scheint es unmöglich und sogar falsch, sich davon zu lösen. Amnesie ist keine Lösung. Ob die Vergangenheit ein Quell der Scham und Schuld ist oder des Trostes und der Nostalgie, stets geht es um die Schlüsse, die wir aus ihr ziehen und unsere Entschlossenheit dabei, schon allein deshalb, weil die heute so genannte Gruppenidentität auf eine Sammlung von Schlussfolgerungen aus dem Vergangenen reduziert werden kann, in die noch ein paar Rituale, Bräuche und Geschichten einfließen …Wie man Ungerechtigkeit verhindert und mit welchen Begriffen, ist eine politische Frage. Vergangenheit ist kein neutraler Ort. Sogar wenn es um den Zweiten Weltkrieg geht, wo Gut und Böse so eindeutig getrennt scheinen, gibt es Deutungskämpfe. Das ist unerlässlich. Politik ist nicht nur ein Ringen um die Gestaltung der Zukunft, sondern auch um die Deutung der Vergangenheit, weil dies der Nährboden ist, aus dem künftige Erwartungen und Ideale erwachsen."