Magazinrundschau - Archiv

The Guardian

442 Presseschau-Absätze - Seite 2 von 45

Magazinrundschau vom 07.10.2025 - Guardian

Samanth Subramanian berichtet über eine Inselguppe im Pazifik, die 2022 den Zugang zum Internet verlor - weil der Ausbruch eines Unterwasservulkans ein Kabel auf dem Meeresgrund zerstörte. Der Vorfall zeigt einerseits die Verletzlichkeit von IT-Infrastruktur - erst 18 Monate nach dem Ausbruch konnte der Internetzugang der Inseln wieder vollumfänglich hergestellt werden; und andererseits die immense Bedeutung, die das Internet in unserer Gegenwart gewonnen hat. Selbst die simpelsten Nachrichten gelangten plötzlich kaum noch an ihre Empfänger: "Vava'u war eine ganze Insel voller Menschen, die der Welt mitteilen wollten, dass es ihnen gut ging. Wenn nicht Roy Neyman gewesen wäre, ein Segler, der seine Jacht dort vorübergehend festgemacht hatte, hätten sie vielleicht viele Tage gebraucht, um diese Nachricht hinauszuschicken. Auf seiner Jacht hatte Neyman ein Garmin-Gerät, mit dem man teure Textnachrichten über Satellit verschicken konnte, und er nutzte es, um Regierungsstellen in Australien und Neuseeland zu kontaktieren. Eine Zeit lang richtete er in einem örtlichen Café ein Kommunikationszentrum ein, wo die Bewohner von Vava'u ihre Nachrichten diktieren konnten - als wäre er der offizielle Briefschreiber in einem mittelalterlichen Dorf - und so ihre Verwandten im Ausland erreichten. Innerhalb von zwei Wochen verschickte er 1.600 Nachrichten." Auch Zahlungen konnten nicht mehr auf dem üblichen Weg getätigt werden: "Nach ein paar Wochen nahm die Regierung tägliche Flüge zwischen Tongatapu und Vava'u auf und man fand eine merkwürdige und umständliche Lösung. Jeden Morgen lud die Hauptfiliale einer Bank auf Tongatapu eine Tabelle mit den Kontodaten der Bewohner von Vava'u auf einen USB-Stick; dieser wurde dann nach Vava'u geflogen, wo die örtliche Bankfiliale mithilfe der Tabelle Abhebungen und Einzahlungen verbuchen konnte. Am selben Abend kehrte der USB-Stick nach Tongatapu zurück, damit die Änderungen in die Hauptdatenbank der Bank eingepflegt werden konnten."
Stichwörter: Internet, Vava'u

Magazinrundschau vom 23.09.2025 - Guardian

Chang Che porträtiert Song-Chun Zhu, einen AI-Forscher, der lange in Harvard und an der UCLA gearbeitet hatte, seit 2020 aber ein staatliches AI-Forschungsinstitut in China leitet. Zhu, lernen wir, vertritt die Auffassung, dass sich der gegenwärtige Mainstream seiner Forschungsrichtung auf dem Holzweg befindet, da er zu einseitig auf große Datenmengen setzt. Sein eigenes Beijing Institute for General Artificial Intelligence (BigAI) setzt hingegen auf ein Modell, das Kognition alltagsnah nachbilden möchte: "Beim letztjährigen Tech-Forum hatte BigAI ein virtuelles humanoides Kind namens TongTong vorgestellt, von dem sie hofften, dass es Fähigkeiten besitzen würde, die den meisten KI-Systemen fehlen. Forscher sind sich weitgehend einig, dass gesunder Menschenverstand, also Intuitionen darüber, wie die physische und soziale Welt funktioniert, zu den schwierigsten Dingen gehören, die neuronale Netzwerke erfassen können. Wie der AI-Pionier LeCun kürzlich sagte: 'Wir haben LLMs, die die Anwaltsprüfung bestehen können, also müssen sie ja intelligent sein. Aber dann können sie nicht in 20 Stunden Autofahren lernen wie ein 17-Jähriger, sie können den Esstisch nicht abräumen oder die Spülmaschine einräumen, wie es ein 10-Jähriger in einem Versuch kann. Warum ist das so? Was fehlt uns?' TongTong war noch nicht fähig, als Jurist zu arbeiten, schien aber dazu in der Lage zu sein, eine Spülmaschine zu beladen. Das Programm wurde entwickelt, um die kognitiven und emotionalen Fähigkeiten eines drei- bis vierjährigen Kindes zu imitieren. In diesem Jahr stellte das BigAI-Team TongTong 2.0 vor, von dem sie behaupten, dass es die Fähigkeiten eines fünf- oder sechsjährigen Kindes besitzt. Auf einem großen Bildschirm erschien TongTong 2.0 in Form eines animierten Mädchens, das in einem virtuellen Wohnzimmer spielte. An der Frontseite des Konferenzraums führte ein BigAI-Ingenieur eine Live-Demonstration von TongTongs Fähigkeiten vor. Als der Ingenieur TongTong bat, mit ihrer Freundin LeLe, einem weiteren KI-Geschöpf, zusammenzuarbeiten, um ein Spielzeug zu finden, schien TongTong Bereiche zu meiden, die ihre Freundin bereits durchsucht hatte. Später, als TongTong gebeten wurde, eine Fernbedienung von einem Regal zu holen, das außerhalb ihrer Reichweite war, benutzte sie ein Kissen, um die eigene Reichweite zu erhöhen. Bei ähnlichen Aufgaben mit ChatGPT haben Forscher herausgefunden, dass das Programm ein schlechter Problemlöser ist, wenn es um Fragen des gesunden Menschenverstands ist. Zhu glaubt, dass diese Schwäche keine ist, die tief lernende Systeme wie ChatGPT überwinden können."

Magazinrundschau vom 02.09.2025 - Guardian

Eine ziemlich deprimierende Lektüre: Phil Hoad schreibt über die Filmindustrie der Gegenwart im Zeichen von Streaming (und demnächst AI). Wie groß der Einfluss der Algorithmen auf die Filmproduktion tatsächlich ist, ist schwer zu sagen. In jedem Fall werden die Streamingdienste mehr denn je von gleichförmigem, aggressiv mittelmäßigem Content überflutet. Die Hoffnungen, die einst hier und da in die neuen Vertriebswege gesetzt wurden, haben sich gründlich zerschlagen: "Es gab einmal die Vorstellung, dass Streaming-Dienste - mit der Hilfe unbegrenzten Speicherplatzes und entsprechend ausufernden Katalogen - neue Zielgruppen für weniger bekannte Filme finden würden. Doch in einer Analyse der Netflix-Nutzungsdaten zwischen 2016 und 2019 fand der unabhängige Forscher Stephen Follows heraus, dass das Unternehmen noch stärker auf eine Handvoll großer Titel angewiesen ist als das Kino mit seinen Ticketverkäufen: Die obersten sieben Prozent der Netflix-Titel in den USA machten 50 Prozent der Aufrufe aus (im Vergleich zu 41 Prozent der Kinoumsätze für die obersten sieben Prozent der Kinofilme). Das Problem ist nicht so sehr, dass Filme von Algorithmen gemacht werden, sondern vielmehr, dass der Algorithmus durch die kontinuierliche Bestätigung der dominanten Filmästhetik selbst eine verflachende, verrohende Wirkung auf unseren allgemeinen Geschmack hat. (…) 'Streaming-Unternehmen haben nicht nur keinen Anreiz, inhaltliche Vielfalt im Filmgeschäft zu fördern', sagte Ted Hope, 'sondern sie haben auch das vorher bestehende Geschäftsmodell zerstört, das Vielfalt überhaupt erst möglich machte.' Wenn Netflix oder ein anderer Streaming-Dienst einen Film kauft, verlangt er für gewöhnlich, dass er zum alleinigen weltweiten Distributor wird; dieses Modell begünstigt von Natur aus massenmarkttaugliche Produkte, die sich in vielen Gegenden durchsetzen werden. Es hat die alte Taktik, Verwertungsrechte stückweise in einzelnen Territorien vorzuverkaufen - die oft die einzige Möglichkeit war, unabhängige Filme zu finanzieren - obsolet gemacht."

Magazinrundschau vom 25.08.2025 - Guardian

Sind "Babyklappen", also Einrichtungen, die es Müttern - oder wem auch immer - ermöglichen, Säuglinge anonym bei medizinischen Institutionen abzugeben, wo sie dann zumeist Adoptivfamilien zugeführt werden, sinnvolle Einrichtungen? Laura Spinney untersucht diese Frage aus verschiedenen Perspektiven. Wissenschaftliche Untersuchungen jedenfalls lassen Zweifel aufkommen. Es gibt "Hinweise darauf, dass Babyklappen genau das fördern, was sie eigentlich verhindern sollen. Als die dänische Regierung darüber beriet, ob sie eingeführt werden sollten, beauftragte sie Laura Navne und Marie Jakobsen vom Dänischen Nationalen Zentrum für Sozialforschung in Kopenhagen mit einer Untersuchung der Auswirkungen von Babyklappen in zehn wohlhabenden Ländern. Das überraschende Ergebnis, veröffentlicht 2021, lautete: 'Babyklappen erhöhen die Häufigkeit von Kindesaussetzungen.' Die Regierung entschied sich daraufhin gegen ihre Einführung. Das dänische Ergebnis deckt sich mit jüngsten historischen Forschungen in Italien, die zeigen, dass die Aussetzungsraten sanken, nachdem die Findelräder, Vorläufer der Babyklappen, im 19. Jahrhundert abgeschafft wurden. Diese wurden einerseits von armen Familien mit mehr Kindern, als sie ernähren konnten, genutzt, andererseits stellten sie eine geheime, gesellschaftlich akzeptierte Möglichkeit dar, unehelich geborene Babys loszuwerden. Damit verfestigten sie das Stigma unverheirateter Mütter, während Väter nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Heutige Babyklappen existieren in einem anderen kulturellen Kontext, erfüllen aber laut den Autorinnen der Studie ebenfalls diese doppelte Funktion - den Schutz von Säuglingen und gleichzeitig die Aufrechterhaltung eines Systems, das die Ursachen von Kindesaussetzungen nicht an der Wurzel bekämpft."
Stichwörter: Babyklappen

Magazinrundschau vom 29.07.2025 - Guardian

Barbara Speed erzählt die Geschichte der Jesus Army, einer insbesondere in den 1990er Jahren prominenten britischen Sekte, die in der Öffentlichkeit lange verharmlost, aufgrund ihrer sozialen Aktivitäten gar glorifiziert wurde. Speed porträtiert insbesondere Philippa Barnes, eine junge Frau, die seit ihrer frühen Kindheit Teil der Sekte war und lange brauchte, um sich von der Gruppierung zu lösen - selbst nachdem ihr Vater und sie im Zuge eines Missbrauchsskandals in Konflikt mit der Sektenführung geraten waren. Warum fiel ihr und vielen anderen der Austritt so schwer? "In der öffentlichen Vorstellung sind Kulte hermetisch geschlossene Gemeinschaften, die ihre Mitglieder physisch von der Außenwelt abschotten. Die Jesus Army behauptete jedoch, anders zu funktionieren: Mitglieder durften zur Schule gehen, arbeiten und außerhalb der Gemeinschaftshäuser wohnen. Doch ähnlich wie ein missbräuchlicher Partner Kontrolle über alle Lebensbereiche eines Opfers ausübt, hatte der Sektengründer Stanton ein System mentaler und emotionaler Kontrolle aufgebaut, das auf einer gängigen Sektentaktik beruhte: die schrittweise Trennung der Mitglieder von der restlichen Gesellschaft, von Familienangehörigen und sogar voneinander. Die durchbrochenen Bindungen wurden durch einen einzigen Bezugspunkt ersetzt: die Sektengemeinschaft. Da es keinen anderen Ort mehr gab, an den sie sich wenden konnten, verstärkten alle Gefühle von Angst und Stress, die durch das Leben in der Organisation ausgelöst wurden, letztlich nur die Bindung an sie. Das hilft zu erklären, warum Philippa und ihre Eltern nach dem Prozess und der Verurteilung durch die Leitung dennoch in der Gemeinschaft blieben. 'Eigentlich hätten wir damals gehen müssen', sagte sie. 'Aber es kam uns gar nicht in den Sinn. Wir hatten ein lebenslanges Versprechen abgegeben.' Ihre Wohnungen, Arbeitsplätze, Freundschaften und ihr Besitz waren vollständig mit der Gruppe verflochten. Wer die Gemeinschaft verließ, wurde geächtet - die übrigen Mitglieder durften nicht mehr mit ihnen sprechen oder ihnen schreiben, und bei den Gottesdiensten wurden Lieder über ihren Verrat gesungen."
Stichwörter: Sekte, Jesus Army, 1990er

Magazinrundschau vom 22.07.2025 - Guardian

Der französische Autor Emmanuel Carrère begleitet Emmanuel Macron zum diesjährigen G7-Gipfel in Kanada. Der französische Präsident ist entspannter und besser gelaunt, als man angesichts seiner diversen Probleme zu Hause und in aller Welt erwarten würde. Zweifellos hat sich jedoch in den letzten Jahren einiges verändert, was die Welt der Spitzendiplomatie betrifft: "Als Präsident Valéry Giscard d'Estaing im Jahr 1975 die G7 - damals noch die 'Gruppe der Sechs' oder G6 - ins Leben rief, vereinten die teilnehmenden Länder (die USA, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Deutschland, Italien und Japan) rund 75 Prozent des weltweiten BIP auf sich. Heute ist dieser Anteil auf etwa 35 Prozent gesunken. 'Früher waren wir der Vorstandsvorsitzende', fast Macrons diplomatischer Berater Emmanuel Bonne zusammen. 'Heute sind wir nicht einmal mehr Mehrheitsaktionäre.' Umso wichtiger ist es für diese Länder, wenn sie nicht völlig von der Bildfläche verschwinden wollen, eine Lösung zu finden oder sich zumindest auf eine gemeinsame Haltung zu den großen Probleme der Welt zu einigen: Ukraine, Naher Osten, Umwelt, Zölle - das Thema ist egal, an Elefanten im Raum mangelt es nicht. Ziel des Gipfels war es daher stets, eine gemeinsame Erklärung zu verabschieden, die lediglich politischen Willen, eine Richtung und gemeinsame Zielsetzungen zum Ausdruck bringt. Normalerweise sollte das nicht allzu schwierig sein, doch seit Trump 2 ist es das geworden - insbesondere beim Thema Klima. Bis vor Kurzem war es noch völlig unproblematisch, zu sagen, dass die Erderwärmung eine große Bedrohung darstellt und ihre Bekämpfung absolute Priorität hat - genauso wie zu sagen, dass man gegen Krieg, für Frieden oder für mehr Gerechtigkeit ist. Man konnte es einfach aussprechen, ob man dann entsprechend handelte oder nicht, spielte zunächst keine Rolle - es kostete nichts. Diese Zeiten sind vorbei. Da der 'Herr der Welt' meint, das Klima sei kein Problem, kann man es sich nicht einmal mehr symbolisch auf die Tagesordnung setzen. Selbst das Wort 'Klima' ist mittlerweile ein Tabu."

Magazinrundschau vom 08.07.2025 - Guardian

Amanda Coakley rekonstruiert noch einmal den jüngeren Lebensweg Karin Kneissls, der ehemaligen österreichischen Außenministerin im Kabinett Kurz, die Schlagzeilen machte, als Putin ihre Hochzeit besuchte - und die inzwischen selbst in Russland lebt. Was genau macht sie da eigentlich? Sie hat, weiß Coakley, "ihren Platz gefunden. Im Juni 2024 sagte sie gegenüber einer staatlichen Nachrichtenagentur, dass der Westen Pläne habe, Russland zu zerschlagen, 'so wie einst die Föderation Jugoslawien aufgeteilt wurde'. Während diese Aussage in Europa kaum Beachtung fand, wurde sie in Russland als ernste Warnung einer echten politischen Insiderin dargestellt. Die Schlagzeile lautete: 'Ehemalige österreichische Außenministerin Kneissl bestätigt westliche Pläne zur Zerschlagung Russlands'. Weitere jüngste Schlagzeilen lauteten etwa: 'Putin hatte Recht 2023 bezüglich der Wirtschaft - Ex-Außenministerin Österreichs" und Anfang diesen Monats: 'Ex-Außenministerin Österreichs rät Russen, romantische Vorstellungen über Westeuropa aufzugeben'." Kneissls Vorliebe für alles Russische erstreckt sich auch auf andere Gebiete: "Gegen Ende des letzten Jahres übernahm sie ihre neueste Rolle als Botschafterin für den Schutz der Sibirischen Tiger; ein Anliegen, das Putin am Herzen liegt - und auch Kneissl. Die staatlichen Medien berichteten im Dezember, dass sie während eines kürzlichen Besuchs in einem Nationalpark einen Tiger gesichtet habe. In einem kurzen Interview nutzte sie die Gelegenheit, um einen wenig schmeichelhaften Vergleich zwischen der europäischen und der russischen Einstellung gegenüber solchen Raubtieren zu ziehen. In Russland, sagte sie, würden 'Bären, Wölfe, Tiger nicht als 'Problembären, Problemwölfe' bezeichnet'. 'Sie sind Teil des Lebens. Darin sehe ich ein Ja zum Leben in Russland.'"

Magazinrundschau vom 03.06.2025 - Guardian

Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine hat das Thema Zivilschutz in ganz Europa Konjunktur. Vorreiter auf diesem Gebiet ist seit Jahrzehnten die Schweiz - das einzige Land, das, so zumindest die Theorie, im Ernstfall die gesamte Bevölkerung in Bunkern beherbergen könnte. Jessi Jezweska Stevens berichtet darüber, wie es dazu gekommen ist: Unter anderem machten "kulturelle Faktoren Bunker zu einer logischen Strategie. Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten etwa, wo während des Kalten Krieges das Untertauchen unter die Erde oft verächtlich als schwach oder 'unamerikanisch' bezeichnet wurde, galten in der Schweizer Militärgeschichte die Berge und das Unterirdische stets als ein 'sicherer Ort'. Um das System der zivilen Bunker auszuweiten, musste die Regierung der Bevölkerung jedoch zunächst den enormen Aufwand schmackhaft machen - 1945 hatten nur etwa 30 Prozent der Schweizer Bevölkerung Zugang zu einem Schutzraum. Frühe Propagandafilme und Zeichentrickfilme aus den 1950er- und 1960er-Jahren zeigten ein Murmeltier - gezeichnet oder gefilmt in friedlicher Umgebung zwischen alpinen Wildblumen -, das beim Anblick eines Adlers oder einer anderen Bedrohung am Himmel schnell in seinen Bau verschwindet. Ein späteres Video aus den 1960er-Jahren zeigt Bergpanoramen, tanzende Paare in der Disko und Kernfamilien, die friedlich um eine rot-weiß karierte Tischdecke versammelt essen. Eine Stimme aus dem Off erklärt, dass Krieg und Krisen zwar 'weit entfernt' und auf das Fernsehen beschränkt erscheinen mögen und dass es so wirken könne, als sei das Schlimmste, was vom Schweizer Himmel fallen könne, ein 'Blumentopf' von einem Fenstersims - doch die Bedrohung durch Krieg sei in Wirklichkeit nur allzu real."
Stichwörter: Zivilschutz, Schweiz

Magazinrundschau vom 29.04.2025 - Guardian

Harry Shukman berichtet von seinen Undercover-Recherchen in rechtsradikalen Organisationen. Das Ziel seiner teils sehr riskanten Investigation bestand vor allem darin, mehr über die Finanzierungsnetzwerke der Rechten zu erfahren. Aber gleichzeitig lernte er auch etwas über die Beweggründe von Menschen, die sich rechten Vereinigungen anzuschließen: "Was die einfachen Mitglieder rechtsextremer Organisationen betrifft, so fiel mir besonders ihre große Einsamkeit auf. In Diskussionsrunden, in den Pubs, bei geheimen Treffen auf dem Land sprachen viele davon, sich wie Verstoßene zu fühlen. In den Gruppen hatte ich den Eindruck, dass für die meisten weniger die politische Auseinandersetzung im Vordergrund stand als vielmehr das Bedürfnis nach Gemeinschaft. Sie schilderten eintönige Arbeitstage in belanglosen Jobs und Abende, an denen sie stundenlangen faschistischen Livestreams lauschten. Auf Konferenzen schienen viele kaum den Vorträgen zu folgen - ich zählte regelmäßig die schlafenden Zuhörer, oft waren es mehr als zehn. Am meisten freuten sie sich auf die Kaffeepausen und das gemeinsame Bier nach den Veranstaltungen. Das Bedürfnis nach menschlicher Nähe ist ein häufiger Grund, den sie für ihren Weg in diese Kreise nennen - und eben dieses Bedürfnis macht es oft so schwer, sich wieder zu lösen, selbst wenn sie längst keinen Gefallen mehr an der Szene finden."

Magazinrundschau vom 15.04.2025 - Guardian

Shaun Walker erzählt die Geschichte eines Amerikaners namens Peter Herrmann, der im Alter von 16 Jahren als KGB-Agent angeworben wurde - von seinem eigenen Vater, den Peter bis dahin unter dem Namen Rudi Herrmann gekannt hatte. Alles beginnt mit einem Gespräch auf einer Parkbank: "Rudi erklärte Peter, dass das, was er ihm gleich erzählen würde, geheim bleiben müsse. Er dürfe es nicht mit seinen Freunden besprechen, und auf keinen Fall mit Michael, seinem jüngeren Bruder. Peter nickte, und Rudi begann: 'Ich bin nicht der, für den du mich hältst. Ich bin kein Deutscher, und ich heiße nicht Rudi. Ich bin ein Tscheche namens Dalibor Valoušek, und ich arbeite für die Sowjetunion, für den KGB.' Seine Mission als Spion sei es, den Weltfrieden zu sichern, sagte er. Zwei Gedanken schossen Peter durch den Kopf. Jahrelang hatte er sich unfähig gefühlt, sich mit der Welt und den Menschen in ihr zu identifizieren. Teilweise lag das daran, da war er sich sicher, dass er außer seinen Eltern und seinem Bruder keine Familie hatte. Als ihm sein Vater von Großeltern, Onkeln und Tanten hinter dem eisernen Vorhang erzählte, fragte er sich, ob sich jetzt alles ändern würde. Gleichzeitig war das Geständnis seines Vaters ein Schock, der ihn körperlich erschütterte. Die Russen! Der KGB! Die Gedanken trafen ihn wie ein Blitz. (...) Rudi kam zum wichtigsten Teil des Gesprächs. 'Bist Du bereit, ein Geheimdienstoffizier wie ich zu werden?', fragte er. In Peters Kopf drehte sich alles, und er wusste nicht, was er denken oder sagen sollte. Aber er blieb äußerlich ruhig und nickte zustimmend."
Stichwörter: KGB-Spion, KGB