Magazinrundschau - Archiv

HVG

354 Presseschau-Absätze - Seite 34 von 36

Magazinrundschau vom 30.09.2008 - HVG

"Kommunikation war von Anfang an ein zentrales und unumgängliches Thema der europäischen Philosophie. Wir versuchen jetzt, innerhalb der jetzigen kommunikationstechnologischen Explosion die traditionellen Fragen der Philosophie neu zu formulieren", sagt der Philosoph Kristof Nyiri, Organisator einer Budapester Tagung über Kommunikation im 21. Jahrhunderts und die mobile Informationsgesellschaft. Im Interview mit Ivan Bedö meint Nyiri auf die Frage, worin diese Neuformulierung in der Philosophie besteht: "Der Mensch ist ursprünglich ein kommunizierendes Wesen. Die Philosophen des 19. Jahrhunderts waren sich noch darüber im klaren, im 20. Jahrhundert ist das für einige Jahrzehnte in Vergessenheit geraten, und nun sehen wir uns im Zeitalter des Handys wieder damit konfrontiert. Der persönliche Kontakt wird erneut aufgewertet. Dieser gehört zur ureigensten Natur des Menschen, doch durch die Jahrhunderte des Buchdrucks, die Technologien des einsamen Denkens, wurde er in den Hintergrund gedrängt. Heute erhalten wir diese ursprüngliche Gedankenwelt zurück."
Stichwörter: Buchdruck, Hvg

Magazinrundschau vom 09.09.2008 - HVG

Miklos Haraszti, Leiter der OSZE-Zentrale für Pressefreiheit, spricht im Interview mit Zsuzsa Földvari über die Frage, wie weit die Pressefreiheit geht: "Überall in Osteuropa ist der öffentliche Umgangston rauher geworden, dem gegenüber die Grenzen der Pressefreiheit klar abgesteckt werden müssen. Meiner Ansicht nach reichen die diesbezüglichen Gesetze in Ungarn aus, da hetzerische Rede, die zu Gewalt, Diskriminierung und Rechtsbruch anstiftet, als Straftat gilt. Was es also braucht, ist nicht die Verschärfung der bestehenden Gesetze hinsichtlich der Medien, sondern die Durchsetzung dieser Gesetze durch Staatsanwälte und Richter. Der Mut der ungarischen Richter wird aber nicht größer werden, solange die stärksten Kräfte im Parlament nicht in der Lage sind, extreme Meinungsäußerungen gemeinsam zu verurteilen. Solange können nämlich Staatsanwälte und Richter den Eindruck haben, dass die Bestrafung der Hetzrede ihrerseits eine politische Tat wäre."

Magazinrundschau vom 26.08.2008 - HVG

Am 15. September findet in Budapest die erste Vorstandssitzung des EIT (Europäisches Innovations- und Technologieinstitut) statt, dessen Ziel die Vernetzung der europäischen Forschungs- und Entwicklungsinstitute ist. Vom Budapester Standort dieser Institution erhoffen sich manche den Aufschwung der ungarischen Wissenschaft, andere wiederum Investitionen, wieder andere einen gewissen Ruhm. Auf die Frage, ob ungarische Wissenschaftler tatsächlich mehr Chancen haben werden, sich an den Programmen des Instituts zu beteiligen, antwortet der Biologe und Bildungspolitiker Laszlo Dvorszki, der das Terrain für das EIT vorbereiten soll, im Interview mit Andras Loke: "Natürlich werden Ungarn, trotz der noch so durchschaubaren und strengen Entscheidungsprozesse, trotz der weitestgehenden Objektivität dieser Institution, einen gewissen Informationsvorsprung haben. Vor allem aber wird die Zentrale der europäischen Institution durch ihren Standort in Budapest hoffentlich auch das hiesige System beeinflussen. Betrachtet man den Unfug, der seit 1990 mit Forschung und Entwicklung in Ungarn getrieben wurde, sieht man, dass mit dieser Frage zunächst ein Minister, dann ein stellvertretender Staatssekretär beauftragt wurde; später wurde sie dem Wirtschaftsministerium angegliedert, dann wieder entfernt - dieser Bereich war also mal selbständig, mal hier, mal dort integriert, nur eben eines war er nie, was er aber vor allem sein müsste: stabil." (HVG hat jetzt übrigens eine ganze Reihe von Artikeln auch auf Englisch parat!)
Stichwörter: Bildungspolitik, Wissenschaft, Hvg

Magazinrundschau vom 01.07.2008 - HVG

"Es ist sinnlos, auf unerreichbare Ziele zu setzen", sagt der dänische Politologe und Statistiker Bjorn Lomborg, der mit einem Team von Ökonomen der Meinung ist, dass die Summen, die für die Eindämmung des Klimawandels ausgegeben werden, besser für Forschung, Entwicklung und kosteneffektive Wohltätigkeit aufgewendet werden sollten. Auf die Frage, ob Ökonomen eine bessere Lösung für den Klimawandel haben, als Umweltforscher, antwortet Lomborg im Interview mit Norbert Izsak: "Ökonomen braucht man, um die Kosten und die Effizienz der einzelnen Programme zu berechnen. Wir behaupten lediglich, dass es billigere und praktischere Methoden gibt als die traditionellen Methoden der CO2-Reduzierung. Unser Vorschlag ist, dass die internationale Gemeinschaft 0,005 Prozent des globalen GDP für die Entwicklung von alternativen Energiequellen bereitstellen sollte. Heute ist Sonnenenergie etwa zehnmal so teuer wie kohlebasierte Energie. Einige reiche, umweltbewusste Menschen schmücken ihre Dächer mit Solarbatterien, was aber den Klimawandel kaum stoppen kann. Werden jedoch effektivere, billigere Solarkollektoren entwickelt, die sich auch Indien und China leisten können, könnten wir vielleicht das Problem des Klimawandels bis 2050 gelöst haben."

Magazinrundschau vom 24.06.2008 - HVG

Der Dichter Zoltan Poos vermisst die Vergangenheitsbewältigung auch in Sachen 1956: "Die neueste Geschichte Ungarns beginnt mit 1956 - noch heute definieren sich die Ungarn in ihrem Verhältnis zu diesem Datum. 1956 ist eine Frage der Identität. Kann man mit Leuten zusammen feiern, die vor 1989 in parteieigenen Ferienheimen Eiskaffee schlürfend in Gelächter ausbrachen, wenn jemand leise den Namen Imre Nagys erwähnte? Unsere Losungsworte damals waren: Geschmack, Eleganz, Gerechtigkeitssinn. 1989 hatte das Land, das die zähen Merkmale des Verfalls aufwies, einen Kompromiss mit der die Revolution von 1956 im eigenen Blut erstickenden Macht geschlossen, und die Traumata von 1948 bis 1989 bis heute nicht aufgearbeitet. Die Entschuldigungen blieben aus, nicht einmal ein leises Pardon war zu hören."

Magazinrundschau vom 18.12.2007 - HVG

Der Journalist Pal Reti hätte dagegen lieber etwas mehr Engagement bei der ungarischen Bevölkerung gesehen. Wäre er ein Rom, würden ihn Gesetzesvorschläge oder Statements des Staatspräsidenten nicht beruhigen. "Was mich aber beruhigt hätte: wenn die 200 Uniformierten von 2000 Nichtuniformierten in meinem Dorf in Empfang genommen worden wären, die sie nach Hause geschickt hätten. Dann hätte man meinen Leuten zwar nicht in Windeseile zwei Hilfsprogramme versprochen - aber ich würde denken, besser zwei Programme, die nicht in Gang gekommen, als ein Pogrom, das in vollem Gange ist."
Stichwörter: Pogrome, Hvg, Pogrom

Magazinrundschau vom 04.09.2007 - HVG

Bei der Vereidigungsinszenierung der rechtsextremen paramilitärischen "Ungarische Garde" haben Priester der drei größten Kirchen - der römisch-katholischen, der evangelisch-lutherischen und der evangelisch-reformierten - der "Garde" ihren Segen erteilt. Kurz darauf erklärten führende Kirchenvertreter, dass die Priester nicht offiziell, sondern als Privatpersonen auf der Tribüne der Rechtsextremen aufgetreten sind. Zoltan Horvath fordert eine klare Stellungnahme: Die Kirchen erklärten, "dass sie an der Zeremonie, in der die Rechtsextremen gesegnet wurden, nicht als Körperschaft beteiligt waren. Heißt das, dass die auf der Tribüne erschienenen Priester von ihrer Kirchen völlig unabhängig agieren oder sogar als Priester verkleidete, tingelnde Laiendarsteller waren? Wir, in der zeremoniellen Ordnung unbewanderte Bürger, fragen uns: ist der Segen ohne die offiziellen Stempel der Kirchen gültig oder nicht?"
Stichwörter: Hvg

Magazinrundschau vom 21.08.2007 - HVG

Mit seiner eigenwilligen Kameraführung und seinen expressionistischen Bildkompositionen ist der ungarische Regisseur Miklos Jancso in den 1960er Jahren international bekannt geworden. Seit der Wende dreht er vor allem bitterböse Komödien. Über die Gegenwart könne man nur lachen, sagt Jancso im Gespräch mit Tamas Vajna. "Ich gebe zu: Blödsinn zu machen ist auch altersbedingt. In der Kindheit denkt man, man werde ewig leben und man nimmt sich selbst sehr ernst. Wenn das Ende des Lebens in sichtbare Nähe rückt, fragt man sich, was das Ganze eigentlich sollte." Filme seien inzwischen ein Teil der Alltagskultur geworden, fährt Jancso fort, Filmen eine elementare Kulturtechnik: "Die Filmsprache ist eine alltägliche Ausdrucksform geworden. Die Kamera ist heute so etwas wie früher ein Stift war. Es kam ganz genauso, wie Alexandre Astruc, ein Vertreter der französischen Nouvelle Vague, es prophezeit hat. Letztes Jahr fand in Kapolcs das erste Festival statt, auf dem nur mit Handys gedrehte Filme zu sehen waren."

Magazinrundschau vom 01.05.2007 - HVG

Russland verwandelt sich in eine Diktatur, befürchtet die Oppositionspolitikerin Irina Chakamada, Vize-Vorsitzende der Nationaldemokratischen Union Russlands im Interview mit Moskau-Korrespondent Andras Nemeth. "Offiziell gibt es zwar mehrere Parteien, aber es gibt zwischen ihnen keinen Wettbewerb, es ist immer klar, dass die Regierungspartei die Wahlen gewinnt. Wir leben unter ständiger Unterdrückung, das Regime duldet keine anderen Meinungen. Es gibt keine echte politische Alternativen, im Parlament sind keine politischen Plattformen präsent, oppositionelle Parteien dürfen nicht gegründet werden, also wir haben die russische Version Chinas etabliert." Aber die Russen, so Chakamada, "sind keine Chinesen, es gibt bei uns keine konfuzianistische Tradition. Wir sind Europäer, auch wenn das manchmal in Zweifel gezogen wird."
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Magazinrundschau vom 06.02.2007 - HVG

Korruption ist ein großes Problem der rumänischen Medien, lautet das Urteil von Cristian Tudor Popescu, Chefredakteur der rumänischen Tageszeitung Gandul und Vorsitzender des Rumänischen Presseklubs: "In der Provinz passiert es nicht selten, dass jemand die Redaktion besucht, Geld auf den Schreibtisch legt und einen bestimmten Artikel dafür verlangt. Oder umgekehrt: die Journalisten erpressen einen Unternehmer mit Beweismaterial und werden dafür bezahlt, es nicht zu veröffentlichen." Gleichzeitig seien Attacken der Politiker gegen die Medien an der Tagesordnung. Vor allem Präsident Basescu versuche, die Presse als unglaubwürdig darzustellen und dadurch seine eigene Popularität zu stärken. "Dan Voiculescu, Chef der an der Regierung beteiligten Konservativen Partei (PC) erklärte neulich den gesamten Berufstand der Journalisten zu den neuen Securitate-Spitzeln Rumäniens."
Stichwörter: Geld, Rumänien, Hvg, Spitzel, Schreibtische